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Laufberichte

Abgesagt: So war es und so wird es wieder (24)

 

Noch ein Jubiläum, das Corona zum Opfer fällt: Der 20. Heilbronner Trollinger Marathon kann nicht wie geplant am 17.05.2020 stattfinden. Das Lauf- und Weinfest steht auch bei den laufenden ReporterInnen von Marathon4you hoch im Kurs. Kein Jahr, in dem es nicht einen stimmungsvollen Laufbericht mit vielen Bildern gibt. Zur Erinnerung an viele schöne Stunden präsentieren wir daraus einige Zitate.

 

Alle Trolli-Berichte und Bilder gibt es hier auf Marathon4you 

 

 

Trollinger in der Blutbahn

 

Fährt man auf der A 6 nach Heilbronn und sieht die vielen Weinberge, ahnt man sofort, um welche Art Marathon es sich hier wohl handeln wird. Die schnellen Schuhe kann man getrost in der Tasche lassen, auch den Zeitenrechner. Denn hier werden wohl kaum neue Bestzeiten gelaufen, dafür kommen die Genießer unter den Marathonis auf ihre Kosten. Und von denen gibt es nicht nur im Schwabenländle mehr als genug.

Klaus Duwe

 

Wir schaffen es pünktlich zum Start auf der Erwin-Fuchs-Brücke, ein paar Gehminuten vom Stadion entfernt. Obwohl das Startbanner noch nicht zu sehen ist, kann man die Lautsprecherdurchsagen gut verstehen. Ist der Sprecher neu? Er fragt die Heilbronner Käthchen allen Ernstes, wie lange sie heute vor Ort sein werden. Natürlich bis zum Schluss - das ist doch klar. Schließlich hängen sie jedem Finisher persönlich die Medaillen um. Eigentlich ist das „Käthchen von Heilbronn“ nur eine fiktive Figur aus dem gleichnamigen Schauspiel des Dichters Heinrich v. Kleist. Trotzdem ist es allerorts bekannt.

Birgit Fender

 

Und in wenigen Sekunden haut uns sein Startschuss auf die Strecke, die uns auf den ersten Kilometer entlang des Neckars in Richtung Altstadt bringt. Viele Zuschauer stehen links und rechts und applaudieren. Wir unterqueren die Rosenbergbrücke und wechseln auf der Götzenturmbrücke die Neckarseite.

Anton Lautner

 

Weiter geht es durch den Wertwiesenpark, entstanden im Rahmen der Landesgartenschau 1985. Noch einmal Citymarathon-Feeling beim Durchqueren des Stadtteils Sontheim. Nach dem Restaurant „Zum lustigen Steirer“ erreichen wir den ersten Verpflegungspunkt. Der ist wie alle anderen perfekt auf beiden Seiten der Strecke angeordnet und ausgeschildert. Als Party-Hotspot immer auch mit Livemusik, was einem laufenden Fotoreporter einiges abverlangt: Banane im Mund, Becher zwischen den Zähnen, fotografieren und nicht so viel Zeit verlieren.

Andreas Bettingen

 

Nach dem Ort dann bei Kilometer die nächste Verpflegungsstelle. „Wasser! Wasser!“ und „Apfelschorle! Apfelschorle!“ rufen die HelferInnen  laut und engagiert. Ganz so, als müssten sie die Getränke für viel Geld verkaufen. Ganz hinten am letzten Tisch sitzt dann eine Dame und ruft ganz verschüchtert „Trollinger!“. Ihr Angebot ist heute kaum gefragt. Sie weiß es: es liegt an der Hitze, nicht an der Qualität.

Klaus Duwe

 

Mitten in einem Waldstück hat einer seinen Grill angeworfen und versorgt nicht nur sich, sondern auch den hungrigen Sportler. Die per Schild angekündigte Halbzeitwurst entpuppt sich als Nürnberger Rostbratwust. Ich greife gern zu und mir wird gleich noch ein Weißbier vom Fass angeboten. Prost. Die 300 Meter weiter liegende offizielle Tankstelle lasse ich demzufolge links liegen.

Anton Lautner

 

 

 

 

Schon von weitem erkennen wir den Abzweig zum Weinberg. Hier bei km 9 geht es den "Kotzbuckel" hinauf. Er ist die einzige richtige Steigung des Laufs. Laura und ich fallen, wie die anderen Läufer um uns herum, ins Gehen. Mitten in der sonntäglichen Ruhe ertönen tiefe Töne: der bereits legendäre Alphornbläser Wolfgang Meerwart, Flinataler-Alphornbläser aus Flein, lockt uns den Berg hinauf. Er ist beim Trollinger Marathon eine feste Größe und schon viele Läufer verdanken ihm eine unvergessliche Bergankunft.

Birgit Fender

 

Lauffen hat historisch allerlei zu bieten: Siedlungsspuren aus der älteren Jungsteinzeit finden sich hier, Kelten, Römer, Bauernkriege, Österreicher, Napoleon sind weitere Stichworte. Aktuell bietet man einen Schotten auf, der auf der „Alten Neckarbrücke“ Dudelsack spielt, allen Unbilden des stärker gewordenen Nieselregens zum Trotz. Und endlich sehe ich auch eine Weinverkostung am Ende des Verpflegungspunkts. Die einzige offene Frage, die ich bei meinen Recherchen im Internet nicht klären konnte, ist damit beantwortet: Es gibt also den berühmten Trollinger auch an der Laufstrecke.

Andreas Bettingen

 

Bevor ich es hinunter nach Talheim krachen lassen kann, lässt es die Guggenmusik-Kapelle noch krachen. Kaum säumen Wohnhäuser die Straße, erhalten wir  wieder Zuspruch von den Anwohnern. Das Ortswappen von Thalheim sieht fast bedrohlich aus, mit dem hineinragenden Arm und dem Rebmesser in der Hand, ich fürchte aber nichts, denn erstens kenne ich das Rebmesser aus dem Wappen meiner Wohngemeinde, zweitens fühle ich mich trotz der zunehmenden Wärme noch halbwegs fit, und drittens sitzen die Talheimer friedlich beim Frühschoppen neben der Strecke.

Daniel Steiner

 

 

 

 

Eine kleine Hocketse (gemütliches Beisammensein) ist hier in vollem Gange. An der VP steht neben dem obligatorischen Wasser einsam ein Becher mit Rotwein. Gerade will ich danach greifen, da ruft die Helferin: „Vorsicht, das ist Weinschorle!“ Entsetzt ziehe ich die Hand zurück. Ich bin doch nicht 30 km gelaufen, um dann eine Schorle (mit Wasser verdünnter Wein) zu trinken. Flink springt ein Helfer auf und holt eine Flasche Wein aus dem Vorrat. Es ist Nordheimer Sonntagsberg Trollinger. Die Feiernden prosten mir zu. Dann laufe ich fröhlich weiter.

Birgit Fender

 

Schon mit etwas schweren Beinen erreiche ich Hausen, von weitem kann ich beim leichten Bergabstück eine größere Menschenmenge am Ende der Straße ausmachen. Dort erwartet mich in einer Kurve Bacchus, der Gott des Weines. Einen riesigen gefüllten Weinkelch streckt er mir entgegen. Da ich jetzt eine Pause und Stärkung gut vertragen kann, lasse ich mich nicht zweimal bitten. Es schmeckt hervorragend und die Leute applaudieren mir ganz begeistert.

Bernie Manhard

 

Ab jetzt machen wir mit den Halbmarathonis gemeinsame Sache. Vor mir der 2:15-Pacer. Eigentlich wäre es doch noch lustiger, wenn der 2:00-Pacer auf den 4:00-Pacer vom Marathon treffen würde. Die Straße ist breit, man kommt ohne Probleme an den „Halben“ vorbei. Km 40: Wir sind in Heilbronn-Böckingen. Nette Ecke und viel Remmidemmi. Unter der Bahn hindurch und dann noch ein letztes Mal über den Neckar. Unter dem Startbogen biegen wir bald ins Stadion ab. Auf blauer Tartanbahn fliege ich förmlich dem Ziel entgegen.

Andreas Bettingen

 

In Böckingen, keine drei Kilometer mehr zum Finish, heizt uns die Gundelsheimer Guggemusik ein. Recht schräg, aber es sorgt für Stimmung, auch wenn man fast glauben mag, die können gar nicht spielen. Der 40. Kilometer: „Vom Ziel träumt man nicht, sondern erreicht es“, heißt es auf dem Schild. Aufgeben ist jetzt ein No-Go.

Anton Lautner

 

Eine Viertel Runde dürfen wir noch beim Zieleinlauf im Frankenstadion drehen, dann ist es wieder vollbracht. Jan erwartet mich schon im Ziel. Er hat es heute unter 4 Stunden geschafft, dafür hat er aber auch vom angebotenen Wein kaum was abbekommen. Der Verpflegungsbereich im Ziel ist üppig ausgestattet mit vielen Leckereien, aber Trollinger gibt es keinen mehr, dafür aber zur Abwechslung Bier. Da halte ich mich heute aber an das Sprichwort: Bier auf Wein, das lass‘ sein.

Bernie Manhard

 

 

Auf Wiedersehen beim
Heilbronner Trollinger Marathon 2021

 

Informationen: Heilbronner Trollinger Marathon
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