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Laufberichte

Situationselastisches Laufen

11.10.15 Graz Marathon
 

Das Läuferfeld zieht sich mittlerweil so weit auseinander, daß ich meinem natürlichen Laufrhythmus folgen kann. Die Fotostopps kann ich heute auch etwas einschränken, denn die Tropfen auf der Linse machen es fast unmöglich, gescheite Fotos zu machen. Aber noch kann ich die Linse einigermaßen mit dem letzten noch trockenen Flecken meines T-Shirts säubern. So habe ich am Mariahilferplatz bei KM 19 wenigstens noch die Gelegenheit, meine Familie und auch Herbert im Bild festzuhalten. Run4Unity spielt hier auf und zieht damit zahlreicher Zuschauer an. Danke, daß ihr trotz des Regens aushaltet.

Schon geht es wieder über die Keplerbrücke. Hier verlassen uns die Halbmarathonis, um in Richtung Oper und Ziel abzubiegen. Gleich wird die Läuferschar, die mich noch begleitet, sehr überschaubar. Noch einmal führt die Strecke vobei am Schloßberg. Nachdem ich erneut auf die Theodor-Körner-Straße eingebogen bin, habe ich die Halbmarathonmarke vor Augen. Nach 1:54 Stunden habe ich sie gemeistert. Die Tempoanzeige kann auch die kleinere Läufermenge nicht auseinander halten. Mit immerhin noch 133 km/h soll ich unterwegs sein.

Auf dem Begegnungsstück ist es jetzt sehr viel übersichtlicher. Die 3:45 Pacemaker scheinen sich weiter von mir entfernt zu haben. Am Wendepunkt Nord, kurz vor KM 25, herrscht immer noch gute Stimmung. Die Zuschauer haben tatsächlich bis jetzt ausgehalten. Zurück geht es in Richtung Süden. Beruhingenderweise ist der 4:00 Pacemaker jetzt weiter hinter mir. Seine Gruppe ist aber arg zusammengeschrumpft,  Linzi liegt noch weiter zurück. Der Regen läßt etwas nach, die Tropfen werden kleiner.

Die Labestation bei KM 28 ist erreicht. Die Helfer sind trotz der äußerlichen Bedingungen noch gut gelaunt und hoch motiviert. Flüssigkeit brauche ich heute nicht viel. Ein kleiner Becher Wasser reicht. Wenig später erwartet man mich Radio Steiermark bei KM 29,5 - die Moderatoren scheinen mich zu erkennen, ich nehme mir die Zeit für ein Selfie. Etwas besorgt um meine Zeit sind sie aber doch, denn sie schicken mich umgehend weiter. Den nächsten KM folge ich der Wiener Straße noch einmal nach Norden. Die Trommlergruppe dröhnt mir entgegen. Jetzt darf ich nach rechts abbiegen und an ihnen vorbeiflanieren. An der hiesigen Labestelle wird mir wieder freundlich entgegengelächelt. Da nehme ich doch gerne noch einen kleinen Schluck, bevor ich mich am Lendkai in Richtung Süden aufmache. Jetzt unterquere ich die Keplerbrücke. Die Musik von Radio Steiermark dringt ein letztes Mal an mein Ohr.

Bis KM 33,5 folge ich der Mur. Der Uferbereich links wird durch eine geschlossene Baumreihe gekennzeichnet, rechts die Bebauung aus der Gründerzeit, die überraschend von der modernen Architektur des Kunsthauses Graz unterbrochen wird. Das von Peter Cook und Colin Fournier geplante Gebäude bereichert seit 2003 mit seiner eigenwilligen Form das Stadtbild. Ich passiere derweil die letzte Wechselstation der Staffeln. Und da hat es der Herbert schon wieder geschafft, mich bildlich einzufangen. Auch wenn er heute nicht mitlaufen kann, hat er sichtlich Spaß und ich danke für die Anfeuerung.

Die kann ich auf der südlichen Schleife auch gut gebrauchen, denn die nächsten Kilometer werden noch einmal hart. Der Mann mit dem Hammer schlägt zu. Die Kamera packe ich erst einmal ein, denn mittlerweile ist mein Trikot so nass, daß ich die Linse damit nicht mehr trocken bekomme. Die hier eingesparten Fotostopps nutze ich, um gleichmäßig weiter zu laufen. Bei KM 35,5 erreiche ich die Conrad-von-Hötzendorfstraße und biege nach Süden ab. Der folgende KM ist wieder Begegnungsstück und schnurgerade. Und wie der sich jetzt zieht. Wann kommt denn endlich der Wendepunkt?

Die Kamera in meiner Gesäßtasche zieht mir zusammen mit der Feuchtigkeit fast die Hose aus. Da nehme ich sie doch lieber wieder heraus. Wenigstens meine Finger werden wieder trocken, so daß ich sie zum säubern der Linse nutze. Bei KM 36,5 umlaufe ich die Wende. Jetzt weht mir auch noch der Wind entgegen. Den habe ich bisher gar nicht gespürt. Bleibt mir denn nichts erspart? Trotzdem habe ich jetzt meinen toten Punkt überlaufen. Der Rhythmus der Trommlergruppe Grazamba an der Stadthalle bringt mich wieder in Schwung. Die letzten 5 KM sind ja nur noch ein Klacks.

Nächste Labestelle bei KM 38. Ein letztes Mal Cola fassen und schon habe ich die Energie, die ich für ein beschwingtes Finale brauche. Auf dem Rücken vor mir lese ich: Die S-Bahn läuft. Komisch, ich dachte immer, sie würde fahren. Aber vielleicht ist ja auch diese situationselastisch.

Bei KM 40 lasse ich die Radetzkybrücke diesmal links liegen. Jetzt ist es fast 3:40 Stunden her, daß hier mein heutiges Marathonabenteuer begann. Meine Gedanken sind jetzt vornehmlich auf das Ziel gerichtet. Ich bewege mich im Takt zu den Klängen des King, heute verkörpert durch Michael K.. Tolle Performance. Zudem kann ich mich auf den letzten Kilometern noch einmal am Weltkulturerbe Grazer Innenstadt erfreuen.

Auch wenn man auf dem Johanneumring das Ziel schon vor Augen hat,  ich muss noch einmal in Richtung Hauptplatz und Rathaus abbiegen. Schön, daß Herbert mich hier noch einmal anfeuert. Zudem ist die Schönheit dieses Streckenabschnitts den Abstecher wert. Schließlich ist nach wenigen Hundert Metern der Opernring wieder erreicht. Die Band Sound Asylum intoniert „TNT and dynamite“. Da hätte der Wolfgang aber seine Freude gehabt. Ich biege endgültig nach links in Richtung Zieleinlauf ab.

Nikita erwartet mich, um mich in bewährter Manier ins Ziel zu begleiten. Nach 3:56 Stunden im Regen habe ich mein Tagwerk vollbracht. Der Bus bringt meine Familie und mich dann zügig zu unserem Parkplatz und ich freue mich auf die heiße Dusche im Hotel. Schneller hätte ich direkt vor Ort auch nicht duschen können.

Alles in allem freue ich mich über die gelungene Veranstaltung mit einem trotz des Regenwetters fantastischen Publikum und immer freundlichen Helfern. Alle haben den Marathon situationselastisch gemeistert.

Zeitnahme:
Champion-Chip

Weitere Veranstaltungen:
Staffelmarathon, Halbmarathon, 10,5 KM Juniormarathonund Kids-Sprint

Startgeld:
50 - 55 – 60 – 65 €, je nach Anmeldezeitpunkt

Auszeichnungen:
Medaille, Urkunde im Internet

Verpflegung:
15 Verpflegungspunkte an der Strecke und Verpflegung im Ziel. Gereicht werden Powerrade, Wasser und teilweise Cola. Dazu Bananen- und im Ziel Suppe.

Zuschauer:
Für das Regenwetter erstaunlich viele, vor allem im Innenstadtbereich.

 

Impressionen


 

Marathonsieger

 

Männer

1 Weger Roman     LC Villach    2:23:25
2 Endris Seid     LCAV    2:28:44
3 Gruber Robert Kolland Topsport Gaal    2:29:26


Frauen

1 Freitag Karin     LG Decker Itter        2:43:12
2 Kalbacher Monika     Garmin    3:09:00    
3 Nöbauer Karin     Trirun Linz    3:11:13    

713 Finisher

12
 
 

Informationen: Graz Marathon
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