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Laufberichte

Es hat alles gepasst

09.10.16 Graz Marathon
 

Die Strecke verläuft wie im Vorjahr dann weiter nach Norden hinein in die Grabenstraße. Der Lauf in Graz  im Speziellen dreht nun einmal stark und verzweigt sich in viele Nebengassen. Nun geht es wieder nach Westen in die Langegasse und anschließend um 90 Grad nach rechts erneut in nördliche Richtung. Am Anfang der Theodor Körner Straße, benannt nach dem  ersten, in Österreich direkt vom Volk gewählten Bundespräsidenten im Zeitraum 1951 bis 1957, befindet sich an der Ecke die erste Versorgungsstelle, neben Wasser und Powerade gibt es auch Cola. Knapp vier Kilometer sind bisher gelaufen.

Die nachfolgende Gerade habe ich vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung – die Theodor Körner Straße führt ca. eineinhalb Kilometer leicht ansteigend nach Norden bis sie dann in den für alle Privatfahrzeuge an diesem Tag bis 16 Uhr gesperrten Kreisverkehr bei der Wiener Straße in die Weinzötlstraße einmündet. Der Marathon ist zumindest in diesem Streckenbereich auf zwei Runden ausgelegt, daher wird es hier nochmals zu einer Begegnungszone kommen. Die Weinzötlstraße führt in einem leichten Schwenk nach Norden, am Beginn ist eine Doppellabestelle aufgebaut – für uns, die wir noch gut zwei Kilometer vor uns haben bis zur Wende und für die vor uns liegenden deutlich schnelleren Läufer, die wir hier an der gegenüberliegende Seite der Versorgungsstelle treffen resp. die uns nun links entgegen kommen.

Ich rede schon die ganze Zeit mit Gerhard aus München, der 4:30 vor Augen hat – wenn’s  a weng mehr wird, mochts a nix. Nun kommen uns die Schnellen entgegen, die 3:15er-Gruppe, dann die 3:30er. Auch einige Kollegen und Bekannte sind darunter, u.a. Josef Stöger aus Wien, Jahrgang 1950, ein Ultramarathonspezialist, der Mitte September am  Schwarzwaldlauf teilgenommen hat und die fünf Läufe an fünf Tagen (274,6 km insgesamt) in knapp 37 Stunden bewältigte. Nicht weniger bekannt in der Laufszene ist Otto aus dem Burgenland, der von hinten aufrückt und heuer den Triple Ultra Triathlon in Bad Blumau (11,4 km Schwimmen, 540 km Radfahren und 126,6 km Laufen) in 42:12:44 finishte. Otto ist außerdem mehrfacher Sparthatlon-Finisher.

Kurz nach der Wende zurück in die Grazer Innenstadt, kommt uns aus der Gegenrichtung nun auch der 4:30er-Pacer entgegen, hinter dem nur zwei Läufer  drangeblieben sind – er liegt nur mehr 500 Meter hinter mir. Ich rechne damit, dass er mich bis zur Labe eingeholt haben wird. Gerhard aus München (und auch der aus Wien), liegen schon etwas voraus.

Bei den Laufveranstaltungen gefallen mir immer wieder Sprüche – seien sie nun übernommen oder auch kreativen Ideen entsprungen – wie z.B. „Mir nach, wer kann“ (am Rücken eines Läufers im 7er-Tempo) oder „Catch me, if you can“ bei einem Staffelläufer. Ich laufe auf einem schnaufenden jungen Mann auf, der sich als Genussläufer outet.

Nun erblicke ich gegenüberliegend auch den Helmut Linzbichler, zum Knipsen komme ich nicht, wir klatschen ab. Er liegt nur ein paar Minuten hinter mir – man kann sagen „starke Leistung“. Km 10,  ich bin mit 63 Minuten etwas langsamer unterwegs als letzte Woche auf dem schweren Kurs in Lissabon.

Bei der Fischergasse ist die nächste Labe aufgebaut – ich mische Wasser und Powerade, Cola gibt es nicht. Nun hat mich der 4:30er-Pacer endgültig eingeholt. Er ist allein, alle sind abgerissen. Man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, 4 ½ Stunden Zielzeit bei einem Marathon zu schaffen. Wer sich als Tempomacher meldet, sollte imstande sein, den Marathon zumindest um eine halbe Stunde schneller als die Vorgabe lautet zu laufen – das wird immer schwieriger, je kürzer die Laufzeit angesetzt ist.

 

 

Nun geht es nach Süden in Richtung Keplerbrücke. Kilometer 12 ist erreicht. Auf der anderen Seite der Brücke ist der Sprecher von Radio Steiermark im Einsatz, er muss auf das Geschehen beidseits der getrennten Straße achten – wir sind die Nachzügler, auf der anderen Seite laufen schon die schnellen Halbmarathonis in Richtung Ziel, während die Vorhut der Marathonläufer in die zweite Runde geht. Jetzt um ¾ 12 Uhr stehen an beiden Seiten der Brücke auch schon viele Zuschauer und feuern die Läufer mit Klatschen und Zurufen an.

Der Kurs verläuft nun die Mur aufwärts. Er dreht dann in einer großen Schleife vom 4. Grazer Bezirk Lend wieder nach Süden in Richtung Gries – von der Bienengasse geht es in die Wiener Straße, wo die 15 Km-Marke erreicht wird. Hier kommt es zu kleinen Positionskämpfen – ein Kollege von der Laufgemeinschaft FC Sauzipf eilt mit zwei Begleiterinnen an mit vorbei – bis er dann zurückfällt. Auch eine Barfußläuferin hat es eilig. Besonders eilig haben es aber rund 5 km vor dem Ziel die Halbmarathonläufer – in meinem Umfeld wollen alle nach Möglichkeit noch unter 2:15 finishen.

Es geht mal wieder nordwärts über die Karlauerstraße, wo sich in der Nähe neben Stein in Krems/Donau eine der bekanntesten Strafanstalten Österreichs befindet – für schwere Jungs, die hier gut verwahrt werden. Von Kilometer 12 bis kurz nach Kilometer 19 ist die Marathonstrecke als ein nach Süden ausgerichteter ca. 7 km langer Rundkurs definiert.

 

 

Die in meinem Tempo laufenden Halbmarathonläufer biegen nach der Keplerbrücke in das noch einen guten Kilometer entfernte Ziel bei der Oper ab. Ich bin plötzlich ganz alleine unterwegs – nur in ca. 200 m Entfernung am Ende der Wickenburggasse sehe ich auf meiner zweiten Runde einen Läufer. Nun kommen zwei Staffelläuferinnen nach, die mich überholen. Im weiteren Verlauf hole ich welche ein – der Streckenabschnitt ist ident mit jenem auf den ersten 12 Kilometern. So unterhalte ich mit Hans Novincsak, den ich vom heurigen Bergmarathon in Kainach kenne und der auch beim Sommeralm-Marathon dabei war. Hans hat sich für heute gut vorbereitet, ich lasse ihn ziehen – obwohl ich auch entschlossen bin, sub 5 zu finishen. Der dunkelhäutige Joel hingegen, der mir schon auf der ersten Runde aufgefallen ist, wird heute die 6 Stunden ausreizen, so langsam ist er unterwegs.

Bei Kilometer 29 kommen wir erneut zur Keplerbrücke, Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Der Moderator von Radio Steiermark findet meinen Namen auf der Liste. Ich rufe ihm zu, dass sich 5 Stunden noch ausgehen sollten. Er glaubt auch daran und wünscht guten Lauf. Der Kurs führt über die Neubaugasse wieder nach Norden, wo sich bei 30,5 km eine Labe befindet – die üblichen 5 km-Abstände werden in Graz etwas durchbrochen, aber einen Mangel gibt es nie.

Nun geht es nach Süden zurück in den Lendkai. Auf diesem Streckenabschnitt sind einige Geher unterwegs, die ihre Kräfte schon verbraucht haben. Auch die Barfußläuferin zählt dazu, aber sie kämpft tapfer weiter und wird wohl hinter mir finishen. Der Abschnitt entlang der Mur weist zwei Unterführungen auf, die ein Gefälle haben. Dazu zählt auch der kurze Anstieg auf die Berta von Suttner Friedensbrücke. Ich bleibe auf der Brücke oben kurz stehen, um den Fluss zu fotografieren. Das Wasser der Mur wirkt immer dunkel, Bauten an der Uferböschung und die Bepflanzung beeinflussen den Lichteinfall und scheinen die Sicht zu trüben  – andererseits hat man viel unternommen, um die schlechte Wasserqualität, Folge der industriellen Verschmutzung in früheren Jahren,  zu heben.

Bei dem folgenden Zickzackkurs verliert man etwas die Orientierung, aber ich erinnere mich an das letzte Jahr – in Bälde wird es wieder nach Süden zum Messegelände gehen.  Ich hole zwei Geher ein, einer wirkt angeschlagen und benötigt wohl helfenden Beistand beim Rot-Kreuz-Auto. Die entgegenkommenden Läufer auf der Begegnungszone lachen glücklich, doch der Vorsprung beträgt maximal einen Kilometer oder 10 Minuten. Mein Ziel ist, die 38 km unter 4:30 zu schaffen. Auch mir kommen zur Linken nun Nachzügler entgegen, darunter die Barfußläuferin und der Kollege mit dem Dress des FC Sauzipf. Man kennt sich inzwischen und grüßt einander. Zum zweiten Mal will man mir bei der Labe etwas zutragen – ich antworte, dass ich schon einen Wasserbauch habe, es passt nix mehr rein.

 

 

Der Marathon zieht sich ziemlich und ist verwinkelt wie kaum wo anders – es kommt einem halt so vor.  Ich hole ein junges Pärchen ein. Er meint:  „Jetzt hast uns doch geschnappt.“ Sie ist tapfer und kämpft – ich mache Boden gut. Kilometer 40 ist erreicht. Nur nicht mehr stehenbleiben. 20 Minuten bleiben mir noch, um unter 5 Stunden zu finishen. Der DJ in Weiß – sieht aus wie ein Elvis-Verschnitt halt ohne die Stehfrisur, legt auf – Supermusik, kommt gut rüber.

Knapp vor dem Ziel kommt tatsächlich ein Läufer nach – es ist der Begleiter des Kollegen, der ärztlichen Beistand benötigt hat und nun auch alles dransetzt, um ja nicht den Fünfer als erste Zahl auf der Urkunde zu haben. Ich biege in die Zielgerade am Opernring ein. Wie lang die ist. Die Uhr zeigt schon 42,45 Km an, 30 Meter vor dem Ziel knien zwei Dutzend bunt gekleidete hübsche Mädchen, bereit aufzuspringen und ein Spalier zu bilden, wenn ich durchlaufe. Dann endlich, die schon ab dem Start der Elitegruppe laufende Uhr zeigt 05:07:04 an, meine Nettozeit müsste demnach bei 4:57 oder 4:58 liegen. Es hat geklappt, nachdem ich heuer schon mehrmals die angepeilten sub 5 ganz knapp verfehlt habe. Der 33.Marathon in diesem Jahr ist abgehackt, kommenden Sonntag möchte ich in Wien beim LCC-Herbstmarathon vielleicht wie letztes Jahr wieder eine Zeit um 4:30 erreichen. Es wird auch mein bisher 275. Marathon sein – aber vorerst geht’s ab zur Labe.

 

 

Hier treffe ich Hans – er ist mit seinen 4:43 heute sehr zufrieden. Auch der Kollege vom FC Sauerzopf gesellt sich zu uns – wie in Graz traditionell üblich, wird eine warme Suppe (mit Nudeln und Schnittlauch) ausgegeben. Dazu gibt es Weckerln, Bananenstücke, Wasser und als kleinen Gag Päckchen mit je einem „Toni Freilandei“. Ich plausche ein wenig, dann begebe ich mich zum Massagezelt – rund zwei Dutzend Betreuerinnen sind im Einsatz, ein Tisch ist gerade frei geworden. Eine Viertelstunde knetet die junge Masseurin  meine Beine, dabei kann ich mich gut entspannen.

Als ich gegen 16 Uhr wieder zum Start-/Zielbereich komme, steht Rennleiter Anton Wippel an der Absperrung und ich kann seine Frage, ob alles gepasst hat, nur bestätigen.

 

 

Meine persönliches Fazit

Das Marathonfestival in Graz ist bestens organisiert und wird von Sponsoren und Veranstaltern mit großem Engagement getragen und ausgerichtet. Die Stadtpolitik unterstützt ebenso den Bewerb, der Grazer Bürgermeister ist selbst ein begeisterter Läufer. Die Begeisterung ist jedes Jahr von Neuen spürbar. Auf der Strecke befinden sich ausreichend Labestellen, Engpässe gibt es nie. Wer sich früh angemeldet hat, kommt wie vielerorts besser weg – allerdings sind 75 Euro für den Marathon bei der Nachmeldung nicht gerade günstig. Wenn man aber bedenkt, dass die Rennleitung die Startnummern von Graz in die Nähe Wiens zur Abholung bereitstellt und man sich so Hotelkosten spart, relativiert sich dies wieder.

Dank geringer Höhenunterschiede ist der Graz-Marathon allemal für eine gute Finisherzeit geeignet.  So gesehen kann man ihn nur empfehlen – auch jenen, die sich Zeit lassen wollen, er ist sechs Stunden geöffnet.

 

Sieger bei den Männern:

1.Edwin Kemboi Kipchirchir (AUT) – 02:24:02
2.Vinzenz Kumpusch (AUT) –2:32:17
3. Stefan Schriebl (AUT) – 02:32:44

Damenwertung:

1. Andrea Weber (AUT) – 02:50:06
2. Karin Augustin (AUT) – 03:11:20
3. Amelita Sved (AUT) – 03:12:48

619 Finisher  (543 Männer, 76 Damen)

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Informationen: Graz Marathon
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