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Laufberichte

Gutes Geld für gute Leistung

 

Das große Marathonwochenende steht an. London, Wien, Zürich, Leipzig und noch ein paar andere mehr. Da fällt die Entscheidung schwer. Wir beschließen, eher aus dem Bauch heraus, nach Zürich zu fahren. Seiner einmaligen Lage im Zentrum Europas verdankt Zürich sein kosmopolitisches Ansehen in aller Welt. Bereits im frühen Mittelalter wurde hier der Handel großgeschrieben. Die Auswirkungen der Reformation 1519 ebneten den Weg zum internationalen Finanzzentrum, wo auch heute noch weltweit operierende Konzerne ihren Hauptsitz pflegen. Google und Fifa, Birchermüesli und „Züri Gschnätzlets“, Tradition und Moderne, das sind hier keine Widersprüche sondern koexistieren in landschaftlich beeindruckender Lage. Zürich hat um die 400.000 Einwohner und einen Ausländeranteil von 32 % - muss ich mehr sagen?

Wasser ist in Zürich allgegenwärtig. Der 28 km lange Zürichsee ist nicht zu übersehen, die Flüsse Limmat und Sihl umrahmen die Altstadt. In der Stadt verteilt gibt es 1224 Trinkwasserbrunnen. Neben normalen Freibädern laden 30 See- und 20 Flussbäder, die sogenannten „Badis“ im Sommer zum Baden ein. Die Schiffe der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft auf dem Zürichsee und die Limmatboote öffnen für Einheimische und Touristen ganz neue Verkehrswege. Neben der Trendsportart Stand-Up-Paddling kann man auch Segeln, Rudern, Wakeboarden- oder surfen und sogar Wasserskifahren.

Zürich ist für ortsfremde Autofahrer eine Herausforderung, denn es gibt viele enge Straßen, unzählige Einbahnstraßen, dazwischen Horden von Radlern und ein hohes Verkehrsaufkommen. Parkplätze sind sowieso Mangelware und deshalb sehr teuer. Der Veranstalter des Zürich Marathons warnt deshalb ausdrücklich vor der Anreise mit dem PKW. Mit dem (im Marathonpreis enthaltenen)  Swiss-Ticket kann man in der Schweiz kostenlos mit der Bahn anreisen. Dass Norbert, Laura und ich trotzdem mit dem Auto kommen, hat logistische Gründe.

Nachdem wir unser Gepäck am Samstag bei der Unterkunft abgestellt haben, denn auch dort gibt es keinen Parkplatz, steuern wir das Mythenquai an. Hier ist der Start- und Zielbereich der Läufe. Wir haben Glück und finden einen perfekten Parkplatz. Gleich auf der anderen Straßenseite ist der Bereich, wo morgen die Taschen abgegeben werden können. Große gelbe Container sind bereits aufgebaut und mit den Startnummern beschriftet. Das grelle Gelb harmoniert hervorragend mit der grünen Wiese, dem blauen See und den weißen, schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Am See entlang schlendern wir Richtung Startbereich. Die Tore zum Strandbad sind geöffnet und viele Entspannungssuchende haben die Wiesen mit Decken und Sonnenschirmen belagert. Ein paar Kälte unempfindliche wagen sich sogar in den See. Laura testet die Wassertemperatur, ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Der eigentliche Badebetrieb ist noch nicht eröffnet. Das stört die Anwesenden herzlich wenig; dafür ist das Vergnügen momentan auch kostenlos.

Das Strandbad gibt es bereits seit 1922. Der 250 Meter lange Sandstrand mit einem Nichtschwimmerbereich im See und einer Wasserspiel-Anlage zieht besonders Familien mit Kindern an. Im See befindet sich eine Sprungplattform in drei verschiedenen Höhen (1, 3 und 5 Meter) und daneben der weltweit erste Automat für Stand-Up-Paddling-Bretter. Über Touchscreen  mittels Kreditkarte oder bar kann ein Brett für CHF 30 pro Stunde gemietet werden. Tischtennisplatten, Grillstellen, ein Restaurant, Yoga- und Pilates-Kurse runden das Naherholungsangebot ab.

Auf dem Parkplatz des Sukkulentenhauses wird bereits fleißig aufgebaut. Die Vorbereitungen für den Marathon sind nicht zu übersehen. Unser nächstes Ziel ist die Saalsporthalle. Sie befindet sich knappe 2 Kilometer von hier, das schaffen wir locker zu Fuß. Dort ist auch schon einiges los. Die Startnummern gibt es am Ende der kleinen, aber feinen Marathonmesse. Nun ist es auch schon Zeit für die Pastaparty. Der Gutschein für eine Portion Nudeln mit Soße (mit oder ohne Fleisch) befindet sich an der Startnummer.

Am nächsten Morgen müssen wir früh los. Start ist um 8Uhr30. Wir nutzen den Shuttlebus von der Saalsporthalle aus. Er bringt uns direkt zur Gepäckabgabe, wo unser Auto steht. Unsere Taschen packen wir dann direkt ins Auto.

 

 
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Die Schlangen an den Toiletten sind lang und der Weg zum Startbereich noch länger. Wir müssen joggen, um rechtzeitig im Startbereich zu sein. Leicht gestresst erwarten wir den Startschuss; Luftballons steigen auf und bereits nach knappen 3 Minuten sind wir vom letzten Startblock aus über die Zeitmessung.

Beschwingt von der tollen Atmosphäre, die den großen Stadtmarathons zu eigen ist, laufen wir los. Publikum und Sprecher verabschieden uns mit Applaus und Anfeuerungen. Die laute Musik geht sofort in die Beine, im hinteren Feld ist es trotzdem entspannt. Norbert versucht sich deshalb nach vorne durchzuarbeiten, Laura habe ich auch bald aus den Augen verloren. Ich freue mich auf die nun folgenden Kilometer und bin neugierig, was wir von Zürich zu sehen bekommen.

Eine scharfe Linkskurve parallel zur Uferpromenade bringt uns Richtung Innenstadt. Das „promenieren“, also spazieren gehen, kennt man in Zürich bereits im 18. Jahrhundert. Und weil das am See entlang besonders schön war, wurde aus der Kleinstadt am Fluss Limmat die Großstadt am See. So ist es bis heute.

Wir erreichen den Bürkliplatz. Dieser entstand im Zuge der Umgestaltung der Quaianlagen 1882. Die Stadtbefestigung wurde abgerissen, Land aufgeschüttet und Alleen, Wiesen und Parks angelegt. Heute ist der Bürkliplatz Schiffsanlegestelle und Ausgangspunkt für Rundfahrten auf dem Zürichsee, zweimal die Woche findet hier der Gemüsemarkt statt. Die Aussichtsterrasse am Bürkliplatz ist zudem ein beliebter Treffpunkt. Hier stehen viele Zuschauer, um das Vorbeiziehen der mehreren tausend Läufer zu bewundern. Eine Steelband macht Stimmung.

Es geht auf die Quaibrücke, die auf 121m Länge die Limmat überspannt, die hier aus dem Zürichsee abfließt. An normalen Tagen überqueren bis zu 50 000 Fahrzeuge und 1530 Trambahnen die Brücke. Fertiggestellt wurde sie 1884, 1899 fuhr bereits die erste Straßenbahn darüber. 1939 wurde sie umfangreich renoviert und von 20 m auf 28,5 m verbreitert. 1982 musste der komplette Brückenüberbau ausgetauscht werden, was zusätzliche 2 m Breite einbrachte.

Vor uns baut sich ein großes Riesenrad auf. Bevor wir es allerdings erreichen, biegen wir scharf rechts auf den Utoquai. Hier befindet sich seit 120 Jahren der hölzerne „Badepalast Utoquai“ mit Sprungbrettern, Badeinseln, Nichtschwimmerbecken (noch immer nach Männlein und Weiblein  getrennt) und Sonnenterrassen, ebenfalls teilweise mit Geschlechtertrennung. Eine weitere Steelband steht hier. Wir kommen aus dem Tanzen gar nicht heraus.

Gegenüber dem Utoquai liegt der weite Sechseläutenplatz. Hier wird das Frühjahrsfest, das „Sechseläuten“ gefeiert, das mit der Verbrennung des Bööggs endet. Der Böögg ist eine 3,40 Meter hohe, 100 Kilogramm schwere Holzpuppe, die mit Feuerwerkskörpern gefüllt ist. Laut Volksmund kommt der Sommer früher, je schneller der Böögg verbrennt. Unter dem Sechseläutenplatz befindet sich seit 2012 ein Parkhaus, in dem archäologische Grabungsfunde für Interessierte multimedial auf zwei Etagen präsentiert werden.

 

 
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Wir laufen die breite Bellerivestraße entlang. Bis 1890 befand sich hier das ehemalige Landgut "Bellerive". Nanu, da vorne kommt ja schon die erste VP. Es gibt jede Menge Wasser und Bananen. In Anbetracht der zu erwartenden Temperaturen greife ich gleich zum ersten Becher.

Die Strecke zweigt nun links in die Dufourstraße ab. Schon von weitem können wir das Züricher Opernhaus am Ende der Straße erkennen. Das imposante Gebäude ersetzte 1891 seinen abgebrannten Vorgänger als Theaterhaus, wurde aber schon bei der Eröffnung mit Wagners Lohengrin als Musiktheater genutzt. Seither hat das Opernhaus viele Glanzstunden und  Uraufführungen erlebt. Erneut am Utoquai, kommen uns viele Läufer in gelben Shirts entgegen. Der 10 km lange Cityrun wurde eine viertel Stunde nach uns gestartet.

Das Begegnungsstück läuft über die Quaibrücke, von wo aus wir nun über die Limmat hinweg Teile der Züricher Altstadt bewundern können. Dahinter zweigt die Strecke nach rechts auf die exklusive Bahnhofstraße. 1,4 km lang führt sie vom Bürkliplatz zum Hauptbahnhof. Hier befinden sich Warenhäuser, Boutiquen großer Modedesigner, Schmuck und Uhrenläden und diverse Luxushotels. Die Monatsmieten für Erdgeschossflächen sind astronomisch und einmalig in Europa. Weil die Bahnhofstraße autofrei ist, sind wir auf den Schienen der Tram unterwegs. Da muss man aufpassen, wo man hintritt.

Die tiefen Töne von Alphörnern sind zu hören. Drei Musiker mit dem typischen schweizerischen Musikinstrument spielen auf dem Paradeplatz. Wir haben sie bereits am Vortag bei der Pastaparty kennengelernt, wo sie zur Freude der Anwesenden ihr Können unter Beweis gestellt haben. Auf dem von großen Jugendstilbauten gesäumten Platz macht das Ganze jedoch wesentlich mehr her. Kann ich nicht sogar ein kleines Echo vernehmen?

Der Paradeplatz  hieß im 17. Jahrhundert noch „Saumärt“, weil hier der Viehmarkt stattfand. Später wurde er zum Neumarkt und dann zum Paradeplatz. Im schmucken Ambiente haben die Schweizer Großbanken ihren Sitz. Von der Bahnhofstraße führen der Rennweg und die Augustinergasse in die pittoreske Altstadt. Die nächste Steelband macht Stimmung. Wir laufen an der Pestalozziwiese vorbei. Eine Statue erinnert an den Schweizer Pädagogen Johannes Heinrich Pestalozzi.

Vor uns liegt nun der Hauptbahnhof mit dem Denkmal des Züricher Politikers und Unternehmers Alfred Escher davor. Der Visionär war maßgeblich am Bau und der Finanzierung der Gotthardbahn und des Gotthardtunnels beteiligt. Außerdem hat er die eidgenössische Technische Hochschule mitbegründet.

Der Hauptbahnhof ist, trotz Kopfbahnhof, der größte Bahnhof der Schweiz und einer der meistfrequentierten Bahnhöfe der Welt. Außerdem ist er auch einer der ältesten Bahnhöfe der Schweiz (gebaut 1871). Der Sandsteinbau im Stil der Neorenaissance hat als Haupteingang einen hohen Triumphbogen, reich dekorierte Wandelgänge und Lichthöfe. Die Gleise, ursprünglich waren es nur 6, sind mit Eisenfachwerkträgern überspannt. Die Halle aus Stein besticht mit Arkaden und Bogenfenstern. Mittlerweile gibt es eine Shoppingmall im Untergeschoss, außerdem verkehrt hier auch die S-Bahn unterirdisch.

Davon bekommen wir allerdings nichts mit.  Wir biegen nämlich, von vielen Zuschauern angefeuert, links ab. Hier erwarten uns die Helfer der zweiten VP, wieder am Bürkliplatz tauchen wir in die Menschenmenge aus Zuschauern und Läufern ein. Der Laufkurs kreuzt hier in mehrere Richtungen. Wären die Strecken nicht vorbildlich abgesperrt, könnte es hier leicht chaotisch werden. So läuft aber alles in geregelten Bahnen und die Stimmung ist einfach nur perfekt.

Wir kommen nun über den General-Guisan-Quai, benannt nach dem General der Schweizer Armee. Hier waren wir nach dem ersten Kilometer schon einmal. Die Pacer für 3h30 und 3h45 kommen entgegen. Ich konzentriere mich nach vorne, da werde ich angerufen: Norbert hat mich gerade noch entdeckt, bevor sich unsere Strecken wieder trennen. Ein kurzer Gruß, wir müssen beide weiter, aber in entgegengesetzte Richtungen.

 

 
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Nochmal links geht es die breite Alfred-Escher-Straße hinunter. Hier werden die Teilnehmer des Teamrun nach rechts zum 1. Staffelwechsel geleitet. Beim Teamrun teilen sich jeweils 4 Läufer die Marathonstrecke. Start war 7 Minuten nach unserem, schon lange haben sich die Läufer der Wettbewerbe vermischt.

Um die Kurve herum befinden wir uns wieder auf dem Mythenquai, wo wir gestartet sind. Hier liegt das Ziel des Cityrun. Die Läufer geben nochmal Gas und genießen einen stimmungsvollen Zieleinlauf mit Chearleadern. Sie bekommen alle eine schöne Medaille.

Wir laufen aber weiter. Es geht schon mal durch den Zielbogen, 10 km sind geschafft. Die große digitale Uhr zeigt 1h02. Oh, das ist aber flott. Aufgrund der relativ hohen Temperaturen hätte ich das nicht erwartet. Mal sehen, wie das weiter geht. Die nun folgende Strecke kennen wir schon. Wir laufen zurück zum General-Guisan-Quai, vorbei am stimmungsvollen Bürkliplatz über die Quaibrücke, über den Utoquai auf die Bellerivestraße.

Die VP (km 13) kennen wir ebenfalls schon. Ich tanke nach und schütte mir auch einen Becher zur Kühlung über den Kopf. Wir bleiben diesmal auf der Seestraße, die uns bis km 25 nach Meilen führt. Obwohl die Strecke immer ziemlich geradeaus geht, ist sie sehr abwechslungsreich. Es sind viele Läufer auf der Strecke, etliche Zuschauergruppen machen Stimmung und immer wieder kommt eine Band oder Kapelle, die uns einheizt.

VPs gibt es ungefähr alle 3 Kilometer und auch zwischendurch bieten Anwohner Kühlung. Highlight sind die Kinder, die  mit Gartenschläuchen die Läufer abspritzen. Mir gefallen die Kilometer direkt am See entlang. Man hat atemberaubende Blicke auf die schneebedeckten Alpengipfel, die zum Greifen nah erscheinen.

 

 
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Ich bin irgendwo hinter km 15, als plötzlich entgegenkommend die Marathonführenden angekündigt werden. Der für die Schweiz startende gebürtige Kenianer Patrick Ereng und  Charles Munyeki aus Kenia kommen angestürmt. Kenianer Bernard Rotich ist mit einigem Abstand dritter. Sie werden später in der Reihenfolge Munyeki, Ereng und Rotich ins Ziel einlaufen. Dann passiert längere Zeit nichts, die  Nachfolgenden haben schon gehörig Abstand. Zunächst kommen sie nur vereinzelt kommen sie angesprintet, dann werden die Läufergruppen größer. Erst der 3h00 Pacer hat einen stattlichen Pulk im Schlepptau. Auch bei 3h15 ist einiges los.

Ich überhole einen Läufer, der auf seinem Shirt anzeigt, dass er 16x den Zürich Marathon hinter sich hat. Das bedeutet, dass er bisher jeden Zürich Marathon gefinisht hat. Ich gratuliere ihm, er freut sich.

Hinter km 20 geht es bergab. Nanu, ich dachte die Strecke ist flach. Die Läufer auf der anderen Straßenseite nutzen die Steigung zum Gehen. Sie sehen zum Teil schon ganz schön fertig aus. Mir dagegen geht es immer noch gut. Vor dem Örtchen Winkel ist die nächste Staffelübergabe. Geordnet nach Nummern warten die Läufer auf ihre Teamkollegen. Während ich die Zeitmessung überquere, überholen mich die Pacer für 4h30. Dass sie erst jetzt kommen, gibt mir neue Motivation.

Hinter dem Pacer für 3h45 auf der Gegenseite kommt Norbert. Wir klatschen kurz ab und weiter geht es. Der 4h00 Pacer taucht auf. Nun ist die Straße auf der anderen Seite richtig voll. Toll, wie viele Läufer in nur 4 Stunden finishen wollen. Bald taucht ein hoher Torbogen vor mir auf. Hinter diesem erfolgt erneut die Trennung für den Teamrun. Aha, der 3. Staffelläufer musste nur 4 km laufen. Hier ist mächtig was los, denn die Band auf dem LKW macht richtig gute Musik.

Marathonläufer werden nach links in eine kleine Gasse geleitet, jetzt geht es bergauf. Die Blaskapelle macht gerade Pause. Als ich sie „anfeuere“ bläst mir den Chef mit seiner Trompete den Marsch. Ich laufe noch ein paar Schritte, dann falle ich ins Gehen. Die Stimmung ist prächtig und ich werde mit Namen angefeuert. Oben befindet sich ein Zelt, das wir durchlaufen dürfen. Auf der anderen Seite geht es bergab. Ich mach trotzdem einen Stopp bei der VP.

Unten empfangen mich erneut die Rhythmen der Band auf dem LKW. Noch lange habe ich die Musik im Ohr. Ich bin jetzt auf dem Rückweg nach Zürich. Hinter dem Pacer für 5h00 kommt mir Laura entgegen. Obwohl Sie Hitzeläufe noch nicht gewohnt ist, hält Sie sich tapfer. Es hat 26 °C im Schatten – nur: Schatten gibt es hier nicht.

Ich bewundere die Steelband, die unter einem Tankstellenvorbau Stimmung macht. Etwas später bringt mich ein Junge mit kaltem Wasser aus dem Gartenschlauch wieder auf angenehme Temperatur. Die Helfer an den VP schütten uns das Wasser nun zur Kühlung auch über den Kopf. Soviel trinken wie der Körper verlangt, kann man gar nicht. Klasse, dass immer noch Zuschauer am Straßenrand stehen. Begeistert feuern sie uns namentlich an und versuchen die teilweise sehr erschöpften Läufer aufzumuntern.

Eine Band vor einem netten Terrassencafe schwitzt unter dem Partyzelt. Trotzdem geben sie ihr Bestes, um die Läufer zu motivieren. Und das hilft auch tatsächlich. Immer wieder versuchen die Beine den Takt der Musik mitzugehen. Eine kleine Bigband vor dem Strandhaus Strozzies holt nochmal das Letzte aus den Instrumenten. Die Steigung hinter Erlenhach wird von den meisten zur Gehpause herbeigesehnt. Hier ist sogar ein wenig Schatten.

Hinter km 31 geht es durch Küsnacht. Ja, der Tell. War es damals eigentlich auch so heiß? Bei km 32 ist eine Zeitmessung. Daran anschließend haben Anwohner einen Liegestuhl herausgestellt mit der Aufforderung, doch mal Pause zu machen. Es sitzt aber keiner da, vermutlich würde man nicht mehr hochkommen. Hinter km 33 steht eine 4-köpfige Familie in der Sonne und bietet Getränke an. Vielen Dank, ich bin gerührt von so viel Mitgefühl!

Eine Steelband, ich zähle 14 Musiker, ist mittlerweile etwas leiser, hört aber nicht auf zu spielen. Das gibt sicher Muskelkater in den Armen. Bei der nächsten Steelband wechseln sich die Spieler ab. Gute Idee! Sie sind immer noch voll dabei.  Die „Bänd“ (sie heißt so) war mir auf dem hinweg bereits aufgefallen. Der Sänger hat eine umwerfend rauchige Stimme. Ich hätte nicht gedacht, dass er so lange durchhält. Bereits von weitem erkenne ich das Lied. Ich lasse es mir nicht nehmen mitzusingen und eine kleine Tanzeinlage anzubieten. Der Band und dem Publikum gefällt es. Km 35 und mir geht es immer noch gut.

 

 
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Ein  kleiner Junge hat den Gartenschlauch jetzt an seine Schwester abgegeben. Sie kann das ebenso gut. Aus einer Gruppe Zuschauer ertönt ein Megaphon: „Los Birgit, Du schaffst das!“ Danke, Danke! Beim Sechseläutenplatz steht eine Frau mit Kuhglocke und gibt mir „Daumen hoch“. Ich winke zurück.

Am Utoquai wird Iso ausgeschenkt - da bin ich lieber vorsichtig. Dummerweise bekommen ich aus heiterem Himmel mitten auf der Quaibrücke einen Krampf, gerade als ein Rettungswagen von hinten angerauscht kommt. Ich humple auf den Gehweg. Als der Rettungswagen weg ist, ist auch der Krampf verschwunden und ich biege auf die Bahnhofstraße ein. Vorhin war das zwischen den hohen Häusern angenehm schattig. Das ist jetzt anders. Der Asphalt zwischen den Schienen hat sich backofenartig aufgeheizt. Aber auf den letzten 3 Kilometern ist das nun auch egal.

Erstaunlicherweise stehen die Alphornbläser immer noch auf dem Paradeplatz und spielen. Was für eine Ausdauer. Danke der älteren Frau, die mit ihrem Glöckchen jeden nochmal anfeuert, danke der kleinen Steelband und all den einzelnen Gruppen, die hier immer noch ausharren. An der Linkskurve beim Hauptbahnhof muss ich wieder eine Krampfpause einlegen und trinke deshalb nochmals einen Becher Wasser. Sicher ist sicher.

 

 
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Am Bürkliplatz übertönt das Tatütata der Rettungswagen den Lärm der Trommler und Zuschauer. Der Sprecher erzählt gerade, dass es beim London Marathon nicht ganz so heiß ist und dass hier in Zürich ein neuer Teilnehmerrekord zu verzeichnen ist. Wir laufen zum Mythenkai in den Zielkorridor.  Rechts ist für Staffelläufer abgetrennt. Sie können sich hier sammeln um gemeinsam durchs Ziel zu laufen. Dicht gedrängt stehen die Zuschauer Spalier. In schöner Kulisse erreiche ich das Ziel.

Nachdem ich mich durch die Fotografen gedrängt habe, bekomme ich eine große glänzende Medaille überreicht. Das erste was ich im Verpflegungbereich wahrnehme, sind Karotten. Daneben gibt es Kuchen. Erstaunlicherweise sind mir Karotten gerade lieber. Ich gebe den Zeitmesschip ab und bekomme das Finishershirt. Sofort wird mir eine Flasche kaltes Rivella in die Hand gedrückt. Im Schatten ruhe ich ein paar Minuten aus, der Weg zum Auto ist lang.

Norbert erwartet mich bereits und Laura kommt auch gleich. Wir sind uns einig – das war ein „heißes“ Rennen. Ohne die Unterstützung der vielen Zuschauer und den Einsatz der Helfer an den VPs wäre es noch härter gewesen.

 

 

 

Fazit:

Der Zürich Marathon hat zweifelsohne eine schnelle Strecke. Die zwei Steigungen sind kein Problem. Die Siegerzeit von 2:14 spricht dafür, dass sich die internationale Elite jedoch eher in London trifft (Siegerzeit 2:04). Ich finde das auch gut so. 100 Männer und 8 Frauen unter 3 Stunden belegen, dass  auch Marathon-Normalos in Zürich gute Zeiten laufen können. Die Strecke mit der Wende bei km 25 und dem langen Begegnungsstück ist gut für den Kopf. Die Damensiegerin Maude Mathys kommt übrigens nicht aus Kenia sondern aus dem Kanton Waad. Als Berglauf-Europameisterin war ein Sieg hier nicht unbedingt vorprogrammiert. Und das bei ihrem ersten Marathon.

Ob es sinnvoll ist, zu den über 2000 Marathonläufern auch noch über tausend Staffeln und 3000 Zehnkilometer Läufer innerhalb einer viertel Stunde auf die Strecke zu schicken, ist die Frage. Der Veranstalter wird sich etwas dabei gedacht haben. Die Verpflegung wird unter Läufern auch immer wieder diskutiert. Hier gab es bei großer Hitze genügend Wasser, zeitweise Iso, zweimal Cola, viele Bananen und Riegel, zweimal auch Gel. Mir hat es unterwegs an nichts gefehlt. Im Ziel wären Sitzgelegenheiten im Schatten nett, die findet man dann aber rund ums Strandbad genügend.

Die Strecke am See entlang mit den Zuschauer Hot-Spots um den Bürkliplatz und in Meilen haben mir sehr gut gefallen. An den langen Distanzen zwischen Startnummernausgabe, Kleiderdepot, Start und Ziel kann man wohl nichts ändern. Der Lauf ist topp organisiert.

Eines muss man den Schweizern lassen: für gutes Geld bekommt man gute Leistung.

 

Informationen: Zürich Marathon
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