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Laufberichte

Es geht aufwärts

 

Mein Erlebnis Bilstein Marathon beginnt im Januar 2018, als ich beim Marrakesch Marathon Gerno kennenlerne und er mir einen seiner Flyer überreicht. 1100 Höhenmeter? Für mich als bekennender Flachlandläufer eine unvorstellbare Zahl. Mehr als einen Kilometer Anstieg! Ich stecke den Flyer ein, mache ihm aber wenig Hoffnung,  dass wir uns dort wiedersehen. Doch wie das so ist, ein Jahr vergeht, man steckt sich neue Ziele, passt das Training etwas an und plötzlich denkt man wieder an den BiMa. Und die Planung beginnt…

Der Bilstein als Namensgeber ist mit 641 Höhe der zweithöchste Berg im Kaufunger Wald und liegt rund 27 km östlich von Kassel. 10 km nördlich davon liegt Kleinalmerode, mit 800 Einwohner ein Stadtteil von Witzenhausen im Werra-Meißner Kreis, auf bescheidenen 253 m Höhe. Aber nicht täuschen lassen, der BiMa hat seinen sagenhaften Ruf, weil das Orga Team nahezu jeden erreichbaren Hügel in die Strecke mit einbezieht. Es ist die neunte Auflage am 28.04.2019 und sie ist schon Monate im Voraus ausgebucht.

Mein Vereinskamerad Dirk und ich haben uns schon frühzeitig seinen Startplatz gesichert, Gerno besorgt uns eine private Unterkunft. An dieser Stelle vielen Dank an Familie Schmidt für die freundliche Aufnahme. Wir sind am Samstag noch schnell bei einem Volkslauf zu Hause zum warm werden und sind am Samstagabend pünktlich zur legendären Pasta-Party zur Stelle. Die Startnummernausgabe in der Bäckerei nebenan ist gut organisiert und wir bekommen einen Starterbeutel, der sich sehen lassen kann. Bei  26 – 36 € Startgeld für den Marathon (je nach Anmeldezeitpunkt) sei hier und jetzt den Sponsoren gedankt.

Wir stürmen die Pasta Party, ungefähr ein dutzend verschiedene Nudeln stehen zur Auswahl, eine vegetarische Abteilung, verschiedene Saucen, Salat und sogar verschiedene Sorten Nachtisch. Und das alles zum  All-You-Can-Eat –Tarif von 7,50 € . Die Marathon- und Ultrafamilie sitzt zusammen, nette Gespräche mit Marion und Jochen, ich glaub die beiden sind mehr bei Läufen als zu Hause. Christoph habe ich länger nicht gesehen.  Er ist heute bereits die Harzquerung gelaufen und macht somit einen Ultra-Doppeldecker. Hut ab, das sind in zwei Tagen 108 km mit über 2800 HM. Zeit schlafen zu gehen….

 

 

Race Day! Um 7:30 starten die 42 km Wanderer, 8:30 folgen die Ultras auf 57 km. Wir Marathonis können ausschlafen und sind um 10 Uhr dran, eine halbe Stunde später nehmen die Halben die Verfolgung auf. Die Stimmung ist sehr locker, ein paar Informationen vom Streckensprecher, Begrüßung eines italienischen Teilnehmers und der Segen vom Pfarrer - es kann losgehen. Doch was ist denn da unterm Startbogen los? Nichts - kein Gedränge an der Startlinie, kein Stress. Wir starten tatsächlich bei trockenem Wetter, für später sind ein paar Niederschläge gemeldet.

 

 

Nach einer Runde durch den Ort verlassen wir diesen auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg und erreichen nach 1 km den ersten Verpflegungspunkt. Höchste Zeit! Ach ja, zur Müllvermeidung gibt es beim BiMa keine Becher! Klappbecher ist somit Pflicht, wenn man nicht verdursten möchte. Gute Idee! Es gibt Wasser, Iso, Apfelschorle, Kekse, Salzige Brezel und Süßigkeiten.  Aber wir machen erst Gebrauch davon, wenn wir nach der Rodenbergrunde hier wieder vorbei kommen.

Bis jetzt sind wir vorwiegend auf Waldautobahnen unterwegs, erste Trailabschnitte und mal eine Treppe runter, um Felsen herum, Treppe wieder rauf, sorgen für Abwechslung.

Die ersten 12 km enden wieder in Kleinalmerode und spielen sich im Bereich zwischen 200-300 Metern Höhe ab. Auf dem Streckenplan sieht das harmlos aus, aber es geht permanent rauf und runter. Dass es nach dieser Runde bis auf  641 m geht, flößt mir gehörigen Respekt ein Ab sofort ist die Zeit für mich zweitrangig,  ich möchte den Lauf genießen und anständig finishen.

Zurück in Kleinalmerode beginnt gleich der lange Anstieg. Die nächsten 12 Kilometer geht es nur noch Richtung Himmel. Hätte ich Sauerstoff mitnehmen müssen? Das Starterfeld hat sich bereits weit auseinander gezogen, jeder hat seine Geschwindigkeit gefunden. Ich kämpfe mich durch den Wald nach oben und hole Stefanie wieder ein. Gemeinsam geht es leichter. Sie bereitet sich auf den Swissalpine vor, da gilt es, sich an das Aufwärts zu gewöhnen.

 

 

20 km sind absolviert, an der Streckentrennung von den Halbmarathonis, welche sich unsere Extrarunde gespart  haben, kommt eine Verpflegungsstation der Extraklasse. Neben den schon bekannten Naschereien gibt es diverse Eiweiß- und Energieriegel. Ein Weizen rundet die Verpflegung ab. Meine Pause auf inzwischen über 500m Höhe ist ein wenig länger. Der Durst will gestillt sein, bevor es erst einmal flach weiter geht.

Überraschend verlassen wir den breiten Waldweg, um auf einem wurzeligen Pfad abzubiegen. Ein Highlight der Strecke steht bevor, die Rote Niestequelle auf 538 m Höhe. Ein rostiger Tümpel, welcher seine Färbung durch Eisen im Boden bekommen soll. Ein Schild „Kein Trinkwasser“ sehe ich nicht, aber ein Blick reicht: Lieber verdursten als davon trinken. Wir verlassen den Abstecher zur Quelle und sind wieder auf der Waldautobahn, die wir aber wenige Meter später schon wieder verlassen. Der nächste Abzweig geht nach links bergauf  zum ehemaligen Bergwerkgelände Steinbergsee  und dem Kleinen Steinbergsee. Hier wurde seit 1800 Braunkohle im Tagebau gefördert. Seit 1955 geschlossen, kam es zu mehreren Hohlraumeinbrüchen.  “Lebensgefahr“, so warnt ein Schild, besteht beim Verlassen der Wege.

 

 

Ab jetzt kommen alle Trail-Liebhaber auf ihr Kosten.  Es geht auf Single Trails über  Wurzeln und Steine. Wir nähern uns über viele umgestürzte Bäume der Steinberg Hütte, verschwinden dahinter wieder im Wald, bevor es steil bergab geht und wir fast 100 hart erkämpfte Höhenmeter abgeben müssen. Dann ist so weit, der letzte Anstieg in Richtung finalem Gipfel beginnt.  Wir arbeiten uns r hoch zum Richtung Bilsteinturm. Hier erwartet uns der Musikzug Kleinalmerode, der uns mit einem Ständchen erfreut. Ein toller Ausblick in die Ferne entlohnt für den Anstieg. An der Berggaststätte um die Ecke klappe ich meinen Becher aus und frage nach Bier. Man teilt mir aber mit, dass es hier nur Tee gibt.  Also schnell weiter!

Glücklich den Gipfel geschafft zu haben, freue ich mich auf das Bergab.  Doch welch Schreck. Ich habe laut GPS erst 830 Höhenmeter gesammelt,  da fehlen also noch 270 zu den ausgeschriebenen 1100 Höhenmetern. Ich komme mit Jerry ins Gespräch und wir rollen entspannt gen Tal. Die nächsten Kilometer gehen nur bergab, wir quatschen und die Zeit vergeht im Flug. Unten angekommen, sind es noch 6 km ins Ziel und es fehlen immer noch 270 Höhenmeter. Aber die  Stimmung am VP ist super. Die Ultras sind mit auf der Strecke und  es ist wieder mehr los. Außerdem gibt es Bier! Gregor ist auch wieder da, er ordert ein Wasser. Ich versuche ihn zu retten, aber er hört nicht auf mich.

 

 

Bis zuletzt bleibt die Strecke abwechslungsreich. Wir überwinden noch zwei Höhenzüge, Single Trails und steil abwärts mit Treppe, alles was das Trailrunning-Herz begehrt. Dann kommen die ersten Häuser von Kleinalmerode in Sicht und wir bewegen uns wieder auf diesem schwarzen harten Zeug das man als Trailer gar nicht mag. Wie heißt das gleich? Teer! Richtig. Dann geht alles sehr schnell, einmal rechts um die Ecke wir sehen den Zieleinlauf. Es geht bergab und die letzten Meter sind ein Vergnügen. Die Zuschauer feuern an, der Moderator begrüßt jeden persönlich, klatscht ab und freut sich, dass er mit auf’s Foto darf. Noch einmal rechts um die nächste Ecke und über einem Zelt prangt endlich der Schriftzug: ZIEL

Direkt hinter dem Zelt ist die Zielverpflegung aufgebaut.  Die anderen Orts oft vermissten Sitzgelegenheiten gibt es hier reichlich. Es ist einfach schön, jetzt mal den Beinen etwas Entlastung zu geben. Das Finisher Bier zischt, und nach dem hoch und höher kann es auch zweimal zischen. Die familiäre Atmosphäre beim BiMa ist auch hier spürbar, die Stimmung toll. Gerno erkundigt sich, wie es mir ergangen ist. Ich antworte ehrlich: Ich freu mich auf Gelsenkirchen, endlich wieder flach!

Für mich ist der BiMa der Marathon mit den bisher meisten Höhenmetern, 1031 stehen am Ende auf meiner Uhr. Dirk hat das Erlebte in einen Satz gefasst: Der BiMa ist ein Brett! Ja, er ist wirklich was ganz Besonderes, das gesamte Team lebt die Veranstaltung und bringt dies auch rüber, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind selbstverständlich, gute Laune und kein Stress runden das Ganze ab.

Buch ich schon mal für das nächste Jahr? Dann wird ein BiMa 100 angeboten.  Aber der wird es für mich ganz bestimmt nicht sein. Ab 02. Mai ist die Anmeldung geöffnet, mal schauen wie schnell das Kontingent erschöpft  ist. Die Wahl zum Marathon des Jahres könnte auch eröffnet werden, meine Stimme würde der BiMa bekommen.

 

BiMa 42 km

Männer

  1. Daniel Höner – Team Sonnenei - 3:25:45
  2. Uwe Görig – VfB Schrecksbach - 3:45:52
  3. Markus Laudon – LG Vellmar –  3:46:38

43 im Ziel

Frauen

  1. Sylke Kuhn – 100 MC / LG Vellmar –  3:48:18
  2. Sabrina Exenberger – LG Elmshorn  – 4:17:21
  3. Dr. Victoria Mortasawi – 4:22:04

20 im Ziel

 

BiMa 57 km

Männer

  1. Kevin Trebing-Hild – LG Vellmar – 4:47:40
  2. Alexander Edelhofer – MTV Unterrieden – 4:49:48
  3. Marcel Neumann – Bad Hersfeld – 4:55:01

88 im Ziel

Frauen

  1. Birgit Schwartz-Reinken – TSV Eintracht Hittfeld – 5:34:13
  2. Erika Chaari – Landau Running Company – 5:41:53
  3. Susanne Lüürßen – TG Münden – 5:56:54

17 im Ziel

 

Informationen: Bilstein-Marathon
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