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Laufberichte

Auf neuen Wegen zu neuem Erfolg

14.10.12

Durchs Lend- und Griesviertel

 

Auf dem Laufprogramm steht nun eine 8 km-Runde durch die zentrumsnahen Stadtbezirke Lend und Gries auf der Westseite der Mur. 

Durch ruhige Wohnstraßen gelangen wir zum weitläufigen Lendplatz (km 14) mit schönem Blick hinüber zum Schlossberg. Herrschaftliche Bürgerhäuser prägen die Umgebung. Optisch nicht der ganz große Hochgenuss ist wenig später allerdings die gewerblich geprägte Gegend entlang und um den Lazarettgürtel und so freue ich mich, bei km 17 im Süden von Gries die Mur wiederzusehen und auf den entlang des Hochufers führenden Grieskai einzuschwenken. 

Je weiter wir uns entlang der Mur dem historischen Zentrum von Gries nähern, desto attraktiver wird die Kulisse der alten Fassaden. Richtig nett wird der Laufkurs, als wir vom Fluss weg durch ein Labyrinth winkeliger Gassen und lauschiger kleiner Plätze gelotst werden. Am Südtiroler Platz  taucht hoch über uns fast wie aus dem Nichts ein riesiger schwarzschimmernder Blasenkörper auf. Wir haben erneut, nur auf anderem Wege, den Landeplatz des "Friendly Alien" erreicht. Und schon sind wir vorbei und sausen weiter durch die engen Gassen.

Hell erstrahlen in der Sonne die weißen Türme der barocken Mariahilferkirche am gleichnamigen Platz neben dem Minoritenkloster. Gerne hätte ich mich noch ein Weilchen länger durch das Gassengewirr treiben lassen, doch unsere Runde durch Lend und Gries naht dem Ende. Und mit der erneuten Querung der Mur über die hinlänglich bekannte Keplerbrücke bei km 19,5 weiß ich: Ein neues Kapitel unseres Laufs beginnt.

 

Gen Norden Teil zwei

 

Am Ostufer angekommen ist in der Party-Area dieses Mal noch etwas mehr Aufregung angesagt. Wegweiser und zahlreiche Helfer sorgen dafür, dass die Läufer in den richtigen Kanal geleitet werden: Marathonis geradeaus, Halbmarathonis nach rechts. So ganz selbstverständlich ist das nicht, lassen wir (Männer) uns doch allzu gerne von den am Straßenrand tanzenden Cheerleadermädels ablenken. Für die Läufer der Halbdistanz ist der Heimweg angesagt, der sie mitten durch die Altstadt und über die Herrengasse (die den Marathonis verwehrt bleibt, was mich durchaus ein wenig neidisch stimmt) und den Opernring ins Ziel führt.

Geradeaus geleitet befällt mich ein spontanes Gefühl großer Verlassenheit. Kein Wunder: Nur einer von fünf Läufern im Feld wagt sich an die klassische Distanz. Und so wird aus dem bisherigen Läuferfluss ein zunächst ziemlich müde anmutendes Rinnsal, das entlang des Fußes des Schlossbergs weiterzieht.

Das neue Kapitel unseres Laufs ist ein an sich bereits gekanntes, nur eben jetzt unter etwas anderen Vorzeichen: weniger Leute auf der Strecke, weniger Kraft in den Beinen. Aber ein Marathonläufer wäre eben nicht ein solcher, wäre das für ihn ein entscheidendes Kriterium. Und so ziehen wir wieder Kilometer um Kilometer in endloser Gerade auf der Theodor-Körner-/ Graben-/ Weinzöttlstraße nach Norden und ab Andritz auf ebenso langer Gerade zurück. Dafür nehme ich mir jetzt mehr Zeit, die gut organisierten Verpflegungsstationen mit ihren freundlichen Helfern heimzusuchen. Zehn Mal habe ich dazu entlang der Strecke Gelegenheit. Wasser, Powerade, Tee, Cola und Bananen stehen auf dem Programm, und das stets in der gleichen Reihenfolge, sodass man sich gleich richtig einreihen kann - ein Vorteil, der auf der zweien Streckenhälfte allerdings nicht mehr die Bedeutung wie auf der ersten hat.

Bei km 29 ist es wieder so weit: Ein weiteres und letztes Mal queren wir die Keplerbrücke hinüber nach Lend.

 

Entlang der Mur zur Messe

 

Auch drüben in Lend ist das erste Wegstück bereits bekannt. Erst ab km km 30 erwartet uns läuferisch echtes Neuland. Eine Schleife drehen wir noch durchs nördliche Lend, dann dürfen wir uns auf 4 km entlang des Murhochufers freuen. Auf dem Lendkai und nachfolgend dem Grieskai geht es südwärts. Die Keplerbrücke liegt erneut am Weg, nur queren wir sie dieses Mal nicht, sondern laufen parallel zum Fluss unter ihr durch.      

Etwa bei km 33 blitzt es zu unserer Linken silbrig zwischen den Zweigen der Bäume am Flussufer hindurch. Nur partiell rückt das Kunstobjekt Murinsel in unser Blickfeld. Neben dem Kunsthaus ist sie ein weiteres spektakuläres Relikt des Kunsthauptstadtjahres 2003. Mitten im Fluss thront der über zwei Stege zugängliche, 20 mal 50 Meter große muschelförmige Inselkörper aus Stahl, ausgestattet mit Amphitheater und einem "Dom" mit Cafe – incl.Kinderspielplatz. Am ausdrucksstärksten ist dieses Objekt bei Nacht, wenn es im sphärischen Blau aus dem Dunkel der Fluten erstrahlt.

Am jenseitigen Flussufer ziehen nochmals die Fassaden der Altstadt an uns vorbei, dominiert vom alles überragenden Schlossberg. Eine nach der anderen der zentrumsnahen Murbrücken passierend stoßen wir vor bis zur Friedensbrücke. Zum sechsten und letzten Mal wechseln wir hier bei km 34,5 die Flussseite und folgen, unterbrochen von einer kleinen Schleife zum Augartenpark, dem Schönaugürtel hinein in den Stadtbezirk Jakomini.

Vor dem Messegelände bei km 36 biegen wir nach rechts ab in die Conrad-von-Hötzendorf-Straße.  Die folgenden gut 3 km sind nochmals als Pendelstrecke gestaltet. Schnurgerade führt die Straße vorbei an der hochmodernen Stadthalle, einem fast säulenfreien verglasten Konstrukt mit weit überkragendem Flachdach, bis zum Wendepunkt vor dem Liebenauer Stadion, und dann wieder zurück. Das heute offiziell "UPC Arena" genannte Stadion ist die Heimstatt des Fußballerstligisten SK Sturm Graz. Knapp zehn Jahre lang war es einst nach dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt benannt: Arnold Schwarzenegger – Ex-Mr. Universum, Ex-Terminator, Ex-Gouverneur und seit einem Seitensprung auch Ex-Ehemann. Hart im Film, hart im Leben – da  Arnie als kalifornischem Gouverneur die Kritik an seiner Weigerung, zum Tode Verurteilte zu begnadigen, nicht behagte, kam es letztlich zur Umbenennung.

Die letzten Kilometer führen uns in mehreren langgezogenen Schlenkern durch die zentrumsnahe kleinbürgerlich geprägte Jakominivorstadt. Ein wenig vermisse ich hier die Beschilderung der einzelnen Kilometer, so wie dies auf der ersten Streckenhälfte der Fall war. Anscheinend geht man bei den Marathonläufern davon aus, dass die ohnehin nur in 5 km-Abschnitten denken können. An der Auffahrt zur Radetzkybrücke angekommen, haben wir aber endlich Gewissheit: Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Denn von hier geht es über Joanneum- und Opernring geradewegs in Richtung Ziel auf dem Opernplatz.

 

Finish vor der Oper

 

War es auf den letzten Kilometern doch recht ruhig auf den Straßen, so empfängt uns vor und im Ziel fast schon Volksfeststimmung. Dichtgedrängte Reihen applaudierender Zuschauer geben uns auf der Zielgeraden den letzten Kick. Über eine große Videoleinwand wird der Zieleinlauf übertragen und von einem Moderatoren-Duo launig kommentiert.

Auch jenseits der Ziellinie ist alles bestens organisiert, vom "Marathon-Süppchen" bis zur Gepäckabholung liegt alles nahe und übersichtlich beieinander. Die durchaus mitreißende  Atmosphäre im Zielraum lässt viele Teilnehmer und Zuschauer ein wenig länger verweilen, was umgekehrt gerade eben auch zu dieser Atmosphäre beiträgt.

Die Veranstalter können wahrlich zufrieden sein. Ohne Zweifel lässt sich kurz und bündig resümieren: Relaunch geglückt. Nicht nur, dass die Teilnehmerzahl insgesamt einen neuen Rekordwert erreicht hat, auch ein weiteres schon vorher erklärtes bzw. erhofftes Ziel des Veranstalters erfüllt sich. Mit 2:11:17 Std. schafft es der Kenianer Peter Mutibu-Kariuiki, endlich den seit 1999 bestehenden, fast schon in Stein gemeißelt scheinenden Streckenrekord von bisher 2:12:25 Std. zu unterbieten. Fünf Kenianer folgen auf den Plätzen, erst dann gelingt es dem Österreicher Peter Pratschke, 18 Minuten hinter dem Sieger als bester Nichtkenianer einzulaufen.

Bemerkenswert ist weiter, dass vor allem die Finisherzahl bei den Halbmarathonläufern mit 3.586 ein nie dagewesenes Niveau erreicht hat. Die Zahl der gewerteten Marathon-Finisher - 826 sind es in diesem Jahr - kann man dagegen so oder so beurteilen: Zwar bedeutet dies gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von stolzen 25 %, aber ich meine dennoch: Da steckt noch Potenzial nach oben drin. Mir jedenfalls bleibt Graz als eine Stadt in Erinnerung, die auch, aber nicht nur wegen des Marathons in jedem Fall eine Reise wert ist.

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Informationen: Graz Marathon
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