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Laufberichte

Oops!... I did it again

 

„Wer mich kennt, weiß, dass ich in Anbetracht der zahlreichen attraktiven Veranstaltungen in Nah und Fern grundsätzlich kein zweites Mal erscheine. Zu dieser hervorragenden Veranstaltung jedoch mit absoluter Sicherheit, habe die Ehre.“

So lauteten die letzten beiden Zeilen meines Laufberichts über den 15. Königsschlösser Marathon im Jahre des Heils 2015. Einige Jahre sind seitdem ins Land gegangen, das bis dato unbekannte Allgäu ist uns mittlerweile ans Herz gewachsen. Mehrfach waren wir - nicht zuletzt auch für den Tegelberglauf - hier, auch das benachbarte Tannheimer Tal in Tirol hat uns schon laufend erlebt. Wenig überraschend ist daher mein Zweiteinsatz in Füssen, ganz nach Britney Spears, die Folge, auch wenn sie weiland über andere lebensnahe Dinge trällerte.

Nach einer problemlosen Anfahrt am Freitagvormittag, vor der großen Welle der Schulferienstarter aus Hessen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz, sind wir bei den Ersten, die auf dem Zentralparkplatz Füssens ihre Startunterlagen empfangen. Neu ist die Durchführung aller Läufe – man konnte für den Viertel-, Halb- oder Vollmarathon melden – an einem Tag, dem Samstag. Das wiederum hat dem Vernehmen nach 15 Starter nicht davon abgehalten, an zwei Läufen teilzunehmen. Ein Pacer soll an allen drei Läufen aktiv gewesen sein, Respekt! Leider gibt’s heuer kein Shirt mehr, dafür finde ich eine nette Blechtasse mit Karabinerhaken als Griff in meiner Tasche.

Früh geht’s am Samstag hinaus, denn der Start ist wie immer für 7:30 Uhr angesetzt. Unser Hotel Steiger ermöglicht mir ein frühes Frühstück, sodass ich, die schlappen drei km zwischen Hotel und Start-/Zielbereich mit dem Rad zurücklegend, rechtzeitig vor Ort bin. Ich freue mich, dass u.a. Ulrike, die ich auf Sylt kennengelernt habe, die Pace für 4:30 Std. machen wird. Das ist meine Kragenweite, letztlich wird es aber doch nur zu einem teilweisen Miteinander auf der Strecke kommen. Auch Andreas und Judith sind zum wiederholten Mal am Lech und freuen sich mit mir auf einen Lauf unter perfekten Wetterbedingungen. Das sieht auch unser Freund und österreichischer Marathon-Rekordhalter, Gerhard Wally, auf seinem 722. Einsatz über mindestens 42,195 km so.

 

 

Pünktlich geht’s los, und nach kurzem Weg durch die Stadt von der Kemptener Straße über den Luitpoldplatz mit seinem Denkmal biegen wir an der hübschen Feldkirche St. Ulrich und Afra in Richtung Hopfensee ab. Von der Straße in die Botanik abgebogen, erfreut der lange, bunte Läuferlindwurm nicht nur mein Auge. Vor allem vor mir, denn die ersten Fotostopps haben mich weit zurückfallen lassen, Ulrike ist mit ihren Begleitern bereits über alle Berge. Obwohl – bis jetzt war es ganz flach und am Ende wird Frl. Suunto keine hundert Höhenmeter gemessen haben. Toll ist der leicht wolkenverhangene Blick auf die Berge, als wir die weitläufige Feld- und Wiesenlandschaft durchstreifen. Die ersten fünf km sind schon bald vorbei. Die Mädels mit den flotten Sprüchen auf den Motivationsschildern werden uns bis ins Ziel begleiten.

 

 

Die erste Holzbrücke kündigt bereits das Erreichen des Hopfensees an, den wir zunächst aufgrund der Ufervegetation noch nicht entdecken können. Dann aber sehen wir Hopfen am See übers Wasser grüßen, da müssen wir hin. Knappe sieben weitere km wird uns die Umrundung bringen. Schön sind auch die kreativen Holzschnitzereien am Wegrand anzusehen. Nach zehn km erfolgt bereits die zweite Verpflegung, wie auch alle fünf weiteren km. Sogar die eine oder andere zusätzliche Wasserstelle hat man eingerichtet, verdursten wird hier keiner. Na ja, unser Toni würde vielleicht schon Probleme bekommen, denn Hopfenblütentee habe ich unterwegs nirgends entdecken können. Dann ist nicht nur Hopfen am See erreicht, auch Ulrike & Co. habe ich endlich einholen können. Oh je, werden die anvisierten viereinhalb Stunden heute ein Problem werden? Auf jeden Fall setze ich mich mal etwas ab, um am nächsten Getränkestand vor dem Pulk an der Reihe zu sein. Nicht zuletzt hier sind schon einige Fans dabei, uns zu unterstützen.

 

 

Nach der kompletten Umrundung des max. zehn Meter tiefen Sees, der sich schnell erwärmt und daher zum Baden besonders beliebt ist, sind wir zum zweiten Mal auf der Anlaufstrecke zum See, biegen aber rechtzeitig ab, um über Eschach – hier erleben wir die einzige ernsthaftere Steigung – in Richtung Forggensee ab. Ehrensache, dass der Westerwälder nicht geht, sondern tapfer durchläuft. Wer nach rechts schaut, entdeckt die Silhouette Füssens auf dem folgenden Bergabstück. Ich laufe auf Birgit Lennartz auf, die einst auf dem Zenit ihrer Karriere alles auf fast allen Strecken in Grund und Boden lief. Rekorde in Biel, Davos, ach, man könnte dem ein eigenes Kapitel widmen. Heute läuft's nicht, die ganze Woche war schon verkorkst. „Nee, ich steige aus“, meint sie. Vier Stunden wären ja ok gewesen, aber sich in fünf Stunden ins Ziel zu quälen sei nicht ihr Ding.

Das nächste Zwischenziel, man kann es an der zunehmenden Werbung unschwer erkennen, ist das Festspielhaus. Seinerzeit war es insolvent gewesen, wenn ich mich recht erinnere. Der Versuch, aus König Ludwig, dem „Kini“, mit einem Musical Kapital zu schlagen, war ins Beinkleid gegangen. Jetzt scheint der Laden inkl. der Freilichtbühne zu brummen. In einem Geschäft erzählt man uns, dass Andreas Gabalier, Cro und das Laufwochenende zu einem kaum zu bewältigenden Massenansturm geführt hätten. Die Kasse hätte allerdings gestimmt. Was will man mehr?

Nachdem man uns auch hier am VP bestens aufgepäppelt hat, geht es Richtung Halbzeit. Wobei nicht nur bei mir die km-Angaben deutlich von der mit GPS gemessenen Entfernung abweichen, im Maximum über einen km. An der Messstelle sind 2:09 Std. vergangen, das 21 km-Schild steht deutlich dahinter, trotzdem zählt am Ende die Zeitmessung als Halbzeitmarke. Letztlich ist das aber völlig Wumpe, denn wir alle sollten Emil Zatopek verinnerlicht haben: „Hier ist der Start, dort das Ziel, dazwischen musst Du laufen.“ Die Wahrheit kann so einfach sein. Am Ende werden bei mir sogar 200 m fehlen, alles gut also.

 

 

Wir haben den Forggensee erreicht, streifen Füssen, lassen die Stadt auf unserem Weg Richtung Schwangau aber hinter uns. Über die Staustufe queren wir den Lech, dahinter steht nicht nur Ulrikes Anhang zum Anfeuern, sondern auch die mir gesetzlich angetraute Gattin. Weiter geht’s auf dem Radweg, den ich schon so oft zwischen unserer Unterkunft und Füssen genommen habe. Und schon kommen die Führenden angerauscht, die bereits viele km vor mir liegen. Nur die wenigsten sind im Tunnel, die meisten haben ein Lächeln für meine Kamera und mich und damit für Euch übrig.

Wunderschön ist der gekieste Weg unmittelbar am Forggensee, der uns nach Waltenhofen, unmittelbar vorbei an seiner markanten Kirche, führt. Vor dem Campingplatz Brunnen befindet sich der Wendepunkt, an dem auch für mich der Rückweg beginnt. Bist Du heute zum ersten Mal dabei, vermisst Du nichts. Kennst Du die alte Strecke, wirst Du wehmütig. Wo ist der Weg entlang des Campingplatzes? Wo St. Coloman, die einsam auf der Wiese stehende Wallfahrtskirche? Wo Neuschwanstein, des Kini liebstes Bauwerk, auf das sonst zugelaufen wurde? Das vermisse ich wirklich sehr und hatte mich im Vorfeld schlau zu machen versucht, welche Gründe der veränderten Streckenführung  zugrunde liegen. Man munkelt etwas von Schwierigkeiten mit dem Landratsamt und der Feuerwehr. Klar, die notwendige, zweimalige Überquerung der B 27 bedeutet einen nicht unerheblichen Aufwand, den man wohl scheute. Trotzdem, ich wiederhole mich, für meinen Teil hat der Lauf sein Herzstück eingebüßt.

 

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Bilder von Andreas Bettingen

 

 

 

 

Das ändert aber keinen Deut, dass ich den Rückweg am Forggensee genauso schön finde wie den Hinweg. Sogar das Ausflugsschiff Füssen hat extra für mich gerade angelegt, ein schönes Motiv. Kaum weniger schön ist der kleine Vorsprung, den ich auf die anvisierten 4:30 Std. herausgelaufen habe, trotz zahlreicher Fotostops und kleinerer menschlicher Bedürfnisse. Rechterhand über den See strahlen Festspielhaus und die hohen Bauwerke Füssens, auch der Andreas und die Judith sind wie immer gut gelaunt.

„Ich lese dann hinterher Deinen Bericht!“ höre ich plötzlich hinter mir eine Stimme. Dem muss ich natürlich auf den Grund gehen. Roger kennt und schätzt nicht nur unsere Seite, sondern absolviert nach seiner Bandscheiben-Op den ersten Marathon und ist guter Dinge. Glückwunsch dazu, mein Lieber! Unweit unseres Hotels steht nochmal der einsame Fan von vorhin an der Staustufe, was uns beiden gut gefällt. Über die Staustufe geht's retour Richtung Stadt, dann über den Lechsteg weiter.

 

 

Bevor aber einer auf dumme Gedanken kommt – es fehlen ja noch etliche km -. schlagen wir auf dem Radweg von Füssen den Weg Richtung Königsschlösser ein. Hinter Alterschrofen biegen wir in den Wald ab und beginnen die Umrundung des glasklaren Schwansees. Der ist wirklich klasse. Du kannst nämlich nicht mit dem Auto bis ganz heran fahren, was etliche Zeitgenossen schon von einem Besuch abschreckt, denn dafür müsste man ja zu Fuß gehen. Zudem lockt ein kleiner Biergarten samt Kiosk, Liegewiese und Stegen, vor allem aber kostet der Besuch nichts. Selbst jetzt in der Hochsaison ist das Teil nicht ansatzweise überlaufen, herrlich. Einen Teil der morgigen Regeneration werden wir hier chillend verbringen. Recht nahe kommen wir an das Schloss Hohenschwangau, das wir auch mehrfach gut sehen können. Der Weg, zunächst durch Wald vor verdecktem See, ist wunderbar zu laufen.

Fünf km vor dem Ziel erstrahlt er dann für uns in voller Schönheit. Nach komplettierter Umrundung zieht es uns dann endgültig auf zunächst gleichem Weg wie hin zurück zur Stadt. Wieder über den Lechsteg, dann entlang dieses hübschen Flusses, der übrigens den Forggensee durchfließt, laufen wir die letzten beiden km unterhalb des Hohen Schlosses und der Abtei St. Mang, die beide alleine schon einen Besuch Füssens wert sind. Dann malträtieren noch einige hundert Meter Kopfsteinpflaster unsere Füße, bevor ein kurzer, aber strammer Stich in die zentrale Altstadt führt (der Westerwälder marschiert natürlich nicht ohne Not!). Das ist wirklich fein, auch wenn uns so die Morisse, ein künstlicher Felsdurchbruch, der früher am Ende zu nehmen war, abgeht. So aber besteht die Möglichkeit, von hunderten begeisterter Fans quasi ins Ziel getragen zu werden, aber Pustekuchen. Leider nimmt man von uns kaum Notiz. Wenigstens wir haben etwas zu schauen. Ein letzter Linksschwenk, dann bin ich nach knappen 4:15 Std. sehr zufrieden und keinesfalls erschlagen im Ziel.

 

 

Das Wetter ist prima, mein Zustand gut, daher kann ich mich noch lange mit Freude dem postmarathonalen Leben hingeben. Irgendwann zieht es mich dann doch heimwärts, die Dusche lockt. Gemeinsam mit Elke bin ich bald schon wieder vor Ort, denn der Pastagutschein kann noch eingelöst werden und die Veranstaltung hat ja gerade erst begonnen. Elke wird um 16:30 Uhr zum Viertelmarathon starten, auf dem ich sie die meiste Zeit dank ausreichend breiten Wegen auf dem Rad begleiten kann (alle Strecken außerhalb der zentralen Innenstadt stehen unverändert allen Fußgängern und Radlern offen). Um 18:30 wird dann der Halbmarathon als Finale dieses schönen Lauftages gestartet.

Die Veranstaltung hat durch die Konzentration auf nur einen Tag grundsätzlich nicht gelitten und verläuft genauso reibungslos, wie ich es in Erinnerung hatte. Was mir, der ich vergleichen kann, echt abgeht, ist der Verlust der Überquerung der B 27 mit dem tollen Abschnitt St. Coloman/Neuschwanstein. Vielleicht kann man sich ja zukünftig doch zusammenraufen.

Aber auch so hat es uns Läufern wieder viel Freude gemacht und der Stadt jede Menge Kohle in die Kassen gespült. Wir jedenfalls hätten ohne den Lauf in diesem Jahr wahrscheinlich keine Woche Urlaub drangehängt. Aber nur vom Lauf sollte man einen Besuch des Ostallgäus nicht abhängig machen, dafür ist das Nebeneinander toller Seen, hoher Berge und attraktiver Ortschaften zu schön. Ooops!... I did it again. Vielleicht sogar ein drittes Mal?

 

 

Ergebnisse

 

 

Informationen: Knigsschlsser Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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