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Laufberichte

Hoch hinaus im kleinen Land

 

Für den Genießer sind Bergmarathons die reinste Erholung, meinte unlängst ein Kollege. Je höher es hinauf geht, desto länger sind die Gehpausen. Und je steiler es ist, desto weniger fällt man als Marschierer auf. Diese Sicht ist nicht neu, aber allemal ein guter Grund, in Liechtenstein zu starten. So nebenbei kann ich mein Länderkontingent erhöhen.

Eine Woche nach meinem geruhsamen Finish knapp unter 6:30 Stunden beim Sommeralm-Marathon, den Veranstalter Hannes (Kraxi) Kranixfeld mit 1770 Höhenmeter als den härtesten Marathon der Steiermark bewertet und ich zudem als einen der schönsten in Österreich, sollte ich für den Alpin Marathon in Liechtenstein gerüstet sein.

Mit dem Railjet fahre ich komfortabel in der 1. Klasse an einem Freitag, den 13. über den Arlberg nach Feldkirch. Quartier beziehe ich im Hotel Bären, Liechtenstein ist einen Steinwurf weit entfernt. Bus Nr. 11 fährt zur Poststelle in Bendern und dann ohne mich weiter. Von dort ist es bis zur Startnummernausgabe in der Anstalt des Malbuner Fleischwarenkrösus Herbert Ospelt nicht mehr weit.

 
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Nach einem Gewitter, das ich unter dem Vordach der Poststelle abwarte, mache ich mich auf den Weg und treffe eine halbe Stunde vor der offiziellen Öffnung ab 17 Uhr ein. Ich habe mir vorgenommen, um 18 Uhr wieder im Hotelzimmer vor dem TV zu sitzen, um das Match Mexiko gegen Kolumbien zu sehen. Außer mir sind einige weitere Verfrühte da, die es eilig haben. Zum Abholen gibt es außer der Startnummer und 4 Sicherheitsnadeln nichts. Mein Abendessen nehme ich in Feldkirch ein.

Der 11er-Bus fährt am Samstag pünktlich um 7.28 Uhr in Feldkirch ab. Schon vor 8 Uhr bin ich wieder in Bendern. Der Wetterbericht kündigt Sonne bei geringer Bewölkung an, es soll niederschlagsfrei bleiben. Ich spaziere ohne Eile zum Startbereich, heute herrscht dort im Gegensatz zu gestern ein buntes Treiben. Man hat die Fahnen der teilnehmenden Starter aufgezogen, das Parkareal für die zufahrenden Autos vergrößert, mehrere Busse stehen bereit, bei denen die Läuferinnen und Läufer ihre Taschen mit Kleidungsstücken abgeben können. Diese werden in den Zielort des Marathons nach Malbun geliefert.

Ich schaue nochmals hinauf in das Anmeldungsbüro, das in einem größeren Saal untergebracht ist. Die Damen an der Nachmeldung haben viel zu tun. Ich gehöre auch zu den Läufern, die Anmeldefristen verpassen. Die Teilnahmegebühr ist danach zwar höher, aber man ist unabhängiger und kann auch umdisponieren.

 
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Ich sehe keine bekannten Gesichter, aber viele, denen man anmerkt, dass sie seit Jahrzehnten läuferisch bzw. sportlich aktiv sind. Zu denken gibt mir wieder einmal, dass so mancher Typ abschreckend ausgemergelt wirkt. Wenn man über Jahrzehnte von einem Marathon zum anderen zieht, ständig auf Wanderschaft ist, dann bleibt das wohl nicht ohne Folgen. Aber es gibt auch viele mit Wohlstandsbäuchlein, das erhalten bleibt, wenn man sein Lauf- und Trainingspensum nicht überstrapaziert.
Bei einem Läufer in weiblicher Begleitung bleibe ich stehen und frage ihn, ob ich ihn fotografieren darf. Sidy, so sein Name, gibt der Welt per T-Shirt-Aufdruck bekannt, dass er im Jahr 2013 48 Marathons gelaufen ist. Keine Frage, eine Superleistung. Dass es andere gibt, die noch mehr geschafft haben, erwähne ich nicht. Meine 53 plus 2 Ultras zum Beispiel oder den Kollegen Hottas aus Hamburg, der schon mal auf das Doppelte kommt.

Onkel Herbert sehe ich nicht persönlich, aber zwei Foto-Portraits sind oben im Saal angebracht. Und seine weiße Limousine steht vor dem Firmengelände, auch ein Parkplatz mit der Tafel „Onkel Herbert“ signalisiert, dass der Ospel-Chef Vorrechte hat.

Viele Läufer wärmen sich auf den nur z.T. asphaltierten Wegen rund um den Startbereich auf. Manche laufen so weit, dass man sich fragt, wohin sie wollen oder was sie suchen. Aber es gehört dazu, dass man in freier Natur auch mal austreten darf, Bäume und Gebüsch gibt es zahlreich.

Ich stelle mich in die Startreihe, in wenigen Minuten geht es los. Zwei Pacemaker sind zu sehen, sie geben das Tempo für 5 und 6 Stunden vor. Ich habe den Streckenplan nur überflogen, doch die ersten 10 km bis nach Vaduz sind flach. Daher ist eine Finisherzeit unter oder um 6 Stunden für mich realistisch.

 
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Der Platzsprecher erwähnt in klarem Schweizerdeutsch, dass rund 800 Läuferinnen und Läufer das Rennen aufnehmen werden. Um Punkt 9 Uhr wird gestartet. Ich laufe in meinem auf ebenen Strecken bewährten, dem Leistungsvermögen angepassten Tempo von 10km/h, also in der schon vielfach erwähnten 6er-Zeit. Ich bin mir voll bewusst, dass ich mit diesen Vorgaben zwar nicht alleine bin, aber zu einer nicht sehr großen Gruppe gehöre. Viele trainieren ja hart und lange für einen Marathon und erzielen daher auch weitaus bessere Finisherzeiten. Ich hingegen trainiere eigentlich so gut wie nie, unter der Woche arbeite ich im Büro, die meiste Zeit sitze ich. Der Marathon am Wochenende ist daher fast schon ein Ausgleich. Ich laufe also so mit und bei einem kleinen Marathon ist auch mal ein letzter Platz möglich.

Hunderte drängen auf den ersten zwei Kilometern an mir vorbei. Das ist eine gute Gelegenheit, die Kollegen vor die Kamera zu bekommen. Bald zweigt die Laufstrecke nach rechts ab. Auf einem asphaltierten Zufahrtsweg geht es in Richtung Rheinufer.

Wir laufen weiter auf einer Schotterstraße in Zweierreihen bis zur ersten Labe bei Kilometer 5. Dann geht es eine Böschung hinauf auf den Damm. Der Rhein führt wenig Wasser, dieses ist schmutzig braun. Man sieht zahlreiche Sandbänke. Jeder Fluss beginnt einmal klein, Rinnsale und Bäche lassen ihn zu einem mächtigen Strom anschwellen. Für mich wirkt die Landschaft hier im Rheintal stark reguliert. Die beiden Dämme bilden gleichsam ein schützendes Korsett gegen Hochwasser. An vielen Flüssen wurden Augebiete abgeholzt, sodass künstliche Dämme gebaut werden mussten. An der Donau ist man vielerorts dabei, dem Fluss wieder seinen alten Lebensraum zurückzugeben.

 
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Vaduz, Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein, mit rund 160 km2 flächenmäßig der sechstkleinste Staat der Welt, ist nur mehr 2 Kilometer entfernt. Genau bei Kilometer 10 ist die Versorgungsstelle aufgebaut. Ich liege mit 60 Minuten für 10 km bestens in der Zeit. Mir wird wieder einmal bewusst, wie viel Zeit man bei einer Labestelle liegen lassen kann, wenn man beim Trinken stehenbleibt anstatt zumindest langsam weiter zu gehen. Läufer, die man oft mühsam in Schach gehalten hat, sind plötzlich um 200 m vorne, weil sie die Technik, im langsamen Laufen zu trinken, beherrschen.

Wir sehen leider wenig von Vaduz. Es geht ein Stück durch die Fußgängerzone vorbei am Kunstmuseum. Einige Zuschauer sitzen bequem auf Sesseln im Freien eines Cafes und klatschen mit luftgefüllten Stäben, die Sponsor Mizuno verteilen ließ. Dann geht es auch schon aufwärts. Nach wenigen Minuten werden aus den meisten Läufern Geher, die sich jetzt sichtlich anstrengen. Ich habe lange Beine, aber ein zu großer Schritt lässt einen rasch müde werden. Dennoch bringt mir die Körpergröße gewisse Vorteile, wie eine Läuferin neben mir anmerkt. Sie meint, dass doppelt so viele Schritte machen muss, um mit mir mithalten zu können.

Ein Besuch der fürstlichen Schlosses, früher auch Hohenliechtenstein genannt, das wir von der Hinterseite zu Gesicht bekommen, würde mich interessieren. Es geht auf das 12. Jahrhundert zurück, ist Wahrzeichen des Ortes und Sitz des Fürstenhauses Liechtenstein. Am Staatsfeiertag, dem 15. August, lädt die fürstliche Familie die Bevölkerung im Anschluss an den Staatsakt zu einem Aperitif im Schlossgarten ein.

Das Fürstentum Liechtenstein ist mit Österreich historisch und auch in der Gegenwart verbunden. Mit dem Steuerabkommen vom 29. Januar 2013 in Vaduz wurde eine umfassende Regelung der steuerlichen Zusammenarbeit durch die Regularisierung der Vergangenheit und die Sicherstellung der grenzüberscheitenden Steuerkonformität für die Zukunft getroffen.

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre hatte das österreichische Unterrrichtsministerium Räumlichkeiten des Stadtpalais Liechtenstein im 1. Wiener Gemeindebezirk gemietet. Wir waren damals dort untergebracht. Es befindet sich nach wie vor im Besitz des Fürstenhauses Liechtenstein. Das Gebäude gilt als erstes bedeutendes hochbarockes Bauwerk in Wien. Das Palais wurde sehr aufwändig restauriert und am 9. April 2013 von Fürst Hans Adam II. in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet. Es wurde mit Kunstwerken aus den Fürstlichen Sammlungen ausgestattet. Regelmäßige Führungen werden angeboten.

Durch einen Waldweg geht es bald darauf ziemlich steil aufwärts. Selbst bei zügigem Gehen brauche ich zumindest 12 Minuten für den Kilometer, also das Doppelte wie auf einer ebenen Laufstrecke. Im Wald ist es angenehm kühl, in Serpentinen geht es stetig nach oben. Ganz selten kommen von hinten schnellere Geher nach und drängen auf dem schmalen Weg seitlich vorbei. Nach rund 1 ½ Kilometer gelangen wir wieder auf die Asphaltstraße. Je höher man hinaufkommt, desto imposanter wird der Blick hinunter auf das Rheintal. Der Fluss glänzt im reflektierten Sonnenlicht tief im Tal nun silbern. Die Fernsicht ist ausgezeichnet, die Steilheit des Geländes trägt dazu bei.

Eine Radfahrerin kämpft sich nach oben, sie fährt im Schritttempo. Ich gratuliere zu dieser Meisterleistung. Sie meint, dass sie nicht mit uns im Gehen mithalten könne. Da hat sie sicher zu tief gestapelt, denn wer mit einem Rennrad 12%-Steigungen meistert, hat gute Grundlagen in konditioneller Hinsicht.

 
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Wir erreichen die nächste Labe bei Kilometer 15 im kleinen Ort Samina, benannt nach dem Fluss, dessen Wasserkraft für die Stromerzeugung genutzt wird. Derzeit wird das Pumpspeicherkraftwerk erneuert und ausgebaut. Mit etwas über 2 Stunden liege ich gut im Plansoll. Die Läufer werden mit Wasser, Iso, Orangenstücke, Cola und Weißbrot versorgt. Vereinzelt stehen entlang der Strecke einige Zuschauer und applaudieren.

Es geht weiter bergan auf der Asphaltstraße. Bald darauf führt der Marathonkurs auf eine Schotterstraße, die wie ein Almweg aussieht. Die Blumenpracht auf den nicht gemähten Wiesen könnte man für ein Kalenderfoto als Motiv nehmen. Ich habe heuer erstmals das Grundstück unseres Wochenendhauses im Mürztal nicht gemäht. Auf der Wiese stehen jetzt Blumen, die es seit einem Jahrzehnt nicht geschafft haben, einmal im Jahr zu blühen. Die Bienen und Hummeln surren, die Natur dankt es mit ihrer Schönheit.

Die nun wieder teilweise durch den Wald verlaufende Strecke weist unterschiedliche Steigungen auf: Einmal langgezogene, sanfte Anstiege, dann jäh steile Abschnitte, auf denen vor und hinter mir hörbar laut gekeucht wird. Ich passe mein Gehtempo dem Gelände an sowie mein Lauftempo den konditionellen Grundlagen. Kilometerpunkt 17 ist erreicht, wir befinden uns am Triesenberg, einem Siedlungsort der Deutschschweizer aus dem Wallis.

Die Läuferinnen und Läufer um mich rum sind mir nun seit gut einer Stunde vertraut. Es gelingt keinem, sich abzusetzen. Spätestens bei der nächsten Labe wird er oder sie wieder eingeholt. Wir erreichen den Ort Masescha, eigentlich sehe ich nur ein paar Häuser. Hier wird gebaut, genau genommen werden Rohre verlegt. Das könnte mit dem Pumpwerkprojekt zu tun haben. Der Notarzt fährt mit einem E-Bike langsam an uns vorbei. Ich bezweifle, dass er ohne E-Hilfe so locker aufwärts vorankäme.

Es geht wieder querfeldein, vorbei an bunten Blumenwiesen. Ohne Übertreibung möchte ich betonen, dass ich kaum woanders solch eine pflanzliche Vielfalt zur Gesicht bekommen habe. Vielleicht ist Liechtenstein auch ein botanisches Refugium, wo die Natur in Ruhe gelassen wird. Der nächste benannte Ort ist die Silumer Höhe, die wir um Kilometer 20 erreichen. Ich freue mich auf die Labestation, besonders auf die Orangenstücke.

 
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Der Blick zurück oder besser auf das, was man vom Rheintal noch sehen kann, bestätigt, dass wir vorerst den höchsten Punkt der Marathonstrecke erreicht haben. Wegen des vorgesehenen Cut-offs bei Kilometer 25 – die letztmögliche Durchgangszeit ist 13 Uhr –, also nach 4 Stunden, sind meine knapp 3 Stunden für 20 Kilometer hier bei Silum kein Grund zur Unruhe.

Ab Kilometer 21 geht es dann auf einen Wandersteig durch den Wald steil abwärts hinunter nach Steg ins Saminatal. Heute werde ich mein Knie abwärts einmal nicht schonen und Gas geben. Ich laufe an mehreren vor mir Platzierten vorbei und mache auch zeitlich etwas Boden gut. Knapp vor der Zeitnehmung des Halbmarathon PLUS nach 25,4 km befindet sich die nächste Versorgungsstelle. Hier wird zum ersten Mal Gel der Firma Sponser verteilt, das ich persönlich für ein sehr gutes Produkt halte, weil es eine nachhaltige Wirkung hat.

Die Marathonläufer werden nach rechts eingewiesen und wie die Halbmarathon PLUS-Läufer mit viel Beifall von einigen Dutzend Zuschauern beklatscht. Ich habe am Vortag noch einen Blick auf das Höhenprofil der Marathonstrecke, die auf der Veranstalter-Homepage als pdf abgebildet ist, geworfen. Mir kommt der bisherige Streckenverlauf steiler vor, als in der Darstellung ersichtlich. Doch bei Kilometer 30 ist laut meiner Erinnerung ein weiterer Anstieg zu erwarten, der zum Kriterium werden könnte.

Vorerst aber geht es in einem Auf und Ab hinein ins wildromantische Valorschtal, das im Wanderkompass als Route 3 für Liechtenstein-Touren beschrieben wird. Die Bergwelt rundherum ist imposant, doch bei einem klassischen Bergmarathon kommt man nie auf einen Gipfel. Daher muss man sich eingestehen, dass man eigentlich als zügiger Wanderer in schlechter Ausrüstung unterwegs ist. Und bei Kilometer 30 zumeist auch schon etwas mitgenommen.

Wie lange habe ich schon keinen Enzian mehr in voller Blüte gesehen. Hier auf den Almwiesen gedeiht er, zwar nicht üppig, wohl aber an bestimmten Stellen. Das Wetter hat gehalten, es ist nicht zu heiß, vereinzelte Wolkenfelder bedecken die Sonne. Ich frage zwei Streckenbetreuer, wie weit es noch aufwärts geht. Bei Kilometer 34 oder 35, meinen sie, sei der höchste Punkt erreicht. Ein harter Aufstieg steht uns bevor. Wer wie ich angenommen hat, dass der Marathon hinauf zum Sass Förkle keinen nennenswerten Höhenmeter mehr hat, der hat sich getäuscht. So schön der Trail vorbei an Latschenkiefern am Rande der Baumgrenze auch ist, so anstrengend ist es, die gut 200 m von der Güschglehötta nach oben zu kommen.

Vor mir ist ein Läufer einfach stehengeblieben, er keucht und schnappt nach Lauft. Ich blicke zurück: O Schreck, die 6-Stunden-Pacemakerin (viele kennen sie, es ist Andrea vom Zermatt-Marathon) mit einem einzigen Begleiter kommt immer näher. Man erkennt sie deshalb auf mehrere Hundert Meter, weil sie am Rücken eine Art Fahne trägt. Außerdem sind meine Augen auch mit 60 Lenzen immer noch intakt, eine Brille habe ich nie besessen.

Eine Zusatzlabe ist bei Kilometer 34 aufgebaut, ich bleibe stehen und schlucke ein Gelpäckchen. Bis zum höchsten Punkt ist es nicht mehr weit. Es kommt der Moment, wo mich die 6-Stunden-Pacemakerin einholt. Aber ich schließe mich ihrem Gehtempo an, so kommen wir gleichzeitig oben an. Während sie länger an der Labe stehenbleibt und mit den Leuten dort tratscht, stelle ich mich auf ein zügiges Abwärtslaufen ein.

Die Marathonstrecke führt auf einen Schotterweg, der breit genug zum Überholen ist, hinunter nach Malbun. Auf diesen 2 Kilometern überhole ich wieder etliche Läufer. Beim Abwärtslaufen hören wir den Platzsprecher, wie er laut die Namen und den Herkunftsort der nun ins Ziel Einlaufenden erwähnt. Weit kann es also nicht mehr sein, denkt man sich in so einem Moment. Doch Irrtum, bei der Labe sind erst 37 km erreicht, 5 km und 195 m sind noch zu bewältigen.

 
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Der Platzsprecher kündigt lautstark den Liechtensteiner Marco Büchel an, der als beliebter und prominenter Ex-Schirennläufer im Super-G und in der Abfahrt einige große Erfolge gefeiert hat. Es ist 14 Uhr 32, Marco Büchel dürfte den Marathon nach 5:30 Stunden beendet haben.

Für uns geht es erneut gute 100 m bergauf, das ganze Tal wird umrundet. Malbun, der vornehme Wintersportort auf 1600 m Seehöhe, entfernt sich luftlinienmäßig gesehen immer mehr. Ich habe noch alle Chancen, knapp unter 6 Stunden zu bleiben. Auf dem Wanderpfad bewegen sich die Läufer langsam dahin, abschnittsweise laufen einige auch. Bei der letzten Labe bei 40 km bleibe ich nicht mehr stehen, sondern versuche die Abwärtspassage zu nutzen und wieder einige Sekunden gut zu machen. Meine bleibende Erkenntnis auf den letzten 4 oder 5 km ist, dass auf einem Wanderweg in einem abgeschiedenen Tal ein einziger Kilometer als sehr lange erlebt wird. Der Marathon scheint nicht zu enden. Und die Streckenführung geht auch auf dem vorletzten Kilometer abschnittsweise wieder leicht bergauf. Erst der letzte Kilometer wird zu Anfang auf einer stark fallenden Schotterstraße gelaufen, dann geht es durch den Ort auf Asphalt ins Ziel.

Der Platzsprecher ist erneut außer Atem, als er die 6-Stunden-Pacemakerin Andrea ankündigt, die plötzlich wieder von hinten aufgetaucht ist, aber mich nicht mehr ein- bzw. überholen kann. Leider bleibe ich mit 6:01 knapp über meinem Plansoll. Ich hole mir das Finishergeschenk, ein Shirt und eine Swarovski-Kuh aus rotem Glas.

Jetzt aber beginnt für mich der eigentliche Stress: Zuerst duschen, dann hoffen, dass ich mit dem Shuttle Bus rechtzeitig nach Bendern komme. Der erste Bus wird gestürmt. Alle, die keinen Sitzplatz haben, müssen aussteigen und auf den nächsten warten. Ein netter Deutscher nimmt seine Tasche vom Sitz. Ich setze mich zu ihm. Wir reden über Fußball. Er erwähnt, dass Martin Harnik in Stuttgart sehr beliebt sei. Mein Timing geht auf, denn der Läuferkollege nimmt mich vom Ospelt-Parkplatz in seinem Auto nach Feldkirch mit. Mein Railjet fährt um 18 Uhr 16 ab.

Im Zug lasse ich den 15. LTG Liechtenstein Alpin Marathon im Kopf Revue passieren. Vom Schwierigkeitsgrad her gesehen würde ich ihn weit über Kirchdorf (1300 Höhenmeter) und auch über den Sommeralm Marathon (1770 Hm) stellen. Leichter erschien mir auch der Montafon Arlberg Marathon oder jener im Allgäu. Nur in Brixen auf die Plose und beim Jungfrau-Marathon muss man sich noch mehr anstrengen. Ein wenig Erfahrung als Trailläufer schadet bei allen nicht. Aber das ist eine subjektive Einschätzung, die jeder anders erlebt.

Als Pluspunkte führe ich die perfekte Organisation an, die Versorgung an den Labestellen verdient ein großes Lob. Ebenso die Warmwasser-Duschgelegenheit in einem Zelt und der Shuttledienst. Schade finde ich, dass es keine Finishermedaille gibt.

 

Sieger bei den Herren:
1. Stefan Huber: 3:07:57
2. Ralf Birchmeier: 3:13:59
3. Arnold Aemisegger: 3:15:32

Wertung der Damen:
1. Jasmin Nunige: 3:40:55
2. Lea Bäuscher: 3:45:15
3. Michelle Maier: 3:45:44

517 Finisher

 

Informationen: LGT Alpin Marathon Liechtenstein
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