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Laufberichte

Marathon, Spa und Spaß

02.02.14

 

Erster Teilabschnitt (km 6 bis 10)

 

Bei Kilometerschild 6, jeder Kilometer ist übrigens ausgeschildert, laufen wir bereits in Egglfing. Die Expositurkirche St. Michael überragt den Ort. Ein gewisser Ekiolf betrieb im achten Jahrhundert hier einen Einödhof und der gab dann dem Ort den Namen.

Wir verlassen Egglfing auf einem Asphaltweg, der an einem idyllischen Teich vorbeiführt. Eine leichte Eisdecke ist dort zu sehen. Kurz bevor es unter einer Staatsstraße hindurchgeht, die nach dem oberösterreichischen Obernberg verläuft, rennen wir an einer Gartenlaube vorbei. Der Besitzer ist wohl Bayern-Fan, denn er hat die Fahne der Elite-Kicker gehisst. Die strotzen ja vor Kraft, können kaum laufen und dominieren die Bundesliga. Das freut unseren Chefredakteur, denn die Münchner sind seit Urzeiten sein Lieblingsverein.

Wir laufen nun auf einem Radweg östlich von Egglfing, wo uns später die Feuerwehrkameraden mit ihrer Drehleiter nach links einweisen. Eine Straßenunterführung folgt und nach einen Kilometer laufen wir in  Riedenburg ein. Hier gab es das Schloss Riedenburg (erste Erwähnung 1175), das aber 1685 dem Feuer zum Opfer fiel. Noch ein Kilometer, dann ist die erste Runde Geschichte. Das Thermalbad taucht dann schnell auf, und nach einer Linkskurve sehen wir den Zielbogen für die 10-Kilometer-Läufer, die noch einen Spurt anziehen. In den hinteren Teil des Feldes sind wir gerade noch hineingelaufen. Im ersten Moment erschrecke ich beim Blick auf die Uhr. Für zehn Kilometer brauche ich eine Stunde und acht Minuten, merke aber gleich, dass dies die Zeit der 10 Kilometer-Sprinter ist, die 15 Minuten vor uns gestartet sind.

 

Zweiter Abschnitt (km 10 bis 21)

 

Am Ende des Zielkanals werden wir nach rechts eingewiesen, Neuland für uns, denn da sind wir noch nie gelaufen. Ich kann mich noch vage an den ersten Marathon in Bad Füssing erinnern, 20 Jahre ist es her. Die Temperaturen waren um den Gefrierpunkt und die Strecke führte in einer großen Runde weit nach Westen. Ein paar Jahre später wurde eine 21-Kilometer lange Strecke gefunden, die bis letztes Jahr belaufen wurde. Der heutige neue Kurs würde sich auch für eine Staffel anbieten, Überlegungen dafür sind schon vorhanden.

Kilometer 11, Uuirtington nannte man den Ort bei der urkundlichen Erwähnung im Jahr 814. Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Würding kann eine abwechlungsreiche Geschichte erzählen. 1468 erbaut, wurde sie trotz  mehrere Brände nicht oder nur ganz wenig beschädigt. Viele Opfer forderte die Pest während des Dreißigjährigen Krieges. 1954 musste der Ort das schlimmste Innhochwasser seit Menschengedenken aushalten.

Im Ort laufe ich auf einen Bekannten auf. Roland Blumensaat ist das Tempo ein wenig zu schnell und steckt etwas zurück. Doch auch der Fotograf muss dann und wann einen Halt machen, nicht weil er müde ist, sondern weil es im Stillsand die besseren Bilder gibt. Roland holt mich wieder ein. Zwei Brückenanstiege erfreuen den Bergläufer in mir, andere werden wohl fluchen.

Kilometer 12. Kurz danach laufe ich auf eine Bekannte auf. Kathrin Schramm ist überall zu sehen. Sie entschuldigt sich fast für ihr Tempo, denn „letzte Woche war ich beim 50er in Rodgau und deshalb heute noch müde“. Ich wäre bei dem Programm im Eimer.

Bei der dritten V-Stelle am Holmernhof sind zwei Fotografen am Werk. Einer streckt mir die Zunge raus.  Ihr kennt die Zwei.

Kurz nach Kilometer 15 überhole ich Rennmaus Ulrike Praß aus Röthenbach. Ich soll von ihr unseren Joe grüßen und fragen, was er denn so macht. Unsere Mutmaßung geht dahin, dass Joes Haxen zwar  bald verheilt sein wird, er dann aber Probleme mit der Waage hat. Oder die Waage mit ihm. Ein kurzes Pendelstück, etwa 200 Meter einfach, sorgt dafür, dass auch der Marathon 42,195 Kilometer lang ist und nicht kürzer. Der Kurs ist nämlich vermessen, Bestzeiten steht nichts entgegen.

Zwei-Meter-Läufer müssen die Birne einziehen, denn eine Straßenunterführung hat auch für Spaziergänger eine gefühlte Höhenbegrenzung. Kurz nach dem 18. Kilometer biegen wir auf die bekannte Strecke der ersten Etappe ein.

Mit Gehupe kommt dann das Führungsfahrzeug von hinten mit dem ersten Marathoni. Wahnsinn, der ist schon zehn Kilometer weiter. Willi Wahl, „Präse“ des BLV, begleitet auf dem Rad den ersten Läufer und mich packt er wie meist kurz am Ohrwaschel. „Hau rein“, höre ich noch und weg sind Willi und die Spitze.

Der letzte Kilometer für die „Halben“ bricht an. Sprinter wie in den Jahren zuvor sind kaum zu sehen. Das markante Gebäude des Johannesbades tritt in den Vordergrund. Dann Linkskurve, es geht zum Ziel, aber nicht für mich. Die Halbmarathonweiche. Wir laufen links, die Halbmarathonis rechts. Die haben jetzt fertig. Das Zeiteisen am Ziel sagt gut 1.53 Stunden an. Für die 3.45 Stunden werde ich mich lang machen müssen, denn der Pacer für diese Zeit ist immer noch voran.

Zieldurchlauf, rechts steht noch schnaufend die Henriette. Sie strahlt, Bestzeit aufgestellt, vier Minuten schneller, das lässt was für dieses Jahr erwarten. Kurzes Lob von mir, dann mache ich mich in die zweite Hälfte.

 

„Stellt's Euch bloß net a!“

 

Zum zweiten Mal auf die Zehner-Runde. Am Ortsausgang kann ich auf den 3.45er Pacer auflaufen. So sechs bis acht Marathonis haben sich an ihn geklemmt. Viele Bilder will ich nicht mehr schießen, dafür ein wenig das Tempo erhöhen. Doch in dem Pack des Zugläufers aus Regensburg ist einer, der auf dem Rücken seinen 199. Marathon beworben hat. Die Ziffern sind mittlerweile davongeflogen, dafür spricht der Tscheche Petr Kuchar von sich als „Crazy Runner“. Ja, a bisserl verrückt sind wir schon alle. Nach 52 Minuten laufe ich erneut am Johannesbad vorbei, Endspurt.

An der Straßenüberführung muss ich mir das Hinweisschild näher anschauen. Lächerliche 4,25 Promille Steigung, also nix im Vergleich zu einem Berglauf, aber doch werden hier einige ein zorniges Frohlocken angestimmt haben. Und was steht noch drauf: „Also stellt's euch bloß net a!“ Und so komme ich einfach zu einem Untertitel. Hochgelaufen lese ich auf der Brücke: „Jetzad geht’s erst moi 248 Meter bergab! Laufa loß'n!“

Den Peter Hübner und Stefan Loy schaffe ich einen Gruß aus, den sie Anita Kinle überbringen wollen. Beide ziehen sich gegenseitig, noch fünf Kilometer. Langsam krieg auch ich schwere Beine. Doch von hinten höre ich Getrappel. Roland ist es, der hat sich als Lauftherapeut selbst geholfen und mir hilft er jetzt ind Schua nei und rennt davon. Mann, dreht der auf. Oder hat ihn der Teufel in Gestalt von Martin Gazda angetrieben, denn der kommt noch fünfhundert Meter vor dem Zielstrich von hinten.

 

Im Ziel

 

Ich sehe die Uhr im Zielsprint auf 3.44.40 Stunden springen und dann sprinte ich über die Ziellinie. Passt. Kurz danach kommt der Pacer mit einigen Läufern an seiner Seite ankommen.

Im Zelt gibt es noch genug Verpflegung. Ein Obstbuffet, Kuchen, Iso, warmer Tee. Doch wo ist das bayerische Manna? Weg, abgepumpt, gesoffen. Hätte ich bei der letzten Tanke beim Helfer zugegriffen, wären wohl die 3.45 weg gewesen. So bleibt der oberbayerische Reporter trocken.

Ich beende nach einigen Minuten im Verpflegungszelt meinen Auftrag und widme mich mit Spaß dem Spa.

Erstes Februar-Wochenende 2015, Destination Bad Füssing, so werden wieder viele planen. 1810 Teilnehmer stehen heute in der Liste, ein starkes Ergebnis, nicht?

 

Marathonsieger
Männer

 

1 Müller Jan 1981 LG Stadtwerke München 002:30:45.88
2 Mannweiler Klaus 1966 TSV Wolfratshausen 02:37:50.88
3 Mayerhöfer Felix 1981 DJK Dasswang 02:40:32.27

 

Frauen

 

1 Kühnlein Angela 1985 Brehm-Titan Runners 03:05:34.10
2 Förster Basilia 1980 03:20:28.05
3 Heiml Alexandra 1975 Eigner Express 03:21:22.40

310 Finisher

 

 

12
 
 

Informationen: Johannesbad Thermen-Marathon
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