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Laufberichte

Laufausflug ins Mittelalter

 

 

Altstadt zum Zweiten

 

Schon von Weitem grüßt das Ostentor. Exakt 16 km liegen hinter uns, als wir den spitzbogigen Torzugang durchlaufen und entlang der Ostenstraße wieder ins Herz der historischen Altstadt vordringen, allerdings auf einem ganz anderen Kurs als auf dem Hinweg.

Ab km 16,5 der Traundorfer Straße folgend laufen wir direkt entlang der Donau, doch gestatten die Bäume kaum einen Blick auf den Fluss. Sie verdecken auch den Blick auf das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt: Die Steinerne Brücke. Sie ist immerhin die älteste erhaltene Brücke Deutschlands, ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und Vorbild für viele andere Brücken, darunter so berühmte wie die Karlsbrücke in Prag. In 16 flachen Bögen überspannt sie die beiden Donauarme zwischen Altstadt nach Stadtamhof, und das schon seit bald 900 Jahren. Besonders ist auch ihr Verlauf: So überspannt sie die Donau nicht etwa in einer Geraden, sondern leicht kurvig dem Strömungsverlauf und den Untergrundverhältnissen folgend. Selbst bei mehr „Durchblick“ wäre der Anblick aber wenig erhebend gewesen. Große Gerüste und Planen beherrschen aktuell die Optik.

Das gilt zum Glück nicht für die weiteren Sightseeing-Hot-Spots, die jetzt wieder im Stakkato auf dem vielleicht schönsten Streckenstück folgen. Los geht es mit der Historischen Wurstkuchl, gleich an der Steinernen Brücke gelegen. Seit 850 Jahren in Familienbesitz genießt sie den Ruf der  ältesten Wurstbraterei der Welt, wobei die Bratwurst wohl erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts verkauft wurde. Zumindest aber könnte sich die einstige „Garküche auf dem Kranchen“ auch als weltweit ältestes Fastfood-Lokal einstufen – das dürfte vor allem die rekordverliebten Amerikaner beeindrucken. Das markante Riesengebäude daneben ist der einstige Salzstadel, seit dem 17. Jahrhundert Lagerstätte des „weißen Goldes“, das von Donauschiffen angeliefert und mit Kränen eingelagert wurde.

Auch wenn die Steinerne Brücke nur fragmentarisch zu bewundern ist, so haben wir zumindest einen schönen Blick auf den Brückturm am Südaufgang zur Brücke. Er ist als einziger von drei Wehrtürmen erhalten. Einst war er in die mittelalterliche Stadtbefestigung integriert und kontrollierte den Zugang zur Altstadt. Vor dem Turm verlassen wir das Donauufer und dringen über die Gassen zu den zentralen Plätzen der Altstadt vor.

Gleich zu Beginn fällt der Blick auf ein riesiges Wandgemälde. David gegen Goliath zeigt es und daher ist es kein Zufall, dass das herrschaftliche, zinnengekrönte Patrizierhaus, auf dem es prangt, als Goliathhaus bekannt ist. Schon durch die Farbgebung seiner Fassade, ein tiefes Ocker, fällt das Alte Rathaus ins Auge. Als Fotomotiv besonders beliebt ist der dazu kontrastierende gotische Erker des Reichssaalbaus. Der Oberbürgermeister hat hier seinen feudalen Sitz. Wie viele der umliegenden Gebäude hat auch das Rathaus seinen Ursprung im 13. Jahrhundert.

Mit dem Haidplatz ein paar Schritte weiter erreichen wir den zentralen und wohl auch schönsten Platz in der Regensburger Altstadt. Im Mittelalter war er Austragungsort von Ritterturnieren, was man sich angesichts der fantastischen Kulisse auch gut vorstellen kann. Beherrscht wird der Platz von der turm- und zinnengekrönten Patrizierburg Zum Goldenen Kreuz. Wie schon in den Gassen, die wir durchlaufen, ist auch hier zuschauermäßig richtig viel los. Jenseits der Absperrgitter harrend oder in einem der Cafes sitzend begleitet uns das Publikum mit Beifall und Anfeuerungsrufen auf unserem Weg. Das einzig bedauerliche: Viel zu schnell ziehen die Stimmungen und Eindrücke vorüber. Aber nun ja: Stehenbleiben ist auch keine wirkliche Option.  Aber zumindest weiß man, wohin man als Ortsfremder nach vollbrachter läuferischen Großtat unbedingt wieder zurückkehren sollte.

Und so pittoreks geht es auch weiter. Der Arnulfplatz ist das nächste mittelalterliche Kleinod entlang der Wegstrecke. Auffallend sind die vielen Zinnengiebel. Via Weißgerbergraben schwenken wir erneut ab gen Donau, bis zum Eisernen Steg, einer geschraubten Fachwerkkonstruktion aus Stahl, über die allein Fußgänger die Donau überqueren können. Das tun wir allerdings nicht, sondern haben, der Holzländestraße folgend, nun endlich freien Blick auf den träge dahin ziehenden Fluss. Passend dazu ist der Trubel der Altstadt auf einmal wieder ganz weit weg.

Kurz hinter km 18 verlassen wir beim Herzogpark die Altstadtregion und neben den akustischen entfallen nun auch die optischen Reize. Vorstadt ist angesagt, keineswegs hässlich, sicher angenehm als Wohnumfeld, aber aus Läufersicht auch nicht wirklich prickelnd. Es sei denn, man wagt den Lauf durch eine Wasserfontäne, die ein geöffneter Hydrant zur Abkühlung quer über die Straße ergießt. Cool down ist für die Marathon-, Endspurt für die Halbmarathonläufer angesagt.

In einem weiten Bogen ziehen wir schließlich am Rande der Grünanlagen des Donauparks entlang und nähern uns dem Ausgangspunkt unserer Laufreise. Diesen hört man eher als dass man ihn sieht. Ein großes Schild markiert die Weiche. Rechts ins Halbmarathonziel, links in die „do it again“-Runde. Rechts: Zuschauertrauben, Beifall, Cheerleader-Mädels, das Zielbanner, naher Triumph, nahe Entspannung, kühles Bier …... Und links: Da ist nur die Einsamkeit. 

 

Only the lonely

 

Da von jeweils vier gestarteten Läufern drei nach 21,1 km im Ziel „einchecken“, kann man sich ganz gut vorstellen, dass es schlagartig leer wird auf dem Streckenkurs. Besonders bewusst wird einem das gleich auf dem ersten Streckenstück durch die westliche Vorstadt. Aber als Marathonläufer sollte einen das nicht schrecken. Und überhaupt: Das wird mit zunehmender Strecke durchaus noch ärger.

Aber zunächst freue ich mich, nach 23,5 km wieder das Jakobstor zu queren und, vom Läuferpulk nun weniger abgelenkt, ein paar mehr und intensivere Blicke auf das zu werfen, was an mir - nun schon etwas langsamer - vorüber zieht. Und tatsächlich gibt es auf den zweiten Blick fast so viel zu entdecken wir auf den ersten. Das gilt auch für die Verpflegungsstationen, denen ich jetzt deutlich mehr Aufmerksamkeit schenke und mich gerne alle etwa 3,5 km aus dem Angebot – Wasser, Isogetränk, Cola, Bananen und Energieriegel – bediene bzw. von freundlichen, hilfsbereiten Geistern bedienen lasse.

Zur echten Herausforderung werden die Kilometer jenseits des Ostentores. Deutlich fitter als ich wirken die Musikanten, die weiterhin unverdrossen und munter das Läuferrinnsal motivieren. Vor allem die „Hochgeschwindigkeitsrunde“ der Conti-Systemprüfstrecke bei km 32 bis 33 eignet sich dafür, meditatives Laufen unter Ausschaltung des Bewusstseins zu üben, wenn meine Beine versuchen mir zunehmend zu vermitteln, dass sie eigentlich keine rechte Lust mehr haben. Aber wie das so ist: Sie laufen dann doch weiter und weiter …. Kurz darauf wird für mich der Alptraum jedes Marathonfotografen wahr. Während ich kurz zum Foto stoppe, rumpelt ein Mitläufer gegen meinen Arm. Hoch fliegt der Apparat durch die Luft. Ich versuche ihn noch zu fangen, stelle mich aber dabei so ungeschickt an, dass er ungebremst gen Asphalt kracht. Ich denke nur: Das war`s dann wohl. Ein banger Cross-Check bringt Gewissheit – und Erleichterung. Bleibend wird wohl nur die Schrammen. Lumix sei Dank! 

Mental ein echtes Aha-Erlebnis vermitteln die km 37 bis 39 durch die Altstadt. Ein herzlicher Empfang wird den einsamen Ankömmlingen bereitet. Der auf der Startnummer aufgeführte  Vorname motiviert nicht wenige Zuschauer zu höchstpersönlicher Anfeuerung. Und wer geistig und physisch noch nicht ganz abgedriftet ist, wird eingestehen: Das wirkt. Und so kann ich diese Kilometer trotz Kräfteschwunds durchaus in die Kategorie „Laufgenuss“ einordnen.

Während ich so dahin trabe, wird es noch einmal hektisch auf der Strecke. Gehupe von hinten scheucht mich zur Seite, Radler und Motorräder rauschen vorbei. Und gleich darauf folgt ein läuferischer Wirbelwind. Der Führende des erst um 11:30 Uhr gestarteten Viertelmarathons (10,5 km) hat mich überholt. Und so langsam werden es mehr und mehr, die zum mittleren und hinteren Marathonfeld aufschließen. Ein gutes Konzept, wie ich meine, da es letztlich niemand behindert und die Strecke lebendig hält. Der Kurs der Viertelmarathonis folgt dem der anderen Distanzen, nur ist der Wendepunkt schon am Ostentor. Und wenn ich es mir recht überlege, wäre selbst für mich als passionierten Einrundenläufer ein Vierrundenlauf auf diesem Kurs in Regensburg eine interessante Alternative.

 

 

Zielgenüsse

 

Wer es erst einmal bis km 39 geschafft hat, der packt auch noch den Rest. Aber ein wahrlich befreiendes Gefühl ist es dann doch, endlich in den Zielkanal einbiegen, winkend seinen Emotionen Lauf zu lassen und sich ein letztes Mal vom Piepen der Zeitmatten bestätigen lassen,  als Finisher in die Annalen des Regensburg Marathons einzugehen. 

Zum Glück des Finishs gesellt sich in Regensburg zudem das Glück des After-Finishs. Damit meine ich nicht etwa die leckersüßen Wassermelonen und auch nicht das frisch-kühle Weißbier, das es gleich nach dem Zieleinlauf zur Wiederbelebung der Lebensgeister für die Läufer gibt. Sondern auch und vor allem die Fiesta, die über Stunden im Zielgelände abläuft. Proppenvoll sind die Bänke, es wird gegessen, getrunken und gefeiert. Wer will, kann seinen (kostenlosen) Pasta-Bon auch nach dem Zieleinlauf einlösen. Und das tun viele. Vom Kuchenzelt bis zur Würstel- und Steakbraterei und noch vieles andere ist da, um ein rauschendes Fest zum Ausklang dieses schönen Laufevents zu gestalten. Und als Finisher genießt man das umso mehr. 

 

Siegerliste Marathon

 

Männer

1 Miereczko, Maciek (POL)  VFB-ERftstadt -Rhein Erft... 02:30:53
2 Mayerhöfer, Felix (GER)  DJK Dasswang 02:36:23
3 Ewender, Matthias (GER) LG Region Landshut 02:38:23

Frauen

1 Volkert, Heike (GER) LAV Stadtwerke Tübingen 02:52:55
2 Mitkina, Tatiana (RUS) triathlon tsv altenmarkt 03:01:08
3 Brandl, Sonja (GER) DJK Laufwölfe Fürsteneck 03:12:18

517 Finisher

 

12
 
 

Informationen: Regensburg Marathon
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