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Laufberichte

Bilder vom Ring Running auf dem Hockenheimring

 
Autor: Klaus Duwe

Seit 1932 dröhnen in Hockenheim die Motoren. Insbesondere dann, wenn sich die Formel1-Piloten zum Größen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg (so die offizielle Bezeichnung) treffen und vor 120.000 Zuschauer ihre Runden drehen, ist es in dem 21.000  Einwohner zählenden Städtchen unweit von Mannheim und Heidelberg mit der Ruhe vorbei. Weil die Rennstrecke ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region ist, wird sich darüber niemand beschweren. Seit 1970 finden F1-Rennen auf dem Hockenheimring statt, zeitweise im jährlichen Wechsel mit dem Nürburgring.

Fährt man auf der A6, sieht man, je nach dem aus welcher Richtung man kommt,  vor oder gleich nach dem AB-Dreieck Hockenheim, das markante Dach der 2002 erweiterten Südtribüne. Auch wer (wie ich) kein Fan von Auto- oder Motorradrennen ist,  kommt am Hockenheimring kaum vorbei, wenn er/sie (wie ich) Fan von Open-Air-Konzerten ist. Zum ersten Mal war ich 1992 anlässlich der „We Can't Dance Tour“ von Genesis dort. Nie zuvor (und nicht danach) war ich auf einer Veranstaltung mit mehr als 100.000 Fans.

Auch mein zweiter Konzertbesuch in Hockenheim ist unvergessen. 2003 gastierten dort zum wiederholten Mal die Rolling Stones. Das Besondere damals: Supporter-Band waren AC/DC. Weil ich mit denen aber nichts am Hut hatte, hatte ich es nicht eilig, auf die Tribüne zu kommen. Auf dem Weg dorthin hörte ich plötzlich ohrenbetäubenden Lärm, die Zuschauer mussten kurz vor dem Ausflippen sein. Dann ging es los: „Hell Ain't A Bad Place To Be“, AC/DC hatten ihren Auftritt. Ich war wie elektrisiert. So schnell meine Frau mir folgen konnte, rannte ich auf die Tribüne. Mein Gott, dachte ich, wie wollen die Stones das toppen?

 

 

Viele Aktionen und Sonderveranstaltungen beleben das Eventgelände fast das ganze Jahr über. So zum Beispiel ist die Rennstrecke zu bestimmten Terminen offen für Skater, Inliner und Radfahrer. Auch mit dem eigenen Auto kann man ein paar Runden drehen.  

Und Laufen, kann man das auch? Ja, in Läuferkreisen ist der Hockenheimring ebenfalls durchaus bekannt. Seit vielen Jahren gibt es den Hockenheimringlauf (max. 10 km) und den BASF-Firmencup. Letzterer zählt mit circa 16.000 Teilnehmern und 800 teilnehmenden Unternehmen zu den größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland.

Und jetzt die RingRunningSeries mit Marathon und Halbmarathon. Der Name lässt darauf schließen, dass es nicht bei der Veranstaltung auf dem Hockenheimring bleiben soll. Vielleicht geht es schon bald mit Läufen auf dem Nürburgring, in Monza oder anderen Rennstrecken weiter. Warum auch nicht? Trailrunner laufen inzwischen ja auch auf den bekanntesten Skipisten – allerding umgekehrt, nämlich bergauf vom Ziel zum Start.

Jetzt aber zum Lauftag selbst. Nein, es ist nicht mein Comeback. Ich melde mich zu Wort, weil der eingeplante Kollege kurzfristig seine Teilnahme absagen musste. Ich übernehme also nur die Berichterstattung, von dem sportlichen Teil der sonst üblichen Tätigkeit als M4Y-Reporter bin ich freigestellt.  

 

 

Falls mich mein Navi auf dem bestmöglichen Weg zum Ort des Geschehens bringt, möchte ich an einem F1-Tag dort nicht unterwegs sein. Ich fahre ab der Autobahn kilometerlang auf normalen Bundesstraßen und sogar durch Wohngebiete am Rand von Hockenheim. Das Gelände selber ist gesichert wie eine Kaserne. Meterhohe Zäune rundum, alle Zugänge sind bewacht. Bis ich meinen Parkplatz erreiche, habe ich zwei Kontrollen passiert. Das stört aber nicht, alles geht ruckzuck. Startnummer brauche ich wie gesagt nicht, allerdings eine Akkreditierung, die nur gegen Vorlage eines 3G-Nachweises ausgehändigt wird. So weit, so gut.

Apropos weit: Als ich nach dem Weg zum Marathon-Start frage, wird mir nicht nur die Richtung gezeigt, sondern auch gleich noch der Hinweis gegeben, dass es weit sei. Wie weit? Naja, 1,5 km seien es schon. Auch als nicht mehr aktiver Marathonläufer hat man da nur ein müdes Grinsen übrig.  Der soll mal in Berlin vom Bahnhof zum Startplatz laufen.

Interessant ist der Marsch allemal. Man muss sich das Hockenheimring-Gelände vorstellen wie ein riesiges Industriegebiet. Lagerhallen, Werkstätten, Verwaltungsgebäude wechseln sich ab. Von der Rennstrecke sieht man lange Zeit nichts, nur hin und wieder Parcours für Mountainbiker (oder Trailrunner?).

 

 

Dann bin ich am Ort des Geschehens. Hier also wird das historische Ereignis, der erste Lauf der Ring Running Series,  gestartet. Aber nur der Marathon, die Halben starten zwar in Sichtweite, aber einen Kilometer Luftlinie entfernt. Die F1-Strecke auf dem Hockenheimring ist exakt 4,574 km lang. Ist in Läuferkreisen vom Streckenprofil die Rede, meint man die Höhenmeter. Hier lauten die Daten wie folgt: 6 Links- und 11 Rechtskurven, dazu 6 Geraden. Streckenbreite 12 bis 18 Meter. Platz für die insgesamt 700 Premierenteilnehmer ist also da. Achtung, so glatt wie der Asphalt zu sein scheint, ist er wohl in Wahrheit nicht. Es würde ganz schön pieksen, meint Barfußläuferin Daisy. Aber dafür gibt es keine Schlaglöcher.

Der Marathon wird um 10.00 Uhr gestartet. Nein, richtig muss es heißen AB 10.00 Uhr. Denn es wird alle paar Sekunden immer nur ein Läufer auf die Strecke gelassen (für Läuferinnen gilt das gleiche). Das dauert bei den ca. 200 Marathonis nicht allzu lange, von den 500 „Halben“ (sie starten eine Stunde später) wird da schon mehr Geduld gefordert. Wenn es der Gesundheit dient …

Das Läuferfeld ist also gleich zu Beginn auseinandergezogen und nach 25 Minuten praktisch über die gesamte Strecke verteilt. Deutlich belebt wird das Renngeschehen, als nach und nach die Halbmarathonläufer starten.  Jetzt kommt der Vorteil solcher Läufe über mehrere Runden zum Tragen: Es ist immer was los auf der Strecke, man ist nie alleine. Nur die langsameren Marathonis werden die letzte Stunde wohl etwas einsam sein.

 


 

Gleich nach dem Start läuft man nach ein paar Kurven an der Osttribüne vorbei, die wie ein futurisches Bauwerk aus dem Gelände ragt. Hier ist auch der Start der Halbmarathonläufer. Rechtskurve, eine lange Gerade, dann beim Porsche Experience Center wieder rechts, schon ist man im Motodrom, dem Herzstück des Hockenheimrings. Hier macht der Kurs ein paar enge Kurven, um den Zuschauern auf den riesigen Tribünenanlagen das ersehnte Spektakel zu bieten. Bei der Südtribüne (das ist das Bauwerk, das man von der Autobahn her sieht),  geht es auf die lange Zielgerade mit der Boxengasse.

Den Zieleinlauf heben wir uns aber für später auf. Wir laufen weiter, immer noch entlang der Tribünen und erreichen den Parabolika genannten Streckenabschnitt, auf dem die höchste Geschwindigkeit erreicht wird. Bis zu 330 km/h haben die Boliden drauf, ehe in der folgenden Haarnadelkurve auf unter 80 km/h heruntergebremst wird. Auch als Läufer möchte man hier schnell durchlaufen, denn optisch gibt dieser Streckenabschnitt nicht viel her. Obwohl, der leichte Nebel mit dem sich herbstlich verfärbenden Wald hat schon was.

Gleich nach der Haarnadelkurve ist man wieder am Marathon-Startplatz und auf geht’s in die zweite Runde. So eine Rennstrecke ist schon etwas Besonderes, auch wenn man mit dem Motorsport nichts am Hut hat. Irgendwann hat jeder schon einmal ein Autorennen im TV gesehen und war zumindest von der Atmosphäre angetan. Ich kann die Begeisterung der vielen Fans nachvollziehen und beneide die Läufer, für die die Rennstrecke heute reserviert ist.

 

 

Als ich  mit reicher (Foto-)Beute wieder das Zielgelände erreiche, erlebe ich mit, wie zwei Profis vor dem ersten Zieleinlauf den „Ernstfall“ proben. Er eine ist Sport1-Moderator Hartwig Thöne, der andere der nicht weniger bekannte Fotograf Norbert Wilhelmi. Der eine soll die Finisher stilecht mit einer Original-Zielflagge abwinken, der andere davon gute Fotos machen. Jetzt komme ich ins Spiel.  Ich will nicht, muss dann aber doch einen Finisher spielen und bekomme als Gage ein blitzsauberes Zielfoto. Leider ohne Startnummer.    

„Wie ist es, wärst Du gerne mitgelaufen“, werde ich gefragt. „Natürlich, ist doch geil hier“, antworte ich ein. Als ich einen anderen Läufer frage, wie es ihm gefallen hat, bekomme ich diese Antwort: „Super! Aber wenn es heute schon nicht nach Benzin riecht, hätte man uns Läufern wenigstens etwas F1-Sound auf die Ohren geben können.“ Ich richte es aus, verspreche ich.

 

Siegerinnen und Sieger

 

Sieger über die Marathon-Distanz wurde Michael Kirchberger in einer Zeit von 2:42:04. Knapp dahinter kam Christian Ludwig mit nur 55 Sekunden Rückstand ins Ziel. Den dritten Platz belegte Maxim Später in 2:45:00.

Bei den Damen konnte Dietlind Nieke als Siegerin in einer Zeit von 3:26:09 jubeln. Zweite wurde Clara Schütte mit nur 10 Sekunden Rückstand, Dritte wurde Michelle Kasper in 3:35:06.

Über die Halbmarathon-Distanz holte sich Nils Holocher in 1:12:18 vor Maciek Miereczko (1:13:43) und Patric Starosta (1:14:15) den Sieg. Christina Streb siegte bei den Damen in 1:23:15 vor Maria Elena Grimm Gauto (1:23:31) und Sara Stark (1:25:14).

 

 

 

Informationen: Ring Running Series
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