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Laufberichte

''Die denget was beim Gschäfft''

 

Es geht durch den Ort. Überall werden wir freudig empfangen. Vor dem Betriebsgelände des Moderiesen Peter Hahn warten Biertische auf Besucher. Eine offizielle Marathon-Hockete mit Partyband ist im Gang. Die Gäste lassen aber noch auf sich warten, denn sie stehen an der Strecke und feuern die Läufer an. Das ist natürlich auch perfekt für den nächsten Staffelwechsel.

Hinter dem Städtchen kommen wir an einem kleinen See vorbei. Etwas weiter steht die Vogeluhr, ein Aussichtsturm, der wie ein Käfig gebaut ist. Hier hat man einen schönen Blick auf ein kleines Wehr im Fluss, wo sich gerne viele Wasservögel aufhalten. Für uns gibt es schon wieder etwas zu essen. Dann geht es nach Schorndorf. Hier wurde 1834 Gottlieb Daimler geboren, weshalb die Stadt auch oft Daimlerstadt genannt wird. Unter der Eisenbahn hindurch an der markanten evangelischen Stadtkirche vorbei, gelangen wir auf den mit Fahnen geschmückten historischen Marktplatz.

Normalerweise dominieren hier die liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser und der gusseiserne Marktbrunnen aus dem Jahr 1773 das Bild. Heute steht alles im Zeichen des Sports. Die Laufstrecke ist abgesperrt. Viele Zuschauer haben sich eingefunden. Ein Sprecher sagt die Läufer persönlich an. Es gibt Livemusik und ab 13 Uhr ist ein Kinderlauf geplant. Unter dem Jubel der Zuschauer laufen wir durch ein Spalier von Cheerleadern. Was soll ich in Berlin, wenn ich das im Remstal haben kann?

Nach dieser Aufregung genießen wir die weitere Strecke, nun wieder auf dem Radweg, in freier Natur. Die Rems macht hier noch einmal einen entgegengesetzten Bogen. Kurz vor Urbach, zwischen Schurwald und Welzheimer Wald gelegen, gelangen wir auf die K1881 und laufen auf dem Gehweg Richtung Stadtmitte weiter.

Wir überqueren erneut den Fluss. Ein Bus kommt uns entgegen. Es handelt sich um ein Läufershuttle. Die Insassen feuern uns an. Es geht über eine Zeitmessmatte und beim Ziel des Halbmarathons. Hier ist natürlich einiges los. Wir werden links vorbei gelotst und bekommen nochmal Beifall. Die erschöpften Halbmarathonis stehen oder sitzen im Schatten und freuen sich über das geschaffte Leistung.

Etwas weiter liegt die nächste Wechselzone. Auch unsere Verpflegungsstelle befindet sich hier. Ich greife nach dem Wasser, bis ich am Ende der langen Tischreihe Becher mit Brühe entdecke. Das ist für mich die optimale Flüssigkeitsversorgung, weil gleichzeitig das Defizit an Salz ausgeglichen wird. Ich freue mich, werde aber von einem Helfer ausgebremst. Er will mein „grünes Verpflegungsbändchen“ sehen.  Hä, ich bin baff. Dann lacht er mich aus. Späßle  g’macht.  Das muss bestraft werden: Ich mache sofort ein Foto von dem Schalk.

Zufällig gibt es neben Obst und Müsliriegeln mein Lieblings-Gel. Ich greife zu. Sogar das Aludeckelchen, sonst immer eine große Fummelei, ist bereits entfernt worden. Alle Achtung, „die denget was beim Gschäfft“. Etwas weiter auf dem Parkplatz beim Rathaus ist heute Salz- und Zwiebelkuchenfest, außerdem werden auch hier noch Kinderläufe stattfinden.

Frisch gestärkt und zufrieden, machen wir uns wieder auf den Weg. Es geht an der Straße entlang nach Plüderhausen (km23). Auch hier im Ort stehen immer wieder Zuschauer. Nicht nur die Kinder haben Spaß die Läufer anzufeuern. Wir wähnen uns schon fast aus dem Dorf heraus, da wird wieder gejubelt. Die nächste Wechselzone vor km 25, hier sogar mit Moderator, kommt in Sicht. Es wird jeder Läufer begrüßt und mit netten Worten bedacht. Dazu gibt es schon wieder etwas zu essen; nur das Wasser hängt mir langsam zum Hals heraus.

Es geht zunächst über die Rems und dann noch über die B29. Hier folgt eine kleineÜberraschung. Eine kurze Wendepunktstrecke ist eingebaut, gut geeignet, um auf die korrekte Marathondistanz  zu kommen. Interessant auch für die Läufer; man kann mal kurz schauen, wer so vor und hinter einem ist. Sinnvollerweise gibt es am Wendepunkt auch eine Zeitmessung.

Vor uns liegt eine weite Felder- und Wiesenlandschaft, begrenzt durch einen fernen Wald. Wir blenden den Dauerlärm der nahen Bundesstraße einfach aus und genießen den Kontrast von grünen Wiesen und gelbem Raps. Die Betreuer an der nächsten Wasserstelle feuern uns lautstark an. Ich nutze die Pause, um mich mit einem Becher über den Kopf zu kühlen. Es ist mittlerweile doch ziemlich warm geworden und Schatten ist Mangelware (km27).

In Waldhausen, das bereits zu Lorch gehört, haben es sich die Bewohner im Schatten bequem gemacht. Die vorbeikommenden Läufer sind bestimmt eine willkommene Abwechslung und werden entsprechend gewürdigt. Ich hatte nicht mit so viel Publikum gerechnet und freue mich jedes Mal aufs Neue.

Wir kommen wieder auf grüne Wiesen. Hinter einer Kurve geht es über eine Brücke und zwischen Bäumen ist die nächste VP aufgebaut. Ich frage nach einem extra Becher, um mir Wasser direkt von der Wanne über den Kopf zu gießen. Das hilfsbereite Mädel am Betreuerstand verweist mich einen Tisch weiter. Dort gibt es eine richtige Dusche. Das ist natürlich noch viel besser. Abgekühlt und mit einem Stück Banane versehen, mache ich mich wieder auf den Weg.

Wir überqueren die B29 und laufen auf einem Gehweg die Straße entlang, an den üblichen Supermarktketten vorbei, nach Lorch hinein. Hier überqueren wir wieder die Rems und durchlaufen den ganzen langgestreckten Ort. Um 9 Uhr 45 fanden hier bereits Schülerläufe statt. In der Schießhausstraße vor der Stadthalle stehen Bierbänke. Einige Radler haben es sich bequem gemacht. Mein Mitläufer Klaus und ich beschließen eine Pause einzulegen und prüfen das Getränkeangebot. Als erfahrener Läufer hat mein Begleiter immer ein paar Münzen für Notfälle dabei und lädt mich ein. Der Moderator, der eigentlich die Läufer an der VP begrüßen soll, entdeckt uns. Er erinnert sich an Handballspiele, die früher schon durch ähnliche Pausen aufgewertet wurden.

Mittlerweile haben uns etliche Läufer eingeholt, nur kurz einen Becher Wasser gegriffen und dann überholt. Wir raffen uns auf und versuchen die verlorenen Plätze wieder gutzumachen. Das dauert bis zur nächsten VP. Dort gibt es tatsächlich nochmals Brühe, die hier Kraftbouillon heißt. Ah, das ist lecker. Dazu noch ein Gel und ein Foto mit dem kleinen Tim; dann kann es weiter gehen. Das Stück an der lauten B29 entlang zieht sich etwas, so dass wir froh sind, als der Radweg eine Kurve macht und uns von der Straße weg führt. Die Wasserstelle bei km 38 benutze ich wieder hauptsächlich zum Kühlen. Eine Frau wartet mit einem großen Schild auf ihren Alfred und feuert uns gleich mit an.

Erstaunlicherweise sind nun mehr Läufer auf der Strecke. Vor allem zwei Frauen im gleichmäßigen Trab fallen mir auf. Eine erkundigt sich nach meiner Altersklasse und wir stellen fest, dass wir in der selben AK sind. Wegen drohender Krämpfe kann ich nicht schneller laufen, was bei unserer Laufzeit auch egal ist. Aber 2 Plätze weiter vorne in der AK ist natürlich schon etwas. Also bleibe ich erst mal dran. Da steht links ein Römischer Soldat. Ja, wirklich, in voller Ausrüstung. Wir bereiten ihn auf die nahenden Asterix und Obelix vor. Er scheint nicht beeindruckt und behauptet, damit schon fertig zu werden. (Wer meint, ich wäre jetzt verrückt geworden, war noch nie bei einem Marathon. Da kann man so einiges erleben).

Wir müssen nochmal über die B29. Dazu geht es eine steile Brücke hinauf. Die beiden Mädels joggen locker hinauf, ich verlege mich aufs Gehen. Berge sind nicht so meins. Als ich oben ankomme, sind die beiden schon fast auf der anderen Seite verschwunden. Aber nun geht es bergab, meine große Stärke. Kurz vor km 41 kann ich sie überholen. Bei mir läuft es nun wunderbar. Auf dem schattigen Radweg an der Rems entlang, laufe ich zur Höchstform auf. Wir sind bereits in Schwäbisch Gmünd und ich glaube die Strecke vom Albmarathon her zu kennen. Es kann nicht mehr weit sein.

Nun stehen an jedem Abzweig Helfer, die uns nicht nur den Weg zeigen, sondern auch die Läufer persönlich anfeuern. Dann geht es von Polizei gesichert über die Straße durch ein Tor hinein auf das Gelände der Landesgartenschau. Der belebte Park ist ein richtiger Hingucker, liebevoll mit viel Farben und Dekoration geschmückt. Eine Menge Besucher sind hier unterwegs. Immer wieder müssen die Helfer aufpassen, dass diese nicht unkontrolliert auf bzw. über die Laufstrecke gehen. Natürlich wird auch applaudiert. Aber ich vermute mal, dass schon seit Stunden Läufer hier vorbeikommen und bei den Besuchern etwas die Luft raus ist. Aber egal: ich laufe auf ein markantes kubusförmiges Gebäude zu.

Das Forum Gold & Silber liegt direkt am Zusammenfluss von Josefsbach und Rems. Auf vier Stockwerken präsentieren sich hier der Ostalbkreis zusammen mit namhaften Unternehmen und Künstlern aus dem Kreis. Es wäre schön, wenn jetzt bald das Ziel in Sicht käme. Ah, da ist das km 42 Schild. Hinter einer leichten Kurve steht dann der Rote Zielbogen. Noch mal kurz Gas geben, die Zeitmessung zeigt irgendwas mit 5 Stunden – geschafft. Die Moderatorin begrüßt mich.

Zwei Damen in historischen Kostümen überreichen die Medaillen. Als Zielverpflegung wird Obst und Laugenbrezeln angeboten dazu gibt es Cola, Iso und Bier. Norbert ist spät dran. Die Duschen und die Massage befinden sich einen guten Kilometer entfernt in der großen Sporthalle. Gemeinsam machen wir uns auf zum Bahnhof. Der Shuttlebus nach Waiblingen verkehrt für Läufer kostenlos vom ZOB aus und bedient die gesamte Strecke. Die Fahrt dauert gut eine Stunde.

Fazit:

Über die Organisation gibt es wenig zu meckern. Ein paar zusätzliche, gut sichtbare Hinweisschilder bei der Zufahrt zum bzw. im Bürgerzentrum wären hilfreich, das Erfassen der T-Shirtgrößen bereits bei der Voranmeldung sinnvoll. Die Einteilung nach Startblöcken könnte in der Ausschreibung vermerkt werden; ebenso wie eine Übersicht des Start- und Zielbereichs. Ein paar zusätzliche Toiletten am Start wären auch nicht schlecht. Alles Kleinigkeiten.

- Die Strecke bietet einen kurzweiligen Mix von Citylauf, Dorfbesichtigung und Landschaftslauf auf praktisch durchgehend asphaltiertem Untergrund. Zum Thema B29 sage ich nur: wir befinden uns halt in einem Ballungsraum. Dafür ist der Lauf auch gut erreichbar.

- In Anbetracht der Premiere, erstaunlich viele ambitionierte Zuschauer, die, wie ich glaube, ebenfalls so viel Spaß hatten, wie die Läufer.

- Die Verpflegung ist in Menge und Angebot in Ordnung. Es gibt Bananen und Äpfel dazu verschiedene Müsliriegel und Gel. Die Marke des Gels war in der Ausschreibung ersichtlich. Getreu der Marathongrundregel: keine Experimente während des Laufs, hätte man sich sogar darauf vorbereiten können. Als Getränk wurde soweit ich gesehen habe stilles Wasser, zweimal Brühe und einmal Iso angeboten. Angenehm wäre noch Cola an den hinteren Verpflegungsstellen.

- Die Helfer sind, wie praktisch überall, Spitzenklasse.

Es ist angedacht, im nächsten Jahr die Laufrichtung zu wechseln: also Start in Schwäbisch Gmünd und Ziel in Waiblingen. Ich freue mich schon drauf.
 

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Informationen: Remstal Marathon
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