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Laufberichte

Atemlos durch die Nacht

 

Wir sind aufgeregt wie vor unserem ersten Marathon. Ich grüble, welche Schuhe ich anziehen und ob ich einen Laufrucksack mitnehmen soll. Judith analysiert die Berichte auf M4Y, während ich mir eher die Bilder ansehe: Rucksack wird selten getragen. Die Kleidung ist oft recht luftig.

Der große Klassiker steht auf dem Programm: die 100 km von Biel. Wie sind wir da nur hineingeraten? Judith ist schuld, denn sie hatte sich für den Mauerweglauf interessiert, wollte sich aber zunächst an einem etwas kürzeren Ultra versuchen.

Biel ist mit 56.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt sowie die größte zweisprachige Gemeinde der Schweiz. Dort wird Französisch und Deutsch gesprochen. Die Gegend am Bielersee im sogenannten Seenland südlich des Juras bekommt man aus der Luft oft zu sehen, da der Flugkorridor  von Zürich nach Genf über das Gebiet führt.

Judith und ich haben uns entschieden, das im Startpreis enthaltene Zugticket zu nutzen. Mit dem Auto geht es nach St. Margrethen am Bodensee und von dort in drei Stunden über Zürich nach Biel. Die Bahnstrecke von München nach Lindau hat eher historischen Charakter. Dort fährt man einmal mit dem Bummelzug und dann nie mehr wieder. Die Schweiz hingegen erweist sich als großartiges Bahnland. Noch ein Tipp: Wer das kostenlose Wlan/Wifi nutzen will, sollte vorher die App installieren.

Die Wege in Biel sind kurz. Vom Bahnhof ist man schnell am Kongresszentrum. Leicht zu finden das 1966 erbaute Kongresshaus samt Hallenbad. Das Hochhaus hat an seiner Seitenfassade eine Treppe ohne Geländer mit zwei Türen. Nur ganz Schwindelfreie werden sie benutzen können. Oder ist das womöglich Kunst? Richtig vermutet: Es handelt sich  um die „Beautiful Steps #2“, eine Installation von lang/baumann aus dem Jahre 2009.

Der Start- und Zielbereich liegt vor dem Kongresshaus auf der neu gestalteten Esplanade. Die Startunterlagen gibt es in der Sporthalle gleich daneben. Im großen Zelt für die Siegerehrungen werden auch Speisen und Getränke angeboten. Draußen werden einige Stände von Sportartikelherstellern gerade von Windböen übel gebeutelt. Das ausgebrannte Auto daneben gehört zum autonomen Jugendzentrum „Gaskessel“. Also auch eher eine Art Kunst und kein Anzeichen für Gefahr.

In der Sporthalle bekommen wir unsere Startnummer mit dem Chip. Ein Müsliriegel kann mitgenommen werden. Im abgetrennten Teil der Dreifachturnhalle kann man sich auf den Lauf vorbereiten. Viele Sportler schlafen auf den bereitgestellten Matten.

 

 

Letzte Überlegungen, welche Ausrüstung benötigt wird. Wir füllen einen kleinen Wechselbeutel für den km-56-Punkt in Kirchberg, Sonnencreme und -brille inklusive. Die Tribüne füllt sich mit weiteren Läufern. Die Wagemutigsten lassen sich ganz oben nieder. In einigen Stunden werden sie die Stufen auf allen Vieren meistern müssen. Dort oben gibt es auch die Massagen. Einige nutzen das Angebot jetzt schon.

Noch zwei Stunden. Ich beobachte das bunte Treiben. In der Halle wie auch im Zelt am Startbereich gibt es Wlan. Der Gutschein dafür kostet 2,00 CHF. Damit kann man das teure Auslandsroaming sparen.

Die radelnden „Coaches 2019“ brechen gerade auf, als wir die Halle verlassen. Für Ultraläufer besteht die Möglichkeit, sich große Teile der Strecke von einem Freund begleiten zu lassen. Auch Elektroräder sind erlaubt, falls die Puste für 100 km nicht reicht. Das erste Treffen findet nach 20 km in Lyss statt. Dank Live-tracking von Datasport kann man den Läufer auch gut verfolgen. Alle Läufer ohne Mobiltelefon erhalten vier Zwischenzeiten.

Wir geben unsere Wertsachen am speziellen Depot ab. Die Taschen bleiben in der Halle oder auf den Rängen. Der Wechselbeutel wird in den LKW Richtung Kirchberg verladen.

Im großen Startbereich herrscht Ungezwungenheit. Hier wird noch viel gefachsimpelt. Die 56-km- Läufer tragen Hinweisschilder auf dem Rücken, ebenso die Staffelläufer/innen und die Halbmarathonis. Letztere starten um 22:30 Uhr. 659 Erlebnisläufer nehmen den Weg ohne Schleife in Biel und sind nach 13,5 km in Aarberg. Bereits am Vortag haben die Kinderläufe und der Wettbewerb um die Cerebral Handicap Trophy stattgefunden.

Kurz vor dem Start wird „Viva Colonia“ gespielt. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Nach kurzer Pause die Schweizer Nationalhymne, dann Ohren zuhalten, bevor der Startböller fällt.

Unser großes Abenteuer beginnt mit einer 4-km-Schleife durch die Innenstadt von Biel. Es ist angenehm warm, sodass unzählige Zuschauer an der Strecke stehen. Judith ist sofort auf und davon. Ich brauche etwas Zeit für die Fotos. Ohne ruhigen Stand wird das nichts.

Über den Quai de Haut, am schnurgeraden tiefen Bett der gezähmten Schüss entlang, geht es voran. Ein hell erleuchtetes Gebäude entpuppt sich als Firmensitz von Omega. Ich bemerke laut, dass die Schweizer Uhrenhersteller wohl Überstunden machen. Zustimmung von allen Seiten. Der “Omega Speedmaster Professional“ ist die einzige Uhr, die bisher bei allen NASA- Weltraummissionen getragen wurde und wird. Buzz Aldrin trug sie, als er 1969 die Mondoberfläche betrat. 49 Jahre und 321 Tage ist es her.

Ich vermute, er konnte damals seine Uhr nicht ablesen. Der Raumanzug hatte am Arm wahrscheinlich kein Sichtfenster. Ich kann die Anzeige meiner GPS-Uhr auch nicht erkennen. Meine Augen sind zu schlecht. Die Firma Garmin hat ihren Sitz mehrmals in steuerbegünstigte Länder verlegt und residiert nun seit 2010 in Schaffhausen. Inzwischen arbeiten dort auch einige Angestellte des Konzerns mit operativer Zentrale in den USA. Einige Größen der Uhrenbranche haben ihren Sitz in Biel, viele Marken gehören zur Swatch Group, so auch Omega und Union Glashütte. Jahresumsatz 7,55 Mrd CHF.

Die folgende General-Dufour-Straße ist eine Allee, wie sie mir gefällt. Zuschauer vor kleinen Lokalen. Kurz auf die Nidaugasse, welche die Altstadt mit dem modernen Stadtzentrum verbindet. Zentralplatz, diesmal die andere Ecke. In der Mitte einer der alten Wartepilze, gebaut noch zur Zeit der Straßenbahn. Jetzt auf der Bahnhofsstraße auf die Rotonde zu. Steht so wenigsten mit hell erleuchteten Lettern dort. Viele der in den 1920er Jahren errichteten Gebäude sind der Bauhaus-Schule zuzuordnen. Von einem Balkon gibt es  laute Musik und eine Light-Show für uns. Dann ab ins Villenviertel. Hier wird in französischer Sprache angefeuert. Es folgt ein großes Autobahnkreuz. Die A5 verläuft hier unter der Stadt hindurch.

Weiter geht es nach Port, über den Nidau-Kanal samt Regulierwerk von 1939, das den Wasserabfluss aus dem Bielersee regelt.

Bis zum Kilometer 7,5 hatte ich noch gedacht, dass es sich um einen flachen Lauf handeln wird. Nun werde ich bei einem Hundert-Höhenmeter-Anstieg eines Besseren belehrt. Die großen Berge der Alpen sind in dieser Umgebung zwar nicht zu finden - der nächste Viertausender ist 100 km entfernt - aber auch hier gibt es einige nette und mehrere hundert Meter hohe Hügel. Der Blick zurück auf die Lichter von Biel ist sehr romantisch. Bei Kilometer 9 sind wir wieder unten und nun wird es flach, in Jens erreichen wir schon den zweiten Verpflegungspunkt. Dann hinein in die Felder. Kleine Teerstraßen, dann die ersten gepflegten Schotterwege. Viele Richtungstafeln der Bieler Lauftage weisen den Weg, fast immer sind sie beleuchtet. Die lange weiße Lichterkette halte ich erst für die Eisenbahn. Fast richtig. Es ist der  Zug der Läufer und weit zu sehen.

Kappellen, 14,5 km, schon wieder Verpflegung. Dann erneut auf die Felder. Die ersten Halbmarathonis rasen mit Fahrradbegleitung vorbei. Sie sind in Biel 30 Minuten später gestartet, mussten dann zwei Runden laufen und befinden sich jetzt 3 Km vor dem Ziel.

 

 

Die oft fotografierte Holzbrücke aus dem Jahr 1557 direkt vor uns führt auf den wunderschönen Stadtplatz von Aarberg. Die Halbmarathonis haben es hier geschafft. Wir laufen den Platz entlang und entschwinden hinter zwei Lokalen durch einen engen, dunklen Torweg nach unten. Gleich danach sind wir im Grünen. Von dem Gebäude der Firma Galvaswiss grüßt ein Drachen. Dann hören wir fetzige Beats. Mitten in der Einöde haben junge Leute ihren Wagen geparkt, der anscheinend mit einem mächtigen Soundsystem ausgestattet ist. Ich treffe auf Judith. Mann, bin ich schnell.

Am Eingang zur Ortschaft Lyss steht auf einer Verkehrsinsel ein aufgespießter Gokart. Auch hier wieder ein netter Ortskern mit vielen Partyzelten und Anfeuerung. Inzwischen ist es nach Mitternacht.

Eine ruhige Bergpassage steht für die nächsten Kilometer an. Ab Kilometer 32 laufen wir auf der Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Bern. Es regnet unablässig. Kilometer 38, Oberramsen, Wechselstelle der Staffel, Verpflegung.

Etzelkofen bei km 42 erreichen Judith und ich knapp unter 5 Stunden. Was soll man sagen: langer Tag, dunkle Nacht, Regen, ein paar hundert Höhenmeter. Da muss man mit dem Erreichten zufrieden sein. Für die folgenden 58 km bleiben uns 16 Stunden. Da würde Gehen reichen, denn das Ziel ist 21 Stunden lang geöffnet. Dieser Gedanke motiviert aber nicht wirklich. Wir peilen jetzt erst mal km 56 an, wo der Nacht-Ultramarathon endet.

Die dritte Bergpassage liegt vor uns.  Inzwischen hat sich die Szenerie eingependelt: Es gibt lange Strecken auf der komplett gesperrten Landstraße, Matsch auf breiten Waldwegen und immer wieder leichten Regen.

Später stelle ich fest, dass der Weg von km 46 bis km 70 insgesamt 100 Höhenmeter verliert. Das sollte doch Flügel verleihen. Irgendwie habe ich inzwischen die Dunkelheit satt. Ich freue mich schon auf die Dämmerung. Davon gibt es dreierlei: die astronomische, die nautische und die bürgerliche, bevor um 5:34 Uhr die Sonne aufgehen soll. Der Mond ist schon lange untergegangen und die Wolken machen die Umgebung noch dunkler. Gelegentlich nimmt man hellere Stellen wahr, aber das sind wohl Reflektionen der Lichter von Ortschaften. Ein Straßenabschnitt liegt zwischen Wald und Feld. Hier piepst es öfter mal. Blaue Reflektoren an den Straßenmarkierungen sollen anscheinend das Wild von der Straße abhalten, vielleicht gehört das Piepsen dazu? Tiere verursachen solche Geräusche doch eher nicht...

Immer noch sind wir von Mitstreitern umgeben. Das macht Spaß, weil man nicht alleine ist. Lust auf Gespräche habe ich allerdings nicht. Einmal sehe ich Fledermäuse im Licht einer Straßenlampe dahinflattern. Mäuse hingegen huschen öfter vorbei. Eine erschrickt so, dass sie stehen bleibt und ich aufpassen muss, damit ich nicht auf sie trete. The heat of the night. Die Stunden vergehen.

Nur einmal kommen zwei Läufer von rechts und erzählen, sie hätten sich verlaufen und erst nach einem Kilometer erkannt, dass sie alleine sind. Aber wie gesagt: Wer auf die beleuchteten Schilder achtet, muss sich schon anstrengen, um vom Weg abzukommen. Zusätzlich sind im finsteren Wald oft querende Wege durch Bänder abgesperrt.

Ich sehe die ersten Umrisse der Hügel. Dämmert es endlich? Dieses Kirchberg will nicht auftauchen. Über einen matschigen Weg geht es an einem Bach entlang. Dann ein Sportplatz und endlich das Ziel der 56-km-Nacht-Ultramarathonis. Hier ist viel los. Wir suchen unsere Wechselbeutel. Freundliche Helfer haben ruckzuck unsere Beutel gefunden. Ich reiße mir eines meiner beiden Laufshirts vom Leib. Auch die Ärmlinge bleiben da. Judith reicht die Sonnenmilch herüber. Nach zehn Minuten sind wir wieder auf der Strecke. Es ist 5:00 Uhr und wir haben 6:50 Stunden für die 56 km gebraucht. Der Sieger Florian Vieux erreicht soeben als einziger noch vor Sonnenaufgang  in 7:01:13 das Ziel in Biel.

Es geht weiter, deine Müdigkeit vorschützen. Viele Ultras sind noch unterwegs. Der Sonnenaufgang findet heute hinter Wolken und Bergen statt, aber es ist ausreichend hell.

Judith hat keine Lust, auf mich zu warten und zieht schnell davon. Unglaublich, diese Energie. Ich bin ziemlich fertig. Aber einige Mitstreiter auch. Man kennt sich jetzt schon. Die nächsten 12 Kilometer sind vom Fluss Emme geprägt. Auch wenn man es mir nicht glaubt: Wir sind am nordöstlichsten Eck des Emmentals. Daher die vielen Kühe, die auch nachts mit ihren Glocken und Fressgeräuschen oft zu hören snd.

Die ausgewählte Wegeführung macht es uns nicht leicht. Auf einem Damm geht es dahin. Er scheint schon sehr, sehr alt zu sein, ebenso der Teerboden. Leicht ist das Laufen hier nicht. Die Blicke auf die Hügelketten sind dafür sehr schön. Endlich sieht man auch die Sonne in den Wipfeln der Bäume.

Der VP Utzensdorf liegt dunkel unter einer Straßenbrücke. Ich freue mich, nach sechs Kilometern wieder etwas zu trinken zu bekommen.

Die 18 Verpflegungspunkte sind perfekt ausgestattet. Den Plan im Internet kann man sich eigentlich sparen. Es gibt immer Wasser, Iso, Tee, Cola, Bouillon. Dann Riegel, Salzbrezeln, Brot, Studentenfutter, Linzertörtli und ab Kilometer 26 zusätzlich Iso-Gel. Und alles fantastisch in der gleichen Reihenfolge aufgebaut. So kann man ein Gel verzehren und findet immer am Ende nochmals Wasser zum Nachspülen.

Und nicht zu vergessen: Die Helfer sind alle super freundlich, auch nachts um 3:00 Uhr im Regen.

Die Dichte der VP-Punkte nimmt nun zu, sodass es 4,5 km weiter schon die nächste Erfrischung  gibt. Dort warten auch die Begleitradler, um uns anzufeuern und „ihre“ Läufer wieder zu betreuen. An den engeren Stellen müssen sie die Laufstrecke umfahren. Ein wartender Radler putzt gerade seine Zähne. Das würde mir jetzt auch gefallen. Sollten Ultraläufer immer eine Zahnbürste dabei haben?

Wir queren die Emme, kommen kurz nach Biberist und haben eine 8,5 km lange Gerade vor uns.  In Lütterkofen-Ichertswill sehe ich einen kleinen Zug vorbeifahren. Hier ist ein beschrankter Bahnübergang. Wahrscheinlich mussten die Läufer vor mir warten. Wir sind auf einer Landstraße unterwegs, gelegentlich kommen ein paar Autos. Die Läufer halten sich  rechts, da die Sonne hinter uns liegt. Das heißt, die Autofahrer, die von hinten kommen, sehen uns besser, als wenn wir auf der linken Seite auf sie zuliefen. Ich spiele Katz und Maus mit einem Soldaten. In Biel gibt es auch Militär-Wertungen. Da können Einzelläufer, Zweier-Patrouillen oder Gruppen mitmachen. Einige sind sogar in Armeeschuhen unterwegs.

Der VP Ichertswill hält einen Stuhl für mich bereit. Ich muss mal wieder Steine aus den Schuhen schütteln. Hinsetzen und Aufstehen fällt verdammt schwer. Ein Schild am VP warnt vor den Zeltpfosten. Anscheinend besteht Kollisionsgefahr. Da müssen sich in den letzten Jahren ja wahre Katastrophen abgespielt haben. Und hier gibt es auch noch mal Kaffee. Ich genehmige mir einen. Ungefähr von km 70 bis km 77 geht es ca. 70 Meter bergauf. Harmlos. In Bibern findet ein 8-Uhr-Frühschoppen im Stadel statt und dann erwartet uns Läufer eine Überraschung: Auf dem folgenden Kilometer geht es 50 Meter hinauf. Endlich wandern. Links ein Erdbeerfeld.

Ich komme mit Oliver ins Gespräch. Der wirkt noch richtig fit und scheint die Strecke zu kennen. Er möchte mich motivieren, aber so viel Energie habe ich nicht mehr. Dann zieht er von dannen. Wie gewonnen, so zerronnen: Auf den nächsten 2 Kilometern geht es 120 Meter hinunter, ich lasse es rollen. Das muss einfach sein, die Runden-Zeit ist wieder im 6-Minuten-Bereich. Eine neue Klimazone erwartet uns: sommerlich warm. Kilometer 80, 8:40 Uhr und „nur“ noch 20 Kilometer. Spannend, was der Kopf daraus macht: Lockere 20 Kilometer. Das passt schon. Wer 80 Kilometer hinter sich hat, der wird den Rest auch noch schaffen. Nur in welcher Zeit?  In zwei Stunden oder in fünf?

Bei Kilometer 82 kommen wir an die Aare. Wunderschön glänzt der blaue Fluss. Einmal fährt ein großer Ausflugsdampfer vorbei. Es gibt eine Linienverbindung von Biel nach Solothurn. Leider behindern an dieser Stelle Bäume die Sicht. Der Kiesweg windet sich an der Aare entlang. Allerdings stellenweise recht schmal und anstrengend zu laufen.

 

 

Nach langer Zeit öffnet sich der Blick auf eine markante Holzbrücke von Büren an der Aare. Der Bau aus dem Jahr 1991 ist bereits die neunte Version. Alle vorherigen Ausgaben waren durch Hochwasser, Eis oder Brand vernichtet worden. Die achte Brücke wurde bei einem Brandanschlag im April 1989 zerstört. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Tat der Béliers, einer militanten Jugendorganisation, die dafür kämpft, den Südjura vom Kanton Bern zum Kanton Jura zu verlegen. Dabei geht es um sprachliche und religiöse Unterschiede. Volksentscheide gaben jedoch Bern den Vorzug.

Wir nähern uns langsam der Brücke und genießen dort den VP. Inzwischen sind mir einige Zuschauer wohlbekannt, sie klappern Station für Station ab. Kurz nach mir muss wohl der zugehörige Läufer kommen.

Km 88 mit Wechsel der Flussseite über die Betonbrücke von Büren. Ein Stück laufen wir auf einer sehr welligen Teerstraße, dann auf einem schönen Kiesweg am Fluss. Die Bäume spenden Schatten.

Ich werde angesprochen. Es ist der M4Y-Autor Carsten Koczor, der heute zum sechsten Mal in Biel dabei ist und Bestzeit laufen wird. Nach kurzem Gespräch trolle ich mich davon. Ich möchte mein Schema „300 Meter gehen, 200 Meter laufen“ beibehalten.  Am VP 95,5 gönne ich mir einen Becher Cola. Hinter km 97 eine Hundeschule am Wegesrand, dann geht es in die Stadt Biel.

Noch zwei Kilometer, ich bleibe im Laufmodus. Das berühmte Kilometerschild 99 liegt vor dem Bahnhofsgleisfeld.  Jetzt runter in die Unterführung, da lege ich glatt noch mal einen Zahn zu. Ich kann nicht glauben, dass das Ziel so nah ist, erhöhe nochmals das Tempo und laufe nach 13:27 Stunden unter dem Jubel zahlreicher Zuschauer ins Ziel ein.

Ich bekomme die Medaille umgehängt und auch den Hinweis auf die Zielverpflegung im Zelt nebenan. Judith kam 22 Minuten vor mir ins Ziel, als Dritte ihrer Altersklasse. Laut Zeitnahme hat sie ihren Vorsprung von km 56 bis 76 herausgelaufen. Auf den letzten 24 km waren wir fast auf die Sekunde gleich „schnell“. Damit wird auch meine Erfahrung bestätigt, dass sie die bessere Ausdauer besitzt und auch längere Strecken locker bewältigen kann.

 

 

Judith und ich können auf einer Bank sitzend den Zieleinlauf einiger Mitstreiter verfolgen. Carsten ist auch bald da und dann fließt das alkoholfreie Feldschlösschen-Bier in Strömen. Unser erster 100er ist geschafft.

Besonders möchte ich mich bei den vielen Helfern bedanken, die sich die Nacht um die Ohren geschlagen, uns perfekt versorgt oder im dunklen Wald auf dem rechten Weg geleitet haben.

Nach dem Abholen des attraktiven Finisher-Shirts und einer Dusche im Hotel geht es zur  AK-Siegerehrung. Kurz danach kommt Ruedi Schneider ins Ziel. Er beendet seinen 50. Bieler 100er in 18:43 Stunden. Der Bieler 100er ist halt eine Legende.

 

Siegerinnen 100 km

1. Bernasconi Claudia, 1983, SUI, La Tour-de-Peilz       8:18.28,5
2. Hediger-Weiss Katharina, 1972, SUI, Berg TG           8:32.49,1
3. Siegenthaler Bagnoud Virginie, 1975, SUI, Denges      8:35.29,7

Sieger 100 km

1. Vieux Florian, 1986, SUI, Val-d'Illiez                  7:01.13,5
2. Lang Severin, 1981, SUI, Aefligen                       7:35.20,6
3. Christen Matthias, 1980, SUI, Madiswil                  7:40.53,6


Sieger 56 km Ultra-Marathon

1. Rindlisbacher Martin, 1969, SUI, Münsingen              4:17.52,3
2. Wälchli Philipp, 1975, SUI, Worb                        4:29.25,4
3. Zeder Markus, 1973, SUI, Burgdorf                       4:32.16,3

Siegerinnen 56 km Ultra-Marathon

1. Okle Marianne, 1972, SUI, Köniz                         4:28.43,7
2. Schmid-Stoller Barbara, 1967, SUI, Spiez                4:49.34,0
3. Russenberger Doris, 1974, SUI, Räterschen               5:01.48,0

 

Finisher

100 km        669
Ultra-Marathon    147
Halbmarathon        505
Erlebnislauf        659

Deutschland         350
Österreich           16

 

Informationen: Bieler Lauftage
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