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Laufberichte

„Eisch sinn en Hunsrück Marathoni“

 

 

Drei Jahre nach der Stilllegung des Personenverkehrs fuhren 1986 hier nochmals einige Sonderzüge, um Demonstranten zu einer Kundgebung gegen die Stationierung von Cruise Missiles mit Atomsprengköpfen zu bringen. 200.000 Demonstranten waren damals hier. Die Zugfahrer mussten noch bei Tageslicht den Rückweg antreten, da die Signale schon abmontiert waren und man auf Sicht fahren musste. 1987 unterzeichneten Ronald Reagan und Michail Gorbatschow den INF-Vertrag, gemäß dem alle europäischen Mittelstreckenraketen vernichtet werden sollten. Die militärischen Anlagen wurden aufgegeben. Der Militärflughafen Hahn wird seitdem zivil genutzt und sponsert unseren Lauf.

In Altenkirch zockele ich direkt an einem Bahnsteig vorbei, wo die Schülerstaffeln auf ihren Einsatz warten. Am VP gibt es diesmal auch Gel. Der junge Bursche entscheidet, welche Geschmacksrichtung mir zusteht. Ok. Foto gemacht. Er ruft mir nach: „Auf der L108 wird nicht geblitzt“ - „Dafür muss ich morgen nicht in die Schule“, erwidere ich und damit ist Ruhe und ich darf mich nächstes Jahr hier nicht mehr sehen lassen.

Die Wasserstellen nehmen überhand, was durchaus positiv gemeint ist. Ich steige indessen auf Cola um. Das passt auch besser zu den rosa Bechern. „Mehrweg“wird hier groß geschrieben.  Im Ziel wird man von einem Läufer erzählen, der sich das süße Nass über den Kopf geschüttet hat. Ich höre eine Unterhaltung hinter mir, dann ziehen Esther und Petra lachend an mir vorbei. Sie sind ja auch jünger und haben noch mehr Schwung.

 

 

Ich wage jetzt mal die Aussage, dass der erste Streckenteil landschaftlich etwas schöner ist. Jetzt bieten sich weniger Ausblicke und Schatten gibt es kaum. Dafür ist man hier von Halbmarathonis umgeben, die zügig und mitunter haarscharf an einem vorbeilaufen.

Auf den letzten 12 Kilometern geht es 170 Meter bergab. Ich bin nicht der einzige, dem dieser an sich erfreuliche Umstand heute nichts nutzt. Meine ausgiebigen Duschen (eiskaltes Wasser) helfen auch nicht mehr. Vielmehr leitet mein fantastisches Sporthemd die Feuchtigkeit direkt in meine Baumwollunterhose.

Wir passieren das Starttor für den Fun run (5,6 km). Der 4:15-Stunden-Pacer Volker rast vorbei und scheitert bei dem Versuch, mich mitzunehmen - leider. Der 50. Breitengrad wird mit Tafel und weißer Linie groß angekündigt und mehr oder minder rasant überquert.

In Keidelheim steht noch das verrostete Bahnhofsschild. Früher konnte man noch aus dem Zugfenster schauen und den Stationsnamen lesen. In ICE-Zeiten geht das alles viel zu schnell. Darf man hübsche Polizistinnen im Dienst fotografieren? Ich mach's mal und warte ab, ob das Bild veröffentlicht wird.

Knut in seinem blauen Hemd begleitet mich schon eine Weile. An der VP fällt er zurück. Ein aufmunternder Spruch meinerseits und er rast auf einmal davon. Was Worte bewirken können. Wir kommen wieder in ein Wäldchen, neben uns plätschert ein Bach. Vor uns taucht der Schmiedeltunnel auf, der einzige echte Eisenbahntunnel unseres Laufs. Das bedeutet 81 gut gekühlte Meter. Hinter dem Tunnel trennen uns noch ca. 400 Meter von den Gleisen der Hunsrückquerbahn und vom Bahnhof Simmern. Da wollen wir aber jetzt nicht hin. Stattdessen noch mal ein giftiger Anstieg von 5 Höhenmetern. Kurz danach laufen wir über die Bahnstrecke.

 

 

Jetzt geht alles ganz schnell: Ab km 41,9 „rollt“ man nur noch bergab. Der Zielbogen und dahinter der Turm der Stefanskirche. Tosender Beifall. Eigentlich wollte ich mit Judith Hand in Hand einlaufen. Die ist allerdings weit voraus und hat ihrerseits versucht, zu Friedhelm vom Hunsrück-Marathon e.V. aufzuschließen. Beim Allgäu-Ultra vor zwei Wochen hatte sie ihn überholt, auf seiner Heimstrecke war er diesmal schneller.

Eine schöne Medaille wartet auf mich: Sie zeigt vorne die Laufstrecke und auf der Rückseite die Burgruine Balduinseck in Berg bei Kastellaun. Direkt neben dem Zielbereich steht die Bühne, wo gerade die sechs schnellsten Läuferinnen geehrt werden. Judith ist dabei, also schnell hin und ein paar Fotos machen.

Dann endlich ein Bier. Kirner alkoholfrei und Radler Weizen alkoholfrei schmecken mir ja so gut. Außerdem gibt es Wasser, Schorle, Isogetränk und dazu Bananen. Volker ist ein bisschen traurig, dass er keinen Läufer ins Ziel begleiten konnte. Wie gerne wäre ich dabei gewesen. Beim Marathon hätte man mit 4:14 Stunden noch zur ersten Hälfte des Teilnehmerfeldes gehört. Wahrscheinlich war es doch zu heiß. Ich werde auf Salvatore Barbaro aufmerksam gemacht: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH ist auch mitgelaufen.

Nach einer Dusche im Schwimmbad neben der Hunsrückhalle fehlt mir nur noch etwas Süßes: Im Festzelt vor dem neuen Schloss, wo man auch seine Urkunde ausdrucken lassen kann, wartet schmackhafte Verpflegung zum günstigen Preis. Für mich steht fest, hier möchte ich auf jeden Fall noch mal laufen und dann bitte viel schneller, quasi als ICE auf der Hunsrückbahn.

 

 

 

Fazit

 

Eine sehr schöne Veranstaltung: Da passt alles, von der prall gefüllten Startertüte inklusive schickem Laufhemd mit großer informativer Beschriftung bis hin zur sehr guten Organisation (Ausschilderung, Verpflegung, Transfers).

Tolle Strecke mit vielen schönen Ausblicken, oft im Wald oder mit schattenspendenden Bäumen und Büschen. Relativ flach (ca. +190/-280 hm) und bei nicht ganz so heißen Temperaturen sicher auch für Bestzeiten gut.  Der Schinderhannes-Radweg war während unseres Laufs komplett radfahrerfrei (bis auf die offiziellen Begleitradler). Unglaublicher Zuspruch in den vielen Gemeinden und Dörfern an der Strecke.

Marathon (152 Finisher)

1    Fischer, Karsten (GER) SSC Hanau-Rodenbach    02:49:06
2    Diehl, Marco (GER)    DVAG-Marathon-Team    02:50:48    
3    Starko, Vsevolod (UKR)    SC Homburg        03:09:08    

1    Fuchs, Sandra (GER)                    03:33:44    
2    Hotzler, Eva (GER)                    03:39:10    
3    Kowalski, Simone (GER)    SV Windhagen    03:52:32    

Halbmarathon (509 Finisher)

1    Bock, Christian (GER)    sebamed Running Team    01:18:40    
2    Rötsch, Christian (GER)    LLG Hunsrück e.V.        01:20:30    
3    Flejmer, Karol (POL)    DZIKIE ZYCIE RUN TEAM    01:21:44    


1    Schank, Karin (LUX)    C.A. Schifflange        01:26:55    
2    Schweickhard, Tanja (GER)                01:33:11
3    Schmitt, Sabine (GER)                01:33:43

 

Weitere Wettbewerbe:

Am Freitag Staffel-Teamlauf des Fertighaus-Herstellers DFH
Am Samstag diverse Kinder- und Jugendläufe
Am Sonntag neben dem Marathon auch Halbmarathon, Schülerstaffel, Team-Marathon, Skater-Marathon und -Halbmarathon, Fun-Run sowie Walking-Halbmarathon und Fun-Walk

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Informationen: Hunsrück Marathon
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