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Laufberichte

Falsch abgebogen

14.04.13

Was tut man als halbwegs Normalläufer eine Woche nach dem Marathon? Regenerieren, richtig. Was tut man, wenn der gute Freund nach langer, erzwungener lauftechnischer Pause durchblicken läßt, er wünsche sich eine Begleitung? Mitlaufen, auch richtig.

Mein Freund Josef, mittlerweile ehrenhaft in der M 60 angekommen, war früher schnell. Richtig schnell. 2:30 Std. stehen bei ihm zu Buche, selbstverständlich auf der Marathonstrecke. Die letzte beendete Volldistanz liegt aber schon lange zurück, im Vordergrund standen in den letzten Jahren Zehner und Halbmarathons.

Dann kam die Sache, die er selber als „Herzklabaster“ bezeichnet: Völlig unmotiviert sprang die Herzfrequenz immer wieder, aber nicht immer, extrem nach oben, ohne daß er es bemerkte. Gerade losgelaufen, erschien auf dem Pulsmesser plötzlich eine 180, extrem rätselhaft und zutiefst verunsichernd. Ein Spezialist hat kürzlich in zwei minimalinvasiven Behandlungen einige dafür wohl verantwortliche Punkte im Herzmuskel verödet. Nach zwei Wochen erfolgreichen Trainings auf Texel soll für die Pumpe heute die Probe aufs Exempel erfolgen.

In der Startaufstellung dann ein Bild, das jeder von uns kennt: Zur letzten Erleichterung kurz vor dem Start bilden sich unvermeidliche Staus vor den Örtlichkeiten, die jeder hasst, aber keiner umgehen kann. Um 8:45 Uhr soll es losgehen, der eine oder andere bricht sein Anstehen fluchend ab, um noch schnell in den Startblock zu gelangen. Und dann erfolgen, in gefühlt homöopathischer Dosierung, Blockstarts. Ich habe dies der Ausschreibung nicht entnehmen können. Geschlagene dreißig Minuten stehe ich an, bis wir endlich loskommen. Klar, falscher Startblock, trotzdem nervt es. Gut, diejenigen, die vorher nicht zum Zuge kamen, können bestimmte Dinge jetzt noch schnell nachholen, es hat also nicht nur negative Seiten. Damit übrigens kein falscher Eindruck entsteht: Ich berichte wieder vom Halbmarathon, der allerdings die gleiche 21,1 km-Strecke nutzt und vor dem Marathon gestartet wird.

 
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Nach dem siebten oder achten Countdown, den Überblick habe ich längst verloren, dürfen auch wir endlich den Startbogen unterqueren. Zunächst ein paar Meter geradeaus, geht es dann nach rechts direkt über die den Rhein überspannende Kennedybrücke auf die Beueler Seite. Auf dem Mittelstreifen steht neben vielen anderen – nein, heute nicht Elke. Meinen mobilen Fanblock bildet heute unsere Tochter Vicky, die noch zwei Kolleginnen unterstützt, die hier erfolgreich ihren ersten Halbmarathon absolvieren werden. Genau so wie der hoffnungsfrohe Nachwuchs meiner Lauffreundinnen Hannelore und Andrea. Fein ist bereits die Percussions-Band, die uns lautstark Beine macht und gut gelaunt alles bearbeitet, was Krach macht. Die Straßen in Beuel sind breit, dazu ist das Feld natürlich stark entzerrt, wir finden sogleich unseren Rhythmus. Knapp unter zwei Stunden, das ist Josefs gewünschte Pace, um heute sicher durchzukommen, und das paßt auch für Hannelore und ihren Filius Manuel, also bilden wir ein Wiedtal-Quartett.

 
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Aufgrund des Mehrfach-Starts – eine Zugangskontrolle zu den Startblöcken fand nicht statt – hat man beim Gegenverkehr keinen Dunst, welche Preisklasse einem da entgegenkommt, denn es läuft wohl außer der Spitze alles kunterbunt durcheinander. Macht aber nichts, dafür hat man ja ein Zeiteisen am Handgelenk. Das Laufen durch ruhige Wohngegenden, immer wieder mit einigen Stimmungsnestern durchsetzt, ist nett, die Verpflegung gut (das Angebot für Halbmarathon eigentlich überdimensioniert). Nach sieben km unterqueren wir die Kennedybrücke, bevor es wieder hinüber auf die Bonner Seite geht. Die Iron Maiden-Plakate sind Balsam für die Seele, leider nicht für meine Ohren. Heavy Metal for President! Ihr erinnert Euch an meinen Freiburger Bericht. Den Dudelsackspieler habe sicher nicht nur ich trotzdem vermisst. Am Brückenaufgang steht unser Freund Jochen Heringhaus am Mikro und beauftragt mich, die Marathongemeinde herzlich zu grüßen. Was ich hiermit gerne getan habe.

 
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Dann winkt erneut der Rhein, den wir auf den folgenden km begleiten werden. Josef sieht entspannt aus, km 10 passieren wir nach gut 55 min., das paßt wunderbar. Eingangs der Rheinaue steht ein neuerbautes Haus, das mit seiner gewagten Architektur an die Kölner Bauten am Rhein erinnert. Vorbei geht es an der Bastion, immer mit herrlichem Blick voraus, rechts auf den „Langen Eugen“, das ehemalige Abgeordnetenhochhaus, und den Postturm, links auf das herrliche Siebengebirge. Kilometerweit kann ich die Läuferschlange zunächst nach vorne beobachten, später von vorne nach hinten, ein imposantes Bild. Ja, das ist heute der Vorteil des Halben, später, wenn nur noch die Marathonis unterwegs sein werden, wird es deutlich einsamer. Das Verhältnis der Teilnehmer ist das mittlerweile klassische 1:6, 915 Marathonläufern im Ziel stehen 6.055 Halbe gegenüber.

Hans-Hermann, Hannelores Mann, hat den weiten Weg mit dem Rad nicht gescheut und feuert uns mit einem Kumpel an. Hannelore selber haben wir mittlerweile verloren, sie wird das Ziel aber sicher erreichen. Die Villa Hammerschmidt, der Bonner Dienstsitz des Bundespräsidenten, wird passiert, ebenso mit dem Wasserwerk das ehemalige Ausweichquartier des Deutschen Bundestags während der Renovierung des ehemaligen Plenarsaals. Sogar die Jungs mit dem privaten Bierstand sind wieder hier. Ja, Johannes, wer in Bilstein läuft, kann den Gerstensaft in Bonn nicht mitnehmen, man muß halt Prioritäten setzen! Überraschend steht auch das Urgestein der Siebengebirger Laufszene, der selbsternannte Beutelträger, Chris Harraß, an der Strecke. Schön, daß er wieder ins Rollen gekommen ist. Tut ihm einen Gefallen und besucht zahlreich am 26. Mai den tollen Rheinsteig-Extremlauf. Wunderbare 34 km, gespickt mit 1.200 HM, weitestgehend über den Rheinsteig, erwarten Euch. Dazu gibt es übrigens einen bebilderten Laufbericht auf marathon4you.de.

 
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Vorbei am Postturm sind als erneute Wendepunktstrecke breite Straßen abzulaufen, auf denen man sich auch bei hoher Läuferdichte nicht in die Quere kommt. Schon die ganze Zeit halte ich Ausschau nach ihnen, weil sie mir auf der ersten Begegnungsstrecke zum Ablichten zu überraschend kamen: Nämlich Schneewittchen und die sieben Zwerge. Dann sehe ich sie, bevor ich abbiegen muß, tatsächlich noch und laufe extra auf die andere Seite, um sie vor die Linse zu bekommen. Die haben auch die professionellen Medienvertreter beeindruckt, in der Rhein-Zeitung sind sie heute groß abgebildet. Bei Josef paßt alles noch, sogar besser, als erwartet. 6 km vor dem Ziel löst er nach Ankündigung die Handbremse zum Härtetest und ab sofort laufen wir pro km eine ganze Minute schneller. So durch das Feld zu pflügen, macht schon Spaß! Sogar Manuel hält bei seinem Debut wacker mit, meint sogar, daß es für sein Knie besser sei, schnell als langsam zu laufen. Erst bei km 18 muß er abreißen lassen, wird aber knappe zwei Minuten nach uns, stolz wie Bolle, im Ziel sein.

Bei dem jetzt flotten Laufen wird das Fotografieren schwieriger, seht mir bitte die gelegentlichen Unschärfen nach. Die meisten Teilnehmer überlaufen eine Spendenmatte und tun damit dem Bonner Sport etwas Gutes. Vorbei an der Zentrale der deutschen Welle und dem Haus der Ge(s)chichte nähern wir uns wieder der Innenstadt. Das Adenauer-Denkmal, das ich sonst immer stehend aus der Nähe knipse, muß ich im Vorbeihetzen fotografieren, sonst entwischt mir der Josef. Klappt trotzdem. Villa Hammerschmidt von vorne, Verpflegungspunkt der Bundeswehr, Dusche zur Abkühlung, Museum König, der erste Plenarsaal der jungen Bonner Republik, vieles gibt es zu sehen. Der letzte km, starker Zuschauerzuspruch, so möchte man das haben. Und nimmt die Beine in die Hand. Ja, beim Schaulaufen hängst Du Dich selbst als alter Zausel mit jeder Menge Erfahrung noch rein!

 
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Vorbei am Münster durch die zentrale Innenstadt führen die letzten paar hundert Meter vor vielen Fans auf den Zielbogen vor dem historischen Rathaus zu. Postgelber Teppich, Brust raus – auch wenn’s nur ein Halber ist – und in Siegerpose überqueren wir den Zielstrich. Prima, noch unter 1:53, Josef ist gelöst, hat noch Reserven und schließt einen irgendwann zu startenden Marathonversuch doch nicht mehr aus. Ich bin dabei, Juppi!

Jetzt fragt Ihr Euch, was der Titel zu diesem Bericht mit dem bisher Gesagten zu tun hat. Nichts. Aber jetzt kütt et: Hinter dem Zieleinlauf, quasi im Zielauslauf, noch vor der Medaillenübergabe, führt eine Fußgängerbrücke über den abgesperrten Läuferbereich. Über den kommen wir auf dem Weg zum Festzelt und hören plötzlich lautstarkes Geschrei von unten. Ich sehe einen der freiwilligen Helfer mit jeder Menge Medaillen in der Hand einen Läufer anfahren. Welch ein Bild, so etwas habe ich noch nie gesehen. Und der Stress geht weiter. Wieder schreit er ihn an, geht wild gestikulierend auf ihn zu. Da geschieht Ungewöhnliches, ich bleibe stehen und beobachte die Szenerie weiter. Endet das in einer Schlägerei? Fast muß man es vermuten, so böse sieht die Sache von oben aus. Wieder und wieder zeigt der Helfer in die verkehrte Richtung, also die, aus der der Läufer kam – den Zielbogen. Dann kapiere ich es: Ein Marathonläufer ist falsch abgebogen.

Ca. 300 bis 400 m vor dem Ziel werden Halb- und Marathonläufer getrennt. Unmittelbar an der Abzweigung hängen rechts und links zwei Schilder mit vergleichsweise dünner Beschriftung. OK, das kann man sehen, aber gerade als Ortsunkundiger bzw. Bonn-Ersttäter auch übersehen. Ich habe ja von Freiburg am letzten Sonntag den unmittelbaren Vergleich. Dort stehen mindestens zwei, ich meine sogar drei Schilder vor der Abzweigung und das Entscheidende: Ein Streckenposten, der die Meute lautstark trennt. Da kann wirklich nichts passieren und so sollte man es nach dieser Erfahrung künftig auch in Bonn machen. Zumal noch weitere Läufer falsch abgebogen sind.

Das soll aber keinesfalls diese schöne Veranstaltung schlecht machen, aus Fehlern lernt man und macht es das nächste Mal besser. Zum Startgeld: Natürlich sind 45 € in der Hauptanmeldephase für einen Halbmarathon kein Schnäppchenpreis, aber der Gegenwert kann sich sehen lassen, nein, er ist hoch: Neben der prima Strecke und dem tollen Zielambiente gibt’s eine schöne Medaille, ein Funktionshemd, außergewöhnlich gute Zielverpflegung im „REWE-Dorf“ (Getränke, darunter Erdinger bis zum Abwinken, Obst, Quarkbällchen, Joghurt, Pudding, Brot, Fleisch- und Blutwurst – Letzteres gibt’s auch nur im Rheinland!), Pastaessen mit zwei Getränken im Festzelt auf dem Münsterplatz, Massagemöglichkeit, Finisherclip – mir fehlt hier nichts. Da kommt man gerne wieder und bringt noch Freunde mit.

Streckenbeschreibung:
Zweimal zu durchlaufender Halbmarathonrundkurs ohne größere Steigungen, zu 100 % befestigte Wege.

Rahmenprogramm:
Marathonmesse mit Startunterlagenausgabe ab Donnerstag im Zelt auf dem Münsterplatz – so müsste es in Koblenz sein! Ökumenische Andachten „Goldener Startschuß“ um 8.00 bzw. 9.30 Uhr am Lauftag. Sonntags After-Run-Party, Auszeichnungen der Erstplazierten und zusätzliche Verpflegung für Läufer (Bon für ein warmes Nudelgericht und zwei Getränke). Kostenloser Massagedienst im Ziel.

Auszeichnung:
Auch für Halbmarathoner Medaille, Funktionshemd, Urkunde per Post, Schnellausdruck der Urkunde am Lauftag über das Internet ab 18 Uhr möglich. Kostenloser Finisherclip.

Organisationsbeitrag:
Für den Halbmarathon 32 – 50 €, je nach Anmeldezeitpunkt.

Logistik:
Zielgelände 300 Fußmeter zum Hauptbahnhof, Startaufstellung rund 500 m entfernt. Kleiderdepot in unmittelbarer Zielnähe. Kostenlose Pendelbusse zu offiziellen Teilnehmerparkplätzen in Bonn-Graurheindorf an der A 565.

Verpflegung:
6 Verpflegungsstände und zusätzliche 2 Wasserstellen an der Strecke auf jeder Halbmarathonrunde. Es gibt Wasser, Tee, Cola, Isogetränk und Bananen als feste Nahrung. Im REWE-Verpflegungsdorf für die Finisher grandiose Zielverpflegung.

Zuschauer:
Im Bonner Stadtzentrum und in den Stadtteilzentren ordentliches Interesse.

 

Impressionen von Joachim Ewen

 

 
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Marathonsieger

 

Männer

1  Cherniyot-Meli, James Kenia 02:14:33
2  Kipkorir Taiget, Evans Kenia 02:14:52
3  Chesiny, Isaac Kenia 02:16:22


Frauen

1 Koech, Lilian Kenia 02:51:21
2 Krull, Silvia LG Lage/ Detmold 02:58:18
3 Offermann, Eva DJK JS Herzogenrath 03:06:04

917 Finisher

 

Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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