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Laufberichte

Wie im Museum

23.05.10
Autor: Klaus Duwe

Bei km 8 ist ein Staffelwechsel, Musik und jetzt auch so richtig tolle Marathon-Stimmung mit vielen Zuschauern. Wir queren den Grüngürtel zur Altstadt, laufen über den Stadtkanal und sehen vor uns schon die markante Vansu-Brücke. Warum lieben alle Läufer Brücken? Wie euphorisiert rennen sie die Rampe hoch, angetrieben von Musik und vielen Zuschauern. Die gesamte Brücke ist für den Verkehr gesperrt, weil hin- und zurückgelaufen wird. Normalerweise nicht sehr prickelnd. Hier schon. Die Ausblicke auf den Hafen und die modernen Hochhäuser (Swedbank-Tower) am anderen Düna-Ufer und dann auf die Altstadt von Riga, das Schloss, die Steinbrücke, die Insel Zaķusala mit dem 368 Meter hohen Fernsehturm, ist etwas ganz Besonderes. Ich komme jedenfalls kaum vorwärts, so viele Bilder muss ich machen.

Kurz nach km 12 laufen wir beim Staatstheater rechts in die Altstadt. Viele Läufer machen einen kleinen Umweg und nutzen die linke Straßenseite, weil dort die Bäume entlang des Stadtkanals Schatten spenden. Ich sagte ja bereits, für nordische Verhältnisse haben wir einen heißen Tag erwischt. Mir sind die gut 20 Grad bis jetzt aber ganz angenehm. 

Wir kommen am Platz vorbei mit dem Freiheitsdenkmal. Davor steht seit 1924 die berühmte Laima-Uhr (Laimas Pulkstenis), der beliebteste Treffpunkt der Jugend und ein Wahrzeichen der Stadt, obwohl die Uhr schon immer nichts anderes als ein Werbeobjekt war -  Laima ist der größte Schokoladenhersteller in Littauen.

Links sehen wir die Nationaloper, dann geht es mit Musik und Tanz und vielen Zuschauern rechts durch schattige Altstadtgassen vorbei an dem noblen Shopping Center und vielen Kneipen zum bereits beschriebenen Rathausplatz mit dem Schwabe- und Schwarzhäupterhaus und dann hinunter zur Uferstraße. Ich traue meinen Augen nicht. So viele Zuschauer hätte ich nie und nimmer erwartet. Die Stimmung ist super. Cheerleader weisen den Weg in die nächste Runde oder ins Ziel. Gut 14 km sind geschafft.

Gleich nach der Brücke wird es dann schlagartig ruhig, denn auch die „Halben“ verabschieden sich hier auf ihre verkürzte zweite Runde. Zwei Runden haben die Marathonis noch vor sich. Ich fürchte, das wird nicht jedem gefallen, dem einen oder anderen wird es auch zu warm und dann kommt auch gleich das rustikale Pflaster. Wenn auf diese Art eins zum anderen kommt, hört man auch schon mal einen Fluch. Da kommen die Musikkapelle und die Zuschauer, die sich um sie geschart haben, gerade recht. Gut gelaunt laufe ich weiter und denke bei den herrlichen alten Fabrikgebäuden daran, dass man weit weniger schöne Objekte bei uns mittlerweile auch zu Wohnanlagen umgestaltet und teuer verkauft.  Vielleicht ist das auch hier einmal eine Option.

An der Verpflegungsstelle draußen beim Einkaufszentrum greife ich bei Wasser, Iso und Bananen kräftig zu, flirte ein wenig mit den beiden Mädels, die noch fit sind und  bestimmt den ganzen Marathon durchhalten, und laufe gemütlich mein Tempo. Manche Läuferin und manchen Läufer kann ich überholen, während die ganz Schnellen mich bereits zum zweiten Mal passieren. Auf der Brücke ist es mit dem Gegenverkehr und den vielen Sehenswürdigkeiten auch noch ganz unterhaltsam. Trotzdem überlege ich mir, den Marathon nach zwei Runden und damit 28 km zu beenden und mein Knie, das ja nur Dank Spritzen überhaupt noch zum Laufen taugt, zu schonen. So schnell bin ich selten von einer Idee von mir begeistert. Lächelnd und locker setze ich meinen Lauf fort, wissend, diesen Teil meiner Aufgabe bald erledigt zu haben, um dann mit schwerem Fotogerät den einen oder anderen Eindruck noch intensiver einfangen zu können.

Ich mache mir so meine Gedanken, warum man sich wohl für 3 x 14 km entschieden hat und warum man nicht mehr durch die Altstadt läuft. Die Antwort ist einfach. Je weiter man in die Außenbezirke kommt, je unattraktiver wird die Strecke. Und um so durch die Altstadt zu laufen, wie wir das heute tun, müssen Bauarbeiter etliche Straßensperren entfernen und später wieder einbauen, was ein erheblicher Aufwand ist. Außerdem sind viele Gassen einfach zu eng, um Läufer und Begleitfahrzeuge aufzunehmen. Kurz, mehr Altstadt geht nicht und so gesehen haben die Organisatoren mit der jetzigen Strecke eine sehr gute Lösung gefunden. Nur wer von Riga lediglich die Marathonstrecke kennenlernt, schneidet nicht gut ab. Aber das ist immer so, in jeder Stadt.

Statt zur dritten Runde laufe ich auf der rechten Bahn durch’s Ziel, lasse mich etwas verlegen beklatschen und genieße den  Verpflegungsbereich, den ich so reich bestückt selten vorfinde. Bergeweise werden liebevoll gerichtete Käse- und Schinkenbrote angeboten und kartonweise von Läufern und Passanten davongetragen. Mit schlimmen Befürchtungen denke ich an die Marathonis, die nach 4:30 einlaufen und nach der vollen Marathondistanz vielleicht  leer ausgehen. Denn eine Stunde halten die Vorräte dem Ansturm nicht mehr stand. 

Ich genieße die Atmosphäre und freue mich mit den glücklichen Finishern, Der Marathon und die Stadt sind ein tolles Erlebnis, das man sich gönnen sollte. Man lernt in seinem Läuferleben ja viele Städte kennen, manche kann man kaum voneinander unterscheiden. Riga gehört dazu nicht.

Der nächste Riga Marathon ist am 22. Mai 2011.

Weitere Impressionen

Start

Trossenbrücke

Altstadt

Ziel

Marathonsieger

Männer

1. Slimani Benazzouz, Morocco, 02:17:33
2. Johnston Changvony, Kenya, 02:19:05
3. Pavel Loskutov, Estonia, 02:21:32

Frauen

1. Maryna Damantseviča, Belorussia, 02:38:16
2. Volna Malevic, Belorussia, 02:38:50
3. Ņina Podņebesnova, Russia, 02:42:51

Die Besten aus Lettland

Männer

Mareks Florošeks, Latvia, 02:27:00

Frauen

Dace Lina, Latvia, 02:54:30

 

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Informationen: Riga Marathon
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