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Beim ersten Aufstieg hatte ich mich angeregt mit einem Mitläufer unterhalten. Jetzt auf einem engen Bergabstück ist er in Begleitung einer Läuferin langsam unterwegs. Wie ich später erfahre, ist sie umgeknickt und er begleitet sie zur nächsten VP. Vorhin hatte er mir erzählt, dass er heute eine persönliche Bestzeit anstrebt und nun sehe ich ihn hier hinuntergehen. Leider weiß ich seinen Namen nicht, aber ich bewundere sein Verhalten mehr, als eine neue Bestzeit.

Seltsamer Weise kommt das km 11 Schild vor dem km 10 Schild. Da hat sich wohl jemand vertan. Egal, bei km 10 kommt auf jeden Fall die erste VP. Die langen Tische sind schon ziemlich leer gefuttert, trotzdem gibt es noch Banane und Müsliriegel, Wasser und Iso sowieso. Die Stärkung ist auch nötig, denn es geht bergauf.

 

 

Nach ein paar weiteren Kilometern trennt sich die Strecke von Marathon und Half-Trail, der auch 30 km und 1000 Hm hat. Eine Zeitmessung mitten im Wald stellt sicher, dass auch jeder, der Marathon läuft, hier erfasst wird. Wir sind abwechselnd auf breiteren Wegen und schmalen Trails unterwegs. Plötzlich beginnt es zu regnen. War es mir bisher einen Tick zu warm, ändert sich das schlagartig. Als ich gerade überlege, meine Regenjacke aus dem Rucksack zu holen, hört es bereits wieder auf.

Wer Bedenken hat, dass man sich unterwegs verirren kann, liegt falsch. Alles ist perfekt markiert. An jedem Abzweig, und das sind viele, stehen Helfer. Ansonsten sind Pfeile mit Sägespänen oder Farbe auf dem Boden, und nicht zu benutzende Wege mit Flatterband abgesperrt. Bei km 19 steht ein km Schild dann kommt auch gleich die VP auf dem Weißen Stein. Der Weiße Stein ist ein 548 m hoher Berg zwischen Heidelberg und Dossenheim. Die VP liegt direkt beim 23 m hohen Weißen- Stein-Turm. Er war ursprünglich als Aussichtsturm gebaut worden, aber mittlerweile überragen ihn die Bäume drum herum. Nur der etwas zurückversetzte viel höhere Fernmeldeturm ist weithin sichtbar.

An dieser VP gibt es mit Banane und Riegel, Wasser und Iso das Standardprogramm. Zunächst auf breitem Weg, dann erneut auf Trails, geht es weiter. Irgendwo muss der Half-Trail auf unsere Strecke gestoßen sein. Ich sehe einen Hinweis auf km 15 und schon wieder eine VP. Hier kreuzt die L596 und es ist Wechselzone für die Staffeln. Von den Umstehenden bekomme ich jede Menge Beifall. Schnell kommt das km 21 Schild, Halbzeit bzw. halbe Strecke.

 

 

Die nächsten 9 km geht es tendenziell bergab; mal mehr und mal weniger. Ein paar kleine Steigungen bieten Gelegenheit zum Gehen. Dann liegt schon Ziegelhausen unter mir. Es geht nochmals steil bergab. Die ersten Häuser stehen rechts und links und ich gelange schnell in den Ort. Hier soll bei km 30 der Cutoff mit 4h30 sein. Ich hab noch gut 15 Minuten Zeit. Das km 30 Schild steht direkt an der Brücke, auf der es über den Neckar geht. Wo ist jetzt die VP? Vor mir läuft Dani, die nach rechts geleitet wird. Es geht auf der Straße nochmals bergab. Dann verschwindet sie links in der Mauer. Beim Näherkommen sehe ich einen Tunnel und dahinter sind Treppen. Um die Kurve herum gibt es wieder Treppen. Es sind nun noch 10 Min bis zum Cutoff. Und die VP ist immer noch nicht zu sehen.

Oben an den Treppen steht die Ankündigung: 100 m bis zur VP, und da ist sie auch schon. Es gibt jetzt auch Cola. Ich halte mich nicht lange auf. Gerade angelaufen, erkenne ich bereits das km 31 Schild. Es geht im Ort bergauf, dann in Halbhöhenlage in den Wald. Die nächsten 2 km führen relativ flach auf breitem Weg zwischen Bäumen. Immer wieder kann ich unter mir Schlierbach und den Neckar erkennen. Das km 33 Schild weist mich auf eine hölzerne Treppe. Das kann noch nicht die Himmelsleiter sein. Die Stiegen führen auf einen Waldtrail, etwas weiter trennt sich erneut die Strecke von Marathon und Half-Trail. Wir machen noch eine Schleife über den Höhepunkt des Laufs: die Himmelsleiter. 1843 wurden diese Stufen auf den Königstuhl angelegt, damit nicht jeder Besucher durch den frisch angelegten Wald steigt. Von Heidelberg aus sind es 1200 Stufen mit 270 Hm. Hoffentlich müssen wir nicht noch hinunter, denn wir sind geschätzt schon auf halber Höhe.

 

 

Ich bin gespannt darauf, was auf mich zukommt. Während ich so dahin laufe, kann ich Lautsprecherdurchsagen vernehmen. Das Schloss muss unter mir ganz nah sein. Da steht plötzlich eine Helferin mitten auf dem Weg und weist mich nach links. Die steinerne Treppe liegt vor mir. Die ersten Stufen sind ungewöhnlich hoch. Ich muss mich richtig anstrengen, um hinauf zu kommen. Dann geht es unregelmäßig weiter. Ich versuche kraftsparend weiter zusteigen. Ein Fotograf liegt auf der Lauer. Ich schenke ihm ein strahlendes Lächeln, wir wechseln ein paar Worte, und schon bin ich vorbei. Dann stehe ich plötzlich am Ende der Treppe. Das kann nicht sein. Ein Weg kreuzt. Die Treppe ist auf der anderen Seite abgesperrt und Pfeile zeigen den Weg entlang. Nanu, war es das schon?

Der Weg führt abermals auf einen niedlichen Trail, es geht nach oben. Dann treffen wir erneut auf die Himmelsleiter. Eine Helferin klatscht und feuert mich schon von weitem an. Sie steht auf dem nächsten Querweg, erkundigt sich nach meinem Befinden und bietet mir Traubenzucker an. Sie meint , es wären noch 300 m (weit - nicht hoch) und man könne den Himmel schon sehen. So aufgemuntert mache ich mich an die nächsten Stufen. Bald zeigt das bekannte Schild „noch 100 m zur nächsten VP“ und ich bin auf dem Gipfel des Königstuhls. Hier ist der Teufel los. Jede Menge Touristen, aber keiner kümmert sich um mich. Die Helfer lotsen mich zur VP. Ich bediene mich am Cola und genieße, wie die vielen anderen, die fantastische Fernsicht.

Nun geht es bergab. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich es noch im Zeitlimit schaffen kann. Frohen Mutes mache ich mich auf den Weg. Jetzt lande ich aber auf einem schmalen Weg, der über und über mit Steinen bedeckt ist. Ich weiß gar nicht, wo ich hintreten soll. Manchmal gibt es an den Seiten so etwas wie einen Pfad, der ist aber immer dort, wo ich gerade nicht bin. So wechsle ich alle paar Meter von links nach rechts und komme trotz des angenehmen Gefälles kaum vom Fleck. Das km 37 Schild nehme ich nur im Augenwinkel wahr, und vom schönen Wald bekomme ich gar nichts mit. Ich muss mich voll auf den Untergrund konzentrieren. Ich bin froh, als mich hinter km 38 Helfer auf den Blockhausweg leiten. Es geht zwar bergauf, aber ich kann wenigstens wieder normal laufen. Meine gute Zeitvorlage ist jetzt futsch; das wird nichts mehr mit dem Zeitlimit um 17 Uhr 30.

Ein schmaler Pfad zweigt ab, wieder bergab und besser zu laufen. Nun kann ich es noch einmal rollen lassen. In Serpentinen geht es nach unten bis zur Straße. Bevor ich die Fahrbahn erreiche, leiten mich Pfeile auf einen schmalen Weg oberhalb der Straße entlang. Eine kleine Treppe bringt mich auf einen Parkplatz, wo eine Helferin mir den weiteren Streckenverlauf erklärt: noch eine letzte kleine Steigung, dann links. Es geht erneut auf einen Trail. Vor mir liegt eine Brücke, die über die Gleise der Standseilbahn führt. Unter mir kann ich die Heiliggeistkirche, das Brückenhaus und die Alte Brücke erkennen. Über mir liegt die Station „Molkenkur“ der Bahn.

Es geht bergab; hier fehlt wohl ein Pfeil auf dem Boden. Ich bin kurz unsicher, wie es weiter geht. Eine Joggerin versichert mir, dass links der richtige Weg sei. Dort sitzt auch schon eine Helferin. Der Trail geht direkt auf die Straße. Hier regelt ein Polizist den Verkehr. Sobald ich in seiner Nähe bin, weist er mich auf den abgesperrten Seitenstreifen. Hier gelange ich gefahrlos Richtung Schloss. Ich sehe das ersehnte Gebäude bereits unter mir liegen. Noch um eine Mauer herum, dann ein letztes starkes Gefälle und ich erreiche den langen Zielkorridor. Der Moderator sagt mich an und ein paar letzte Schlachtenbummler klatschen. 17 Uhr 30 ist schon lange vorbei, ich komme aber trotzdem in die Wertung.

Norbert hat einen wahren Parforceritt hingelegt und hat mit 4h30 das Ziel erreicht. Weil sich die Duschen weit unten im Ort befinden, ist er auch noch nicht lange zurück. Die Helferin an der Zielverpflegung hat noch einiges zu essen und trinken übrig, so dass wir etwas länger verweilen.

 

 

Fazit:


Der Heidelberger Trail Marathon ist definitiv kein Stadtlauf, auch wenn die ersten Kilometer dies suggerieren. Den Namen Traillauf hat er dagegen wirklich verdient. Wobei die Trails sehr gut zu laufen sind, den letzten Abstieg vom Königstuhl einmal abgesehen. Schwierig sind einzig die vielen Höhenmeter, die einige Zeit kosten. Entschädigt wird man aber durch wunderbare Natur  und phantastische Ausblicke auf Wälder, Neckar und Stadt. Dass dieses Jahr im Start/Zielbereich keine geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung standen, ist hoffentlich unter der Rubrik „nächstes Jahr wird es wieder besser“ abzulegen.

Verpflegung nur alle 10 km, war bekannt und ist sicher kein Problem. Man könnte sich sogar die VP bei km 19 schenken, weil es ja bei km 21 genügend gibt. Es waren unwahrscheinlich viele Helfer im Einsatz, die vor allem auf den einsamen Kilometern beim Marathon, immer wieder für Abwechslung sorgten. Vielen Dank!

Wegen des Zeitlimits würde ich den Lauf eher „fortgeschrittenen“ Läufern empfehlen, wobei nicht unbedingt Trailerfahrung, sondern eher gute Kondition im hügeligen Gelände Voraussetzung ist. Auf jeden Fall ist der Lauf eine Bereicherung im Laufkalender und eine erstklassige Werbung für Heidelberg und Umgebung.

 

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Informationen: Heidelberg Trail Marathon
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