Philimon Kipchumba hat den Türkiye Is Bankasi Istanbul-Marathon gewonnen und dabei den Streckenrekord mit einer Zeit von 2:08:45 Stunden deutlich unterboten. In einem dramatischen Rennen setzte sich der Kenianer erst zwei Kilometer vor dem Ziel an die Spitze. Kurz zuvor war sein Landsmann Shadrack Kenduiywo mit einem mutigen Alleingang gescheitert, nachdem er im letzten Teil der 42,195 km eingebrochen war und dann überholt wurde.
Der Äthiopier Sufaro Woliyi und Vincent Ronoh (Kenia) belegten mit 2:08:55 beziehungsweise 2:08:58 die Plätze zwei und drei. In der Geschichte des Rennen hatten zuvor lediglich drei Läufer Zeiten von unter 2:10:00 erzielt. Nun blieben bei guten Wetterbedingungen gleich sieben Athleten unter dieser Marke und drei von ihnen liefen unter 2:09:00.
Bei den Frauen dominierten die Äthiopierinnen das Rennen. Sie belegten die ersten fünf Plätze in Istanbul. Kasanesh Baze gewann in 2:24:41 Stunden vor Azmera Abreha (2:24:48) und der Debütantin Diribe Alemu (2:25:01). Die beiden Sieger erhielten jeweils ein Preisgeld von 50.000 US Dollar.
Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, registrierten die Veranstalter 45.000 Meldungen aus 143 Nationen für den Türkiye Is Bankasi Istanbul-Marathon, das vom internationalen Leichtathletik-Verband World Athletics als Gold Label-Rennen eingestuft ist. Die Rekordzahl von 8.427 Athleten waren Marathonläufer. „Die Meldezahl für den Marathon ist verglichen zum Vorjahr um gut 40 Prozent gestiegen. Über diesen Rekord freuen wir uns sehr und hoffen, dass sich dieses Momentum in den nächsten Jahren fortsetzten wird“, sagte Race-Direktor Bilge Donuk.
Das Rennen der Männer war spektakulär, und das lag an Shadrack Kenduiywo. Der 26-jährige Kenianer, der seine Bestzeit von 2:09:56 in der leistungsmindernden Höhenluft von Nairobi aufgestellt hatte, setzte sich nach einem langsamen ersten 5-km-Abschnitt plötzlich ab. Kenduiywo legte die nächsten 5 km in spektakulären 14:04 zurück, was einem Weltrekordtempo von unter 1:59:00 entsprechen würde. Nachdem er die Halbmarathonmarke in 61:58 passiert hatte und für die Verfolger nicht mehr zu sehen war, baute der Kenianer seinen Vorsprung bei Kilometer 25 (1:13:40) auf genau zwei Minuten aus.
Danach wurde er zwar langsamer, doch bei Kilometer 35 hatte Kenduiywo immer noch einen Vorsprung von 1:14 Minuten. Hätte er sein Tempo halten können, hätte er das Rennen gewonnen. Doch der superschnelle Sololauf hatte seinen Tribut gefordert. Kenduiywo, der ständig nach hinten schaute und in Kurven oft in der Mitte der Straße statt innen lief, wurde deutlich langsamer. „Bei Kilometer 38 wusste ich, dass es vorbei war“, sagte Shadrack Kenduiywo, der schließlich als Achter nach 2:11:20 im Ziel war. „Ich glaube, ich kann in Zukunft eine Zeit von 2:03 laufen, wenn ich in einer Gruppe und auf einer schnellen Strecke laufe.“
Philemon Kipchumba, Sufaro Woliyi, Vincent Ronoh und der Äthiopier Gemechu Yadesa überholten Shadrak Kenduiywo vor der 40-km-Marke. Kurz darauf übernahm Kipchumba die Führung und setzte sich auf dem letzten steilen Anstieg ab. Mit einer Zeit von 2:08:45 verbesserte der 28-Jährige den Streckenrekord seines kenianischen Landsmanns Daniel Kibet (2:09:44 aus dem Jahr 2019) um 59 Sekunden. „Sich auf einer solchen Strecke so abzusetzen, das ist Harakiri, das kann nicht funktionieren. Deshalb waren wir zuversichtlich, dass wir ihn (Kenduiywo) einholen würden“, sagte Philemon Kipchumba, der vor drei Jahren den Shanghai-Marathon mit seiner Bestzeit von 2:05:35 gewonnen hatte. „Mein nächstes Ziel ist es, meine Bestzeit zu verbessern. In Zukunft möchte ich Zeiten zwischen 2:01 und 2:02 erreichen“, sagte der Kenianer, der in Iten lebt und trainiert. Er gehört zur Gruppe des legendären italienischen Trainers Renato Canova und einer seiner Trainingspartner ist Europameister Amanal Petros.
Bei den Frauen lief eine größere Spitzengruppe im ersten Teil des Rennens ein Tempo von 2:22:00 Stunden. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 71:15 blieb die zehnköpfige Gruppe auf den nächsten 5 km zusammen, doch das Tempo verlangsamte sich. Die äthiopische Titelverteidigerin Bizuager Aderra gehörte dann zu den Läuferinnen, die nach der 25-km-Marke nicht mehr mithalten konnten. Sie belegte schließlich mit 2:34:42 den 10. Platz.
Bei Kilometer 35 (1:59:23) waren noch vier äthiopische Läuferinnen im Rennen um den Sieg: Kasanesh Baze, Azmera Abreha, Diribe Alemu und Alemetsehay Asefa. Letztere fiel vor der 40-km-Marke zurück. Und als die Gruppe den letzten Abschnitt erreichte, der hinauf in die Altstadt zum Ziel am Sultanahmet Platz neben der Blauen Moschee führt, setzte sich Kasanesh Baze an die Spitze. Die 27-jährige Äthiopierin, die Anfang des Jahres in Hamburg ihre Bestzeit auf 2:19:39 verbessert hatte, feierte mit einer Zeit von 2:24:41 den größten Sieg ihrer Karriere. „Als wir uns dem Anstieg im letzten Abschnitt näherten, war ich zuversichtlich, dass ich gewinnen könnte“, sagte Kasanesh Baze. „Mein nächstes Ziel ist es, meine Bestzeit auf einer flachen Strecke weiter zu verbessern.“
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