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Laufberichte

Im Sauseschritt talabwärts

 

Man geht zum Schuster und zum Weinhändler für einen Doppler  – wenn die Sohle löchrig geworden ist oder sich beim Tschecheranten der Durst zurückmeldet, wobei die klassische 2-Liter-Flasche auch ein  Erkennungszeichen einer trinkfreudigen Gesinnung ist. Ein Marathonsammler wie ich verbindet mit diesem fast schon geflügelten Wort die Chance, an einem Wochenende gleich zweimal die 42,195 km zu bewältigen. Dafür bieten sich auch heuer wieder der Arlberg Montafon-Marathon und der am nächsten Tag folgende Gletscher-Marathon durch das Pitztal nach Imst an.

Werner Kroer und ich denken ökonomisch: Wenn wir schon rund 570 km mit dem Railjet  in Richtung Zürich fahren, dann soll sich der Ausflug auch rentieren. Und zwar für die Sammlerstatistik. Die Gegend kennen wir beide ja schon von Bewerben in den Jahren davor, wobei sich gerade der Kurs des Arlberg Marathons mehrmals geändert hat.

Eine gewisse Logistik ist dabei für das Organisieren erforderlich, wenngleich die Reservierung von zwei Unterkünften und das Checken der Zugverbindungen keinen besonderen Aufwand bedeutet. Entgegen kommt uns der Umstand, dass man auch beim Gletscher-Marathon die Startnummer am Renntag abholen kann.  


Fahrt mit dem Bus nach Mandarfen

 

Die Übertragung des Viertelfinales Deutschland vs. Italien bei der Fußball-EM endet nach Mitternacht. Beim Dorffest in Imst feiern nicht nur die vielen deutschen Gäste im Ort lautstark den ersten Sieg über Italien bei einem großen Turnier. Dazu dröhnt der Sound aus der 100 m entfernten Disco. So komme ich dank der Lage meines Zimmers in den verbleibenden 5 Stunden bis zum geplanten Aufstehen kaum  zum Schlafen. Im Eggerbräu sitzen die Läuferinnen und Läufer schon alle beim Frühstück, als ich etwas verspätet um knapp nach 6 Uhr 30 eintreffe. So vollzählig versammelt waren die Freaks aus der heimischen Laufszene noch selten wie hier und heute.

Gleich mehrere, sonst im Dienst der Post stehende Busse sind beim Parkplatz nahe dem Schwimmbad bereitgestellt. Die geplante Abfahrt um 6 Uhr 15 verzögert sich etwas. Als wir dann von Imst (790 m) nach Mandarfen (1.675 m) ins hintere Pitztal hinauf fahren, merkt Werner an, dass die kurvenreiche Marathonstrecke auch etliche Anstiege aufweist, die man bestenfalls in langsamem Joggingtempo überbrücken kann. Mit dem gestrigen Montafon-Marathon in den Beinen bin ich aber eher auf Gehen eingestellt.

Je näher wir zum Startort kommen, desto mehr verschlechtert sich das Wetter. Gestern in St. Anton hatten wir herrliches Sommerwetter, hier in Mandarfen regnet es heute um 7 Uhr morgens. Nebel zieht auf, es hat nur 8 Grad C. Eine Läuferin in Shorties klagt über die unerwartete Kälte, Gänsehaut überzieht ihre Beine. Ich ziehe mir schnell ein Singlet unter dem Kurzarmshirt an, als dritte Lage noch die Windjacke.

 

 
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So unwirtlich das Wetter am Start ist, so reibungslos verläuft die Ausgabe der Startunterlagen im Tourismusbüro. Man bekommt einen riesigen Rucksack dazu, der als Kleiderbeutel dienen soll. Neben dem Marathon, der in diesem Jahr bereits um 8 Uhr beginnen wird, ist ein Staffellauf mit vier Teilnehmern auf unterschiedlich langen Distanzen vorgesehen. Der Halbmarathon ist für 10 Uhr mit Start in Wenns vorgesehen – Kollege Franz Lang, der gestern auch den Montafon-Marathon erfolgreich gefinisht hat, ist Pacemaker für 1:59:59. Werner, Franz und ich haben deshalb auch die Pasta-Party im Pitz-Park in Wenns am Nachmittag versäumt.

 

Der 11. Gletschermarathon beginnt


Die Kanonenschüsse unterbleiben diesmal, der Platzsprecher zählt von zehn herunter, bei null geht’s los. Ich stehe weiter vorne, um die vorbeidrängenden Kolleginnen und Kollegen von vorne, besser und möglichst lange ins Bild zu bekommen.  

Der Marathon beginnt mit einer Aufwärtspassage auf fast durchwegs asphaltiertem Untergrund, die rund 80 Höhenmeter auf ca. 1,3 km aufweist. Schon letztes Jahr befand ich mich bald am Ende des Feldes, diesmal sind noch zwei hinter mir. Auf der Höhe von Mittelberg (1736m), von wo aus es hinauf zum Gletscher geht, wendet der Kurs wieder. Nach wenigen Minuten wird mir warm, ich bleibe stehen und ziehe Windjacke und Singlet  aus. Die überschüssige Laufkleidung verstaue ich vorne in meinen Shorts, sodass es aussieht, als trage ich eine ordentliche Wampe mit mir herum. Beim Abwärtslaufen ist Übergewicht u.U. sogar ein Beschleunigungsgarant, das müsste man wissenschaftlich erforschen. Ein paar gut genährte Kollegen sind bei den Marathons  fast immer anzutreffen.  

 

 
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Nach dem Gemurkse mit dem Verstauen der zwei Lagen kann ich nun befreit den Marathon mit vier Minuten Verspätung aufnehmen. Nur ein Kollege liegt beim Durchlauf in Mandarfen noch hinter mir. Die wenigen Zuschauer klatschen, als ich mit schussbereiter Kamera an ihnen vorbeiziehe. Sie wissen nicht, dass ich gestern schon bei einem Berglauf mit ca. 1600 HM oder mehr im Einsatz war und können sich wohl auch nicht vorstellen, dass ich aus dem Stand in der ersten Hälfte des heurigen  Jahres bereits 22 Marathons gefinisht habe.  Für sie zählt  primär das breite Mittelfeld, das sich gezielt darauf vorbereitet und in der Regel auch zufriedenstellende Zeiten erreicht.

Auch ich bin da zuversichtlich, weil es beim Gletscher-Marathon deutlich länger abwärts geht und das Abwärtsgefälle trotz meiner orthopädisch eingrenzbaren Probleme mich stets beflügelt. Es dauert nicht lange und schon ist das erste Beutestück bei Tieflehn, zur Gemeinde St. Leonhard gehörig, in Sicht. In den kleinen Ortschaften sind dank des fast ganzjährigen Tourismus zahlreiche neue Pensionen und Hotels entstanden.

Die Kollegin ist aus Deutschland vom Laufclub Ganderkesee, wir reden kurz miteinander. Sie wirkt gut vorbereitet und läuft dosiert. Noch vor dem ersten Versorgungsposten laufe ich fast an der gleichen Stelle wie letztes Jahr auf Helena auf, wir haben uns schon im Bus gesehen. Der Marathon hat gerade erst begonnen und sie wird am Schluss in der Regel immer stärker. So würde ich mich nicht wundern, wenn sie mich vielleicht auch wieder schnappt.

Man spürt schon nach einer halben Stunde, dass es wärmer wird. Der Regen hat aufgehört. Nebelschwaden ziehen nach oben, die Wolken lichten sich etwas. Aber bis die Sonne durchkommt, wird es noch eine Weile dauern.

In Planegroß befindet sich bei 4,9 km eine Verpflegungsstelle, wobei es nur Wasser und Nutrilite Strive, ein isotonisches Getränk, gibt. Bei Kilometer 7 nähere ich mich einem Pärchen, das Tschechisch spricht. Ich bin ja öfters bei Marathonläufen im ehemaligen Ostblock, langsam wird es Zeit und Mode, dass der Marathontourismus auch in die Gegenrichtung einsetzt. Angeblich verzeichnet der Gletscher-Marathon heuer einen Teilnehmerrekord. Gut die Hälfte sind Deutsche, die hier eine Macht sind. Die beiden Tschechen laufen, gehen aber dann wieder. So hole ich sie ein, dann beschleunigen sie erneut. Ich sage hörbar „wie die České dráhy, auch Ihre Eisenbahn macht öfters Pausen“. Sie verstehen kein Deutsch, aber den Kommentar. Die beiden abzuhängen wird eher schwieriger werden.

Bald kommt der erste Tunnel auf uns zu, der zeitweise auf der nur teilweise gesperrten Straße eine Gefahrenquelle ist. Wir sind angehalten, rechts zu laufen. Ich weiche im Tunnel immer auf den schmalen Gehsteig aus. Die meisten nachkommenden Autos fahren zu schnell, obwohl überall auf den Marathon per Anschlag hingewiesen wird.

In Neurur bei Kilometer 9 vor dem Feuerwehrhaus befindet sich die zweite Versorgungsstelle. Das Wasser ist eiskalt, bei diesem Wetter hätte man zusätzlich auch warmen Tee anbieten können.

 

 
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Ich blicke mich um, das České dráhy-Gespann dampft hinterher. Eine andere Kollegin hat mich vor dem ersten Tunnel überholt – sie dürfte davor kurz eine Pause eingelegt haben – nun verweilt sie hier bei der Labe wieder. Wer an Bestzeiten beim Gletschermarathon denkt, der muss die Gegenanstiege einkalkulieren – 636 Höhenmeter sind aufsteigend zu überwinden, was mehr ist als bei einem welligen Städtemarathon wie z.B. in Luxemburg.

Ich eile weiter, die vier Minuten Zeitverlust beim Ablegen und Verstauen der zwei überschüssigen Lagen habe ich nach bald 10 Kilometern nicht kompensieren können. Dazu kommt, dass ich meine Garmin erst nach ca. 500 Metern hinauf zur Wende bei Mittelberg gedrückt und für diese Distanz zwischen drei und vier Minuten im Kopf veranschlagt habe. Falls sich jemand wie ich im Rentenalter befindlich interessiert, welche Zeit mir heute vorschwebt, dann bitte gerne: Sub 5 ist ein absolutes Muss auch nach einem Walking-Marathon über den Arlberg am Vortag, sonst lasse ich mich vom Klaus für einige Zeit suspendieren. 4:45 wäre bestens, alles darunter sogar bisherige „Jahresbestzeit“.

Das Tosen der Wasserfälle auf beiden Seiten des schmalen, ca. 40 km langen Pitztals, in dem sich der gleichnamige , gegenwärtig viel Schmelzwasser führende Pitzbach tief in die Natur eingegraben hat, ist so laut, dass ich im Vorbeilaufen dem Streckenposten vor dem Ortstafel Stillebach zurufe, man sollte den Weiler auf „Lautebach“ umbenennen. „Do hoscht recht“, antwortet dieser – „i werd’s dem Burgamaschta von St. Leonhard vorschlogn..:“  Wird er natürli niet, isch eh klor. Oba a Hetz muas sain.

In Piösmes bei Kilometer 13,1 stehen noch zwei Staffelläufer. Spät sind’s dran, denke ich mir, aber sie werden nach der Übergabe ordentlich aufs Tempo drücken. Bei der Labe probiere ich das Isogetränk, doch auf den Drive nach dem Strive warte ich vergeblich. Je flacher die Strecke wird, desto langsamer mein Lauftempo. Ich bin auf steile Abwärtspassagen fixiert, da kann ich Zeit gutmachen.

Die Tschechen sehe ich auch wieder dicht hinter mir, dennoch schere ich links aus, um den armen einsamen Esel in seinem Stückchen Grün zu betatschen. Ich pfeife und er trottet zum Zaun. Leider habe ich kein Brot dabei, hätte ihn gerne was abgetreten. Doch Griechenlandliebhaber und -kenner werden mir beipflichten, wenn ich behaupte, dass ein Lastesel auf Kreta oder den Kykladen wie auf den Eselsteig in Santorini in praller Sonne über Hunderte Stufe beim Aufstieg nach Fira ein viel härteres Dasein hat als dieser hier auf saftiger grüner Weise wohl als Tourismusattraktion für die Kleinen.

Bei Scheibe hole ich die beiden tschechischen Ausreißer wieder ein, bevor es in den nächsten Tunnel hineingeht.  St. Leonhard, der Hauptort des oberen Pitztals, wirkt auf den ersten Blick nicht größer als die in den Gemeindesprengel einverleibten Nebenortschaften. Einzelne Pensionen und Hotels auf beiden Seiten der Straße wirkten imposanter als das Gemeindeamt.  

Jetzt gegen 10 Uhr 45 vormittags wird es spürbar wärmer, die Sonne zeigt sich hinter der sich lichtenden Wolkendecke. Das Wetter im Pitztal ist für Rheumatiker nicht zu empfehlen. Die Temperatursprünge sind groß. Auch Imst verzeichnete heuer den bisher heißesten Tag in Österreich, sagte mir der Besitzer des Hotelgasthofes Eggerbräu gestern beim Einchecken am späten Nachmittag.

Ich blicke mich um, jemand in blauem Laufdress versucht an mir aufzuschließen. Ich bleibe bei meinem Lauftempo. Marion, die Kollegin von heute Morgen, die ich als Erste überholte, hat ihren gelben Windbreaker verstaut. Das hat sie beflügelt. Wir plaudern ein wenig, ich fotografiere sie, sie dann mich. Sie zeigt nun ihre Power, bei Unterrain lasse ich sie ziehen, aber sie bleibt zunächst in Sichtweite. Beim Alpenhof am Kilometerpunkt 16 befindet sich die inzwischen schon vierte Labe. Ich nehme mir eine geviertelte Banane, die so kalt ist, dass ich sie gleich darauf am Wegrand wieder in die Botanik entsorge. Stattdessen gönne ich mir ein Sponser-Gel, das gestern bei Kilometer 39 auf der Laufstrecke kurz vor St. Anton ausgegeben wurde.

 

Auf der zweiten Marathon-Häfte

 

 

 
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Die auf den Asphalt geschrieben 20 km Markierung veranlasst mich, meine bisherige Laufzeit zu errechnen – ablesen kann ich sie ja nicht von der Uhr, weil ich die Starttaste erst nach ca. 500 m gedrückt habe. Mit dem Zuschlag von 4 Minuten wird meine Halbmarathonzeit unter 2:15 liegen. Zwar nicht berauschend, aber gut im Vergleich zu den heurigen Durchgangszeiten. Der Marathonkurs weist knapp vor Wiese, wo die zweite Staffelübergabe erfolgt ist, eine steile Abwärtspassage auf. Die nutze ich, um mehrere langsamere Läufer zunächst wieder einzuholen und dann abzuhängen. Die Labestelle dort beanspruche ich hingegen nicht. Wir laufen oberhalb des Ortes über einen Feldweg, der nach einigen Hundert Metern wieder in die Bundesstraße einmündet. Nun geht es wieder rasant abwärts. Ich mag solche Gefällestrecken auf Asphalt. Vorbei am Feuerwehrhaus in Ritzenried und Wiesle, dicht neben dem viel Schmelzwasser führenden Pitzbach, der längst zu einem Fluss geworden ist.

An die nun folgende Steigung, die ich bei meinen bisherigen Teilnahmen am Gletschermarathon immer nur gehatscht bin, erinnere ich mich stets, wenn ich mich ihr nähere. 200 m vor mir marschiert Marion schon den Anstieg hinauf  in Richtung Schönlarch. Ich blicke mich um, die Abstände sind gleich geblieben. Dimitri aus Moldawien, den ich von anderen Marathons kenne und eben überholt habe, versucht langsam zu laufen, aber im Gehen wäre er früher oben.

Das beim Gasthaus Schön angebotene Wasser verschmähe ich und bediene mich stattdessen am öffentlichen Brunnen – herrlich. Im Café Landtmann beim Wiener Burgtheater hätte ich dafür zwei 2 Euro bezahlt, beim Gletscher-Marathon ist das inkludiert.  Für das weitere leibliche Wohl sind noch einige Melonenstücke da.

Nun folgt erneut eine längere Abwärtspassage auf dem Weg nach Wenns. Marion liegt ca. 100 m vor mir, ich hole sie bald darauf ein. Wir plauschen ein wenig, sie merkt an, dass sie schon angenommen habe, dass meine Kräfte nachgelassen hätten. Wie Recht sie hat, aber man muss ja nicht alles zugeben. Die sub 5 Stunden sollte sich heute wirklich für uns beide ausgehen. Dann aber legt sie auf einem Flachstück wieder zu und lässt mich hinter sich. Die Strecke hinauf nach Wenns weist eine beträchtliche Steigung auf. Auch Marion marschiert. Ich blicke mich um, die Fernsicht ist gewaltig. Und wen erblicke ich – fast wie erwartet kämpft sich Helena heran. Sie hat mehr Kondition als viele andere, sie wird mich früher oder später schnappen.

Oben in Wenns befindet sich die Labe bei ca. bei Kilometer 31, die Teileilnehmer der dritten Staffel über 9,2 km sind längst alle auf der Strecke oder auch schon im Ziel. Für die 30 Kilometer habe ich bisher hochgerechnet an die 3:18 Stunden benötigt, vielleicht auch etwas weniger. Das passt so bestens, 4:45 Stunden sind in Reichweite. Ich nehme daher in Kauf, für eine kurze Zeit hinter einem Baum in Brennwald nach der Ortschaft Wenns die kontemplative Erleichterung zu suchen.

Helena hat inzwischen aufgeschlossen und läuft an mir vorbei, ohne mich direkt zu erblicken. Ich bleibe dicht hinter ihr. Bei Bierwald ist wieder eine Behelfslabe aufgebaut, das Wasser aus dem Fließwasserbrunnen bei der Busstation tut es aber auch. Es kündigt sich ein schöner und warmer Sommertag an. Ich bin ja kein Hitzeläufer, was sich letzten Samstag bei 35 Grad C in der Slowakei wieder bestätigt hat. Aber bis ins Ziel ist es nicht mehr so weit, ca. 7 Kilometer.

Ich schließe zu Helena auf, Marion ist hingegen enteilt. Auf dem nun folgenden Abschnitt hinunter nach Arzl, mit rund 3000 Einwohnern eine der größeren Gemeinden im Pitztal, kann ich Tempo zulegen.  Der Platzsprecher kündigt mich beim Durchlauf an: „Dös isch da Anton aus Wian, niet von Tirol…“ „Stimmt nicht“, schrei ich ihm zu, „i bin in Lienz geborn, dos du esch woascht“. Endlich gibt es Cola, bisher das erste Mal. Vielen Dank an die netten Bewohner von Arzl, die zu Dutzenden vor einem Gasthaus auf Holzbänken in der Sonne hocken, sich ein Bier genehmigen und applaudieren.

 

 
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Die nachfolgende Strecke hinunter zur Innbrücke ist meine Rückversicherung für eine passable Laufzeit. Es geht nämlich zunächst rund 2 Kilometer abwärts. Ich überhole weitere zwei Läufer. Einen dritten dann auf der Innbrücke. Danach führt der Marathonkurs bei einem von der Polizei überwachten Kreisverkehrt erneut hinunter  fast auf Flussniveau. Bei Brennbichl geht es neben den in den Inn mündenden Pigelbach über die Fabrikstraße vorbei an einem Sägewerk und kleinen Industriebetrieben zum Gasthof Neuner, wo sich die letzte Labestelle befindet. Ich schnappe mir einen Becher Cola und blicke mich um. Helena muss man ein Kompliment machen, sobald der Kurs schwieriger wird, holt sie auf. Das letzte Teilstück der Marathonstrecke hinauf zum Imster Sportzentrum beträgt zwar nur mehr 1 ½ Kilometer, aber es sind gut 80 Höhenmeter zu überwinden. Ich schnappe mir zunächst einen Walker und 50 m beim Zieleinlauf noch einen weiteren – wegen der Bruttozeit wohlgemerkt.

Mit 4:41:55 finishe ich den 11. Gletscher-Marathon von Mandarfen nach Imst. Die Zeit ist herzeigbar, wenngleich ich ohne den Arlberg-Marathon am Tag davor vielleicht sub 4:30 geschafft hätte.

Gleich nach dem Zieleinlauf wird den Läufern eine Medaille und anschließend ein Finisherfoto gereicht – das ist eine nette Geste. Was ich an den Labestellen auf der Strecke vermisst habe, wird einem hier im Sportzentrum förmlich aufgedrängt: Wasser, Iso, Melonen, Bananen, Marillenkuchen u.a.m. Zuerst genehmige ich mir jedoch ein Erdinger Weißbier, dann noch ein zweites. Einige Belegfotos mache ich auch. Helena kommt nur einer Minute hinter mir ins Ziel. Börnie hätte ich heute eine Zeit sogar unter 4 Stunden zugetraut, doch das Abwärtslaufen hat seine Unterschenkelmuskulatur vielleicht überbeansprucht. Werner hat mit 4:26 wieder eine tadellose Finisherzeit erzielt.

Massieren könnte  man sich auch lassen, doch Werner und ich wollen den Railjet um 15 Uhr 37 nach Wien erwischen. Daher holen wir unseren Kleiderbeutel vom Bus ab und schlendern zum Gemeindebad hinüber. Die letzten Läufer kommen uns entgegen. Gegen Nachweis der Startnummer kann man sich im Bad duschen bzw. dort auch verweilen. Werner krault noch einige Runden.

Mein Fazit:

Die Bezeichnung „Gletscher-Marathon“ ist ein wenig irreführend, denn es geht natürlich über keinen Gletscher und bei schlechtem Wetter sieht man in der Region um Mandarfen noch nicht einmal welche.  Da müsste man schon mit der Bergbahn hinauffahren oder beim Pitz Alpine Glacier Trail am 24. Juli mitmachen. Der de-facto Abwärtskurs könnte manche  zum Tempobolzen verleiten, aber wegen der zahlreichen Gegenanstiege kann man sich auch rasch verausgaben. Bei Schönwetter ist das Pitztal fast paradiesisch und daher auch sonst einen Aufenthalt wert, was in den letzten Jahren zu einem verstärktem Ansteigen des Tourismus geführt hat. Auch für  Trailrunner wir einiges angeboten.

Das Preis-/Leistungsverhältnis ist ok. Bei einem gestaffelten Startgelt bis max. 50 Euro und viel Zusatzservice ist der Marathon zu empfehlen. Nur ein Teil der Strecke ist für den Autoverkehr gesperrt, daher ist erhöhte Vorsicht beim Laufen dringend geboten.  


Sieger:
Herren:

1. Sebastian Hallmann (GER) – 2:32:58   
2. Marco Boffo (ITA) – 2:39:27  
3. Andrea Rigo  (ITA) –2:47:27

Damen:
1. Ilse Storch (GER) – 3:16:47
2. Conny Dauben (GER) – 3:25:59   
3. Anne Möller (GER) – 3:26:35

204 Finisher (158 bei den Männern, 46 bei den Frauen); 16  Viererstaffeln klassifiziert.

 

Informationen: Gletschermarathon Pitztal-Imst
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