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Laufberichte

Vom Gletscher in die Hitze

08.07.07

Die Strecke machte es uns wirklich leicht!


Bregenz, Feldkirch, Bludenz, St. Anton a/A, Landeck, Imst -  insgesamt knapp 130 Kilometer, von der deutschen Grenze ab gerechnet,  und schon ist man in Tirol am Eingang zum Piztal. Am Vortag waren wir beim Montafon Arlberg Marathon, dessen Ziel in St. Anton ist. Für uns war daher der Weg nach Imst mit etwa 42 Kilometern deutlich kürzer. Der Start des Gletschermarathons ist zwar in Mandarfen, weit im Piztal, die Startnummernausgabe aber ist samstags im Sportzentrum Imst, so dass wir nicht hetzen mussten. Wer jedoch im Piztal übernachten will, bekommt auch in Mandarfen seine Startunter-lagen, aber erst am Sonntagmorgen vor dem Start.


Am nächsten Morgen fuhren wir um 7.45 Uhr mit dem kostenlosen Shuttlebus zum Start. Vom Bus aus sah die Strecke anstrengender aus, als die Zahlen angaben. Da keuchte der Bus steile Straßen hinauf, fuhr aber auch steile Straßen abwärts. Das Höhendiagramm des Laufes jedoch zeigte, dass es 42 Kilometer lang nur abwärts gehen sollte, insgesamt mehr als 800 Meter, mit ein paar unwesentlichen Gegenanstiegen. Nun, wir würden ja sehen!
Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir dann in Mandarfen, die Straße endete hier. Wer unbedingt den Gletscher sehen will, oder gar im Sommer Ski fahren will, fährt mit der Gletscherbahn weiter und findet dann auf beinahe 3.500m Höhe passende Schneegebiete.


Nichts von alledem interessierte uns an diesem Morgen, wir warten brav auf dem riesigen Platz in Mandarfen. Ob das überhaupt ein belebter Ort ist, wage ich zu bezweifeln, zumindest am Sonntag morgens um 9 Uhr sieht man außer Marathonis und deren Angehörige keine Menschenseele. Glücklicherweise aber trafen wir noch ein paar Bekannte aus der Ultra Szene, so dass für Unterhaltung ge-sorgt war. Alex kam vom Marathon aus Oberstaufen, der wegen schlechten Wetters wieder Mal auf 39 km gekürzt worden war, Marcel und Eberhard direkt vom Traunstein Ultra, der ihnen am Vortag gro-ßen Schrecken eingejagt hatte: 70 km, 4.500 Höhenmeter und viele Kletterpassagen – Marcel war jetzt noch entrüstet über diesen gefährlichen Lauf.


 
Wie ausgestorben
© marathon4you.de 2 Bilder

Um 9.30 Uhr war dann der Start. Mit einem Böllerschuss ging es los, ein paar einzelne Zuschauer schauten zu. Verflucht – schon wieder war ich nahezu Schlusslicht, lediglich noch vier Teilnehmer hinter mir. Aber, oh Wunder, ich konnte ganz locker und leicht laufen, nichts mehr spürte ich vom Ma-rathon vom Vortag. Auch Angelika musste es so gehen, denn sie bestimmte das Tempo, so dass wir bald zu Alex, Eberhard und Marcel aufgerückt waren. Die Drei wollten wohl erst sehen, wie sie ihre Läufe vom Vortag „verdaut“ hatten, denn normalerweise sind sie deutlich schneller.


Die Strecke machte es uns wirklich leicht! Genau so, wie es das Höhendiagramm versprach war es auch. Angenehm sanft fiel die Straße ab, man konnte ohne Anstrengung laufen und meine Pulswerte lagen mit ca. 115 etwa 10 Schläge niedriger als am Vortag. Angelika gab immer noch das Tempo vor und Wolfgang und Marcel erzählten vom Traunstein Ultra. Jedes Mal, wenn links oder rechts eine steile, hohe Felswand zu sehen war, deutete Marcel auf sie und meinte, dass es so beinahe 1.000 Meter hoch gegangen sei, ohne jegliche Sicherung, nur mit Seilen oder manchmal auch Eisenhaken in der Wand. Da habe ich ja echt Glück gehabt, denn kurz hatte ich überlegt, in Traunstein zu laufen.


Die erste Verpflegungsstelle kam: Wasser, Iso, Banane. Nun, da hatte ich aber schon ein umfangreicheres Angebot gesehen. Aber natürlich reichte es vollkommen aus, denn der Kurs war wirklich einfach zu laufen und die schnellen Leute vor uns hatten ganz sicher auch anderes im Sinn, als kulinarische Genüsse. Ich begnügte mich also mit dem Angebot, löste mich schnell vom Verpflegungstisch und lief weiter, hoffte aber insgeheim, dass man gegen Ende auch Cola bekommen würde.


Im Vorfeld hatte ich auf der Webseite gesucht, auf welchen Wegen denn gelaufen wird. Gefunden habe ich nichts, nur beim Höhendiagramm den Satz: „Entlang der Piztaler Landesstraße (L16) bis zum Kreisverkehr Piztal Einfahrt.“ Ich vermutete daher, dass man auf Asphalt läuft. Bei der Abholung der Startunterlagen musste man eine Erklärung unterschreiben, dass man stets rechts laufen würde, dass man Kurven nicht schneiden dürfe, denn es sei Autoverkehr auf der Straße, dass man bei Unfällen den Veranstalter nicht haftbar machen könne. Alles klar! Man lief also auf der Straße.


 
© marathon4you.de 6 Bilder

Bis jetzt aber hatte ich noch keinerlei Autos gesehen, die Straße gehörte allein uns Läufern. Erst bei Kilometer 12 sahen wir dann auf der Gegenfahrbahn wartende Autos, die erst weiter fahren durften, als auch die letzten Läufer vorbei waren. Beinahe hätte ich noch ein schlechtes Gewissen bekommen, weil man die Autos nur wegen uns paar Hanseln am Ende des Feldes aufgehalten hatte. Nun, mein Mitleid hielt sich dann doch in Grenzen, vor allem ab dem Zeitpunkt, als die Straße ganz für den Verkehr frei gegeben war. Da kam schon der eine oder andere zu dicht an uns vorbei geschossen.


Anfangs war ich recht orientierungslos, sah ich doch nirgends Entfernungsangaben. Erst nach einigen Kilometern machten mich meine Mitläufer auf die Kilometermarkierungen auf dem Asphalt aufmerk-sam. Jeder einzelne Kilometer war da angezeichnet – eigentlich ganz praktisch, da musste man anschließend nichts mehr abmontieren.


Bereits bei der Fahrt zum Start war mir die altertümliche Art aufgefallen, wie hier noch Heu gemacht wird. Nicht wie heute überall, wo das Heu nahezu vollautomatisch ins Silo kommt, oder auch in Ballen gepresst und mit Folie überzogen wird. Nein, ganz nach alter Väter Sitte wurde es per Hand auf Heinzen gehängt. Eine Aufbewahrung, die zum vollständigen Trocknen des noch nicht ganz trockenem Grases dient. Man machte das früher, wenn Regen drohte und das Heu noch nicht „reif“ für die Scheune war. Das Heu kann auf den Heinzen keine Bodenfeuchtigkeit aufnehmen und ist auch dem Regen nicht ganz schutzlos ausgesetzt. Eine schöne Erinnerung an meine Kindheit. Ich fragte einen Einheimischen an einer Verpflegungsstelle, wie diese Heinzen denn hier genannt werden. Leider verstand ich seine Antwort nicht richtig, trotz mehrmaligem Nachfragen; irgend was wie „Stangern“ oder so ähnlich. Vielleicht weiß es ja einer der Leser und schreibt es mir. Vor allem würde mich interessieren, weshalb man hier im Piztal noch solch altertümliche Verfahren einsetzte.

 

 
Noch gehört die Straße alleine den Läufern
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Die ersten 12 Kilometer lagen hinter uns, immer noch ging es sanft abwärts und ich fühlte mich gut. Nur wenn die Straße kurzzeitig eben wurde, spürte ich, wie viel mehr an Energie ich einsetzen musste. Da war ich doch ganz froh, dass es abwärts ging. Kurz vor dem Start hatte der Sprecher nochmals daran erinnert, dass die ersten vier oder fünf Läuferinnen und Läufer Preisgelder bekommen würden. Er hoffte auch auf einen neuen Streckenrekord und hatte wohl auch schon von einigen Läufern und Läuferinnen gehört, die die bisherigen 2:40:37 h bei den Herren und 2:52:26 h bei den Damen unterbieten wollten und wohl auch könnten. In der Tat, hier würde sicher mancher persönliche Bestzeit laufen können, so leicht und einfach war die Strecke. Tatsächlich wurde dann auch der Streckenrekord der Männer mit 2:23:09 deutlich unterboten.


Alex hatte sich nach vorne abgesetzt und auch Marcel zog ganz langsam davon, nur Eberhard hatte wohl leichte Probleme, denn er fiel ein wenig zurück, zog dann aber ab Kilometer 18 auch an uns vorbei und ward bald nicht mehr gesehen. Angelika und ich liefen einigermaßen gleichmäßig, anfäng-lich mit 6:25 min/km, später dann wurden wir mit 6:40 etwas langsamer. Wir würden dieses Tempo wohl auch halten können, wenn – ja wenn das Wetter weiterhin mitspielte. Bisher war es nahezu ideal, mit vielleicht 18 oder 20 Grad nicht zu warm, der Himmel war bewölkt und ständig wehte ein ganz leichter Wind, der angenehm kühlte.


Bisher waren wir an einigen Weilern vorbeigekommen und durch kleine Ortschaften gelaufen, hatten aber kaum Zuschauer gesehen. Hier und da standen welche vor ihrem Haus oder schauten uns vom Balkon aus zu. Entweder waren die alle schon wieder gegangen, weil das Feld längst durch war, oder der Lauf ist noch nicht richtig im Piztal „angekommen“. Hier könnte die Organisation noch etwas mehr Leben auf die Strecke bringen, wie z.B. in dem einem Ort, wo man Bierbänke auf den Gehweg gestellt und ein kleines Fest organisiert hatte. Aber eigentlich vermisste ich die Leute gar nicht, die Gegend bot so viel Abwechslung, dass ich vollauf zufrieden war.


 
km 14: Eberhard läßt sich zurück fallen
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Bei etwa Kilometer 22 kam dann der erste, leichte Anstieg und ein paar weitere zwischen 25 und 32. Kein Problem, nur unser Schnitt wurde etwas schlechter. Hier liefen wir auch durch Wenns, einem etwas größeren Ort. Aber auch hier hielt sich die Zuschauerbeteiligung in recht engen Grenzen. Hinter Wenns (km 29) öffnete sich das Piztal, der weite Blick ließ das Ende des Tales erahnen. Irgendwo vor uns, gar nicht mehr weit weg musste Imst sein. Noch aber waren zwölf Kilometer zu laufen.


Ab Kilometer 33 ging es wieder kontinuierlich abwärts. Bis hierher musste unser Bus bei der Hinfahrt ordentlich keuchen. Zum Glück aber war das Gefälle gut zu laufen, das hatte vom Bus aus schlimmer ausgesehen. Leider nahm auf diesem Abschnitt, bis hinunter nach Imst, der Verkehr stark zu und war oft recht störend. Die Präsenz von Verkehrspolizei an allen kritischen Stellen war aber stets beruhigend und zeigte den Autofahrern, dass sie doch etwas Rücksicht nehmen sollten.


Das Wetter hatte sich „gebessert“, die Wolken waren nahezu verschwunden und die Sonne heizte uns ein. Wie war ich froh, dass ich nur abwärts laufen musste. In Arzl (km 34) ließen wir an der Verpflegungsstelle ein paar Läufer hinter uns, die ganz offensichtlich Opfer ihres zu schnellen Anfangstem-pos wurden, denen Sonne und Wärme sehr zusetzten.


 
Wenns, Kilometer 27
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Der Rest ist schnell erzählt, auch wenn es jetzt für uns Beide echt zäh wurde. Wir liefen im Talgrund, das Ortsschild „Imst“ hatten wir kurz vor Kilometer 37 erreicht, der Verkehr hatte schlagartig abgenommen, die Sonne brannte, der Asphalt reflektierte die Wärme und die hitzige Straße zog sich ewig geradeaus hin. Noch fünf Kilometer mussten wir laufen und beide lechzten wir nach Energie in Form von Cola. Tatsächlich! an der nächsten und auch der übernächsten Verpflegungsstelle konnte man uns Cola anbieten. Ich weiß nicht, was wir ohne gemacht hätten, waren wir doch so energielos, dass wir auf diesem letzten Abschnitt ab und zu ein paar Meter gehen mussten, obwohl es keine nennenswerten Steigungen gab.


Einen knappen Kilometer führte die Strecke dann über Felder, weiter auf den heißen Asphalt der Fabrikstraße, der uns wieder ordentlich einheizte. Unglücklicherweise war hier auch noch der Asphalt ganz neu, herrlich tiefschwarz und reflektierte so die Wärme noch besser. Ich weiß nicht, was schlimmer war: die Sonne von oben, oder die Wärme vom Asphalt!


Trotz dieser Widrigkeiten schafften wir es, mit ganz wenigen Ausnahmen, joggend bis ins Ziel. Angetrieben hatte uns die Hoffnung, es vielleicht gar unter 4:50 h zu schaffen. Jubel! bei 4:49:54 Stunden wurde ich dann im Ziel gestoppt, Angelika war ein paar Sekunden schneller.


Wie beim Montafon-Arlberg Marathon am Vortag, war auch hier die Siegerehrung voll im Gange. Allerdings wurden gestern alle, auch die Allerletzten persönlich empfangen. Nicht aber in Imst. Die Zuschauer konzentrierten sich auf die Ehrungen, wir bekamen nicht Mal eine Medaille, kein Mensch kümmerte sich um uns und die, die nach uns ankamen. Nur durch Nachfragen erfuhr man dann, dass die Medaillen ausgegangen waren und nachgeschickt würden. Tja – hier sollte man auf jeden Fall nachbessern und sich den Nachbarmarathon zum Vorbild nehmen.


 
Kilometer 37
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Ein landschaftlich größtenteils sehr schöner, nicht schwerer, dafür schneller Marathon - auch für uns, die wir schon am Vortag 42 km oder mehr gelaufen waren, geradezu ideal. Jetzt muss noch die Bevölkerung im Piztal mehr beteiligt werden, der Zieleinlauf auch für die hinteren Läufer besser organisiert werden, dann ist das eine rundum gelungene Veranstaltung. Ob die Konkurrenz zweier so nah beieinander gelegener Marathons an einem Wochenende sein muss, könnte man auch noch überdenken.


Nun, ich habe leicht reden, ich muss ja die Organisation nicht schultern, alle die vielen Helferinnen und Helfer motivieren und auch noch das finanzielle Risiko tragen. Macht also so weiter, korrigiert ein wenig und der Marathon wird sich halten. Die Zahlen mit knapp 500 Teilnehmern bei allen Disziplinen stimmen ja bereits jetzt schon.


Kosten Marathon:

25 Euro bis 35 Euro je nach Anmeldezeitpunkt

 

Zeitnahme

Nettozeitmessung Championchip.


Streckenbeschreibung 

Punkt zu Punkt Strecke; vom Start in Mandafen (1.675m) auf der Straße bis nach Imst (780m). Die Straße ist anfänglich gesperrt, wird aber freigegeben, so dass, zumindest im hinteren Feld, ab der Hälfte mit Autoverkehr zu rechnen ist.


Auszeichnung

Medaille, Urkunde per Internet. Weitere Leistungen: Sportrucksack, freier Eintritt in die Freibäder Imst und Wenns.


Verpflegung

Alle 2,5 bis 5 km: Wasser, Iso, Bananen; gegen Schluss auch vereinzelt Cola.


Zuschauer

Wenige am Start, unterwegs in den Ortschaften und natürlich im Ziel.


Finisher

168 beim Marathon + 16 Staffeln (=64 Teilnehmer), 160 beim Halbmarathon und 39 beim Fun&Run.

 

Sieger

Marathon Männer

1. Szabo Imre   HUN  - 2:23:09
2. Horvath Bela  HUN - 2:27:27
3. 65 Schwarz Albuin  AUT - 2:29:49

 

Marathon Frauen

1. Rausch Patrizia  AUT - 2:53:43
2. Juen Melanie   AUT SV - 3:00:36
3. Kail Nina   AUT - 3:15:21

 

Informationen: Gletschermarathon Pitztal-Imst
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