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Laufberichte

Auf den Spuren des Maestro - Verdi Marathon von Salsomaggiore nach Busseto

 

Emilia-Romagna, wer verbindet mit diesem Namen nicht die Badestrände an der Adria beidseits von Rimini? Sommer, Sonne und süßes Nichtstun. Nun ist aber noch Winter und diese Zeit bietet sich natürlich auch für den Marathon-Sport an. Normalerweise versprechen gemäßigte Temperaturen im Westen der Region ein schönes Laufevent. Auf der Webseite des Verdi-  Marathons werden die Start- und Zieltemperaturen der letzten 20 Austragungen genau aufgeführt. So um die 10 Grad plus sind immer drin. Also brechen Judith und ich wieder einmal zu einem Laufwochenende in Italien auf. Dumm nur, dass uns dieses Jahr die sibirische Kälte erwischen wird und  wir statt wunderschönen Sonnen-Impressionen eher triste Schneebilder mit nach Hause bringen. Davon sollte sich aber niemand abschrecken lassen.

Zum 21. Mal findet traditionell am letzten Februar-Wochenende der Verdi-Marathon statt. Die  Veranstalter wollten mit diesem sportlichen Ereignis die Heimat des Komponisten Giuseppe Verdi (1813-1901) noch bekannter machen. Mehrere Gemeinden sind daran beteiligt: der Kurort Salsomaggiore mit seinen berühmten Thermen, wo der Lauf gestartet wird,  Fidenza, wo die Pilgerstraße Via Francigena verläuft, Fontanellato und Soragna mit den Schlössern der Sanvitale und Meli-Lupi, der Verdi-Geburtsort Roncole Verdi, wo auch der Schöpfer der Don Camillo- und Peppone-Romane, Giovannino Guareschi, begraben liegt, und schließlich der geschichtsträchtige Ort Busseto, wo sich das Ziel befindet.

Die Terre Verdiane liegen in der Provinz Parma in der Emilia, die Teil der Doppel-Region Emilia-Romagna ist. Leicht zu erreichen mit Auto, Hochgeschwindigkeitszug oder über einen der nahe gelegenen internationalen Flughäfen. Größter und zentraler Ort an der Via Emilia ist Fidenza. Von dort geht es in die Hügel des Apennins nach Salsomaggiore Terme, einem großen und wichtigen  Kurort, dessen stark natriumhaltige Quellen in der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden. Das Wasser steigt aus einem artesischen Brunnen in 800 bis 1200 m Tiefe hoch und hat eine Temperatur von 16° C.  Das 1923 fertiggestellte imposante Kurhaus wurde nach dem italienischen Arzt Lorenzo Berzieri benannt, der richtungsweisende Studien zur therapeutischen Wirkung von Thermalwasser durchführte. Eine weitere Therme, die Terme Giacomo Tommasini, wurde 1932 für das Proletariat eröffnet und fungiert heute als Hotel. Eine dritte heilende Quelle befindet sich in dem eingemeindeten Ortsteil Tabiano Bagni. Bekannte Sehenswürdigkeiten in Salsomaggiore sind außerdem die Festungen Tabiano und Scipione Castello, beide im 11. Jahrhundert erbaut und heute komfortable Hotelanlagen in Privatbesitz.

Günstigerweise quartiert man sich als Läufer in einem Hotel mit angeschlossenem Badebetrieb ein. Oder man nutzt den Verbilligungscoupon in der reich bestückten Startertüte zum Besuch eines Hotel-Spas. Auch ein Marken-Laufhemd, Säfte, Parmesan, Olivenöl und weitere Köstlichkeiten sind im Startpreis von 35 bis 50 € enthalten. Verkaufsstände gibt es bei der Startnummernabholung im Kongresszentrum nicht. Im Preis enthalten ist auch der Bustransfer von Fidenza zum Start und später von den Zielorten zurück. Auch gibt es Transfers für Zuschauer.

 

 
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Der Start für alle Wettbewerbe (10 km „Salso-Fidenza“, Halbmarathon, „Corsa del Principe“ über 30 km und Marathon) findet um 9:00 Uhr auf Salsomaggiores Hauptflanierstraße Viale Giacomo Matteoti statt. Die Toilettenhäuschen stehen in einer Seitenstraße am Parco Giuseppe Mazzini etwas versteckt, weshalb sich die Wartezeit in Grenzen hält. Es lohnt sich auf jeden Fall, die genauen Pläne im Internet zu studieren. Gedruckte Informationen gibt es keine. Kurz vor der Taschenabgabe entscheide ich mich für eine vierte textile Lage. Der Wind ist zu eisig. Auch wenn mir eine trockene Jacke im Ziel dann sicher fehlen wird.

Keine Minute zu früh stehen wir am Start und sofort geht es los. Einige Zuschauer feuern uns hier an. Relativ schnell sind wir in lockerer Bebauung und nach zwei Kilometern haben wir Salso, wie man hier zu Salsomaggiore sagt, schon hinter uns gelassen. In Erinnerung ist mir der miserable Zustand der Hauptstraße geblieben. So viele Schlaglöcher und Teerflecken habe ich selten gesehen. Der Blick auf die weißen Hügel links und rechts heitert ein wenig auf. Und schneebedeckte Palmen sieht man sonst nur im Fernsehen. Bei Kilometer 4,5 überqueren wir den Torrente Ghiara. Der Sturzbach muss wohl zuweilen heftig anschwellen. Die Verbauung im Flussbett fällt auf. Erstmals bei Kilometer sechs werden wir an Verdis berühmte Musik herangeführt. Hunderte Meter weit stehen Lautsprecher, aus denen die Arien aus „Aida“, „Rigoletto“ und „Nabucco“ erklingen.

 

 
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Bei Kilometer 8 erreichen wir die Altstadt von Fidenza, das heute 26.700 Einwohner zählt. Hier sind auch die ca. 130 Höhenmeter bergab zu Ende. Die Ansiedlung existierte schon zu keltischer Zeit. 41 v. Chr. verlieh ihr Kaiser Octavian das Stadtrecht. Vorbei am 1190 fertiggestellten Dom. Der Stadtheilige San Donnino fand dort seine letzte Ruhestätte. Zum christlichen Glauben übergetreten, musste er aus seiner Heimatstadt Trier fliehen, wurde in Fidenza aufgegriffen und im Jahr 296 enthauptet. Donnino schnappte sich seinen Kopf und floh über den Fluss Stirone. Nach seinem Tod wurden ihm Wunder im Zusammenhang mit Reisen und Verkehr zugeschrieben, was ihn zum Schutzpatron der Pilger prädestinierte. Und davon gibt es Fidenza viele, wahrscheinlich eher im Sommer. In einer Reisebeschreibung von 923, verfasst von einem Chronisten namens Sigerich der Ernste, wurde Fidenza als 36. Etappenort auf dem Weg von Rom nach Canterbury genannt. Die Via Francigena ist auch heute noch ein oft begangener Pilgerweg. Der sehr unchristlich anmutende Bodenbelag aus großen Kieselsteinen ist hier gottlob auf wenige Meter beschränkt.

 

 
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Am mittelalterlichen Tor vorbei geht es auf die Hauptstraße, Richtung Ziel des knapp 10 km langen Laufs „Salso-Fidenza“. Dieses liegt vor dem im gotisch-lombardischen Stil gehaltenen Palazzo Comunale. Bauten aus vielerlei Epochen gibt es zu sehen. Für uns geht es auf den Bahnhof zu und dann durch eine putzige einspurige Unterführung auf die andere Bahnseite. An einem Geschäft für „tende“ vorbei. Also Markisen gegen die Sonne – was bei diesen Wetterverhältnissen wie blanker Hohn erscheint. Auch dass der Hauptsponsor Sojasun etwas mit Sonne zu tun hat, schießt mir durch den allzu gut gekühlten Kopf. Aber halt. Wir kommen nun in die große Ebene und die könnte als Zentrum der Landwirtschaft im Moment sicher Sonne gebrauchen. Die Bassa (Niederung) macht ihrem Namen alle Ehre: 200 Kilometer vom Po-Delta entfernt bewegen wir uns hier auf Meereshöhe. Da ist verständlich, dass der Fiume Po immer wieder für verheerende Überschwemmungen sorgt.

Das Personal an der Verpflegungsstelle bei km 10 ist sichtlich überlastet. Eine Schlange hat sich vor der Teeausgabe gebildet. Judith und ich laufen durstig weiter. Ein kurzes Stück über einen schmalen Feldweg führt zu einigen Rangeleien. 1.500 Sportler sind ja noch auf der Piste. Die idyllische Brücke über ein Bächlein ist eisglatt. In Parola geht es über die Via Partigiani d'Italia weiter. Fast hätte ich vergessen, die wenigen Schlachtenbummler zu fotografieren. Die sind dick verpackt und guter Dinge.

Judith schickt mich weiter. Ich fühle mich fit und versuche die Vier-Stunden-Pacer einzuholen. Was folgt und folgen wird, sind unzählige Bauernhöfe, kleine Weiler und natürlich Felder, Felder, Felder. Wobei die Bauernhöfe hier ganz anders aussehen als zu Hause. Immer mal wieder über die bekannten Lautsprecherinstallationen musikalisch von stimmungsvollen Arien umweht. Eigentlich wollte ich jetzt flunkern, wen ich erkenne, also auf jeden Fall „Mario Lanza in einer Aufnahme aus dem Jahre 1957“. Aber Judith meint, das könnte zu Problemen mit der GEMA führen. Also mal ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Manche Arien erinnern mich an Spots aus  der heimischen Lebensmittelwerbung. „La donna è mobile“ aus „Rigoletto“, der Triumphmarsch aus „Aida“ und der Gefangenenchor aus „Nabucco“ sind mit einer gewissen Allgemeinbildung aber herauszuhören. Und aufgemerkt „Nessun Dorma“, also „Keiner soll pennen“, ist von Giacomo Puccini und hat hier nichts verloren.

Die barocke Kirchenanlage San Benedetto im kleinen Weiler Priorato weckt mein Interesse. Wer mag auf die Idee gekommen sein, hier so etwas hinzustellen? Immerhin geht die Anlage auf das Jahr 1013 zurück. Der zugehörige Hauptort Fontanellato liegt jenseits der Autobahn und der Hochgeschwindigkeitsbahn TAV, die hier eingehaust ist. Bleibt also nur die Autobahn als Lärmquelle. Übrigens befindet sich hier die einzige kleine Steigung des heutigen Laufs.

Fontanellato zählt über 7.000 Einwohner und bekam vom Touring Club Italiano den Titel „Stadt der Kunst und Kultur“ und „Cittaslow – Stadt des guten Lebens und des guten Essens“.

Für Läufer mit Kindern ist hier sicher das Labyrinth aus schnell wachsendem Bambus interessant. Franco Maria Ricci hat es nach dem Vorbild antiker römischer Mosaiken errichtet. Seit 2015 gibt es diese Anlage mit 3 Kilometern Irrwegen. Viele historische Gebäude verzeichnet das italienische Wikipedia. Die deutsche Version hält sich recht bedeckt. Sicher auch ein Zeichen dafür, dass diese Gegend für die deutschen Reisenden nicht von allergrößtem Interesse  ist. Für uns unübersehbar die Festung Sanvitale oder Castello di Fontanello aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Beeindruckend mit dem umgebenden Wassergraben. Hier trennen sich die 500 Halbmarathonis von uns und streben dem Ziel entgegen. Ich bin seit mehr als 2 Stunden unterwegs. Statistisch habe ich damit kaum Chancen, unter 4 Stunden zu bleiben.

 

 
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Eine Weile verfolge ich schon eine Läuferin mit dem T-Shirt des Ferrara Marathons. Die dortige Festung ist ja auch recht imposant. So wie es hier in der Bassa unzählige Festungen, Kirchen und Adelsgeschlechter gibt. Aber aktuell viel interessanter ist sicher dies: Der Karneval von Busseto kündigt auf einem großen Plakat die 137. Session an. Überall liegt Konfetti in den Straßen. Wie in vielen anderen Gegenden hält man sich hier beim Karneval an den Kalender und nicht an das Kirchenjahr.

Zurück in die Felder. Ich komme gut voran. Ein Läufer aus Deutschland spricht mich an. Markus ist  M4Y-Fan und absolviert auch gerne Läufe in Italien und vor allem in Holland, da er aus dem Ruhrgebiet kommt. Wir tauschen uns über Marathons in Italien aus, beide haben wir schon rund 30 Veranstaltungen im „bel paese“ hinter uns. Mein Tipp bleibt weiterhin Venedig. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum dieser Lauf in der Gunst der internationalen Starter nicht ganz vorne liegt. Aber was noch? Im Moment habe ich eine Denkblockade. Mailand gefällt mir ganz gut. Neapel war super. Mugello mit der Rennstrecke. Oder die vielen Läufe am Meer. Wie so oft hängen Empfehlungen von den persönlichen Präferenzen ab. Einfach die vielen Berichte auf M4Y durchlesen und dann entscheiden. Allein hier in der Ebene des großen Flusses fallen mir über zehn Marathons ein. Auch in Parma, keine 20 km entfernt, wartet noch ein Lauf auf meine Teilnahme.

Durch einen Linksknick können wir nun auch die entfernten schneebedeckten Ausläufer des Apennins sehen. Schön. Der Ostwind aus Sibirien treibt mich vor sich her. Ein spannender Lauf.

Das nächste Highlight steht bei ca. km 30 auf dem Programm. Es geht nach Soragna, eine Gemeinde mit 4.800 Einwohnern, von einem Langobarden mit dem Namen Liutprad 712 erstmalig erwähnt. Am Hauptplatz das Ziel der „Corsa del Principe“ („Lauf des Fürsten“).  Die Kilometerangaben entsprechen der Ausschreibung. Eine neoklassizistische Synagoge gibt es in Soragna für Nichtläufer zu bewundern. Am Schloss des italienischen Fürstengeschlechts Meli-Lupi entlang. Eine Dame versucht mit einer Sonntagstorte den Laufweg zu kreuzen. Appetit hätte ich schon.

Die Adelsfamilie Lupi (Wölfe) hatte hier seit 1198 das Sagen. Als die direkte Linie vor dem Aussterben stand, vererbte der letzte Lupi die Herrschaft an ein Mitglied der Familie Meli, weshalb man seitdem einen Doppelnamen führt. Die Burg in Soragna befindet sich im Besitz des Don Diofebo VI. Meli-Lupi, Principe di Soragna. Und ebendieser lädt uns zu einer Besichtigung ein:
Durch den inneren Hof geht es über roten Teppich auf einen kurzen Abstecher durch ein Gemach, bevor wir über wenige Treppenstufen wieder ins Freie geleitet werden. Echt cool, muss man da sagen. Ein Erlebnis, wie wir es sonst nur vom Schloss in Mannheim kennen.

Die „Corsa del Principe“-Läufer beenden ihre Schleife durch die Burg, für uns Marathonis geht es weiter. Am VP 30 erst mal was essen: Bananen, Orangen und Biscotti gibt es. Wasser, Sali (Iso) und warmen Tee. Schon bald hatte ich festgestellt, dass bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine Mischung aus Sali und warmem Tee am bekömmlichsten ist. Toilettenhäuschen gibt es gelegentlich, so auch hier.

 

 
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Weiter durch die Felder. Wer meint, in Deutschland gäbe es die meisten Straßen, der war noch nie in der Po-Ebene. Unendlich viele Helfer sichern die vielen kleinen Kreuzungen. Trotzdem wird man gelegentlich von Autos belästigt. Auf so einem schmalen Sträßchen ist das manchmal sehr störend. Zumal man nie weiß, wann einen die nächste Böe um einen Meter versetzt. Trotz allem bleibt es unterhaltsam. 600 Sportler sind unterwegs, so dass man immer andere Läufer im Blick behält. Ist ja auch nicht schwer auf dem tellerflachen Land. Einige große Hunde kann man in eingezäunten Gärten sehen. Die zweibeinigen Besitzer glänzen durch Abwesenheit.

Der Wind treibt Klangwolken aus weiter Ferne an unsere gut verpackten Ohren. Der Gefangenenchor aus Nabucco begrüßt uns am Eingang zum kleinen Weiler Roncole Verdi bei km 35. Wir laufen direkt am Haus vorbei, in dem Giuseppe Verdi am 9. oder 10. Oktober 1813 geboren wurde.

Auch ein anderer bekannter Italiener hat hier ab 1952 gelebt und wurde nach seinem Tod 1968 hier begraben: Giovannino Guareschi, der Satiriker und Schriftsteller, der mit Don Camillo und Peppone zwei unvergessliche Helden der Bassa beschrieben hat. Die Älteren werden sich natürlich an die Filme mit Fernandel und Gino Cervi erinnern, die auch heute noch gelegentlich im TV wiederholt werden. Lange habe ich als junger Mensch in Bibliotheken Karten und Reiseführer gewälzt, bis ich den Ort Brescello ein gutes Stück weiter östlich als Drehort der Filme lokalisiert habe. Dort gibt es auch ein nettes kleines Museum zu den Filmaufnahmen. Heutzutage kann man sich dank Internet in Sekundenschnelle informieren. Die Menschen hier waren mit der Wahl von Brescello gar nicht zufrieden. Natürlich hatte Guareschi das Leben der Menschen in Roncole Verdi beschrieben. Und deshalb gibt es auch in Roncole ein „Haus des Volkes“ („Casa del Popolo“) sowie ein kleines Museum. So können Besucher alles über Verdi und Guareschi erfahren und sich am Souvenir-Shop mit Erinnerungsstücken eindecken. Guareschi hat übrigens auch das Leben seiner Familie (z.B. „Mein häuslicher Zirkus“) humorvoll beschrieben. Die Lektüre lohnt sich.

Noch sechs Kilometer. Ich konnte bisher meine Geschwindigkeit beibehalten, aber eine Minute ist noch aufzuholen. Jetzt heißt es dran bleiben. Fotos von den Feldern habe ich schon im Kasten. Dummerweise hatte ich die zwei Kilometer Richtung Osten nicht auf der Rechnung. Hier herrscht starker seitlicher Gegenwind. Das kann doch nicht wahr sein. Links in der Ferne sehe ich Läufer, spätestens dort sollte der Rückenwind für Tempo sorgen. Nicht aufgeben. Am Abzweig danke ich noch mal den Helfern, die hier stundenlang im eiskalten Wind ausharren. Nicht zu vergessen die vielen Betreuer an den vom Leichtathletikverband FIDAL vorgeschriebenen, heute aber unnütz erscheinenden Schwammstellen. Vielleicht waren die Schwämme angewärmt. Ich hätte mal fragen sollen. Linkskurve. Ich sehe einen Kirchturm. Dort ist sicher das Ziel. Rückenwind. Der soll bitte, bitte nicht aufhören. Immer noch habe ich 40 Sekunden gutzumachen. Km 40, das wird klappen.

 

 
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Busseto, Heimat von Giuseppe Verdi. An seiner Villa kommen wir nicht vorbei, aber er hatte wohl auch in diesem Städtchen ein Haus. Busseto wurde 768 erstmals erwähnt. So ab km 42 kommen wir zu einem Altstadtviertel mit vielen schmalen Gassen. Für uns geht es auf der breiten Via Roma weiter. Einige Anwohner feuern mich an. Immer wieder spannend, wie lang einem 200 Meter erscheinen können. Erst kurz vor dem Ziel öffnet sich der Blick auf die Piazza Giuseppe Verdi mit der mächtigen Pallavicino-Burg vor uns, davor eine Statue des Maestro. Interessiert verfolgt er meinen Zieleinlauf nach 3:59:23. Was hier passiert ist, kann ich nicht ganz fassen. Bei meinem 126. Marathon ist mir das erste Mal ein negativer Split gelungen. Ich frage mich, ob San Donnino nicht auch ein Herz für Langstreckenläufer hat?

Mit einer warmen Schokolade gehe ich den Läufern entgegen. Judith muss jetzt auch bald kommen und ich kann in Ruhe noch einige Fotos schießen. Judith wird heute 3. der Altersklasse und kann mit einem großen Paket voller Lebensmittel die Heimreise antreten.

In der Burg wartet ein großer beheizter Saal auf uns. Vor dem Palazzo gibt es die Zielverpflegung, samt Pasta-Party. Bier muss man wohl kaufen, aber warmer Tee schmeckt heute doch besser.

Um den Bogen zu unserem Startort zu schließen, sei noch der Heilige Roland von Salsomaggiore erwähnt. Er ist hier in der Kirche San Bartolomeo di Busseto beigesetzt.

Mit einem historischen orangefarbenen Linienbus aus dem letzten Jahrtausend geht es zurück zu unserem Quartier in Fidenza. Alle 15 Minuten wird ein solcher Transfer angeboten. Was nun fehlt, ist eine Thermenanlage mit weitläufigen Schwimmbecken, ähnlich wie in Bad Füssing. Aber ich glaube, in Italien sind mit „Terme“ eher Anlagen für Wellness-Behandlungen wie Massagen und Fango-Bäder gemeint. Das muss ich noch herausbekommen.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage meiner Kollegen, wo die Tiere für den Parmaschinken gezüchtet werden und wo die Milch für den Parmesankäse herkommt.

Wie schrieb Giovannino Guareschi über die Bassa: Im Sommer zermürbt die Hitze die Menschen und im Winter macht der Nebel sie depressiv. Trotz allem ist das Wetter im statistischen Durchschnitt viel besser als in Deutschland an einem vierten Februarwochenende.

 

 

Fazit:

Der Verdi-Marathon ist ein Landschaftslauf, der durch verschiedene Gemeinden mit vielen schönen Baudenkmälern führt. Durch seine häufige Beschallung mit Ausschnitten aus Verdis Opern ist er ein Muss für jeden musikbegeisterten Läufer und ein Vorbild für andere Veranstaltungen. Die Helfer konnten bei extrem widrigen Wetterbedingungen zeigen, mit wie viel Herzblut sie bei der Sache sind. Zuschauer sind sicher auch bei schönem Wetter Mangelware. Das Preis-/ Leistungsverhältnis ist sehr gut.

 

Finisher:

Marathon: 535
ca. 30k: 497
Halbmarathon: 553
ca. 9k: 134

 

 

Marathonsieger

Männer

1.    BAMAAROUF, TARIQ      2:31:49 MAR
2.    VELATTA, STEFANO      2:38:54 ITA
3.    SCARABELLI, DAVIDE     2:44:28 ITA

 

Frauen

1.    GARDELLI, ELEONORA    3:11:15 ITA
2.    REBUZZI, MANUELA    3:12:48 ITA
3.    VITTORIO, ELENA DI    3:18:17 ITA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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