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Laufberichte

Des hammer sauber hinkriegt

 

„Schlösser schauen“

 

„Jetzt wird es für die nächsten zwei, drei Kilometer schwer,  wir haben keinen Schatten. Und wer dran bleibt, der hat dann die Kätz im Segg,“ meint Magic. Wer seine Augen offen hat, der kann nun Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschangau und die Wallfahrtskirche St. Coloman sehen.

Nach der Unterführung laufen wir direkt auf St. Coloman zu. Sie ist dem irischen Pilger Koloman geweiht, der im 11. Jahrhundert bei seiner Reise ins Heilige Land just hier gerastet haben soll. Der Füssener Maurermeister Hieronymus Vogler hat das jetzige Gotteshaus um 1673 gebaut. Im Mittelalter wurden die Pesttoten hier bestattet. Ich beschließe kurz inne zu halten und einen Blick in das Gotteshaus zu werfen. Die Kirchentür ist jedoch zu, also renne ich Magic und seinen Verfolgern zum wiederholten Mal nach. Von den rund 30 Verfolgern haben viele abreißen lassen müssen. Den Rest kann man fast an einer Hand aufzählen.

Der 30. Kilometer liegt hinter uns. Wir laufen wieder in den Wald, wo es nicht ganz so heiß ist wie auf den Feldern. Johann Kauk aus Ellwangen, ein Marathonvielfraß, gibt gleich selbst zu, als ich überhole: „Ich habe wieder einmal zu schnell begonnen.“ Der Schatten tut Not. An der folgenden Wasserstelle reicht mir eine Helferin einen Becher Wasser. Das Kind vom letzten Jahr ist gescheit gewachsen, ist nicht mehr auf ihrem Arm, sondern reicht auch Wasser. Nur das Shirt ist ein wenig groß ausgefallen.

Wir verlassen den Wald und rennen auf dem Gipsmühlweg Richtung Alterschrofen. Jetzt müsste man einen Blick in den Rückspiegel werfen, denn Schloss Neuschwanstein ist jetzt nahe wie nie. Am Schloss Bullachberg liegen 34 Kilometer hinter uns, mittlerweile laufe ich ein wenig schneller, da ich den Haufen um Magic auch mal von vorne vor die Linse bekommen will. Nun, der Haufen ist eher ein Häufchen geworden.

 

Letzte Kilometer nach Füssen

 

„Da geht’s lang“, deutet Sigrid Gramm mit ihrem Zeigefinger und zeigt mir damit die Richtung.  Die letzten Kilometer brechen an. An der V-Stelle wird noch mal schwer zugegriffen, die letzten Kalorien gebunkert und Wasser über den Kopf geschüttet. Nur kurz rennen wir über Wiesengelände, dann führt uns der Kurs wieder in den Wald.

Ein Hinweisschild sagt, 20 Minuten ist der malerische Schwansee entfernt. Doch es dauert nur einige Minuten, dann sind wir bereits auf dem rustikalen Uferweg. Magics Mitstreiter sind noch weniger geworden. „Zwei habe ich jetzt vorgeschickt, die sind super drauf,“ entgegnet er auf meinen fragenden Blick. Auf der Südseite des Schwansees blasen jetzt die Alphornmusikanten in ihre Geräte. Einige Badegäste liegen in Bikini und Badehose am Ufer und genießen die Szenerie. Das nächste Mal laufe ich ein Zeitpolster heraus und lege mich ein wenig dazu.

An der Franz-Wölfle-Hütte gibt es nochmals wertvolles Nass für Gurgel und Birne. Am Parkplatz herrscht reger Autoverkehr, wir müssen aufpassen, nicht dass wir unter die Räder kommen. Nur kurz tangieren wir Alterschrofen. An der Ortstafel ist Füssen mit zwei Kilometer Entfernung angeschrieben.

Übel wird noch der Radweg entlang der Bundesstraße 17, der liegt voll in der Sonne und auf dem Weg kommen Kolonnen von Radfahrern entgegen. Wir überqueren den Lech am Lechsteg und biegen sogleich nach links auf die Parkwege am Lech ein. Die letzte V-Stelle lasse ich jetzt links liegen, den Durscht hebe ich mir für nachher auf, es wird ja ein isotonisches Erfrischungsgetränk auf Hopfenbasis geben.

Rechts sehe ich die Franziskanerkirche, die Heiliggeistkirche und Kloster Mang. Dann kommt die letzte Steigung auf dem Faulenbachgäßchen. An der Kirche St. Max biegt der Kurs auf die Morisse nach rechts. Zwischen Kobel und Baumgarten bekommen wir die gerade bezwungenen Höhenmeter zurück, der Parkplatz  und das Festzelt ist zu sehen.

Eine Sambaband macht Dampf an der Ecke zum Zielkanal und dann muss ich noch an meiner Startnummer rütteln. Denn die hängt am Arsch. Zum Glück ist nicht der Läufer am A. Und danach geht es ins Ziel.

 

Impressionen aus dem Zielbereich

 

Maßarbeit, denn ich sehe auf der Uhr gute 3.59 Stunden und Magic beim Austrudeln. Von zwei feschen Madln bekommen wir die Medaillen umgehängt, Herbert klatscht uns ab und dann geht es sofort an den Freibierstand, der Zötlerbräu zahlt heute die Zeche.

Die Zielverpflegung ist reichhaltig: Mehrere Sorten Fruchtschorlen, Obst, Kuchen und so weiter. Wer noch seinen Futtergutschein zur Verfügung hat, kann im Festzelt die Nudeln mit mehreren Saucen verdrücken. Später laufen dann meine beiden Weidener Läuferinnen unter Jubel ins Ziel. Und ein Dino kommt auch noch. Der ist zum 13. Mal in Füssen, der ist auf seinem 157. Marathon in Deutschland und hat 516 Marathons weltweit geschafft. Gerhard Wally aus Austria, ein Vielfraß im Laufzirkus.

Die Duschen sind im Bundesleistungszentrum für uns geöffnet und wer eine Massage braucht, auch dafür ist gesorgt. Im Zelt findet pünktlich die Siegerehrung statt. Wer da seine Startnummer in eine Box wirft, kann noch einen Preis bei der Tombola abräumen. Und Petrus räumt dann mit der Hitze auf, denn bei meiner Abfahrt schickt er Blitz, Donner und Regen. Des hammer sauber hinkriegt.

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Marco Diehl DVAG-Marathon-Team 02:48:40  
2 MarkusSpägele SV Mindelzell  03:03:37 
3 Marc Jaming Running Team Schweighouse 03:03:54 

Frauen

1 Doris Marquardt  03:15:11
2 Anja Jakob Klingenthal/Vogtland 03:18:00
3 Lara Rheinemann 03:22:13

530 Finisher

123
 
 

Informationen: Königsschlösser Marathon
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