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Gute Zeiten

01.04.07

In der Schweiz genießt die Laufszene kein grosses Medieninteresse, es sei denn, eine Lokalpostille trete bei einem Anlass als Sponsor auf. Anders war es dieses Jahr im Vorfeld des Zürich Marathon: Sogar im Fernsehen war er ein Thema, was allerdings nicht daran lag, dass ich startete….

Der EM-Zweite von Göteborg, der Schweizer Rekordhalter Viktor Röthlin hatte einen Rekordversuch angekündigt. Er sei in der Form seines Lebens und glaube, dass er seinen eigenen Rekord um mehr als nur ein paar wenige Sekunden unterbieten könne.

Wie viel bescheidener im Vergleich meine Ambitionen doch waren. Aus beruflichen und familiären Gründen war meine Vorbereitung suboptimal, um die beschönigende Ausdrucksart der Politiker und BWler zu verwenden. Dazu kamen erneuter Schneefall am Samstag und große Temperaturunterschiede, welche zwischen Start- und Ankunftszeit zu erwarten waren. Meine Hauptfrage war, welches die richtige Kleiderwahl sein würde. Ich habe mich für „kurz“ entschieden, was sich im Nachhinein als perfekte Wahl herausstellte. Mein zeitliches Ziel war, unter 3:45’ ins Ziel zu kommen, im Idealfall sogar  meine bisherige PB von 3:38’51’’egalisieren oder leicht verbessern zu können.

Weil sie im Startblock direkt vor mir eingereiht waren, hielt ich mich erst einmal an die Tempomacher für 3:30’, obwohl mir diese Schlusszeit utopisch schien. Die guten Vorsätze in Sachen „negativ Split“ warf ich gleich mit dem Argument über Bord, dass ein Zeitpolster aus der ersten Hälfte die Einbrüche der zweiten auszubügeln vermöge.

Als die Tempomacher nach gut einem Drittel der Strecke das Tempo bei einem Verpflegungsposten vorübergehend etwas stark drosselten, lief ich mein Tempo weiter, immer in der Erwartung, von ihnen wieder eingeholt zu werden. Die Zuschauer waren fantastisch und spornten mich an, mein Tempo zu halten, was mir zu meinem Erstaunen auch alleine gelang.

Bei km 25 war ich mir sicher, dass ich eine neue PB schaffen würde, und in den Dreißigern gab mir die Aussicht auf eine mögliche Zeit unter 3:30’ zusätzlichen Elan, nicht nachzulassen und auch dann durchzuhalten, als auf den letzten vier Kilometer die Waden zwickenderweise ankündigten, dass Krämpfe nicht mehr allzu weit entfernt seien.

Auf dem letzten Kilometer schafften die Zuschauer eine Stimmung wie an einem Golden League Leichtathletik Meeting. Im Takt schlugen sie auf die Werbebanden und feuerten mit den typischen Schweizer „Hopp“ alle Läufer so an, dass ich das Gefühl hatte, sie fieberten mit mir einem neuen Rekord zu.

Dieses Gefühl wurde so stark zur Sicherheit, dass ich beim Überqueren der Ziellinie erst mal vergaß, meine Zeit zu stoppen. Als ich es dann doch noch tat, sah ich, dass ich es auf jeden Fall in zweifacher Hinsicht geschafft hatte. Die Unterbietung meiner bisherigen PB hatte ich für den besten Fall erhofft, was ich aber nicht beabsichtigt und auch nicht für möglich gehalten hatte, ist eingetroffen. Ich hab’s geschafft: 3:27’13’’, fast zwölf Minuten unter meiner bisherigen PB!

Das Problem, welches sich daraus ergibt: Wie soll ich in Zukunft der Familie gegenüber gewissenhafte Trainingsarbeit als Vorbereitung  auf einen Marathon rechtfertigen, wo es mit der lausigen Vorbereitung auf den Zürich Marathon doch so super lief…?

Übrigens, weil die Presse lieber über Fußballspiele der vierthöchsten Liga als über Laufevents berichtet, reiche ich hier noch die freudige Nachricht nach, dass Viktor Rothlins Rekordversuch geglückt ist und er seinen eigenen Schweizer Rekord  um 1’36’’ auf 2:08’19,2 gesenkt hat.

 

Informationen: Zürich Marathon
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