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Laufberichte

Lieber Waldemar…

 

…heute ist dein Marathon, oder genauer, einer deiner Marathons, der Himmelswegelauf. Darüber soll ich nun einen Laufbericht schreiben und genau das ist das Problem. Vor einer Woche bin ich den Skatstadtmarathon in Altenburg gelaufen, für mich der Marathon des Jahres 2014.

Der Himmelswegelauf hat das Zeug, Altenburg noch zu überbieten. Falls nicht, würde ich bei einem „normalen“ Marathon vielleicht schreiben: Na ja, knapp daneben. Nur, der Himmelswegelauf ist kein normaler Marathon. Dahinter steht ein doppelter Olympiasieger. Und das auch nicht irgendeiner, sondern der im Marathon. Und dem soll ich, ein Fünfstundenläufer – gut, manchmal auch einige Minuten schneller – nun schreiben: Also lieber Waldemar, der Marathon des Jahres war das nicht… Das geht eigentlich nicht.

Als ich kurz nach sieben auf den Naumburger Markt einlaufe – gähnende Leere. Klar, reichlich zwei Stunden vor dem Start hatte ich auch keinen Hexenkessel erwartet. Aber wer kommt mir da entgegen – der doppelte Olympiasieger. Also du. Das hat nicht jeder Marathon zu bieten. Und du nimmst dir auch noch Zeit, dir von einem Fünfstundenläufer ein Gespräch aufdrängeln zu lassen.

Danach hole ich mir erst mal meine Startunterlagen, ziehe mich in einer Toilette um. Ob das die ideale Lösung ist, ich weiß es nicht. Mich stört es nicht. Aber mir ist schon aufgefallen, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die höhere Ansprüche stellen …

 
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Nun denke ich mir, schaust dir erst mal ein wenig den Markt an. Muss ich eigentlich nicht, ich war schon oft in Naumburg. Das war damals, als wir noch DDR hießen. Es hat sich auch hier einiges geändert.

Meine Marktbesichtigung endet, bevor sie richtig begonnen hat, denn mir läuft Dieter Fromme über den Weg. Er lacht gleich, als er mich sieht und meint, in meinem Bericht über den Skatstadtmarathon hätte ich ganz schön dick aufgetragen. Stimmt das etwa nicht? Doch, sagt er, und ob das stimmt…

Dass Dieter kommt, das wusste ich. Dass ich hier dabei bin, wusste er. Nur - wer ist noch dabei? Lieber Waldemar, hast du gemerkt, dass man auf der Internetseite vom Himmelswegelauf keine komplette Teilnehmerliste findet? Viele Läufer wollen doch wissen, auf welche Konkurrenz sie treffen, bereiten sich darauf vor. Wobei ich zugeben muss, auf Dieter und mich trifft das weniger zu. Aber auch Neugierde will befriedigt sein…

Auf dem Markt ist Markt, die Eier- und Blumenverkäufer sind aber für uns weniger von Interesse – außer als Fotomotiv. Ich kann auch nicht sagen, dass auf dem Markt dichtes Gedränge herrscht, als der Oberbürgermeister den Startschuss gibt. Weder im Läuferfeld, noch bei den Zuschauern. Das war in Altenburg anders – schreibe ich jetzt aber nicht. Denn so viel größer ist das Läuferfeld in Altenburg auch nicht und dass dort viel mehr Zuschauer auf dem Markt sind, ist der Tatsache geschuldet, dass alle Läufe dort beginnen und enden und durchgängig Programm ist. Dagegen wollen wir hier durchs Unstruttal laufen, von Naumburg bis nach Wangen.

 
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Auf dem ersten Teil der Strecke bekommen wir einiges von der Stadt zu sehen, bevor wir entlang eines Flusses laufen. „Die Unstrut?“, fragt mich ein Mitläufer. Fast richtig – es ist die Saale. Und es dauert nicht lange, dann mündet die in die Unstrut.
Waldemar, da muss ich dich etwas fragen: Hast du die Strecke ausgesucht? Die ist einfach Spitze! Der Fluss, die Auenlandschaft, die Weinberge und die Städte sind nicht ohne. Ich werfe immer wieder den Fotoapparat an. Na gut, ich müsste das auch tun, würden wir durch ein Industriegebiet laufen – für den Laufbericht. Aber auffallend viele im Läuferfeld greifen auch zu Handy oder Fotoapparat. Es ist zu schön hier.        

Da ist einer, der hat eine Puppe dabei, die er immer wieder beim Fotografieren zur Bildgestaltung nutzt. Meine Puppe läuft Marathon, oder so… Dieter hat die nicht ganz ernst zu nehmende Vermutung, es ist eine Voodoopuppe – und irgendwo hat der Kerl auch Nadeln. Genau, denn kaum bin ich an ihm vorbei, sticht er wahrscheinlich der Puppe mit einer Nadel in die Wade. Dadurch werde ich langsamer und schon ist er mit der Zauberpuppe wieder an mir vorbei… Wohin er die Puppe anschließend gestochen hat, weiß ich nicht - auf jeden Fall beginnt es kräftig zu regnen.

 
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Waldemar, kennst du Steffi Reich? Startnummer 135, eine ganz nette, du könntest sie geschickt haben als Fremdenführerin für kulturinteressierte Marathonläufer. Zufällig laufen wir mit ihr und sie erzählt uns vom Steinernen Album, diesem Felsrelief kurz vor Freyburg, vom Max-Klinger-Haus und den anderen Sehenswürdigkeiten, die eigentlich zum Verweilen einladen. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich den Laufbericht von Bernd Neumann aus dem Jahre 2012

Über uns sehen wir die Neuenburg. Könnte man auch mal wieder besichtigen, diese Burg und das Städtchen Freyburg haben einiges zu bieten. Womit ich nicht sagen will, beziehe beides im kommenden Jahr in die Streckenführung ein. So schön die Weinberge auch sind, mich an diesen Hängen hoch zu quälen, darauf habe ich null Bock.

Auf unserer Laufstrecke, den Radwegen unterhalb der Weinberge, sind zahlreiche Radler unterwegs. Unter uns – ich mag Radfahrer nicht besonders, weil die immer so rücksichtslos sind - gegenüber uns umsichtigen Läufern... Aber die heute sind anders, die reden sogar mit uns.

Auch hinter Freyburg beeindrucken mich die Weinberge, bevor sich das Unstruttal öffnet  und, wenn das überhaupt möglich ist, noch schöner wird. Der Weg schlängelt sich durch Wiesen und Felder, viel Grün, dazwischen Farbtupfer in allen möglichen Farben – es sind die Läufer vor uns. Wenn ich Zeit hätte, dieses Bild würde ich malen. Wenn ich das könnte…

Auf diesem Streckenabschnitt überholt uns ein Läufer. Taktisch klug, denke ich mir so: Langsam angehen und dann schneller werden. Das deutet auf Erfahrung. Aber großes Staunen, als wir von ihm erfahren, dass es sein erster Marathon ist. Das gehört in den Laufbericht, denke ich mir und das sage ich ihm. Schmidt heißt er, ruft er uns zu. Da habe ich ja wieder mal Glück, den Namen kann ich mir gut merken… Andreas Schmidt, aus Bernburg, wird dann auch noch weit vor uns das Ziel erreichen, in reichlich viereinhalb Stunden. Hut  ab!   

Wir erreichen Burgscheidungen, über die Hälfte der Strecke haben wir hinter uns. Hier gibt es ein Schloss, in dem sich vor der Wende die Zentrale Schulungsstätte der CDU befand. Da wurden die Kader der Blockpartei geschmiedet. Die Schule muss gut gewesen sein – einer der Schüler ist heute Landrat in Nordsachsen, ein weiterer Sächsischer Umweltminister.

Der mit mir laufende Dieter merkt, dass ich zu nörgeln beginne. Waldemar, ich habe Durst! Ich glaube, bei Kilometer 25 gibt es eine Verpflegungsstelle, nun liegt Kilometer 30 hinter mir und ich warte mit ausgetrocknetem Mund auf die nächste. Ich drohe zu verdursten!

Na gut, ganz so schlimm ist es nicht, aber man muss nun mal etwas übertreiben, sonst hat man keine Aufmerksamkeit. Fakt ist aber, die Getränkeversorgung lässt Wünsche offen. Und auch die Verpflegung. Immer wieder Apfelstückchen, Apfelstückchen, Apfelstückchen – für mich ist das einseitige Ernährung. Für Dieter ist die besonders ungesund, weil er keine Äpfel mag.    

 
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Helfer und Zuschauer ignorieren mich. Aber das will ich nicht Dir in die Schuhe schieben. Was laufe ich auch hinter Dieter her, für den fast jeder einen lustigen Spruch übrig hat. Wer einen Fotoapparat dabei hat, fotografiert ihn in seinem roten Weihnachtsmannkostüm! Ich überlege, ob ich künftig als Osterhase laufe.

Wir laufen durch Laucha. In dem schönen Städtchen sind 10.50 Uhr die Halbmarathonis gestartet. Später erfahre ich, da war tüchtig was los. Und ich glaube, als wir durch den Ort laufen, da hat Falk Cierpinski den Halbmarathon schon gewonnen – in 1:18:06 Stunden.

Für mich läuft es heute gut. Ich zweifle nicht daran, ich werde unter 5 Stunden bleiben. Die Kilometer purzeln nur so – bis Kilometer 35. Von da ab ist der Wurm drin. Von Apfelstücken kann man keine Bäume ausreisen - könnte ich jetzt behaupten. Daran liegt es aber nicht. Eher schon am Gegenwind. Oder ganz einfach nur an mir!

 
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Die Strecke hat nur wenige Anstiege, den heftigsten kurz vor dem Zielstrich. In 5.12 Stunden überqueren wir ihn. Unzufrieden mit mir, aber umso zufriedener mit der Medaille. Waldemar, die Medaillen bei deinen Läufen sind immer schön. Sie gehören zu den schönsten in meiner Sammlung – aber die hier ist der Hammer! Ich sage es mal so: Schade, dass sich das Original der hier gefundenen Himmelsscheibe von Nebra im Museum für Frühgeschichte Halle befindet. Aber was soll es, ich habe jetzt eine Kopie der Himmelsscheibe um den Hals hängen…

Obwohl wir etwas spät sind, ist an der Arche Nebra noch viel los. Ich verschlinge einen Pfannkuchen, wir duschen und nehmen uns leider nicht mehr die Zeit, der Arche einen Besuch abzustatten. Erleben aber noch den Einlauf des ersten Läufers vom Supermarathon. Es ist Andreas Riedel aus Wolmirstedt. 10:21:36 h hat er für die 100 km gebraucht.

Und dann gehen wir noch zur Verlosung. Ja, auf die Startnummer kann man etwas gewinnen. Und wie das Sprichwort schon sagt - Dumm hat Schwein – gewinne ich hochwertige Tischtennisschläger.

Ja, lieber Waldemar, ich hoffe ihr habt mir die Tischtennisschläger nicht untergejubelt, damit ich die Sportart wechsle und du im nächsten Jahr von meinem Laufbericht verschont bleiben wirst. Zugegeben, ich bin kritischer als sonst. Aber das muss ich sein. Dem Himmelswegelauf zuliebe. Ich meine nämlich, wenn er an ein paar Stellen etwas attraktiver wird, wird er für die wachsende Zahl der Freunde von Landschaftsläufen auch interessanter. Und das freut dann dich, die Teilnehmer und auch mich.

 

Sieger Supermarathon (100 km)

1 Andreas Riedel Wohlmirstedter SV 10:12:36
2 Gunter Schilk Magdeburg 10:49:33
3 Kay Giese Post SV Buxtehude 11:21:07


Sieger Marathon

Männer
 
1 Lennart, Herrmann  SG Adelsberg  2:50:38
2 Scherer, Manfred  TSG Kleinostheim  2:55:54
3 Suppe, Thomas   SGB Stadtsteinach  3:11:23

Frauen

1 Chudek, Sandra   Hennigsdorf  3:31:26
2 Otto, Steffi    Otto Hydraulik  3:45:30
3 Rohrbach, Alexa  MSV Eintracht Halberstadt  :56:06  

 

 

Informationen: HimmelswegeLauf
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