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Laufberichte

Saisonabschluss in Pisa

16.12.12

Nächste Abwechslung beim Erreichen der Meeresstraße in Tirrenia nach km 18: Wir laufen nach links und finden uns auf einer Begegnungsstrecke wieder. Mal sehen, wer da alles schneller ist. Links in den Pinien liegen Ferienhäuser, rechts die Bagni und Lidi (Badeanstalten) mit einem Pinien-Park vor dem Sandstrand. Auch für die Militärs und Carabinieri ist hier ein  Strandabschnitt reserviert. Keine Betonklötze, wahrscheinlich auch im Sommer sehr schön. Kurz nach dem Halbmarathon die Wendestelle, hier sind wir schon recht nah bei Livorno. Dann wieder die kleine Blaskapelle, die wir schon einmal passiert haben und die sich durch eher geringe Musikalität auszeichnet. Zumindest zeigt sich aber jetzt, dass ihr Repertoire nicht nur aus „Guantanamera“ besteht. Ich freue mich, dass nach über 21 km am Streckenrand endlich einmal so etwas wie Stimmung aufkommt. Mache ein Gruppenbild mit Läufer (also mir)  a la Joe Kelbel.

Ich fühle mich super und beschließe, ein bisschen Gas zu geben. Judith holt mich ja sowieso wieder ein, wenn ich einmal mehr feststelle, dass ein Marathon länger als 35 km ist...

Ich bilde mir ein, es gehe leicht bergauf, aber das kann nicht sein. Einen Kilometer lang versucht ein Läufer, mit mir Schritt zu halten, dann fällt er zurück. Kurz vor Marina di Pisa habe ich die Vier- Stunden-Pacer wieder eingeholt, gerade als einer von ihnen aufgeben muss.

Hier sehen wir endlich das Meer. Die Häuser stehen direkt an der Küstenstraße. Ich bin  glücklich, dass ich es dieses Jahr noch mal ans Meer geschafft habe. Dieses Licht und die weiche Luft. Ganz anders als zu Hause. Auf der rechten Seite ein kleiner Flohmarkt und das Lokal, in dem ich mit Judith kurz nach unserem Kennenlernen im Italienisch-Kurs vor fast 20 Jahren zu Abend gegessen haben. Hier gibt’s auch einige Zuschauer, die uns anfeuern. Kurz vor der Arno-Mündung biegen wir rechts ab. Die Straße wirkt in der Wintersonne recht trostlos, wahrscheinlich weil es  keine Bäume gibt?

Vor einer Bar sitzen einige Männer und rauchen. Ich rufe ihnen zu, sie sollen Stimmung machen, da fällt mir das Plakat über ihren Köpfen auf: „Marathon no grazie“ (nein Danke) steht da. Trotzdem jubeln sie mir zu.

Am Ende von Marina di Pisa überhole ich noch einen etwas flügellahmen „Batman“. Unnötig zu erwähnen, dass auch viele Läufer im Nikolauskostüm unterwegs sind. Jetzt geht es10 km am Arno entlang Richtung Pisa. Den Fluss sieht man nicht. Lediglich viele Segelboote und Jachten. Die Straße ist nur einseitig gesperrt, der Gegenverkehr hält sich aber in Grenzen.

Ich hatte mich hier auf eine wunderschöne Pinienallee gefreut, die ich von früher kenne. Das muss wohl doch eine andere Straße gewesen sein. Jetzt haben wir 30 km hinter uns und dieser Abschnitt macht abgekämpften Läufern nicht wirklich Mut. Hinter einer Radaranlage kommt eine scharfe Linkskurve und ich glaube, ich bin noch nie so eine überhöhte Linkskurve gelaufen.

Ein kleiner ganz persönlicher Einschub: Bei Kilometer 36 überkommt mich ein Gefühl, das man sonst erst im Ziel erlebt. Ich bin total gerührt und muss ein paar Freudentränen zerdrücken. Nachdem ich bei den letzten Läufen immer ziemlich heftig den Hammermann erfahren habe, kann ich heute in der zweiten Hälfte das Tempo verschärfen. Eine Zeit unter vier Stunden ist mir sicher - nach einer Woche mit Zahn- und Kopfschmerzen, Husten, Arbeitsstress und Training in Dunkelnheit und Schnee…. Und dann dieser unerwartet schnelle Lauf. Kann das ein Zeichen für die Existenz Gottes sein? Wahnsinn, was einem so durch den Kopf geht: Ich liebe das Laufen und hoffe, dass ich noch lange gesund bleibe - und ich wünsche jedem Läufer, dass er wenigstens einmal in seinem Leben einen Marathon schafft.


Endspurt

Wir kommen zur Einmündung der Halbmarathonstrecke. Ich sehe den Stuttgarter Läufer wieder. Seine Frau ist auch dabei. Ich muntere ihn auf, weiter zu laufen, eine Zeit unter vier Stunden ist auch für ihn noch drin.

Nächstes „Highlight“ ist eine Kreuzung mit vielen Polizisten und Autos, die durchgeschleust werden. Bei km 39,5 dann endlich Pisa und wieder mehr Abwechslung. Wir sind wieder an der ersten Verpflegungstelle angelangt. Noch einmal über den Arno, ein Stück auf der Uferstraße vom Anfang und dann nach Norden. Ein kleiner Schlenker um einen Häuserblock,  dann kann man über den Bäumen des ältesten Botanischen Gartens der Welt den Schiefen Turm sehen. Vor uns der Dom. Ein vor kurzem von mir überholter Läufer in 80er-Jahre-Kleidung zeigt mir, was ein Sprint ist.

Wir laufen auf die Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder) ein. Ein absolut bemerkenswertes Ensemble, errichtet im 11. bis 12. Jahrhundert  in einem damals neuartigen Stil, der prägend für viele Kirchen in der Toskana wurde. Mit einem Glockenturm aus Carrara-Marmor, so anders als alles, was bis dahin gebaut worden war. Was mögen damals die Bürgerinitiativen dazu gesagt haben? Wenn doch nur jemand daran gedacht hätte, dass auf sandigem Untergrund ein flaches Fundament nicht reicht! Der Turm sackte schon während des Baus weg. Nach einer kreativen Pause wurde dann einfach senkrecht weiter nach oben gebaut. Das hielt über Jahrhunderte.

Irgendwann Ende der 1990er-Jahre kam dann die Sperrung für Besucher – rein statisch sollte ein Überhang von über vier Metern nicht möglich sein. Es folgten viele Diskussionen von Fachleuten - das können Italiener genauso gut wie wir Deutsche. Dann die Idee: Boden vereisen – mit dem Ergebnis, dass sich der Turm noch mehr neigte. Auch Bleigewichte richteten nichts aus, bis jemand sich auf einen Vorschlag von 1968 besann, der darin bestand, einfach auf der Gegenseite etwas Sand unter dem Turm zu entfernen. Und siehe da, der Turm richtete sich wieder auf und hat heute nur noch 3,9 Meter Überhang.

Alles wieder gut, einem Besuch und dem Erklimmen der 200 Stufen steht nichts mehr im Weg, sofern man gut zu Fuß ist und 15 Euro erübrigen kann. Dom, Baptisterium und der Friedhof Camposanto sind natürlich auch einen Besuch wert. Von all dem bemerkt man auf den letzten 200 Marathon-Metern aber wenig. Der Turm liegt hinter einem und bringt den Fotografen unvergessliche Bilder.

Im Ziel gibt es nach 3:56 Stunden eine schöne Medaille. Der deutsche Mitläufer bleibt auch unter vier Stunden. Ich begrüße die beiden verbliebenen Pacemaker ohne Anhang. Sie können sich nicht an mich erinnern -  obwohl ich doch das auffällig orangefarbene Marathon4you-Hemd trage. Kurz danach kommt Judith ins Ziel, leicht verärgert, weil sie im Schlusssprint noch überholt wurde – was soll's.

Fazit: Pisa ist ein schneller Marathon. Die Hälfte der Teilnehmer kommt unter 3:45 Stunden ins Ziel, das 6:30 Stunden lang geöffnet ist.

Gute Verpflegung mit Pastaparty nach dem Lauf. In Italien wird zurzeit in den Laufzeitschriften diskutiert, ob die Pastaparty vor oder nach dem Lauf stattfinden soll.

Ein Händler aus Afrika holt sich auch einen kostenlosen Teller Nudeln und beglückwünscht Judith und mich auf Deutsch. Er möchte uns auf gar keinen Fall etwas verkaufen, aber Judith ein kleines Geschenk in Form eines Armreifs geben. Ich kann ihm leider kein Gegengeschenk machen. Er ist überrascht, ich bin doch ein reicher Tourist. Ich erkläre ihm also, dass man bei einem Marathon normalerweise kein Geld mitnimmt. Da muss Judith das „Geschenk“ wieder abgeben und der Händler genehmigt sich erst mal einen warmen Tee bei der Verpflegungsstelle.

Ja, die spinnen, die Marathonis, mag er sich wohl denken.

Am Abend sitzen wir bei einem Bierchen im Freien (!) und kommen mit einem Schweden ins Gespräch, den wir aus unserem Hotel kennen. Es ist David Nilsson, der zwar von üblen  Magenproblemen während des Laufs berichtet, aber in einer Zeit von 2:21:03 immerhin den vierten Platz im Gesamtfeld belegt. Für mich wäre das Fahrradtempo. Mal sehen, wie es mit seiner sportlichen Karriere weitergeht.

Am Montag noch mal Sightseeing. Um 10:00 ein wolkenbruchartiges Gewitter mit Hagel. Gut, dass das nicht am Vortag passiert ist.

Der Lauf in Kürze:

10 km Stadtlauf, 5 km am Meer, der Rest auf Landstraßen in schöner Natur, nur von km 30-39 recht langweilig. Relativ flach, beeindruckendes Ziel. Gut organisiert. Alle 5 km sehr gut sortierte Verpflegungsstellen (mehrere Obstsorten, Kekse, Zucker, Salz, Getränke (kein Bier)) – ebenso WC-Häuschen, dazwischen Schwämme, Laufhemd und Halstuch. Auch Halbmarathon, 2, 4, 15 km Familiy Run in der Stadt. Sehr wenig applaudierende Zuschauer, zweimal Musik, Italienisches Winterwetter (2010 Absage wegen Schnee), diesmal fantastisch, fast zu warm, verbilligtes Essen im Lokal. Für Marathonbesessene als Saisonabschluss unbedingt zu empfehlen

Ergebnisse:

Marathon

Männer

LOKWATOM JASON EKITELA KEN 02:19:44
GRANO GIOVANNI  ITA 02:20:44
BII PETER   KEN 02:20:55
NILSSON DAVID   SWE 02:21:03

Frauen

DARDINI CLAUDIA  ITA 02:43:10
WANGOI NJOKI JOSEPHINE ITA 02:43:48
CASARO ELENA  ITA 02:47:38
GIARDA LORETTA  ITA 02:54:31

12
 
 

Informationen: Pisa Marathon
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