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Laufberichte

Du bist der Weg

 

Zum neunten Mal organisiert Anita Kinle mit ihrem Laufclub 21 den  ING Marathon zum Welt-Down-Syndrom-Tag. 2011 hat sie begonnen, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Down-Syndrom mit dieser Veranstaltung Geld zu sammeln, das direkt den Betroffenen zu Gute kommt.

Zwar trifft man den Welttag, es ist immer der 21. 03., vom Datum her nicht genau. Doch das ist zweitrangig. Das Datum ist nicht willkürlich gewählt, es besteht vielmehr eine Verbindung: Das 21. Chromosom ist nämlich bei den Betroffenen dreifach vorhanden. Der Tag ist auch offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt. Mit Veranstaltungen soll die Thematik der Öffentlichkeit näher gebracht werden.

Der Laufclub 21 hat sich zur Aufgabe gemacht, Sport mit den Betroffenen in der Mitte der Gesellschaft zu betreiben und nicht innerhalb eines geschlossenen Rahmens. Welche Leistungen möglich sind, wurde in vielen Berichten auf M4Y bereits beschrieben. So zum Beispiel, wie ein von Trisomie21-Betroffener 2010 in Luzern einen Marathon gelaufen ist.

 

 

Das Konzept des Marathons zum Welt-Down-Syndrom-Tag ist stimmig, denn die ganze Familie kann aktiv hier teilhaben. Am Vortag findet der Frauenlauf über sechs Kilometer auf der schon weithin bekannten 1,3 Kilometer langen Runde im Südstadtpark statt. Ohne Zeitnahme natürlich, um viele Frauen und Mädchen dafür zu gewinnen.

Am Sonntag werden dann die Uhren scharf gestellt. Da kannst du sechs Stunden rennen, nach dem Motto „soweit die Füße tragen“. Oder einen Fünfziger oder Marathon machen, beim Halben oder beim Zehner rennen, bis die Lunge und Oberschenkel brennen oder gemütlich beim Volkslauf mittraben. Auch Kinder können wieder mitmachen. Als Staffel kann man beim 6-Stunden-Lauf rennen (drei bis maximal zehn Teilnehmer).

Für das Startgeld gibt es mehr als die übliche Versorgung. Da darf man sich als Läufer überraschen lassen. Neben einem Geschenk (das gleich bei der Startnummernausgabe überreicht wird) wartet eine Urkunde (aus dem Internet) auf die Athleten. Wer Kinder mitbringt, kann diese betreuen lassen oder man bezieht die Kinder gleich in das Laufen mit ein.

Heuer steht wieder die Grüne Halle als Veranstaltungszentrum zur Verfügung. Vom Hauptbahnhof ist diese in einigen Minuten erreichbar. Abstellmöglichkeiten für Autos sind etwas eingeschränkt. In der Halle selbst finde ich im Erdgeschoss Startnummernausgabe, Bühne, Cateringbereich und den Durchlauf für die Sportler. Und der ist das Markenkennzeichen. Du läufst auf einer Seite in die Halle rein, es wird die Zeit genommen, ein paar Meter weiter angezeigt und schon geht es auf die nächste Runde.

Bereits eine Stunde vor dem Start (der auf 10.00 Uhr gelegt worden ist), treffe ich viele Bekannte. Als Moderator hat man keinen geringeren als den Vize-Präsidenten des BLV Willi Wahl gewinnen können. Und der Willi kennt sich in diesem Metier bestens aus.  Auch Marathon4you ist ihm bestens bekannt und lobt uns für unsere Arbeit.

Kurz vor 10.00 Uhr werden wir zum Start gerufen. Dran sind zunächst die Einzelkämpfer über sechs Stunden, die Staffeln, die Marathonis und die 50km-Läufer. In der Halle starten die Staffeln und die Sechs-Stundenläufer, die anderen beiden Starts sind draußen auf dem Kurs. Die Strecken sind vermessen, die Restmeter bei den 6-Stunden-Läufern misst BLV-Laufwart Hans-Peter Schneider.

Ach ja, einer hätte fast den Start verschlafen. Benjamin Kinle, Sohn von Anita. „Ohne dich geht es nicht“, lockt die Mutter ihren Filius an die Startlinie. Und dann stellen sich alle Sportler des Laufclubs 21 an die Startlinie. Eine Besonderheit. Hier heißt es nicht „Auf die Plätze“ und dann der Schuss, sondern es wird hochgezählt von eins bis einundzwanzig und dann macht sich die Horde gemütlich auf den Weg und in die erste Runde.

 

 

Keine Bange, das Rundendrehen ist nicht langweilig. Ein gravierender Vorteil ist, du kommst immer wieder an der Verpflegungsstelle vorbei, der Hungerast hat keine Chance und man kommt mit Mitläufern immer wieder ins Reden. 1,309 Kilometer lang ist die Runde. Nach dem Start verlassen wir die Grüne Halle nach ein paar Metern, erste Linkskurve und vorbei an einem mobilen Grill mit Thüringer Würsten. Später werde ich mir da etwas schnorren, denn der Ofen ist schon angeschürt.

Nach 50 Metern eine Rechtskurve. Es folgt eine lange Gerade, die von ein paar Metern Pflaster unterbrochen wird. Kurz zuvor hat sich der DJ Firewall postiert, der uns mit heißer Musik jetzt schon einheizt. Ein paar Meter weiter sehen wir links eine Einrichtung für die Entsorgung menschlicher Stoffwechselendprodukte. Am Ende der Gerade biegen wir rechts ab und nach 150 Meter gleich nochmal.

Wir laufen nun auf die Grüne Halle zu, die etwa 500 Meter entfernt ist. Kurz vor der Halle können wir versorgen. Alles, was wir uns vorstellen können, wird angeboten. Anfangs Getränke wie Wasser, Tee, Iso, verdünnter Fruchtsaft, Spezi und was weiß ich noch. Bier sehe ich noch nicht. Vorbildlich, die Getränke werden in Mehrwegbechern angeboten. So fällt kein Plastikmüll an. Auch Deftiges und Süßes liegt auf den Tischen. Von Hefezopf, Kuchen, Schnittchen mit Käse, Wurst und Geräucherten bis hin zu Obst, Gummibärchen, Salzgebäck und klein geschnippelten Gemüse. Jede Runde darf man da nicht stehenbleiben ...

Dann laufen wir auf den Eingang der Grünen Halle zu und dann hinein. Dort liegt für uns ein Teppich aus, fast so wie bei einem Ehrenempfang.  Es wird die Zeit genommen und auf einem Monitor angezeigt. Du kannst deine Platzierung, deine zurückgelegte Strecke und die restliche Laufzeit ablesen. Hinaus zur Tür, die nächste Runde wartet.

„Du bist der Weg“, das ist das diesjährige Motto der Veranstaltung. Man will Zuversicht geben, wenn ein Kind mit Down-Syndrom geboren wird. Was wird wohl werden? Wie wird sich das Kind entwickeln? Wie schaut es mit der Gesundheit aus. Kinder mit Down-Syndrom sind viel anfälliger oder sind schon von Geburt an krank. Alles Fragen und Probleme, mit denen man sich an Anita Kinle und ihre Down-Syndrom-Beratungsstelle wenden kann.

Die ersten Runden verlaufen bei mir schnell. Wichtig ist aber, auf langen Strecken gleichmäßig zu laufen und keine Tempoverschärfungen, Privatduelle und dgl. einzubauen. Denn dann haut es dir irgendwann die Sicherung hinaus. In der dritten Runde schere ich aus und bleibe kurz für ein Getränk an der V-Stelle stehen. So alle vier bis fünf Kilometer will ich etwas essen und trinken, denn auch die Nahrungszufuhr will dosiert sein. Zwischendurch eine Halbe Bier auf Ex hinunterkippen kann meines Wissens eigentlich nur einer, dessen Name unter den Datenschutz fällt und nicht preisgegeben wird. Es läuft sich gut. Schön ist zu sehen, mit wie viel Freude und (Aus-) Gelassenheit die Kinder auf der Strecke joggen, marschieren oder spazieren. (Nicht nur) ich bin überwältigt.

 

 

Die Temperaturen sind nun deutlich gestiegen, rund 15 Grad, Sonnenschein und kein Wind. Darauf haben auch Besucher des Südstadtparks gewartet. An allen Ecken ist etwas los: Einige kicken, an der Kletterwand versuchen sich andere, Ältere sitzen auf den zahlreichen Bänken und schauen uns stundenlang zu. Viele Staffeln haben ihren Treff- und Wechselpunkt außerhalb der Halle gelegt, so ist es ein richtiges Gewusel links und rechts der Strecke.  Aber jeder schaut auf seinen Nebenmann und -frau, es kommt zu keinen Behinderungen.

Bei meiner zehnten Runde schaue ich auf den Monitor.  Dreizehn Kilometer liegen hinter mir, ich bin knapp 80 Minuten unterwegs, so kann es weiterlaufen. Bei einer Läuferin lese ich auf dem Rücken „speed is sex, distance is love“. Um 11.30 Uhr lässt Anita viele Kinder auf die Strecke, im Ziel erhalten sie eine Medaille und sind entsprechend happy.

Franz Schwengler, bekennender Cluberer aus „Nemberch“ hat heute mehr Freude mit seinem Lauf als mit seinem Lieblingsverein. Einen Marathon will er in den sechs zur Verfügung stehenden Stunden schaffen, so sein Ziel.

Es ist kurz vor Mittag. Im Freien stellen sich die Halbmarathonläufer auf. Die werden uns jetzt Gesellschaft leisten. Die Aufteilung der Startzeiten ist perfekt, denn später gehen auch noch die Zehn-Kilometerläufer (14.00 Uhr) und die Volksläufer (15.00 Uhr) auf den Kurs. Uns wird nicht langweilig werden, da bin ich mir sicher. 15 Runden liegen hinter mir, als ich dann die Halle ein paar Sekunden vor 12.00 Uhr durchlaufe, 19,6 Kilometer lese ich auf der Anzeige. Schon in der nächsten Runde braust die Spitze der Halbmarathonis von hinten heran und davon.

Es gibt viele Spezialisten auf der Strecke: Peter jongliert mit drei, vier Bällen joggenderweise, Klaus läuft in Uniform mit einem riesig-schweren Rucksack, andere sind bunt angezogen und  unser „Engerl“ Susanne ist auch unterwegs. Immer wieder wollen Kinder abgeklatscht werden.

 

 

13.00 Uhr, die Sambistas der Musikschule Fürth haben ihre Arbeit aufgenommen und bieten Samba vom Feinsten. Toll, dass da auch ein paar Kinder mit Down Syndrom mittrommeln dürfen. Das ist gelebte Inklusion. Eine Stunde später startet der 10 Kilometerlauf, wo einige Feuerwehrleute mit Atemschutz laufen werden. Respekt für die Floriansjünger. Im Frühjahr finden wieder Deutsche Meisterschaften der Feuerwehren statt und da werde ich mitlaufen. Nach Gelsenkirchen in den Pott wurde die Meisterschaft vergeben.  Ich freue mich schon auf den Vivawest Marathon.

Mittlerweile ziehen einige Wolken auf, es wird windiger und die Temperatur geht leicht zurück. JMit dem Wetter haben wir Dusel, denn Mitte der Woche hat der Wetterfrosch nichts Gutes gemeldet. Heute wird es erst am Abend Niederschlag geben. Bis dahin sind wir längst zuhause und geduscht.

Die letzte Stunde bricht an, die Marathondistanz habe ich längst überschritten, da kommt uns Willi Wahl auf dem Kurs entgegen, er klatscht jeden ab. Bei meinem nächsten Durchlauf in der Halle steht er bereits wieder am Mikro. Ich zähle nun jede Runde und rechne mir schon mein Ergebnis aus, die 50 Kilometer habe ich sicher in der Tasche. Mittlerweile frischt der Wind auf, die Sonne zieht sich zurück. Ich schaue abermals auf den Monitor. Noch knapp 20 Minuten und zwei Runden müssen noch gehen. Ich drücke ein wenig auf das Tempo und kann tatsächlich noch Fahrt aufnehmen. Auf dem Kurs werden nun 100 Meter-Schilder aufgestellt. Damit kann man die Restmeter wohl leichter vermessen. Hans-Peter fragt mich, was ich hier mache (nach was sieht es aus?). Dann gehe ich in die letzte Runde.

Nochmal durch die Halle, noch gut drei Minuten, 53,7 Kilometer habe ich geschafft. Ich ziehe durch. Als ich mitten auf der langen Geraden bin, ertönt eine Fanfare, die sechs Stunden sind vorbei. Ich bleibe stehen und ziehe mir eine Jacke an, die ich vorsorglich mitgenommen habe.

Es dauert nur eine Minute, dann kommt schon ein Helfer und vermisst meine Restmeter. 600 habe ich noch in der Kürze geschafft und komme somit auf 54,269 Kilometer. Ich bin damit hochzufrieden. Ich bin sogar ein paar Kilometer weitergelaufen als bei meinem letzten Start im Jahr 2016. Mit dem Vermesser mache ich mich auf den Rückweg und kann noch einige Finisherbilder sammeln.

 

 

In der Halle dauert es noch ein wenig, bis die Siegerehrungen beginnen. Wahnsinnig spannend ist es bei den Männern zugegangen.  Die beiden Schnellsten trennen nur 100 Meter. Wahnsinn. Und bei mir? Da steht ein Gesamtplatz 28 und in der Altersklasse Rang zwei. Passt. Das war heute mein Weg.

 

Fazit:

Wer noch nie 6 Stunden gelaufen ist, muss das hier probieren. Nächster Termin ist  der 21.03.2021. Anita lädt schon heute dazu herzlich ein. 2020 setzt man aus, um neue Ideen zu entwickeln. Wer kommt mit? Eine tolle Sache, für die wir da in Fürth laufen dürfen.

 

Sieger


6-Stunden-Lauf:

Männer:
1. WEISER Johannes IFA Nonstop Bamberg 72,895 km
2. TROEGER Florian Das Erlebnislauf-Team 72,795 km
3. SCHNEIDER Kevin Jan Odenwälder Rennschnecken 72,286 km

Frauen:
1. MÜLLER Angelika TRISOMIE XXI 63,332 km
2. SATTLER Annette Team Klinikum Nürnberg 61,623 km
3. FOLLNER Anke Team Klinikum Nürnberg 61,214 km

 

50 Kilometer

Männer
1. MUHM Maximilian keine Angabe 04:28:25.07
2. STEINKE Helmut Team Klinikum Nürnberg 04:40:32.60
3. LANGE Andre TSV Bad Endorf 04:46:09.52

Frauen
1. ZINNER Claudia Running Angel 05:19:45.09

 

Marathon

Männer:
1. STEINMANN Hendrik BüSch e.V. 02:57:12.69
2. RAUM Daniel Team Klinikum Nürnberg 03:03:53.72
3. BÜCHNER Marcus DJK Teutonia Gaustadt 03:26:58.94

Frauen:
1. CREDÉ Caroline 03:36:48.05
2. MARTINI Iris Team Klinikum Nürnberg 04:03:31.72
3. DAUBNER-SIVA Dagmar Team Klinikum Nürnberg 04:03:31.89

6-Stunden-Lauf, Staffeln
1. TRISOMIE XXI 90,521 km
2. RSC-BOMANN 80,849 km
3. NORIS ROAD RUNNERS 77,022 km
4. CROLLL-RUNNERS 73,295 km
5. TEAM MLS 68,068 km
6. FRANKEN SPEEDY 64,541 km

 

Informationen: Welt Down-Syndrom Tag Marathon Fürth
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