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Laufberichte

Nass bis auf die Haut - Heimspiel im Schwabenland

20.09.09

Heute hab ich Heimspiel im Schwabenland - nicht ganz, aber fast. Es geht nach Ulm ins Schwäbische Baden-Württemberg. Meine Heimatstadt Augsburg ist auch schwäbisch, aber die liegt in Bayrisch-Schwaben. Der Begriff Schwaben wird fälschlicherweise oft mit dem historischen Territorium Württemberg oder dem gesamten Bundesland Baden-Württemberg gleichgesetzt. Innerhalb von Baden-Württemberg bewohnen die Schwaben vor allem einen Großteil des ehemaligen Landes Württemberg. In Bayern gibt es aber auch Schwaben und wir sind dort im Regierungsbezirk Schwaben zu finden. „Hoschas kapiert“, würde jetzt der Bayerische Schwabe sagen. Ulm/BW und Neu-Ulm/BAY teilen sich den Marathon und auch die Strecke, die Trennung der beiden Städte/Bundesländer nimmt die Donau vor, ein Teil der Marathonstrecke liegt somit auch auf der Bayerischen Seite.

Die Anfahrt über die A8 dauert für mich eine gute Stunde, natürlich nur Dank der frühen Morgenstunde, etwas später hätte ich gute Chancen, geraume Zeit im Stau zu verbringen. Parkplatzprobleme gibt’s am Ulmer Messegelände keine und ruckzuck sind auch die Startunterlagen, samt T-Shirt empfangen. Da jetzt alles so schnell erledigt ist und auch der Start direkt vor den Hallen stattfindet, kann ich noch fast für ein Stündchen Augenpflege in meinem Auto betreiben.

Um 8.30 Uhr treibt’s mich wieder raus. Mein erster Weg führt zum Kleidertransport, wo mir auch schon Anton über den Weg läuft. Er steuert noch einen zweiten Bericht bei. Da der Zieleinlauf in der Ulmer Innenstadt vor dem Münster ist, ist es schon angebracht, frische Wechselkleidung nach dem Lauf parat zu haben. In und vor den Messehallen haben sich bereits kleinere und auch größere Teams zum Fototermin eingefunden. Da haben wohl einige Firmen einiges an Mitarbeitern aktiviert und aufgeboten.

Am Startbogen moderiert ein lokaler Radiosprecher abwechselnd mit Arthur Schmidt. Wer sich öfters mal auf Laufveranstaltungen rumtreibt, dem wird er kein Unbekannter sein. Er weiß wirklich fast über jeden was zu erzählen. Mehrere prominente Läufer/innen interviewt er unter dem Startbogen. Fünf Minuten vor dem Start begrüßt er die frühere 10.000 Meter Weltrekordlerin Olga Bondarenko aus Russland. Sie möchte auch am Lauf teilnehmen, aber sie hat keinen Chip am Schuh. Engagiert versucht er noch über Mikrofon, einen auf die Schnelle auf zu treiben. Ob das noch geklappt hat, hab ich aber nicht mehr mitbekommen, weil es kurz darauf losgeht. Erstmal noch wird die Nationalhymne gespielt …für Hardrocker, Hell’s Bells von AC/DC. Ja, das hämmert gleich richtig rein, besser als jede Aufwärmgymnastik.

 
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Wettermäßig ist es ziemlich grau am Himmel, aber die Temperaturen sind angenehm. Um Punkt 9 Uhr geht’s los. Fast 6.000 Sportler stehen in der Startaufstellung, davon ca. 900 für den Marathon. Erstmal geht es auf der Thalfinger Uferstraße stadtauswärts an der Donau entlang. Auf dem Wasser liefert sich mit uns ein Vierer mit Steuermann ein Rennen, aber sie haben nicht so viel Ausdauer wie wir. Nicht mal einen Kilometer fahren sie neben uns her, dann geben sie auf und feuern uns dafür an.

Viele Kilometer werden wir heute direkt an der Donau entlang zurücklegen, da lohnt es sich schon mal ein paar geographische Daten in Erinnerung zu bringen. Der Erdkundeunterricht wird bei den meisten doch schon einige Zeit zurückliegen? Ok, die Donau ist nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Knapp 2.900 Kilometer ist sie lang und entspringt im Schwarzwald. Sechs Staaten – Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Rumänien – werden von ihr durchflossen. Für weitere vier Staaten – Kroatien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine – stellt sie den Grenzfluss dar. Man vermutet, dass der Name Donau seinen Ursprung in der Sprache der Kelten hat, die einst am Oberlauf lebten. Belegt sind u.a. "dona-aw" für tiefes Wasser.

Heute haben sich auf dem Fluss wirklich einige tolle originalgetreu nach gebaute „Ulmer Schachteln“ eingefunden und begleiten uns, teilweise mit zünftiger Blasmusik bestückt. Eigentlich darf man sie so gar nicht nennen. Die Ulmer nannten ihre Schiffe „Zille“, aber die Donau-Nachbarn nannten sie spöttisch „Ulmer Schachtel“, weil sie wie Holzschachteln aussahen. Sie hatten einen flachen Kiel und hüttenartige Aufbauten. Die Zillen galten in den Donauländern als besonders zuverlässige Schiffe für die schwierige Donauschifffahrt. Die Ulmer Schiffsleute zu seiner Zeit betrachteten die despektierliche Bezeichnung „Ulmer Schachtel“ als grobe Herabwürdigung ihrer Schiffbaukunst. Sie gebrauchten niemals diesen Namen, der sich aber heute so eingebürgert hat. Mit diesen Schiffen fuhren die Ulmer Schiffer donauabwärts, manchmal bis ans Schwarze Meer, um ihre Handelsgüter an den Mann zu bringen. Da die Schiffe nur zum runter schippern bestimmt waren, wurden sie am Reiseziel verkauft. Die Schiffsleute mussten den langen beschwerlichen Weg auf dem Pferd zurück reiten. So waren sie leichte Beute für Räuber, die natürlich wussten, dass hier viel Geld zu holen war.

Dann wird’s laut hinter mir, ein Sportkamerad hat sich seine eigene Jukebox auf den Rücken geschnallt und beschallt damit das ganze Feld. Gerade läuft von Reinhard Fendrich „Es lebe der Sport“, das passt ja bestens. Am Ortseingang Thalfingen hat sich eine Gruppe eine Biertischgarnitur zum Frühschoppen mit Weißbier und Weißwürsten aufgebaut. Sie sind jedes Jahr hier vertreten, wie ich auf ihrem Transparent lesen kann. Und auf dem Wasser spielt die Blasn dazu. Ja dann, „Prost und an Guaden, des wär jetzt auch a Sach“. Nach vier kerzengeraden Kilometern erreichen wir am Ortsende einen Kreisverkehr. Die Thalfinger sind hier gut vertreten und feuern uns begeistert an. Wir biegen nach rechts ab, um die Donau zu überqueren. Und gleich geht’s wieder rechts, um entgegengesetzt die Richtung Neu-Ulm einzuschlagen. Hier, nach 5 km kommt auch die erste Verpflegungsstelle.

 
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Am Ortsausgang von Pfuhl nach 8 km dringen ganz eigenartige Töne in mein Ohr. Das passt gar nicht zum normalen Laufgetrampel, ein regelmäßiges Schlapp …Schlapp …Schlapp. Als der Sportskamerad, der das erzeugt auf meiner Höhe ist, kann ich auch den Grund dafür ausmachen. Seine Schuhsohle hat sich schon zur Hälfte selbständig gemacht und klappt bei jedem Schritt laut vernehmbar zurück. Die Schuhe kann er nicht mal nach Kenia spenden. Der Lions-Club Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau und die Spedition Noerpel haben nämlich gerade zum Einstein-Marathon ein Projekt laufen, das sich "LaufSchuhe für Kenia" nennt. Im Ziel auf dem Münsterplatz kann man seine gebrauchten Laufschuhe einwerfen, von wo sie dann per Schiff nach Eldoret in Kenia verfrachtet und über eine Kontaktstelle an Läuferinnen und Läufer aus dieser Gegend verteilt werden.

Die Donau kommt wieder bei km 11 in Sicht, die Ulmer Schachtel mit der Blaskappelle hat mittlerweile auch umgedreht und spielt wieder für uns auf „wie der Ernst Mosch“. Kurz vor einer weiteren VP-Stelle gibt es mit der UNICEF-Fanmeile eine weitere tolle Aktion zu bewundern. Im Abstand von vielleicht 5 Metern wurden fantasievoll gestaltete Schilder aufgestellt. Fans konnten ihre Tafeln bemalen um ihre Favoriten individuell anzufeuern und das ist glaub ich gut gelungen, mir entlockt es einige Male ein Schmunzeln wegen der guten Sprüche. Zweck der Aktion ist es, Spenden für ein UNICEF-Projekt zu sammeln.  Der Erlös dieser Aktion kommt dem Projekt „gegen Kinderarbeit auf Müllkippen in Equador“ zu Gute.

 
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Das Stadtgebiet von Neu-Ulm erreichen wir bei km 12, viele Zuschauer haben sich eingefunden um uns zu unterstützen. Von oben wird’s jetzt immer ungemütlicher und leichter Nieselregen setzt ein. Die nächsten 7 Kilometer sind dann sehr schwer zu beschreiben, alleine das Dtudieren des Streckenplanes ist eine Wissenschaft für sich. Über diverse Brücken, mal darunter, mal darüber, unzähligen Kurven und vielen Richtungsänderungen und Schleifen führt uns der Weg durch Neu-Ulm, der Innenstadt von Ulm und wechselweise an der Donau entlang. Als Auswärtiger verliert man da zwangsläufig die Orientierung aber langweilig wird es da sicher keinem. Ein wirkliches Problem ergibt sich daraus auch nicht, zielsicher werden wir perfekt abgetrennt, überall durchgeführt.

Viele Bands und Cheerleadergruppen sind auf der Strecke verteilt, an manchen führt unser Weg gleich mehrmals vorbei. Die Trommler in der Ulmer Altstadt sind nicht zu überhören und auch der Harry Reischmann bearbeitet seine Drums mit wahrer Begeisterung. Lautstark werden wir dazu von den Ulmern angefeuert, besonders natürlich im Innenstadtbereich und das, obwohl der Regen immer stärker wird.

Wieder einmal am Donauufer sticht mir schon von Weitem das Ulmer Münster ins Auge. Kein Wunder, hat es doch mit 161 Metern den höchsten Kirchturm der Welt ... aber die Ulmer zittern schon seit einiger Zeit. Die Sagrada Familia in Barcelona will ihr mal den Rang abspenstig machen. Wenn sie jemals vollendet wird, soll ihr Turm einmal 170 m hoch werden. Das derzeit angebrachte Baugerüst am Münster wird aber wohl nicht den Grund haben, dem vorzeitig entgegen zu wirken?

 
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Nach knapp 19 km hat das Geschlängel ein Ende. Zuerst rechts dann links auf Ulmer Seite führt der Weg wieder kontinuierlich am Fluss entlang. Kurz nach dem 20 km-Schild werden die Halbmarathonis nach links in die Stadt geführt, zu ihrem Zieleinlauf. Bei uns geht’s erstmal für die nächsten 3 km gerade weiter bis zu einer Wendeschleife. Fast genau zwei Stunden nach dem Start öffnet der Himmel seine Schleusen, es schüttet wie aus Eimern. Jetzt hat es mich auch einmal richtig erwischt. Bisher hatte ich nämlich das Glück, bei noch keinem Marathon völlig durchnässt worden zu sein. Alle, die jetzt unterwegs sind, sind nass bis auf die Haut. Ganz unangenehm schwabbelt das Wasser in meinen Laufschuhen. Da hilft nur eines: Augen zu und durch. Ich brauch sie gar nicht zu zumachen, meine Brille ist vollkommen beschlagen, ich sehe eh kaum mehr was. Bilder kann ich euch jetzt natürlich auch keine mehr liefern, meine Kamera möchte ich ungern ersäufen.

Der Wendepunkt wird exakt bei km 23 erreicht, dann geht’s in die entgegen gesetzte Richtung bis km 31 immer an der Donau entlang. Wir werden alle völlig aufgeweicht. Wenigstens die Temperaturen sind so hoch, dass man nicht am frieren ist. Wie sagt doch eine alte Bauernweisheit: „Wenn’s lange regnet, wird jeder nass“. Zu bedauern sind die vielen Streckenposten und Helfer, die ihre Plätze nicht verlassen können. Die Einzigen, die dem entgehen, ist das Schiff mit der Blas’n drauf, sie haben sich einfach unter einer Donaubrücke platziert und können uns so auch weiter unterhalten.

Aber tatsächlich, nach einer Stunde hat der Spuk ein Ende. Der herrliche Uferlauf ist aber leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Am Donaukraftwerk bei km 30 setzten wir wieder mal auf die andere Donauseite über. An der dortigen Verpflegungsstelle werde ich auch über Hailles 2:06 in Berlin in Kenntnis gesetzt, er polarisiert einfach alle Laufbegeisterten. Der Donaukanal führt uns von hier nach Wiblingen. Am Ortsrand umrunden wir die Ortschaft, bis wir Kloster Wiblingen erreichen. Das Kloster ist eine ehemalige Benediktinerabtei, die später als Kaserne genutzt wurde und heute Abteilungen des Universitätsklinikums Ulm beherbergt. Die Klosterkirche St. Martin dient als katholische Pfarrkirche und der Südflügel, der 1917 neu errichtet wurde, wird als städtisches Altersheim genutzt. Im Innenhof ist für uns eine große Verpflegungsstelle eingerichtet. Es gibt Wasser, Cola, Iso, Bananen, Trockenfrüchte und noch einiges mehr. Und sogar einige Zuschauer haben sich nach dem Sauwetter eingefunden.

 
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Bei km 37 sind wir wieder am Fluss, aber erstmal noch für zwei Kilometer an der Iller, bis diese in die Donau einfließt. Die ersten Sonnenstrahlen finden für heute auch ihren Weg. Bei km 41 setzen wir wieder auf die andere Seite über. Noch geht’s 500 Meter neben der Bahn entlang und dann folgt unser Zieleinlauf durch die City von Ulm. Kurz vor dem Münsterplatz dürfen wir origineller Weise noch eine Ladenpassage durchqueren. Den Zieleinlauf kann ich vor vielen begeisterten Zuschauern doch tatsächlich unter blauem Himmel beenden. Sehr clever hat der Veranstalter meines Erachtens den Beginn des 5 km Gesundheitslaufs und 10 km Citylaufs gelegt – die gerade ins Ziel kommen – dadurch ist auch jetzt noch für viel Betrieb und Zuschauerinteresse gesorgt. Bei vielen anderen Veranstaltungen kommen doch die „späten“ Marathonis nämlich eher schlecht weg.

Super organisiert ist auch die Versorgung im Zielbereich. Den Schluck Gerstensaft bleiben uns auch die Ulmer nicht schuldig. Auf dem gesamten Münsterplatz geht’s zu wie auf einem Volksfest, so viele Menschen haben sich eingefunden um alle Läufer/innen zu empfangen und feiern. Leider hab ich mir den Plan nicht angesehen, wo ich meinen Kleidersack in Empfang nehmen kann. Da wird mir aber schnell weiter geholfen. Gleich neben den Kleidertransportern sind auch die Container für die Aktion "LaufSchuhe für Kenia" aufgestellt. Viel sind noch nicht drin.

Der Shuttlebus zur Messe fährt auch von hier gleich weg, sehr praktisch. Auf dem Weg zum Parkplatz unterhalte ich mich noch mit Helmut Ruf und seiner Frau und Lauffreunden. Schnell haben wir einen weiteren Marathon, den wir gemeinsamen gelaufen sind. 2005 haben wir beide in New York City Paul Tergat vor uns hergetrieben.

 
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Marathon Finisher 894

Sieger
Männer

1. Schumacher, Richard, WMF BKK AST Süßen 02:36:29
2. Klaus, Maximilian, TF Feuerbach  02:36:423
3. Strecke, Michael, SSV Ulm 1846 02:39:42

Frauen

1. Bartels, Birgit, 03:01:11
2. Roth, Beate, SSV Ulm 1846 03:10:25
3. Veith, Pamela, LG Dettingen/Erms 03:12:21

Halbmarathon Finisher 3.537
Sieger
Männer

1. Kipchumba Kosgei, Titus, SSV Ulm 1846 01:05:03
2. Langat, Wesley (KEN), LCC Wien 01:05:53
3. Kriependorf, Thorsten, SSV Ulm 1846 01:12:46

Frauen

1. Jemeli Kipchonge, Pamela, SSV Ulm 1846 01:16:01
2. Berasniova, Alena (RUS), LCC Wien 01:16:15
3. Schmid, Heike 01:25:33

 

Informationen: Einstein-Marathon
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