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Laufberichte

Blut, Abenteuer und Milchshake

26.08.12
Autor: Joe Kelbel

Immer geradeaus, an den Ortschaften Leinigen und Norath vorbei. Die Bahnstrecke führte außerhalb der Dörfer entlang, denn die Bauern hatten Angst, dass die Dampfrösser das Vieh zum Scheuen bringt. So liegen auch die Bahnhöfe abseits der Dorfzentren.

Jede kleinste Kreuzung auf unserer Laufstrecke ist abgesperrt, bürokratische Auflagen erfordern 950 Helfer, alle ehrenamtlich. Das entspricht 1 Helfer für 2 Läufer. Die Anzahl der Absperrgitter und -bänder könnte für den Frankfurt Marathon reichen. Kein Wunder, dass Chef Ottmar Berg auch mal selbst die Absperrgitter umstellt.

Der Bahnhof Pfalzfeld (km 14) ist bewirtschaftet, doch bei diesem Wetter bleibt der Biergarten leer. Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten in alten Schlafwagen. Hinter dem Bahnhof eine Replik der Pfalzfelder Säule (auch Flammensäule genannt). Sie  stammt aus keltischer Zeit (4.Jahrh v. Chr.) und wurde 1736, nachdem der Ort durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkert war, auf dem Friedhof gefunden. Die Gegend ist übersät von keltischen Hügelgräbern, aber eine Zuordnung der Säule kann nicht mehr erfolgen. Das Original liegt im Museum in Bonn.

Rechts Lingerhahn, km 17, ein Plakat “We love Buschbären” bringt mich zum Lachen, im Hunsrück ist wohl alles anders.

Bei Dudenroth führt der Weg mitten durch die sogenannte Dudenrother Schanze, erkennbar an kleinen Wall-und Grabenresten. Offiziell sei hier eine mittelalterliche Burg gewesen. Dem Ausgrabungsbericht von 1852 ist zu entnehmen, dass dieser Hügel schon vor langer Zeit von Grabräubern durchwühlt wurde. Kaum bin ich vorbei, sehe ich, dass hinter dem Wäldchen wieder gegraben wird. Sollte es sich doch um die Schatzkammer der Zollstation von St Goar handeln?

Kastellaun, hier war um 11:30 der Start des Halbmarathons. Die HM-Strecke führt um den Felsen der Sponheimer Burg und biegt dann auf unsere Strecke ein. Zunächst aber biegen die schnellen, kleinen Läufer der Schülerstaffeln ein. Ottmar macht hier hervorragende Nachwuchsarbeit, denn ich habe ziemlich Mühe, an den Jungläufern dran zu bleiben.

Hinter der ehemaligen Haltestelle der Hunsrückbahn in Bell (km 30) liegt das Hügelgräberfeld “Alter Markt” mit 22 Grabhügeln und das Feld “Fuchshohl” mit 41 Bestattungen. Berühmt ist das reiche Wagengrab eines keltischen Fürsten (ca 500 v. Chr.). Einige Hügelgräber liegen in einem Sperrgebiet der Bundeswehr (links) und warten auf spätere Ausgräber. Andere Hügelgräber wurden beim Bau der Raketenbasis Pydna eingeebnet. 96 Kreuze, eines für jede hier stationierte Atomrakete, erinnert an die Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Bei km 31 (km 10 der HM-Strecke) überholt mich der Spitzenläufer der Halbmarathonis. Auch hier versuche ich dranzubleiben. Der permanente Aderlass der letzten Nacht hat gut getan. Alles ist optimal, die Orga, die Verpflegung, der leichte Regen. Nur der Wind, der kräftig von vorne bläst, stört ein wenig.

Immer mehr schnelle Läufer loben mich, als wüssten sie, welches Programm ich dieses Jahr gelaufen bin. Es ist aber auch eine geile Laufstrecke hier. Die 42 Kilometer jucken mich nicht, nur die nächtlichen Einstichstellen.

Für Mineraliensucher interessant sind die Abraumhalden des Manganerzwerks. Es wurde 1953 verschlossen. Mangan wurde zur Eisenveredlung gebraucht. Die reichen Erzvorkommen begründeten auch den Reichtum der Kelten.

Alterkütz  (km 37): “Geeeeeels, Geeeeels! Ist gut für die Muskeln!” Die Kinder der Verpflegungsstation sind hochmotiviert, ich höre Diskussionen, wie man am besten Nahrung und Verpflegung anbietet. Als Kind habe ich ja auch gelernt, dass man Pferde mit der flachen Hand füttert, aber wie macht man das mit Bananen? Auf dem Tisch steht eine Flasche meiner favorisierten Isosorte. Spitzenservice hier!

Auf der rechten Seite die spärlich bewachsenen Abraumhalden der Erzgrube Eid (Silber, Kupfer, Blei, Zink ).  Ein kilometerlanger, tiefer Wassergraben leitete das Wasser vom parallel zur Laufstrecke fließenden Külzbach zur Hütte. Die ehemaligen Klärgruben werden heute als Fischteiche genutzt. Auch die Stolleneingänge sind noch vorhanden.

Neuerkirch, hier fand man die Reste einer römischen Villa, auf dem Kornfeld rechts sind rechteckige Strukturen erkennbar. Keidelheim ( km 39) es läuft einfach wunderbar, Endspurt mit allen Mitteln!

Im Tunnel vor Simmern überhole ich Thomas, es ist sein erster Marathon. Karl Wolfgang hat ihn bis hierin gezogen, jetzt übernehme ich. Doch wir verlassen die alte Bahnstrecke und müssen hinter dem Tunnel die scharfe Steigung nehmen. 110% meiner Laufleistung bringt mich fast um und Thomas einige Meter hinter mich. Matthias brennt mir auf der Zielgeraden einen auf die Schulter, wofür er sich später entschuldigt. Aber das bringt mir nochmal Sekunden für die Zielzeit ein. Was für ein herrlicher, schneller Lauf ! Da hat alles gepasst.

Im Zielbereich ist es saukalt, nur schnell ins warme Hallenbad (Eintritt frei). Wie erwartet hat Tobias Sauter gewonnen und die Serie von Marco Diehl unterbrochen.

Übrigens trinkt Marco Diehl nach einem Marathon gerne einen fetten Milchshake einer bekannten Fastfoodkette. Komisch, dass ihn die McD-Mädels hier nicht erkennen. Den Ballack erkennen sie im Fernsehspot doch auch.

Marathonsieger

Männer

1 Sauter, Tobias (GER) LEWA 02:30:58
2 Diehl, Marco (GER) DVAG Marathon-Team 02:38:51
3 Schaub, David (GER) ASICS Frontrunner 02:52:44

Frauen

1 Buxton, Christiane (GER) 03:26:44
2 Gelbrich, Yvonne (GER) PK Diagnostics 03:31:48
3 Hein, Susanne (GER) Anlauf-Marathonteam 2012 03:47:57

188 Finisher

12
 
 

Informationen: Hunsrück Marathon
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