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Laufberichte

Laufen im Herzen des Baltikums

 

Lettland feiert heuer das hundertjährige Jubiläum der Ausrufung der unabhängigen Republik im Jahre 1918, die durch den Nationalsozialismus und die Expansion der Sowjetunion  für Jahrzehnte wieder außer Kraft gesetzt wurde. Seit 2004 ist Lettland Mitglied der EU und hat 2014 den Euro als Zahlungsmittel eingeführt. Mit einer Fläche von 64.589 ist das Land ungefähr so groß wie Bayern, hat aber nur 2 Mio. Einwohner. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist ethnisch den Russen zuzuordnen, doch bei einer Volksabstimmung 2011 war die Mehrheit dagegen, Russisch als zweite Amtssprache einzuführen. Geschichtsbewusstsein und Nationalstolz haben in Lettland eine große Bedeutung. So steht die 28. Ausgabe des Riga Marathons ganz im Zeichen der 100-Jahr-Feiern Lettlands.

Die AUA fliegt von Wien aus nur bis Vilnius, mit dem komfortablen Luxexpress-Fernbus setze ich die Anreise nach Riga fort. Nach einer vierstündigen Fahrt unter Dauerbeanspruchung des Entertainment-Filmkanals am Multimedia-Display (Höhepunkt für mich ist Kapitel 2 von John Wick mit Keanu Reeves in der Hauptrolle) treffe ich am Freitag gegen 19 Uhr in der lettischen Hauptstadt, wegen der vielen historisch gut erhaltenden bzw. restaurierten Jugendstilbauwerke bzw. die Jahrhunderte alten Sehenswürdigkeiten und der hanseatischen Tradition auch „Perle des Baltikums“ bezeichnet, ein.

 

 
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Gegen 10 Euro wurde all jenen, die wie ich 2017 gemeldet waren aber nicht starten konnten, die Möglichkeit gegeben sich für 2018 anzumelden. Das Startgeld ist moderat – von 25 Euro (early bird) bis 55 Euro reicht die Spanne, das Funktionsshirt kann man um 15 Euro extra kaufen. Das Besucheraufkommen auf der Expo ist um 11 Uhr um diese Tageszeit noch sehr gering. Am Exit kann man die Zuordnung von Chip und ID elektronisch testen – alles passt.

Ich werde von der Expo zu Fuß ins Zentrum der Altstadt von Riga zurückmarschieren. Überall laufen einem Touristen über den Weg, die noch nicht wissen, dass ihnen morgen ab 8 Uhr Gitter den Weg in die Altstadt, seit 1997 zum UNESCO-Welterbe gehörig, versperren werden. Riga, mit 700.000 Einwohnern die größte Stadt im Baltikum, verzeichnet einen wachsenden Tourismus. Die Lage der Stadt an der Mündung der Düna in die Ostsee sowie besonders die Jugendstilarchitektur, die mittelalterliche Altstadt und die alten Gebäude aus Holz sind neben den sakralen Bauwerken und einigen modernen Museen die Hotspots. Allerdings ist das Leben für Einheimische seit dem EU-Beitritt teurer geworden, mit 600 Euro ist das Durchschnittseinkommen deutlich unter dem Niveau der wohlhabenden EU-Länder.

Am Fluß Düna ist das Start- und Zielgelände für alle Rennen. Jetzt am frühen Nachmittag sind die Kinderläufe im Gange. Im Park am Pilsetas Kanal spricht mich eine Frau um die 60 an – sie hat ihr Hab und Gut in zwei Tragetaschen dabei. Ich verstehe weder Lettisch noch Russisch, verstehe sie aber trotzdem. Sie bittet um etwas Kleingeld für einen Kaffee. Gegenüber ist ein McDonald, ich besorge ihr einen Latte macchiato  und einen Burger. Wir sitzen dann auf einer Bank nebeneinander – wie oft sie „dada“ (zu sich selbst) sagt – habe ich nicht gezählt, doch die Aufmerksamkeit meinerseits ist bei ihr gut angekommen.

Am Abend läuft mir Ingrieda über den Weg – wir kennen uns von Dubai und dem Limassol Marathon. Sie stellt mir ihren Sohn vor – als gebürtige Lettin, die in der Nähe von Oslo arbeitet, ist es für sie ein Besuch bei Verwandten und Freunden in der Heimat.

 

 
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Mein Renntag

 

Im Rixwell habe ich ein Lunchpaket angefordert, da das Frühstück erst um 7 Uhr 30 angeboten wird. Startzeit des Marathons und Halbmarathons ist aber bereits um  8 Uhr 30. So mache ich mich, zusätzlich durch Eigenverpflegung gestärkt, auf den Weg. Das Wetter war schon gestern sommerlich warm – und auch heute werden die 20 Grad C deutlich überschritten werden. Hinter dem Dom zu Riga befindet sich die Kleiderabgabestelle – das System ist schwer zu durchschauen, denn die Annahme erfolgt nach der Endziffer der Startnummer von 0 bis 9. Ich gebe meinen Beutel also bei der Ziffer „8“ ab – und frage zwei junge Helferinnen, wie sich das ausgehen wird. Die Mädchen lachen und antworten, dass sie alles unter Kontrolle haben. Ja dann, auf zum Start.

Noch sind es 20 Minuten, bis der 28. Riga-Marathon mit etwas verändertem Kurs – auf der ersten Hälfte über drei Brücken – gestartet wird. Ich stelle mich in das Starterfeld mit möglichen Finisherzeiten von 4 bis 5 h. Kontrolliert wird das nicht, man lässt den Läuferinnen und Läufern – mit den Halbmarathonis geschätzt wohl an die 5000 – hier freie Bahn. Mikael vom Klub 100 Marathon Danmark steht neben mir,  wir kennen uns von diversen Rennen im Laufe der Jahre. John Wallace, Präsident des Country Marathon Club, hat die Order erteilt, von Tor Rønnow ein Foto zu machen – ich werde dies im Laufe des Marathons irgendwo auf der Strecke nachholen – Tor ist wegen seiner Größe und dem Vollbart leicht erkennbar. Jayne hebt soeben das Band und rückt in das Starterfeld sub 4 – sie hat vielleicht gut trainiert und traut sich heute einiges zu.

Die Stimmung ist bestens, herrliches Wetter, zur Linken der breite, in Russland entspringende, 1020 km in die Ostsee mündende Fluss Düna, zur Rechten das Rigaer Schloss, Sitz des lettischen Staatspräsidenten. Oben auf der ca. 300 m Luftline entfernten Vanšu-Brücke stehen Hunderte Zuschauer. Wir werden sie bei der zweimaligen Überquerung noch näher zu Gesicht bekommen. Der Platzsprecher begrüßt in mehreren Sprachen die Läuferinnen und Läufer – besonders die italienische Message klingt wie ein musikalischer Cocktail mit Überbetonung der Vokale. Die deutsche Grußbotschaft dagegen wie ein blecherner Retortensound. Dann die russische Begrüßung, bejubelt von lettischen Russen, Weißrussen und Bürger aus Putins Heimat. Dann geht es los.

Pacemaker mit roten Ballons beeilen sich auf den ersten 300 m, das richtige Lauftempo zu. Ich hoffe, dass ich heute die 5h-Tempomacher nicht zu Gesicht bekomme – aber 42,195 km können sich hinziehen, warten wir’s ab. Viele der zahlreich mindestens doppelt, wenn nicht dreifach so vielen Halbmarathonis drängen wie verrückt, man steigt mir auf die Ferse, boxt mich seitlich mit dem Ellbogen, ausweichen kann man im dichten Läuferfeld nicht. So bin ich auf dem ersten zwei Kilometern bedacht, vorsichtig zu laufen und „Attacken“ abzufangen – ein ungewollter Sturz auf den etwas ruppigen Asphalt wäre ja fatal.

Wir laufen eine große 360 Grad-Runde und gelangen nach einer Viertelstunde zum Anstieg auf die Vanšu-Brücke, die im Jahre 1981 noch während der Sowjetzeit errichtet wurde und mit 625 Metern als die längste Schrägseilbrücke Europas gilt. Am Brückenrand hat jemand eine deutsche Fahne auf einer Stange aufgespannt – mit an die 100 Starter ist Deutschland zahlenmäßig gut vertreten. Vor mir laufen zwei trainierte Typen mit einem Shirt, das auf dem Rücken einen Soldaten zeigt und die Aufschrift „Ese viens no mums“ hat  - ich kann mir vorstellen, dass man so den regen Zulauf zu Bürgerwehren – Militärdienst wird in Lettland mehr und mehr auf freiwilliger Basis verrichtet – fördern will. Ich nehme bei Anstiegen zunächst Tempo raus, um dann auf der abfallenden Passage dies wieder zu kompensieren – zuerst wird man überholt (die Kolleginnen und Kollegen freuen sich), dann erkämpft man sich seine Position zurück.

 

 
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Anschließend dreht der Kurs nach Norden – wir laufen auf die Kipsalas Insel, wo alte Holzhäuser stehen, die für die Touristen eine Attraktion sind. Hier befindet sich auch eine Versorgungsstelle, Wasser und Iso werden in Bechern ausgegeben – ebenso Orangen und Bananenstücke. Schon einige Zeit kommen uns auf der anderen Straßenseite die voran liegenden Läuferinnen und Läufer entgegen. Ich laufe nahe an sie ran, um gute Schnappschüsse zu bekommen. Bald darauf geht es in einer Schleife wieder nach Süden zurück. Nach der Wende geht es erneut auf die Brücke, an deren Ende wird die 9 km-Anzeige erreicht – ich fühle mich eigentlich gut, aber 4 Minuten Rückstand auf die stets angestrebte 6er-Zeit pro Kilometer sind ein Handicap. Daher versuche ich jetzt beim Lauf durch einen Teil der Altstadt wieder etwas Tempo zu machen, doch mit brutto 1:07 h bei der 10 km-Tafel merke ich nichts davon. Die bisherigen Anstiege auf die Brücken haben bestimmt Zeit gekostet, mehr als einem lieb ist.

Die Strecke ist keinesfalls so flach wie auf der hervorragend gestalteten Website in Lettisch und Englisch angekündigt wird – ich spüre die abschnittsweise immer wieder leichten Anstiege. Nun folgt ein Höhepunkt des Riga-Marathons: 200 m vor der Freiheitsstatue stehen auf Tischen Volkstänzer-Pärchen in Tracht und klatschen mit den Läufern ab – wenn diese dazu Anstalten machen. Zu unserer Rechten wiederholt sich dies, die voranliegenden Läuferinnen und Läufer, die bereits wieder auf dem Wege zurück in die Altstadt sind, werden ebenso von den Trachtenpärchen begrüßt, die sich wechselweise nach links und rechts drehen. Eine anstrengende Sache, wenn man bedenkt, dass der Marathon offiziell 6 Stunden offen ist.

 

 
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Nur 100 m entfernt befindet sich zu unserer Rechten im Park das Gebäude der Lettischen Nationaloper, das im Stil des Neoklassizismus zwischen 1860 und 1863 errichtete wurde. Dann  erreichen wir das 28 m hohe Freiheitsdenkmal, das anlässlich der ersten lettischen Unabhängigkeit in den Jahren 1931 und 1935 errichtet wurde und in den folgenden Jahren sowohl den Zweiten Weltkrieg als auch die Besatzung der sowjetischen Armee überstand. Symbol für die Freiheit und Unabhängigkeit Lettlands ist die Milda, die Frauenfigur, deren Portrait als Abbild für die Finishermedaille 2018 ausgewählt wurde.

Der nun folgende Anstieg nach Nordosten vorbei am Radisson Hotel bremst das Lauftempo, mich beflügeln die knapp vor der Wende auf beiden Seiten der Laufstrecke postierten singenden Chöre in bunten Kostümen nicht wirklich, wenngleich sie ein schönes Stimmungsbild für den Fotografen darstellen und ihre Ausdauer zu bewundern ist, denn sie werden zumindest über die gesamten 6 Stunden hier verweilen.

Nun kann ich etwas zulegen, wir laufen auf der linken Seite auf der leicht abfallenden Straße zurück. Noch vor der Freiheitsstatue sind Uniformierte postiert, die jeweils eine aufgezogene Fahne der teilnehmenden Länder in der Hand halten. Einer hübschen Soldatin mit ukrainischer Fahne in Händen zwinkere ich zu, sie lächelt zurück – darüber kann man sich als 64-Jähriger freuen. Auf der Straße, auf der sonst die Touristen die Altstadt stürmen und die heute in voller Länge mit Gittern abgesichert ist, erreichen wir die 13 km-Marke. Hier beginnt der kurze Abschnitt der Laufstrecke auf Kopfsteinpflaster, wo Vorsicht geboten.

Der ca. einen Kilometer umfassende Durchlauf durch die Altstadt von Riga bietet beidseits der Strecke eine Fülle an Sehenswürdigkeiten, die man allerdings in Ruhe ansehen sollte. Besonders imposant ist das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1999 wieder errichtete Schwarzhäupterhaus mit einer kunstvollen Fassade, das als Versammlungsort der gleichnamigen Bruderschaft und der deutschen Bürgerschaft diente.

Nun geht es über die 1957 gebaute 503 m lange und 27 m breite Oktoberbrücke, deren heutige Bezeichnung Akmens tilts (übersetzt: Steinbrücke) ist. Schon wieder ein Brückenanstieg, der Zeit kostet. Nach der Brücke dreht der Kurs nach Norden auf eine künstliche errichtete Landzunge, wo bei Kilometer 14 wieder eine Versorgungsstelle eingerichtet ist. Nach der Wende  verläuft der Marathonkurs nun unter der Brücke durch und entlang dem Fluss. Die 15 km-Anzeige wird erreicht, meine GPS-Uhr zeigt 1:40 brutto an, 1:37 wäre das äußerste Plansoll gewesen, so aber muss ich mich heute zusammenreißen.

Das Panorama auf der anderen Seite der Düna ist grandios, man sieht gleich mehrere Kirchen bzw. Türme, die ein beliebtes Postkartenmotiv von Riga sind. Die übereifrigen Halbmarathonis haben längst ihre Kräfte aufgebraucht, viele marschieren.  Beim 17 km-Punkt erreichen wir den Anstieg auf die Salu Tilts (Inselbrücke), die auf einer Länge von 3,5 km die weitläufige Flusslandschaft überbrückt. Bei Kilometer 19 ist das andere Ufer auf einer erhöhten Autozubringerstraße erreicht, der Kurs führt nun parallel zum Düna nach Norden in Richtung Ziel. Viele frequentieren noch die Labe bei der 20 km-Marke.

 

 
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Nun trennt sich die Spreu vom Weizen, würde man etwas überheblich sagen können. Die Halbmaratonis haben es geschafft – in meinem Umfeld sind das durchwegs Nachzügler. Mit 2:22 brutto bei 21,1 km ist meine Ausgangslage für die zweite Hälfte noch überschaubar,  vor mir sehe ich  nur einige wenige. Im Fluss liegen zwei kleine Kreuzfahrtschiffe vor Anker, die einen geringen Tiefgang haben, um auf der Düna fahren zu können. Die Marathonstrecke führt weiter in nördliche Richtung, bei Kilometer 23 wird die nächste Labe erreicht – diesmal nehme ich mir zwei Orangenstücke und mische Wasser in weißen Bechern mit Iso in roten.

Eine Läuferin versucht an mir vorbei zu kommen, laut dem Aufdruck auf ihrem Shirt kommt sie aus Australien. Eine weite Anreise für einen Marathon. Ich lasse sie zunächst an mir vorbei, bald habe ich sie aber wieder überholt. Dann kommen uns die voran liegenden Läuferinnen und Läufer entgegen – ihr Vorsprung beträgt gut 5 km. Die Gegend hier ist bei weitem nicht so spektakulär wie die museale Innenstadt von Riga. Aber die Strecke ist weitgehend flach und asphaltiert, was mir immer behagt. Bei 25 km dreht der Kurs. Ich habe inzwischen einige wieder eingeholt, so auch Tor aus Dänemark, wie ich beim Country Club registriert. Der hier postierte Sprecher jubelt den Läufern zu, er nennt alle beim auf der Startnummer aufgedruckten Vornamen und anerkennt deren Leistung mit dem (vielsagenden) „good job“.

Wir laufen auf einer U-förmigen Schleife weiter in südliche Richtung. Ingrieda, die fesche Lettin, die mich gleich am Anfang des Marathons überholt hat, winkt auf der anderen Straßenseite herüber – sie hat einen Vorsprung von einem Kilometer.  Am Rückweg beim „Einpeitscher“ kommt es zu Positionskämpfen, an denen sich auch der Däne Tor beteiligt. Ich kann ihn aber nicht ziehen lassen, denn sonst bekommt der gestrenge John Wallace das „bestellte“ Foto nicht. Also bleibe ich an ihm dran und überhole so ein halbes Dutzend nach 28 km schon müde gewordene Kollegen. Immer wieder kommen uns Nachzügler auf der anderen Straßenseite entgegen.

Bei der 30 km-Anzeige  ist wieder eine Versorgungsstelle. Wegen der aufkommenden Hitze (ist subjektiv) schütte ich mir einen Becher Wasser über den Kopf. Schon im Verlaufe des Rennens spritzten Helfer die Läuferinnen und Läufer an verschiedenen Stellen mit Wasserschläuchen an – ich bin ihnen stets ausgewichen, um nasse Schuhe zu vermeiden.

Es geht wieder in Richtung Altstadt – ein deutscher Kollege von der LG Mauerweg bewegt sich an uns vorbei. Bei Kilometer 31 bietet sich die Gelegenheit,  Tor vor die Kamera zu bekommen. Er ist so verblüfft, dass er stehenbleibt und geduldig zuwartet. Die 32 km-Tafel befindet sich auf der Brücke – meine Uhr zeigt 3:41 brutto an. Es wird knapp, aber die sub 5 h sind immer noch drinnen.

Zum zweiten Male geht es auf die Kipsala Insel, die 4:30er-Pacer kommen uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite entgegen. Ebenso bald darauf Ingrieda, die ihren Vorsprung etwas ausgebaut haben dürfte. Tor rückt nach und läuft kommentarlos an mir vorbei. Aber beim kleinen Anstieg auf der Insel sind seine Reserven aufgebraucht, ich hole ihn und andere Marschierer wieder ein. Nach der 180 Grad Wende kommen wir am Rückweg zur 35 km-Anzeige, mit 4:04 bin ich noch im Plansoll. Wir verlassen die Kipsala Insel bei Km 36, der leichte Anstieg stellt für etliche Läuferinnen und Läufer ein Problem dar – sie marschieren.

Doch das Ungemach nähert sich tausendfach von hinten – die 10 km-Läufer stürmen uns auf der anderen Seite der Brücke entgegen. Im Nu werden uns die Schnellen eingeholt haben. Es wird schlimmer als am Anfang des Marathons, ich hatte selten so viel Körperkontakt wie in diesem Moment auf der Brücke. Allerdings sind davon nur die 5 h-Läuferinnen und Läufer betroffen, wer mit 4:30 gefinisht hat, hat die wilde Horde bestenfalls im Ziel einlaufen sehen. Für uns aber geht es auch nach der 38 km-Anzeige noch auf der Brücke so weiter – die 10 km-Starter haben den gleichen Kurs wie wir. Die 5 Stunden-Pacer sind inzwischen nachgerückt – ich bleibe an ihnen bis zum Ende der Brücke dran.

 

 
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Nun laufen wir wie auf der ersten Runde bei den trachtenmäßig angezogenen, vor der Freiheitsstatue auf Tischen stehenden Tanzpärchen und dann ansteigend bis zur Wende auch bei den noch ausharrenden Singgruppen vorbei – umgeben von ein paar Tausend 10 km-Startern, die auf der kurzen Distanz in der Regel mehr Power haben als die wenigen noch verblieben Marathonis im dichten Läuferfeld.

Die 41 km-Anzeige steht bei den Fahnenträgern, auf den unebenen Pflastersteinen geht es wieder in die Altstadt, die 42 km-Marke befindet sich nahe dem Schwarzhäupterhaus. Dann geht es endlich in die Zielgerade. Mit 4:58 brutto schaffe ich nach hartem Kampf noch die angestrebte sub 5 h-Finisherzeit.

Die Marathonis erhalten im Ziel nicht nur eine spezielle  Medaille mit einem weinroten Band in der Farben der lettischen Flagge mit dem Konterfei der Milda, sondern ihnen wird auch ein eigener abgegrenzter Bereich direkt am Kai mit Liegestühlen und Sesseln angeboten, wo zudem eine Grütze mit Preiselbeermarmelade, Obst, Wasser und Bier bereitstehen. Zudem wird dem Finishern ein kleiner Proviantsack ausgehändigt. Ich unterhalte mich im Zielbereich mit einer jungen Estin, die heute ihren ersten Marathon in 4:45 gelaufen ist. Zahlreiche Läufer haben ihr Trikot ausgezogen und sonnen sich auf den Liegestühlen – unterdessen kommen die vielen 5 km-Läuferinnen und Läufer als Schlusspunkt ins Ziel, gegen 16 Uhr ist der Laufevent in Riga beendet.

 
Mein Fazit

Zusammenfassend würde ich den Riga Marathon als bestens organisierte, betont international ausgerichtete Laufgroßveranstaltung mit einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis bewerten: man zahlt wenig und bekommt dafür viel. Stolz weisen die Veranstalter in einer Hochglanzbroschüre darauf hin, dass der Marathon ca. 4,5 Mio. Euro Umsatz z. B. für Hotellerie und Restaurants generiert.

Sportlich würde ich eher bezweifeln, dass die neue Strecke mit insgesamt vier Brückenüberquerungen schneller geworden ist – die langgezogenen Anstiege kosten Kraft und Zeit. Dass der Marathon in bzw. nahe der Altstadt von Riga mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten beginnt und endet, beweist die gut durchdachte Logistik – man beginnt und hört dort auf, wo es schön ist. Riga ist eine sehr schöne und erlebnisreiche Stadt. Ich habe nun in jedem EU-Land einen Marathon absolviert, nach der Statistik des Country Club verbuche ich inzwischen 55 Länder weltweit. Ich hoffe und plane, noch in diesem Jahr die Anzahl auf 60 erhöhen zu können. Ziele sind da, um angestrebt und eingelöst zu werden.


Siegerliste:

Herren:
1. Tsedat Abeje Ayana  (ETH) –  02:11:00
2. Silas Kiprono Too (KEN) – 02:11:13
3. Joseph Kyengo Munywoki  (KEN) – 02:13:10

Damen:
1. Georgina Jepkirui Rono  (KEN) – 02:28:22
2. Tigist Teshome Ayanu  (ETH) – 02:32:46
3. Pauline Nujeri Kahenya  (KEN) – 02:34:41

1728 Finisher beim Marathon

 

Informationen: Riga Marathon
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