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Laufberichte

Fun and Sun im Donautal

17.06.07
Autor: Klaus Duwe

Bilderbuchwetter macht den Tag vollkommen

  

Als "Weltzentrum der Medizintechnik" versteht sich die im Süden von Baden-Württemberg gelegene 35.000 Einwohner-Stadt Tuttlingen. Zu Recht, denn seit über 300 Jahren ist diese spezielle Branche hier zuhause. Über 400 Unternehmen, angefangen vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Global-Player, beschäftigen sich mit Medizintechnik.

 

 
Aesculap-Chef Prof. Dr. Dr. Dr. Michael Ungethüm
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Der größte Arbeitgeber und das älteste Unternehmen der Branche ist Aesculap, das mit dem Donautal-Marathon weit über das Sponsoring hinaus verbunden ist. Dessen Chef, Michael Ungethüm (im Normalleben schreibt er sich mit Prof. und 3 x Dr.), läuft in der Promi-Staffel mit und Ludwig Braun (1 x Prof. und 1 x Dr.), der Big-Boss von B. Braun Melsungen, zu dessen Firmengruppe auch  Aesculap gehört, läuft gar den Marathon und finisht in 4:32 Stunden. Mitgelaufen sind in den verschiedenen Disziplinen darüber hinaus viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Firmen.

 

Drei Tage steht Tuttlingen im Zeichen des Sports. Am Freitag finden verschiedene Radrennen statt, am Samstag sind Kinder- und Schülerläufe, der 10 km-Lauf und der Halbmarathon. Am Sonntag dann endlich der Marathon von Hausen i.T. nach Tuttlingen als Höhepunkt, das Walking über 18 km von Fridingen nach Tuttlingen und Skaten und Radeln für Kinder.

 

In der Nacht zum Sonntag bekommt das Sommerwetter einen Dämpfer, es regnet. Der Morgen danach ist angenehm frisch. Vom Bahnhof fährt ein Sonderzug mit den Marathonis und deren Bergleitung nach Hausen i. T.. Mehr als 1500 Meter sind es von dort nicht zum Tobelhaus, wo es für Nachzügler die Startunterlagen oder die Möglichkeit zur Nachmeldung gibt. Trotzdem werden Busse eingesetzt, damit für die Läuferinnen und Läufer aus dem Marathon kein Ultra wird.

 

Die Wolken reichen tief ins Tal und versperren teilweise den Blick auf die irren Felsformationen rechts und links. Der Durchbruch der Donau durch die Schwäbische Alb hat diese Bilderbuchlandschaft entstehen lassen. Es ist ein Paradies für Kletterer und Kanufahrer, Biker und Wanderer und seit letztem Jahr auch für Läufer.

 

 
Mike und Ralf: erst Biel, dann der Donautal-Marathon
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Das Startgelände ist direkt auf der Hauptstraße. Eine Liveband spielt zur Unterhaltung und als auch das Lied vom Donautal-Marathon verklungen ist, fällt kurz nach 8.30 Uhr der Startschuss und das zweite Rennen entlang der Donau nach Tuttlingen beginnt. Im Gegensatz um letzten Jahr laufen wir zunächst 2 Kilometer in entgegen gesetzter Richtung, überqueren die junge Donau und laufen dann auf der Schattenseite zurück bis zur Hausener Donaubrücke und folgen jetzt dem Fluss und der ursprünglichen Strecke. Diese Schleife erspart uns den nervigen Zick-Zack am Schluss durch den Tuttlinger Donaupark, für die die Veranstalter im letzten Jahr viel Schelte bekamen.

 

 
Erste Kilometer
© marathon4you.de 9 Bilder

Was die Strecke auf den nächsten Kilometern zu bieten hat, ist an Schönheit nicht zu toppen. Saftig grüne Wiesen, durch die sich die Donau schlängelt, schattige Buchenwälder, bizarre Felsformationen und Schlösser und Burgen. Eines davon, Schloss Werenwag, gehört dem Fürsten von Fürstenberg. Der Bergfried stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Bilderbuchwetter macht den Tag vollkommen.

 

Die ersten Läufer, mit denen ich heute ins Gespräch komme, sind Debütanten. Thomas, Walter und Nicole heißen sie. Nicole erzählt, wie sie zum Laufen kam und davon, dass sie 15 Kilo auf den Trainingsstrecken gelassen hat. Ich laufe etwas voraus, um ein Bild zu machen. Da höre mit einem halben Ohr, wie sie angesichts meines Zwischenspurts meint: „Erstaunlich, wie fit die älteren Leute heute so sind.“ Ich nehme ihr das wirklich nicht übel, stimmt ja auch. Zusammengezuckt bin ich trotzdem, ich sehe mich halt nicht als älterer Herr.

 

Vor dem Start habe ich schon Ulrike getroffen. Sie hat im letzten Jahr hier ihren ersten Marathon gemacht und sich so bravourös geschlagen, dass ich das in meinem Laufbericht erwähnen musste. Zwischenzeitlich war sie beim Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen, und heute will sie die 4 Stunden knacken.  Klasse, dass sie solchen Spaß gefunden hat. Vielleicht fängt sie bald mit dem Sammeln an.

 

 
Donaubrücke
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Knapp 10 Kilometer sind wir gelaufen, als wir über eine moderne Brückenkonstruktion die Flussseite wechseln und wenig später bei der St.-Maurus-Kapelle die zweite Verpflegungsstelle erreichen. Wir bleiben im schattigen Wald, wechseln dann aber wieder ans andere Ufer und genießen die Sonne. Durch den erfreulich frühen Start sind die Temperaturen jetzt noch sehr angenehm. 

 

Vor uns liegt Beuron mit dem berühmten Kloster. Der Sage nach hat Graf Gerold von Bussen, ein Gefolgsmann Karls des Großen  777 das erste Kloster gegründet. Mit dem Bau des heutigen Klosters wurde 1077 begonnen.

 

Die Glocken der sehenswerten Klosterkirche läuten zur Messe. Beinahe entweicht mir ein Fluch, denn ich werde Bruder Primin verpassen, der mir eine Erfrischung versprochen hat, jetzt aber bestimmt in die Kirche muss. Als besagter Bruder noch der Willi war, wohnte er in meiner Nachbarschaft. Bei seinem letzten Besuch erzählte ich ihm, dass ich wieder am Marathon durch das Donautal teilnehmen werde. Da versprach er mir spontan die klösterliche Erfrischung. Ich hatte aber nicht daran gedacht, dass ich durch den 4 Kilometer langen „Umweg“ zu Beginn etwas später dran sein werde.

 

Die Verpflegungsstelle bei km 14 ist direkt unterhalb des Klosters, aber kein Pater ist mehr zu sehen. „Zwei waren hier, aber die mussten vor 3 Minuten weg, beten“, teilt man mir mit. Wenn er mich dann in sein Gebet einschließt, soll mir das auch Recht sein.

 

Auch die nächsten Kilometer sind unbeschreiblich schön. Meist laufen wir in Sichtweite zur Donau, das Wasser ist still, fast wie ein See. Abwechselnd geht es durch Wiesen und Wälder. Mal sind die Wege geteert, mal sind es einfache Feld- und Waldwege, aber immer ist es gut zu laufen. Flach ist die Strecke allerdings nicht, es gibt etliche „Unebenheiten“, aber niemals ist es steil. Jeder geübte Marathoni absolviert den Kurs im Laufschritt.

 

Hin und wieder sind steile Felsen mit dunklen Höhlen zu bestaunen. Der Felsen am anderen Flussufer wird von einem Pavillon gekrönt. Dort hat sich ein Alphornbläser postiert. „Il Silencio“ klingt durch das Tal. Auch seine Version von „Sierra Madre“ kriege ich noch mit, dann macht er Pause. Zuschauer sind hier natürlich wenige. Helferinnen und Helfer übernehmen das Anfeuern der Marathonis. Trifft man auf Wanderer, Spaziergänger oder Radfahrer, gibt es auch von denen Anerkennung und Ansporn.

 

 
Kilometer 20
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Gleich nach der Halbdistanz entfernen wir uns etwas von der Donau und kommen erst kurz vor Fridingen (km 24) wieder an den Flusslauf. Hier (wie auch an einer weiteren Stelle bei Immendingen) versickern im Sommer und Herbst pro Sekunde bis zu 400 l Wasser in einem Labyrinth unterirdischer Hohlräume. Das versickerte Wasser fließt in den rund 16 Kilometer entfernten Aachtopf, von wo aus das Donauwasser in den Bodensee, dann in den Rhein und schließlich in die Nordsee mündet. Die Donau selbst fließt ja bekanntlich durch insgesamt 10 Länder und mündet nach 2.888 Kilometer ins Schwarze Meer.

 

In Fridingen gibt es mächtig auf die Ohren. Vor der Kirche und dem Rathaus ist das reinste Volksfest, an den Festtischen ist wohl der ganze Ort versammelt. Ein Sprecher stellt die Läuferinnen und Läufer vor, und jeder wird so stürmisch beklatscht und gefeiert, als sei er schon im Ziel. An der Verpflegungsstelle gibt es das volle Programm: Wasser, Cola, Apfelschorle, Bananen und Hefezopfschnitten.

 

Um 11.00 Uhr sind in Fridingen ungefähr 200 Nordic Walker gestartet, also vor knapp 10 Minuten. Es dauert nicht lange, und ich laufe auf das Feld auf. Was ist eine ideale Nordic-Walking-Strecke? Eine 6-spurige Autobahn. Da können dann fast alle nebeneinander gehen. Nicht aufregen, liebe Sportsfreunde, Späßle gmacht. Das Überholen klappt super. „Läufer links“, ruft einer und sofort wird reagiert.

 

 
Mühlheim, km 30
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Es ist warm geworden und ab jetzt werden die schattigen Passagen noch seltener. Nur hin wieder kommt ein kleines Wäldchen, ansonsten laufen wir in der prallen Sonne durch Felder und Wiesen. Die Strecke wird allerdings etwas flacher, und aus den Bergen mit den markanten Felsen werden jetzt sanfte Hügel. Der spektakuläre Teil liegt hinter uns.

 

Wir kommen zuerst nach Mühlheim (km 31), dann nach Stetten (km 33). Auch hier feiern die Menschen die Marathonis, spendieren Wasser aus Bechern, Eimern und Schläuchen. Ich erinnere mich noch an das Fest in Nendingen (km 35) im letzten Jahr, wo sich an die hundert Leute mitten auf der grünen Wiese versammelt hatten, um die verschwitzen Läufer mit Musik zu empfangen. Diesmal sind es noch mehr. Wer es nicht kennt, traut seinen Augen und Ohren nicht, die Stimmung ist sagenhaft.

 

 
Wiesenfest bei Nendingen
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Der junge Thomas Wesner hat zu Kämpfen. Letztes Jahr war er bei noch viel größerer Hitze auch dabei. „Ich hatte vergessen, wie hart das ist,“ meint er. Knapp zwei Stunden hat er für die erste Hälfte gebraucht, für die zweite muss er über eine ¾ Stunde mehr aufwenden. Noch schlimmer geht es Andreas Baier. Er ist einer, der den Marathon in 2:42 läuft. Obendrein ist er auf dem Sprung ins Nationalteam der 24-Stunden-Läufer. Schon nach 10 Kilometern bekam er Krämpfe, seither ist er fast nur noch am Gehen. Aber aufgeben kommt für ihn nicht in Frage.

 

 
Die "Mühlengeischter" machen meine Lieblingsmusik
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Weiter geht’s, wir erreichen die ersten Häuser von Tuttlingen. Statt rechts die steile Straße hoch führt uns die neue Strecke links herum. Ein kleiner Umweg nur, dann sind wir am Eingang zum Donaupark, wo uns die „Mühlengeischter“ mit ihrer schrägen Guggemusik  empfangen. Plötzlich springt Ulrike (ihr erinnert euch, sie hatte „sub 4“ auf dem Zeitzettel) aus der Zuschauermenge auf mich zu und läuft neben mir her. „Hallo Klaus, wie geht’s, es war super, ich hab’s geschafft – 3:58 – mach’s gut.“ Dabei hat sie nicht einmal Luft geholt. Ich gratuliere und freue mich mit ihr.

 

Zum Schluss gibt es auch noch Samba, aber dann ist gut. Es geht in die Innenstadt, schnurgerade auf den Marktplatz zu. Jede Menge Zuschauer sorgen für eine phantastische Stimmung. Kaum habe ich die Medaille am Hals, kommt schon ein junges Mädel mit einem Tablett mit Getränken. Dabei ist doch gleich um die Ecke das große Büffet gerichtet, mit allem was man so braucht, und mehr. Der Knüller sind die Melonen, die köstlich schmecken und toll erfrischen.

 

 
Lisa "fliegt" ins Ziel
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293 Finisher werden gezählt, genau 100 weniger als im vergangenen Jahr. „Das ist der Trend“, höre ich schon wieder. Das ist einfach, stimmt aber nicht. Nach einer neuen Statistik sind bei den 20 größten deutschen Frühjahrsmarathons wesentlich mehr Finisher (43.888) gezählt worden, als im Vorjahr (40.076). Der Rückgang hat andere Ursachen, die jeder Veranstalter für sich ergründen muss. Eine attraktive Strecke und eine perfekte Organisation reichen nicht.

 

 
Siegerehrung Männer
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Sieger Marathon Männer:

1.  Schneble, Gerhard - TV Gailingen 02:36:45
2 . Bauer, Christian - LSG Schwarzwald-Marathon 02:38:04
3.  Wodzisz, Thomas - Power Team SV Lauffen 02:48:01

 

 
Siegerehrung Frauen
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Siegerinnen Marathon Frauen:

1. Dieterle, Barbara - LG Uni Konstanz 03:14:47
2. Zacharias, Anne - TSV Ötlingen 03:27:23
3. Hotz, Claudia- SV Unter-/Oberschmeien 03:29:31

 

Streckenbeschreibung

Punkt-zu-Punkt-Kurs im landschaftlich einmalig schönen Oberen Donautal. Start in Hausen im Tal, Ziel auf dem Marktplatz in Tuttlingen. Gut zu laufende Wege, teils asphaltiert, teils Wald- und Feldwege. Welliger Kurs, aber ohne ausgesprochen steile Stücke. Der Weg wird gleich nach dem Start ziemlich schmal und eng. Für die etwas mehr als 300 Läuferinnen und Läufer ausreichend, aber ich denke man will mehr, und dann kann es knapp werden


Logistik

Sonderzug von Tuttlingen nach Hausen im Tal. Dort gibt es Frühstück im Tobelhaus oder im Freien beim Start. Kleiderbeutel werden ins Ziel gebracht.


Auszeichnung

Medaille und Urkunde, für Frühbucher auch T-Shirt


Verpflegung

Zahlreiche Getränke- und Versorgungsstellen, viele sind zusätzlich wegen der Hitze eingerichtet worden. Es gibt Wasser. Apfelschorle und Bananen, ab und zu Hefekuchenschnitten, ab ungefähr der Hälfte auch Cola.


Andere Disziplinen

Radfahren, Nordic Walking, 10 km-Lauf und Halbmarathon

 

Zuschauer:

Tolle Stimmung in den Ortschaften und im Ziel, auch unterwegs immer wieder herzlicher Applaus.

 

Informationen: Donautal-Marathon
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