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136 Stunden Liechtenstein

 

Jungfrau-Marathon 2012, Zermatt 201 - nun soll der 15. LGT-Alpin-Marathon in Liechtenstein mein dritter Alpinmarathon werden. Natürlich wirft das eine spannende Frage auf: Kann der Marathon in dem alpinen Kleinstaat mit den spektakulären Marathons im Berner Oberland und im Wallis mithalten? Eine Kulisse mit Viertausendern wie Eiger-Jungfrau-Mönch und Matterhorn-Monte Rosa können die Liechtensteiner Alpen nicht bieten. Das Fürstentum ist auch eher als Finanzplatz und wegen seiner Briefmarken bekannt als für seine alpine Bergwelt; auch seine hochmoderne Industrie ist nur wenig bekannt, obwohl der produzierende Sektor in Liechtenstein größere Bedeutung als in den meisten anderen europäischen Staaten hat.

Auch wenn ich vor 17 Jahren Liechtenstein seiner Gesamtlänge nach durchwandert habe, wofür man durchaus zwei volle Wandertage veranschlagen sollte, bietet der Liechtenstein-Marathon Anlass, den Kleinstaat mit einem mehrtägigen Kurzurlaub genauer kennenzulernen. Und schon an dieser Stelle sei verraten: Der Alpin Marathon durch das Fürstentum kann mit Jungfrau- und Zermatt-Marathon durchaus mithalten und ist möglicherweise, je nach persönlicher Auffassung, sogar noch anspruchsvoller.

Wer umweltfreundlich anreisen will, fährt am besten mit dem Zug von Deutschland aus bis Feldkirch in Österreich oder Sargans in der Schweiz: Beide Städte werden von LIEMOBIL, dem öffentlichen Verkehrsunternehmen Liechtensteins, mindestens im Halbstundentakt mit der Buslinie 11 durch das gesamte Land miteinander verbunden. Eine Wochenkarte gibt es für 37,50 Euro, und mit ihr ist man im gesamten Land bis hinauf zum am höchsten gelegenen Malbun – dem Endpunkt auch des Marathons – an allen Tagen der Woche mindestens im Stunden-, oft sogar im Halbstundentakt mobil (Linie 21, Umsteigen in Vaduz).

Zwecks Akklimatisation habe ich mich im 1402 m hochgelegenen Berggasthof Sücka oberhalb Steg einquartiert, von wo aus man etliche Bergtouren unternehmen und erste kleine Trainingslaufrunden auf der Marathonstrecke absolvieren kann. Vier Tage Aufenthalt reichten aus, um deutlich mehr als die Hälfte der Marathonstrecke kennenzulernen; die Bilder im ersten Bilderblock vermitteln davon und von der Liechtensteiner Bergwelt einen anschaulichen Eindruck.

Zunächst standen drei Bergwanderungen auf dem Programm: Von Steg aus erwanderte ich mir das Valorsch und den Abstieg vom Sassfürkle nach Malbun, also die Marathonstrecke zwischen Kilometer 26 und 37; gut drei Kilometer ließ ich aus, um mit dem Galinakopf (2198 m) einen der beiden entlegensten Gipfel Liechtensteins zu besteigen, von dem aus man große Teile der Bergwelt des Fürstentums überblicken und im Norden sogar den Bodensee sehen kann – sozusagen als Brückenschlag zum Dreiländermarathon in Bregenz.

Der zweite Tag brachte mich über den Fürstensteig, eine gewagte Steiganlage in der Westwand des Alpspitz über Vaduz, auf den Kuhgrat (2123 m), den höchsten Gipfel der Dreischwesterngruppe mit phantastischem Tiefblick auf das Rheintal: Die ersten Kilometer der Marathonstrecke von Bendern aus durch die Felder und längs des Alpenrheins lassen sich sozusagen aus der Vogelperspektive ablaufen. Während am ersten Abend lange ein Gewitter tobte, erlebe ich zweimal auf einer kurzen Laufrunde frühmorgens den Prachtblick von der Marathonstrecke aus auf Steg, Halbmarathonziel und Staffelwechselpunkt.

Der dritte Tag brachte mich auf steiler Route von Steg auf den Schönberg (2104 m) und ermöglichte wegen ihrer Kürze den nachmittäglichen Spaziergang auf dem „Malbuner Panoramaweg“ – ein Kuriosum, für manchen Marathoni aber auch ein Alptraum: Wer 36 Kilometer des Marathons absolviert hat, hört zwar schon den Sprecher, der den Einlauf der Läufer verkündet, muss dann aber in nur 150 Meter Entfernung bei Kilometer 37 am Ziel vorbeilaufen und den fünf Kilometer langen Panoramaweg hinter sich bringen, wobei man fast ständig hört, wie andere Läufer und Läuferinnen vor einem das Ziel erreichen – sozusagen eine alpine Großstadionrunde, die ich zwei Tage später mit dem Wissen, was mich erwartet, viel besser genießen kann.

Schließlich der letzte Tag vor dem Marathon: Mit Vaduz, Hauptstadtbummel durch das „Städtle“, Aufstieg zum – nicht zu besichtigenden, aber auch von außen reizvollen – Fürstenschloss, Kennenlernen der Marathonkilometer 10 bis 12 beim Abstieg vorbei am „Roten Haus“ und Besuch des Landesmuseums.

 
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Am Abend vor dem Start kann man sich zwischen 17 und 19 Uhr in der „Herbert-Ospelt-Anstalt“ (außerhalb von Bendern, Haltestelle „Pinocchio“) die Startnummer abholen. Weil es in der Kantine der Fleischfabrik aber keine Marathonmesse gibt, kann man das in Ruhe auch noch am Morgen vor dem Start erledigen. Immerhin trifft man hier Bekannte und kann sich gut unterhalten sowie informieren. In diesem Jahr gibt es wieder deutlich mehr Starter (932) als in den Vorjahren, von denen schließlich 863 ins Ziel kommen: 511 Marathonis, 238 Finisher des 25,4 km langen „Halbmarathon plus“ und 57 Zweierstaffeln über die Marathondistanz.

Der Staffelwechsel erfolgt im Halbmarathonziel, so dass es eine 25,4 und eine 16,8 Kilometer lange Teilstrecke gibt; ein genauer Plan für den Staffelwechsel liegt bei der Information aus. Neu ist auch die „33M“-Wertung, für die man, sogar mit spezieller Startnummer, Gesamtwertung und einigen weiteren Vorteilen, am Liechtenstein-, Zermatt- und Allgäu-Panorama-Marathon teilnehmen muss. Einen Nutzen hat immerhin meine an sich überflüssige, abendliche Startnummernabholung: Die Liechtensteiner Berge über dem Rheintal leuchten in der späten Abendsonne, während sie sich am Marathontag nur im dunstigen Gegenlicht erheben.

Marathontag: Im Unterschied zu den zuvor sehr heißen und schwülen, sonnigen Tagen bestimmen an diesem Tag häufiger Wolken das Bild, und es ist deutlich kühler; nur im Rheintal ist es immer noch recht warm und etwas schwül.

Der Liechtenstein-Marathon ist eine überraschend sehr internationale Veranstaltung und so finden sich an der Bushaltestelle unterhalb des Berggasthofs Sücka neben drei Deutschen aus Augsburg, Ulm und Bonn zwei Schotten und ein Kalifornier ein. Am Zielort Malbun starten um 7:00 Uhr zwei Sonderbusse, und selbst in Steg gibt es im ersten Bus noch ausreichend Sitzplätze; die Startnummer gilt am gesamten Marathontag als Ticket für LIEMOBIL, auch später bei der Rückfahrt von Malbun.

Zügig erreichen die Busse nach 40 Minuten den Startort, wo sich die Startvorbereitungen in entspannter Ruhe vollziehen; auch wer sich in Ruhe vorbereiten und einlaufen will, findet dazu genügend Möglichkeiten. Erstmals beteiligt sich auch das Fürstenhaus, so dass sich die Läufer erst ein Interview mit Erbprinzessin Sophie anhören können und pünktlich um 9 Uhr von ihr per Startschuss auf die Reise geschickt werden.

Nicht nur die Startnummernausgabe und die Aufstellung vor dem Start, sondern auch die ersten Kilometer erfolgen in der entspannten Ruhe, wie sie für Landschaftsläufe typisch sind – keine Spur von Hektik. Die ersten zehn Kilometer bis Vaduz dienen gleichsam dem Aufwärmen: erst unspektakulär auf der teilweise angenehm schattigen, gesperrten Straße Richtung Schaan, nach zweieinhalb Kilometern rechts ab durch die Felder auf den Binnendamm in Rheinnähe und dann auf ihm, nicht mehr asphaltiert, dafür aber angenehm schattig bis zur Eisenbahnbrücke westlich von Schaan, wo sich auch die erste Verpflegungsstation befindet.

In der Tat: Liechtenstein hat eine Eisenbahn – die Strecke vom österreichischen Feldkirch mit den Stationen Nendeln, Forst-Hilti und Schaan-Vaduz ins schweizerische Buchs. Aber wegen der internationalen Verbindungen gibt es auf ihr kein attraktives Nahverkehrsangebot; der Ausbau zur S-Bahn (Projekt FL-A-CH) ist in der Diskussion.

Hinter der Eisenbahnbrücke erfolgt der erste landschaftliche Höhepunkt: Die Strecke verläuft nun unmittelbar über dem zwar unnatürlich begradigten Rhein, ermöglicht
jetzt aber zum ersten Mal großartige Aussichten. Durch Fotostopps bin ich langsamer als geplant unterwegs, immer in der Nähe der prominenten 6-Stunden-Pacemakerin Andrea Schneider, der Organisationschefin des Zermatt-Marathons.

Bei ihr laufen auch einige sehr junge Läufer in leuchtend orangen Laufshirts, darunter ein 17-Jähriger, der später in knapp unter sechs Stunden finishen wird – bei einem so anspruchsvollen Alpinmarathon eine großartige Leistung! Und schon hier, auf dem Rheindamm, können einem durchaus Zweifel daran kommen, ob man sich nicht zu viel zumutet: Dunkel im Gegenlicht steht links die steile Bergkette über dem Rheintal, und die Wolken versprechen nach den Gewittern der Vortage spannungsreiche Momente – die es allerdings an diesem Tag dann doch nicht geben wird.

Konnte man schon recht bald vom Rheindamm aus das Fürstenschloss hoch über Vaduz erkennen, so läuft man bei der Kilometermarke „9“ geradewegs darauf zu und landet überraschend schnell, witzigerweise auch noch über eine Treppe in einem Parkhausbereich und mit einer Brücke über die Hauptstraße im „Städtle“, sozusagen der Pracht- und Flanierstraße der Hauptstadt Vaduz: Rechts stehen durchaus repräsentativ Regierungsgebäude und der Landtag, während die Läufer nach links Landes- und Kunstmuseum – letzteres in monumental-edlem Dunkelgrau – passieren. Längs zahlreicher Restaurants mit applaudierenden Zuschauern und über blaue Matten geht es sehr edel an das Ende der Bequemlichkeit: Mit beachtlicher Steigung beginnt hinter der Zeitmessmatte das Becka-Gässli.

 
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Kurz darauf und wieder flach wähnt man sich im „Mitteldorf“ eher in einem Winzerdorf statt in einer europäischen Hauptstadt, doch kurz darauf lädt die steile Kasperigass hinauf zum „Roten Haus“ die meisten Marathoni schon wieder zum Gehen ein. Bald wird die Strecke, jetzt im Wald, wieder flach, und kurz nach dem Kilometerschild „12“ folgt mit dem Fürstenschloss der nächste Höhepunkt. Als ich Swiss-Image-Chef Andy Mettler dort passiere, zeigt sich für das Bild mit mir vor dem Schloss gerade die Sonne – ich bin gespannt auf das Ergebnis! An ungewöhnlich zahlreichen Stellen der Marathonstrecke haben sich Fotographen, fast immer mit ihren Blitzern aufgestellt – angenehm, dass sie nicht Geschwindigkeitsüberschreitungen registrieren, sondern nur Läufer und Läuferinnen in bestes Licht rücken!

Hinter einer Verpflegungsstation beginnen kurz darauf die Freuden des Trailläufers: In Kehren geht es steil durch schattigen Wald hinauf; der Weg ist steinig, etwas rutschig, meist aber noch breit genug, um auch einmal zu überholen. Fast alle Läufer gehen in diesem Bereich. Nach anderthalb Kilometern, bei „14“, verlässt man aber schon wieder den Wald und gewinnt nun auf einer schmalen Höfestraße ordentlich an Höhe.

Nicht mehr die Kilometer zählen hier; interessanter ist der Blick auf die Höhenangabe des Laufcomputers, denn hier sieht sich der Marathoni der größten Herausforderung des Liechtenstein-Marathons gegenüber: 11 Kilometer lang, von Kilometer 10 bis 21, geht es 1100 Höhenmeter beständig aufwärts, abgesehen von zwei kurzen Flachpassagen am Schloss und auf 1200 m Höhe, bei Masescha. Aber die Läufer werden fürstlich belohnt: Der Ausblick ins Rheintal wird immer besser – wären da nicht Häuser, Bäume und die immer blumenreicheren Wiesen, könnte man meinen, sich mit einem Fluggerät in die Höhe zu schrauben. Das ist großartig und macht trotz der Anstrengung Spaß, wozu auch, zwar eher wenige, aber begeisterte Zuschauer und die zahlreichen Helfer und Helferinnen, oft auch Jugendliche beitragen.

Autos stören auf der gesamten Strecke nirgends, und es gibt nur eine kuriose Begegnung mit einem Autofahrer, der sich fast verstohlen an den ihm entgegenkommenden Läufern vorbeischleicht: Am Heck transportiert er, was man erst nach der Vorbeifahrt wahrnimmt - eine tote Hirschkuh! Einen „Marathon mit totem Hirsch im Gegenverkehr“ habe ich auch noch nicht erlebt.

Die Kapelle von Masescha ist der nächste Höhepunkt, aber noch mehr erfreut die meisten Läuferinnen, dass jetzt für anderthalb Kilometer eine flache Wegstrecke, teilweise als wunderbarer Trail durch den Wald, folgt. Dann geht es wieder mit Kehren auf einem Fahrweg durch die Wiesen aufwärts, man passiert das geschlossene „Gasthaus Silum“ und an dem folgenden „Maiensäss“ Silum einen netten Brunnen, an dem sich wieder ein Fotograph aufgebaut hat. Die große Freude für mich: Ich treffe auf meine morgendliche Laufrunde, weiß ab jetzt für den Rest der Strecke bis auf drei Kilometer im oberen Valorsch, was auf mich zukommt.

Und das ist jetzt erst einmal sehr angenehm: Nur noch eine flache Steigung führt hinauf nach „Weiss Flecken“ (1540 m), wo sich an einer Verpflegungsstation der Blick auf Steg, das Halbmarathonziel, und den alpinen Talschluss des Saminatals öffnet.

 
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Als Läufer ist man an „Weiss Flecken“ versucht, eine Pause einzulegen; als Leser sollte man es sicher tun, weil man sich an einem Schlüsselpunkt des liechtensteinischen Gebirges und der Marathonstrecke befindet. Wer die Landesnatur des Zwergstaates beschreibt, kann diesen großräumig als den rechtsrheinischen Teil des Alpenrheintals mit dem Westabfall des Gebirges Rätikon bezeichnen.

Das ist aber nur bedingt richtig: Denn der das Rheintal begrenzende Kamm teilt Liechtenstein in eine größere westliche und eine kleinere, inneralpine östliche Hälfte. Dieser Kamm beginnt im Norden mit der bis 2123 m hohen Dreischwesternkette, senkt sich dann auf knapp über 1400 m und steigt anschließend wieder bis zum 2560 m hohen Falknisgipfel und den Grauspitzen, den höchsten Bergen Liechtensteins (2599 m), an. Hinter dem Kamm, also östlich, liegt das Saminatal, welchend das „inneralpine Liechtenstein“ mit einer Schlucht, durch die nur ein Fußweg führt, zum Illtal (unterstes Montafon/Walgau) in Österreich entwässert.

Das Saminatal teilt sich in Liechtenstein in das Valorsch, das Malbuner Tal und das Valüna und ist vom Rheintal aus nur über Passstraßen erreichbar. Eine schmale Straße durchquert seit dem 19. Jahrhundert den zwar niedrigen, auf der Westseite aber fast ständig felsigen Kamm mit einem kurzen Scheiteltunnel, und aus dieser Zeit stammt auch kurz dahinter das ehemalige Kurhaus Sücka; eine moderne Straße quert hingegen den Kamm in 1280 m Höhe mit einem rund 750 Meter langen Tunnel.

Wer von Vaduz aus nach Steg und nach Malbun, dem hochgelegenen, einzigen Wintersportort Liechtensteins will, muss also als Autofahrer über einen Pass, heute deutlich einfacher durch den Tunnel unter dem Pass; als Fußgänger benutzt man entweder den kurzen Tunnel der alten, gesperrten Straße oder überquert – wie in unserem Fall – als Marathoni den Kamm an seinem niedrigsten gut gangbaren Pass, dem „Weiss Flecken“.

Der Blick, der sich an unserem Pass auf Steg öffnet, zeigt ein interessantes Bild: Rings um eine große, rechteckige Wiese stehen, sauber aufgereiht, zahlreiche Hütten, die heute meist als Ferienhäuser ausgebaut sind; der Privatbesitz liegt inmitten der Häuser von „Gross Steg“. Noch deutlich oberhalb führt unsere weitere Route mehrere Kilometer lang abwärts: Zunächst über einen echten Traumtrail, kurz auf Asphalt vorbei an meinem Übernachtungsort Sücka und dann über einen bequemen Forstweg zum Gänglesee – von 1540 m hinab auf 1303 m, aber bis auf eine kurze Doppelkehre auf dem Trailabschnitt und ein kurzes Steilstück auf dem Asphalt hinter dem alten Tunnel (rechts der Strecke) nirgends unangenehm steil.

Trotzdem hat hier einer der beiden jungen Marathonis, die mir schon beim Start auffielen, einen Krampf, überholt mich anschließend und hat dann wieder Probleme: Sehr kameradschaftlich wartet der Zweite auf ihn, und beide finishen den Marathon zusammen.

Ein kurzer Anstieg bringt hinter dem Gänglesee zu den Häusern von „Klein Steg“, mit dem sich, nicht ganz so perfekt, das Bild von „Gross Steg“ wiederholt. Kurz darauf können sich Halbmarathoni wie Staffelläufer freuen: Hinter der hübschen Kapelle von Steg endet ihre Strecke, während für die Marathonläufer eine weitere Zeitmessung erfolgt. Die spätere Zeitmessung weist die Zeiten wie auch die Platzierungen für drei Teilstrecken aus: Bendern – Vaduz (ca. 10,4 km), Vaduz – Steg (15,0 km) und Steg – Malbun (16,8 km).

 
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Die große Herausforderung des Liechtenstein-Marathons ist es, schon nach zehn Kilometern 1100 Höhenmeter zu überwinden, dann insgesamt 300 Meter hinunter zu laufen und mit dem nächsten Aufstieg wieder 500 „positive Höhenmeter“ in Angriff zu nehmen. Das vollzieht sich zunächst aber eher harmlos: Man verlässt das Halbmarathonziel mit einem nur kurzen Aufstieg, läuft dann eben längs der oberen Häuserzeile von Gross Steg und dann sogar abwärts zum Fahrweg, der nun für fast sechs Kilometer eher flach ansteigend, gelegentlich sogar etwas fallend und nur mit kurzen Steilstücken insgesamt knapp 200 Meter aufwärts führt. Gleichwohl sind die meisten Fünf-Stunden-Läufer schon so geschafft, dass sie selbst kleinste Steigungen zum Gehen zwingen.

Allmählich wendet sich der zunächst fast nordwärts führende Fahrweg nach Osten, schließlich Süden und endet im Bereich der Güschgle-Hötta (Alm, 1481 m): Hier beginnt wieder ein Trail, der als echter Bergweg gut 200 Höhenmeter auf gut zwei Kilometern hinaufführt, für die meisten Läufer die größte Herausforderung, denn der Weg ist zwar gut, teilweise aber sehr steil. Knapp 100 Höhenmeter unter dem Sassfürkle mündet er in eine Fahrstraße, die zur Guschg-Alm unter dem Schönberg führt, den man mit der Valorsch-Route halb umrundet hat. Eine weitere Fahrstraße mündet von links ein und dann ist endlich der höchste Punkt des Marathons auf 1785 m erreicht; wieder gibt es eine Verpflegungsstation.

Ich brauche hier keine Pause, sondern nehme gleich den etwas giftigen Abstieg auf dem teilweise sehr breiten Fahrweg unter die Füße: Nach knapp 500 Metern ist dieses unangenehme Gefällstück geschafft, weil sich nun mit einem scharf links abzweigenden Trail eine der schönsten Etappen anschließt, bei der es durch einen wunderschönen Wald fast eben bis zu einem kleinen See geht.

 
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Das Wetter hat sich seit Steg eingetrübt, auch wenn es nicht nach Regen aussieht: Wie schön die Landschaft um Steg, im Valorsch, am Sassfürkle und oberhalb Malbun ist, zeigt der folgende Bilderblock, aufgenommen bei zwei Schönwetter-Wanderungen einige Tage zuvor.

 
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Zurück zum Marathon am kleinen See oberhalb Malbun: Hinter ihm beginnt der weiterhin schöne Weg zu fallen, und spätestens ab einem Geländevorsprung oberhalb des Ortes hört man, wie der Sprecher im Ziel das Eintreffen der Läufer verkündet. Was sonst ein freudiges Ereignis ist, ist jedoch beim Liechtenstein-Marathon ein echter Härtetest: Denn kaum hat man die Kapelle am Rand des Siedlungsgebietes erreicht, ist man zwar nur noch 150 Meter vom Ziel entfernt, hat aber gerade erst Kilometer 37 passiert! Das heißt: Hinter der Kapelle beginnt der Malbuner Panoramaweg, der zunächst als unangenehmer Fahrweg 500 Meter weit den Hang hinaufführt – und vom Ziel wieder weg!

Dann beginnt ein Genusstrail, hätte man nicht als „Nur-Marathoni“ schon fast 38 anstrengende Kilometer in den Beinen: Meist relativ eben mit einigen ganz kurzen, aber knackigen Anstiegen zieht der Weg wieder gut 100 Höhenmeter oberhalb des Ziels bis in den Talschluss zur letzten Verpflegungsstelle. Kurz geht es etwas abwärts; der vorübergehend steinige Weg wird bald wieder gut, und im Nordhang des Talschlusses passiert man auf wunderschönem Trail einige Reste von Lawinenschnee; herrliche Sumpfdotterblumen markieren die nassen Hangbereiche.

Doch die Freude über das bequeme Traillaufen währt nicht lang: Über eine prächtige Trollblumenwiese geht es noch einmal knapp 50 Höhenmeter aufwärts. Insgesamt weist der „Panoramaweg“ auf den letzten knapp fünf Kilometern 160 positive und 180 negative Höhenmeter auf. Hat man die „Trollblumenwiese“ geschafft, mündet der Trail in einen Fahrweg, quasi einen langgestreckten Zieleinlauf: Erst flach, hinter einer Kehre zügig abwärts geht es an den Ortsrand von Malbun, kurz mit zwei Abbiegungen auf die Hauptstraße und zum Ziel. Geschafft!

Gut organisiert gibt es dort genügend Getränke, leider für die letzten knapp 100 ins Ziel laufenden Läufer außer Bananen aber keine Verpflegung mehr; immerhin gelangt man sehr schnell an sein Gepäck, damit an wärmende Kleidung und den Gutschein im Gepäck für Finishershirt und –geschenk – einen als Kuhkopf gestalteten Swarowski-Kristall, interessante Alternative zu den sonst üblichen Medaillen.

 
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Ziehe ich das Fazit, so ist der Liechtenstein-Marathon in der Tat das erhoffte großartige Lauferlebnis, das durchaus berühmteren Alpinmarathons ebenbürtig ist und gerade wegen seiner Wechsel von Auf- und Abstiegen eine beachtliche Herausforderung darstellt; die Gesamtlänge der naturnahen Trailabschnitte liegt laut Veranstalter bei gut 9,2 Kilometern, wozu zahlreiche naturnahe Fahrwege kommen.

Besonders lobenswert sind die Vielfalt der Landschaftseindrücke, die botanischen Reize im Frühsommer und die „Autoferne“: Anders als bei vielen anderen Marathons begegnen die Läufer hier kaum einem fahrenden Auto. Naturnähe zeichnet diesen Marathon also ebenso aus wie eine perfekte Organisation. Wobei bei letzterer als Wermutstropfen das fast völlig fehlende „Zielerlebnis“ nicht unerwähnt bleiben darf:

Das Ziel Malbun ist ein weitgehend auf den Wintersport fixierter Ort und war im Sommer 2014 primär eine große Baustelle. Nach Auskunft der Veranstalter soll sich die Situation bis kommendes Jahr aber verbessern: Ein attraktives Ziel wäre diesem tollen Marathon ebenso zu wünschen wie deutlich höhere Teilnehmerzahlen!

Ergebnisse Frauen:

1. Jasmin Nunige (CH, 1973), 3:40:55
2. Lea Bäuscher (D, 1982), 3:45:16
3. Michelle Maier (D, 1989), 3:45:44

Ergebnisse Männer:

1. Stefan Hubert (D, 1986), 3:07:57
2. Ralf Birchmeier (CH, 1982), 3:14:00
3. Arnold Aemisegger (FL, 1976), 3:15:33

 

Informationen: LGT Alpin Marathon Liechtenstein
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