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Laufberichte

Winterkampf tief im Westen

10.01.10

Der Mittelteil ist von Runde zu Runde besser zu belaufen, das Streusalz beginnt zu wirken. Einige Fahrzeuge kommen uns entgegen, denn die Strecke ist nicht verkehrsfrei. Diese, bzw. deren Fahrer, verhalten sich aber vorbildlich rücksichtsvoll, so stören sie kaum. Der Kevelaerer Stadtteil Winnekendonk wird im Mittelteil gestreift, am Ortsende steht die zweite Fangruppe und macht, glühweinunterstützt, jede Menge Alarm. Kurz vor dem Rundenende mit der Zeitmessung steht auf einer LKW-Ladefläche der Moderator, sagt im Laufe des Rennens vermutlich über Jeden etwas; das ist für die Zuschauer unterhaltend und für die Athleten nett. So, der Herr Bernath ist also irgendwann schon mal 3:27 Std. gelaufen – hach, war das schön! Für die zweite Runde benötige ich 34:18 min.

Einen Riesenfehler habe ich am Morgen begangen: zu viel Kaffee getrunken. Gepaart mit der Kälte treibt’s mich alle halblang ins Gebüsch. Beim vierten (!) und letzten Mal höre ich einen stänkern: „Den da von marathon4you.de sehe ich nur beim Strullen!“. Na ja, wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Recht hat er ja. Leider. Die dritte Runde, auf der mich der Führende bereits überrundet, absolviere ich in 33:47 min. Das ist doch eigentlich schön gleichmäßig und einigermaßen zügig. Und das trotz der teilweisen Rutscherei. Bewundernswert ist der Einsatz der vielen Helfer, die mit Schneeschaufeln bewaffnet während des gesamten Rennens versuchen, den ersten/letzten Abschnitt einigermaßen belaufbar zu machen und zu halten.

Auf der vierten Runde betrete ich Neuland. In Erwartung harter innerer und äußerer Gefechte habe ich erstmals meinen iPod für den Notfall dabei. Der tritt zwar nicht ein, aber nach der Hälfte wird es doch zunehmend ruhiger unter den Läufern. Das Feld ist weit auseinandergezogen und die Anstrengung ist den meisten in den Gesichtern abzulesen. Es wird kaum noch gesprochen. Ich schalte die Mucke ein und genieße das mitgeführte Schwermetall. Zwei weitere Runden in 33:34 und 32:59 min sind die Folge; wie immer muß ich in den 30er km etwas beißen. Reichlich affig finde ich das Verhalten eines Läufers, der entgegen unserer Laufrichtung mehrere flotte Trainingsrunden dreht. So, wie der läuft, schafft der den Marathon auch. Warum macht er dann nicht mit?

Lugte zwischendurch mal kurz die Sonne schüchtern heraus, schneit es wieder leicht und es beginnt durch die nasse Mütze und ebensolche Handschuhe im kalten Wind schattig zu werden. Ich erinnere mich an Tom Ockers’ Buch über den Sibirian Ice Marathon (extrem lesenswert!), werde ganz schnell demütig und genieße das vergleichsweise tolle Wetter. Oder so ähnlich.

Interessant ist es für mich, heute mal die Créme des deutschen Lang- und Ultralangstreckenlaufs zu beobachten. Ich halte ein Schwätzchen mit Cornelia Bullig („Conny rennt“) und wundere mich, daß es bei mir noch einigermaßen flüssig läuft. Bewundere weiter Markus Pitz, der heute mit 3:40 Std. eine starke Vorstellung abgibt, und unseren Anton Lautner, der als Endvierziger in 3:14 Std. Gesamtneunter wird. Die sechste Runde ist nach 33:08 min zu Ende und das scheint zu meiner großen Überraschung tatsächlich auf eine Zeit unter vier Stunden hinauszulaufen. Trotz der doch eher suboptimalen Umstände.

Auf der letzten Runde verabschiede ich mich von beiden Verpflegungsstellen und danke auch den beiden Zuschauergruppen, die noch immer Stimmung verbreiten. Kurz vor dem Ziel, die „Ärzte“ verbreiten den stummen Schrei nach Liebe, werden mir die Handschuhe schwer. Ich ziehe sie aus und wringe sie spaßeshalber mal aus. Es tropft nicht, es fließt. Den letzten Kick geben mir Kiss mit Detroit Rock City und auf den finalen 300 m schalte ich das Teil aus, um den nett kommentierten Zieleinlauf zu genießen. Im Ziel gibt es nach 3:56 Std. den berühmten Honigkuchen zur Belohnung und Olaf erzählt etwas vom Runner’s High, das er unterwegs erlebt hat. Ich bekomme das auch regelmäßig. Nämlich exakt dann, wenn ich im Ziel bin.

Also, ganz ehrlich, auch einen Tag später bin ich mir sicher, einen Wettkampf unter solch äußeren Bedingungen nicht zu brauchen. Einen zweistündigen Trainingslauf lasse ich mir ja noch eingehen, aber das Marathonlaufen bei moderaten Plusgraden hat doch schon etwas mehr für sich. Das soll in keinster Weise die tolle Leistung der Freunde von der LLG Kevelaer schmälern, die alles gegeben und eine sehr gute Veranstaltung auf die Beine gestellt haben.

Andererseits – wie sagte der Klaus so schön: „Wann erlebst Du mal einen solchen Lauf in derart toller Winterlandschaft?“ Da hat er auch wieder recht. Aber wie heißt es genauso schön: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Mir mein Bierchen. A propos: Erstmals genieße ich (wirklich!) ungekühltes Bier. Und kann nachvollziehen, was der Wirt in „Asterix bei den Briten“ bezüglich des Bieres zu seiner Kundschaft sagte: “Was ist mit Eurer Cervisia? Ist sie Euch nicht lauwarm genug? Soll ich sie lassen temperieren?“

Gut temperiert und komprimiert waren auch meine Waden. Erstmals mit Kompressionsstrümpfen gelaufen, habe ich einen Tag danach nicht den Ansatz eines Problems. Merke: Mit der richtigen Ausrüstung ist es halb so schwer. Deshalb werde ich mir umgehend eine gute Laufmütze und vernünftige Fleecehandschuhe besorgen, um so für künftige Abenteuer noch besser gewappnet zu sein.

Zum Duschen nehme ich mein Langarmshirt vom Rheinhöhenlauf mit, das ich wie alle anderen vor der Dusche liegen lasse. Auf der Bank liegt es relativ einsam und ist nach dem Duschen verschwunden. Inklusive meiner Unterhose. An ein Versehen mag ich nicht so recht glauben, da keine Tasche oder Anderes in der Nähe lag/stand. Sollte ich jemandem unrecht tun, würde ich mich über die Rückgabe freuen. Die Unterhose darf er behalten.

Streckenbeschreibung:
Flache 6 km-Runde (weitestgehend asphaltiert, nicht verkehrsfrei), 7 mal zu durchlaufen plus 195 m zum Ziel. DLV-vermessen.

Startgebühr:
25 €, bei Anmeldung bis zum 1.12. inkl. Shirt.

Teilnehmerbeschränkung:
400

Zeitnahme:
ChampionChip

Auszeichnung:
Finishershirt, Urkunde

Logistik:
Umkleide und Dusche in der Jugendherberge, dort auch samstags Teilnahmemöglichkeit an der Pasta-Party (6 €).

Verpflegung:
Tee, Wasser, Cola, Bananen und Honigkuchen.

Zuschauer:
Im Start-/Zielgelände gute Resonanz und punktuell zwei weitere Fangruppen.

Sieger Männer:
1. Michael Kaiser, Team belalaSola, 2.57.49
2. Falk Linke, TLV Rangsdorf, 3.01.05
3. Gerd Kehrbusch, Athletik Waldniel, 3.01.47

9. Anton Lautner, marathon4you.de, 3.14.14

Sieger Frauen:
1. Kirsten Sonnenschein, Marathon Dinslaken, 3.29.57
2. Möhrensiep Sybille, SUS Schalke 96, 3.30.09
3. Raifa-Gertrud Geltner, SUS Schalke 96, 3.35.32

Mannschaftswertung:
4. marathon4you.de (Lautner, Steiner, Ulmer), 10.55.39.

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Informationen: Kevelaer-Marathon
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