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Laufberichte

Unterwegs im Weltkulturerbe

 

„Tre passi avanti“ – die Headerbildfolge auf der Veranstalter-Website wirbt für den nunmehr 6. Lauf durch die drei inzwischen von der Unesco in das Weltkulturerbe  aufgenommenen Städte Cividale, Palmanova und Aquileia in Friaul-Julisch Venetien. Die angesprochenen „drei Schritte vorwärts“ sind symbolisch zu verstehen, um auf die Bedeutung hinzuweisen, dass dieser Marathon entlang von bau- und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten führt.

Bisher war ich zweimal bei diesem Laufevent dabei, 2016 im Rahmen eines Osterkurzurlaubs in Jesolo, voriges Jahr dann gezielt. Die Marathonstrecke mit einem kontinuierlichen Geländeabfall von ca. 140 m in Cividale fast auf Meeresniveau in Aquileia eignet sich für Bestzeiten. Allerdings nicht für Sammler wie ich, die mit bereits 10 gelaufenen Marathons anreisen.

 

Anreise, Startnummernausgabe und Unterkunft

 

Bei Gemona werde ich aufmerksam – auf dem Display entlang der Autobahn wird darauf hingewiesen, dass „pneumatici invernali“ obligatorisch seien – damit kann nur die Auffahrt auf den Plöckenpass gemeint sein, denn Schnee in Oberitalien am Palmsonntag wäre höchst ungewöhnlich. Aber ich wäre sowieso gerüstet, denn zum Wechseln der Sommerreifen bin ich noch nicht gekommen.

Bis nach Palmanova, wo die Startunterlagen wie in den Jahren zuvor ausgegeben werden, brauche ich fast zwei Stunden – auch weil ich mir Zeit lasse und so erst gegen 15 Uhr 30 meinen alten V70 auf einem Parkplatz vor dem Porta Aquileia abstelle. Voriges Jahr hat die Stadtverwaltung noch die angestrebte Aufnahme in das Weltkulturerbe als Touristenhighlight beworben, heuer fehlt diese große Tafel, weil man inzwischen dazugehört. Es wird sich zeigen, ob die Geldmittel für die Revitalisierung der historischen Festungsanlagen mit ihren Ringbauten inklusive der drei Tore, nämlich Porta Aquileia, Udine und Cividale, aufgebracht werden können – vermutlich wird man die EU-Töpfe anzapfen und die Erhaltung des dortigen Weltkulturerbes einfordern.

 

 

Die Expo ist dann so bescheiden wie eh und je, aber im Startsackerl ist einiges drinnen – besonders der Chardonnay mit passender Etikette erfreut wie ein Funktionsshirt das Gemüt. Ich habe aber den Eindruck, dass heuer die Stimmung etwas gedämpfter ist. Wenn ich mir die Starterliste so ansehe, waren es letztes Jahr mehr Teilnehmer. Der Grund dafür könnte die Konkurrenzveranstaltung in Treviso sein. Wie kann man nur zwei wichtige Marathons in so einem engen Radius am gleichen Tag veranstalten? Eine mögliche Antwort: Die Provinz Treviso liegt in der Region Venetien – wen kümmert es, was man in Friaul für Laufveranstaltungen anbietet…

Ich fahre nach Aquileia, auf den gleichen Straßenabschnitten wird morgen der Marathon führen. Man merkt erst, welche Distanzen Läufer hinter sich bringen, wenn man für die rund 15 km von Palmanova bis Aquileia, als eine der wichtigsten archäologischen Stätten Norditaliens, das seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, an die 20 Minuten benötigt – gebremst durch Tempolimits und Ampeln. Ich decke mich beim Eurospar mit Lebensmitteln ein. In der Domherberge, wo ich eine Übernachtung um 39 Euro gebucht habe, könnte man zwar ein bescheidenes Frühstück vor Ort bekommen, aber ich stelle meinen Warenkorb lieber selbst zusammen. Im Zimmer befinden sich drei Betten, ich benutze zwei als Ablageflächen – Wasser und WC sind am Gang, aber jedes Zimmer hat einen eigenen Zugang. Auf TV kann man verzichten, Internet hat man am Handy.  Im Vergleich zu meinen Hotels in den vergangenen Wochen in Dubai und Bahrain, bin ich hier in einem Gebäude mit etwas spiritueller Ausrichtung, das zur inneren Einkehr betragen könnte.

Um das gute Licht am frühen Abend noch fotografisch zu nutzen, mache ich mich auf dem Wege zum Ausgrabungsgelände Forum Romanum mit Überresten aus der frühen römischen Kaiserzeit, die bis auf 181 v. Chr. zurückgehen. Von hier aus wurden die Handelswege zu den Ländern jenseits der Alpen hergestellt. Weitere Sehenswürdigkeit ist die Basilika aus dem 4. Jahrhundert mit Fresken und bedeutenden Mauerresten. Der um das Jahr 1000 erbaute Glockenturm der Basilika hat eine Höhe von 73 Metern und bietet von oben eine weite Aussicht im Süden von der nahen Marina bis zum Meer.

 

Palmsonntag ist Marathontag

 

In der Nacht zum Sonntag von 24. auf den 25. März wird in Europa wieder auf Sommerzeit umgestellt und die Uhren um eine Stunde vorgedreht. Ich orientiere mich an meinem Smartphone und der GPS-Uhr und stelle den Wecker auf 5 Uhr – eigentlich ja 4 Uhr. Beim Frühstück lasse ich mir Zeit. In der Nacht haben mich einige Klogeher munter gemacht. Als ich dann selbst gegen 03 Uhr (auf meiner vorgestellten Uhr) denselben Weg einschlage, kommt mir ein nackter Flitzer entgegen, der wohl zu bequem war, zumindest ein Handtuch um die Hüften zu schlagen. Was man im Hause des Herrn nicht alles erlebt! Um 6 Uhr verlasse ich die Herberge und wundere mich noch, warum niemand im Frühstücksraum sitzt und ebenso keiner auf dem Weg vom Zentrum zur ca. 1,5 km entfernten  Abfahrtsstelle der Zubringerbusse ist. „Fahren alle mit ihrem Privat-PkW?“, frage ich mich.

Vor einem Gasthaus beim Sportplatz, wo die Busse nach Cividale zum Start ab 6 Uhr 30 abfahren sollen, treffe ich auf eine Reinigungsfrau, die ich anspreche. Sie behauptet, man hätte die Abfahrtstelle in das Zentrum bei der Kathedrale verlagert. Es ist auf meiner Uhr 6 Uhr 28. Ich sprinte hin, doch weit und breit ist kein Bus zu sehen. Ich kehre zur Herberge zurück, um den Autoschlüssel zu holen und selbst hinzufahren – Zeit dafür bliebe ja, denn der Start ist um 9 Uhr 30. Da sehe ich mehrere Läufer an den Tischen im Essensraum sitzen. Ihre um eine Stunde vorgestellten Uhren zeigen 5 Uhr 45 an, also bis zur Abfahrt ist noch eine Dreiviertelstunde Zeit. Ja, was ist passiert? Meine GPS-Uhr habe ich seit Zypern nicht umgestellt – dort ist man eine Stunde früher dran als in Mitteleuropa. Und auch das Handy hätte ich wieder auf unsere Breiten nach der Rückkehr einstellen müssen. So kommt es, dass +1 h in Zypern zur MEZ der Ausganspunkt bleibt und das Vorstellen einer weiteren Stunde mich um genau diese eine Stunde statt um 5 Uhr schon um 4 Uhr aufstehen lässt. Wem es nicht auf Anhieb  klar ist, bitte einfach am 28.10.2018 bei der Umstellung auf die Winterzeit oder nächstes Jahr nachmachen.

Wie im letzten Jahr sind die Nächte in Friaul auch Ende März eigentlich frisch, um nicht zu sagen kalt. So werde ich wieder und hoffentlich für heuer das letzte Mal mit einer Wintertight laufen. Ich habe verschiedene Varianten einkalkuliert, falls es am Start wider Erwarten wärmer werden sollte. So besteige ich mit einem prall gefüllten Kleidersack eine Stunde später – aber zur regulären Sommerzeit – den Zubringerbus, der an die 40 Minuten bis Cividale benötigt – niemand im Bus wollte in Palmanova austeigen, wo Nebenbewerbe ihren Ausgangspunkt haben. Im Bus habe ich ansatzweise das Schlafdefizit etwas kompensieren können – nach einem Nickerchen von 10 oder 15 Minuten ist man körperlich und geistig erholt.

 

 

Doch ganz verstehe ich nicht, warum der Bus zwei Stunden vor dem Start abfährt – um 7 Uhr 30 sind wir nun im kalten Cividale und müssen volle zwei Stunden zuwarten. Ich begebe mich in die Sporthalle, sie bietet auch ungeheizt einen adäquaten Unterschlupf mit WC und im Inneren Tribünen aus Metall zum Sitzen, deren Kälte ich mit dem Kleiderbeutel gut abpolstere. Hannes „Kraxi“ Kranixfeld, Veranstalter des Sommeralm Marathons, ist auch anwesend. Es dürften mehr als ein halbes Dutzend Landsleute beim Marathon mitlaufen – zumeist mit dem Vorsatz, zumindest eine PB in diesem Jahr als Richtmaß vorzulegen.

Eine gute Viertelstunde vor dem Start stellen Börni, Gerda und ich uns für ein Erinnerungsfoto auf. Langsam wird es ernst. An die 400 Läuferinnen und Läufer drängen in den Startbereich. Nur Marco Simonazzi, Jg. 1955, wie ich Mitglied im Club Super Marathon Italia, lässt sich sichtlich Zeit – wir winken uns zu.

Nach dem Start geben alle wie aufgezogen Gas, aber die 4:15 Pacer gehen es noch schneller an. Börni  hat mir kurz vorher erklärt, dass er es heute aufs Taktieren anlegen wird und weiter hinten bleibt – bei den 4:30ern. Im Gegensatz zu Roberto, mit dem ich in der Sporthalle ein paar Worte gewechselt habe – er steht ganz vorne und plant als 67-Jähriger um die 3 Stunden zu finishen.

Ich habe nur die Jacke ausgezogen, vermutlich bin ich heute im ganzen Starterfeld mit meiner langen Winterlaufhose, dem dicken Langarmshirt über einem Singlet und Winterohrenschützer der am wärmsten angezogene Kämpfer im Feld. Alle ziehen davon, Roberto vorne weg, Gerda ist bald nicht mehr zu sehen und die 4:15er-Gruppe tut alles, um dicht an den 4 h-Läufern dran zu bleiben. So gerate ich ins unfreiwillige Tempobolzen (auf einer vorteilhaft abschüssigen asphaltierten Strecke) und komme nach 28 Minuten zur 5 km-Labe. Das ist natürlich eine Spur zu schnell aus dem Stand. Ein Schluck Wasser aus dem Becher und weiter geht es.

 

 

Das Wetter ist ja heute schon am Morgen herrlich, wenn man von der Kälte absieht – es wird ein strahlender Sonnentag inmitten einer schönen, naturbelassenen Landschaft mit Weingärten. Einige Bäume haben schon zu blühen begonnen, der Frühling hält langsam Einzug in Friaul. Die Anzeige Spugnaggio (Schwämme) bei der Ortschaft Oleis Vuelis nach 7.5 km betrifft mich nicht, denn weder werden dort welche ausgegeben, noch habe ich einen zum Eintunken ins kalte Wasser dabei. Im Ort stehen am Straßenrand einige Zuschauer, die von der Palmenweihe, die in katholischen Gegenden ein wesentlicher Bestandteil der österlichen Karwoche ist, aus der Kirche gekommen sind.

Bald darauf sind 10 km erreicht. Sowohl die 4er-Gruppe als auch die 4:15er Tempomacher sind längst über alle Berge, obwohl ich nach meiner Garmin in einer reinen Sechserzeit, also 10 km/h, das erste Viertel des Marathons hinter mich gebracht habe – was bedeutet, dass die 4:15er-Pacer etwas zu schnell unterwegs sind. Bei der Labe (Ristoro) gibt es Orangenspalten, Iso und Kekse.

Wir laufen nun  durch die  Kommune Manzano (friaulisch: Manzan), die ca. 6.500 Einwohner zählt.  12 km sind geschafft. In der Region leben mehr als eine halbe Million Menschen, deren Muttersprache Friaulisch ist, was auch als Amts- und Schulsprache anerkannt und gebraucht wird, während Deutsch und Slowenisch zu den Minderheitensprachen zählen.

Romano schließt auf, seit dem Start klebt er an mir dran. Mal sehen, ob ich ihn noch eine Zeitlang abwehren kann.  In San Giovanni al Natisone, eine Kommune mit ca. 6000 Einwohnern, sind 15 km erreicht. Im Umland werden Tische und Sessel hergestellt, deren Erzeuger ihre Rohware in früheren Zeiten aus Kuchl in Tirol bezogen haben. Ich schaue auf meine GPS-Uhr, 1:32 h für 15 km sind für mich eine gute Zeit. Romano verweilt bei der Labe, ich liege bald wieder um 100 m vorne.

Eine Frau um die 40 mit einem Kurzarmshirt in Rosa über einem long-sleeve in black versucht, mit mir Schritt zu halten. Auf dem Rücken des Shirts  ist das Foto eines Mädchens abgebildet. Da sie auf der anderen Straßenseite läuft, kann ich die Aufschrift nicht lesen.

Bei der Ortschaft Medeuzza überholt mich nach 17 km ein 5 h-Tempomacher mit einem Begleiter – da stimmt was nicht! Ich bin noch immer im Plansoll mit ca. 6:15 min/h unterwegs, warum taucht der jetzt auf? Möglich, dass er in Palmanova in einem Lokal einkehren und auf die Gruppe bei einem Latte macchiato warten will. Die Uhr zeigt nach 15 km genau 1:50 Stunden an, ich liege vor einer fiktiven 4:30er-Finisherzeit. Nun kommt der lange Anstieg auf die Brücke über den Fluss Torre, der gegenwärtig kein Wasser führt. Man sieht nur ein riesiges Schotterbett. Romano holt mich ein, ich sage zu ihm:  „Due hore e dieci minuti per mezzo maratona“. Er nickt und zieht davon.

 

 

Auf der anderen Seite der Brücke erblicke ich die 20 km-Anzeige. Ich nutze das Gefälle, lege etwas an Tempo zu und blicke mich um - die 4:30er-Gruppe nähert sich. Sapperlot, warum kommen die jetzt schon nach? Knapp vor der Zeitnehmung bei 21 km haben sie mich eingeholt – und Börni lächelt schelmisch und meint, dass die Gruppe zu schnell sei. Er hat offensichtlich seine Kraftreserven zurückgehalten und eilt den 4:30ern (und mir sowieso) davon.

Bei der 25 km-Anzeige vor dem Porta Cividale in Palmanova stehen nun auch wieder einige Passanten wie vorhin beim Brückenanstieg. Mehre in historischen Uniformen verkleidete Männer bilden ein Fotomotiv für die Touristen. Beim Durchlaufen durch die Stadt kommen uns wieder Passanten entgegen, die an der Palmenweihe teilgenommen haben und einen Zweig in Händen halten. Ein blauer Teppich beim Piazza Grande führt uns in Richtung der Porta Aquileia. Hinter mit rückt eine Dreiergruppe vom Marathonclub Festina Lente aus dem kroatischen Zadar auf – der Läufer mit zwei Begleiterinnen hat es sichtlich eilig. Kilometerpunkt 26 wird nahe dem Ausgang beim Porta Aquilieia erreicht, meine Uhr zeigt 2:54 Stunden. In Zeitnot bin ich noch nicht – abgesehen davon, dass der Marathon ja ganze 6 Stunden offen ist.

Bei Km 29 überholen mich gleich zwei Läufer. Ein deutlich älterer Kollege dreht sich um und schaut mich fragend an – er sollte wissen, dass ich am Anfang doch etwas zu schnell gelaufen bin und diesmal nicht das rechte Bein als „Ausrede“ herhalten muss. Ich genieße die herrliche Landschaft. Im Frühling ist ja alles im Auftrieb – auch wenn eine Scheune noch so verfallen ist, in einer aufkeimenden Natur eingebettet wird sie zu einem die Jahrzehnte überdauert habenden geheimnisvollen Relikt wie die am Rande eines Weingartens befindliche kleine Kapelle, die mir schon letztes Jahr aufgefallen ist.

Nun holt mich die Kollegin mit dem rosa Kurzarmshirt ein – sie fragt auf Italienisch, ob sie mit mir laufen darf. Ich hätte das richtige Tempo. Rita erzählt, dass sie unbedingt bei ihrem erst zweiten Marathon finishen müsse, weil sie im Andenken die vor 4 Wochen bei einem Verkehrsunfall so tragisch ums Leben gekommene 19-jährige Tochter eines befreundeten Ehepaares damit ehren wolle – alle, die auf ihr Shirt blicken, sollen das Mädchen, das sich bei der Heimfahrt von einer Feier einem jungen Mann mit einem PKW anvertraute, in ihr Herz schließen.

 

 

Ich habe solche Momente 2009 bei meinen Marathons in Chicago, Washington, Toronto und NYC erlebt  – beim Laufen lieber Verstorbener zu gedenken ist ein ehrbarer Weg, sein Mitgefühl zu zeigen. Rita überrascht mich nun insofern, als sie imstande ist, meinen langsamen Laufschritt von exakt 8 min/km im sehr schnellen Gehen zu meistern.

Wir erreichen die Labe bei der 30 km-Anzeige nach 3:20 Stunden. Ich erläutere ihr mein Vorhaben, nämlich dieses langsame Tempo zunächst bis 35 km beizubehalten und dann „anzugreifen“, wollen wir sub 5 Stunden gemeinsam schaffen. Sie ist einverstanden – in dem gemächlichen Tempo können wir auch gut plaudern. Sie arbeitet sonst an den Wochenenden, erzählt sie. Ihre zwei Söhne und die Tochter halten ihr für heute die Daumen. Ihren ersten und bisher einzigen Marathon hat sie  voriges Jahr in Venedig absolviert. Ich blicke mich um, von hinten kommt in Sichtweite niemand mehr nach, obwohl gewiss noch ein oder zwei Dutzend Langsamere hinter uns sein müssten.

Der Marathonkurs verläuft nun fast auf Meeresniveau auf der gesperrten, von Pappeln und Zypressen gesäumten Straße  nach Cervignano, eine 14.000 Einwohner zählende Kommune mit Stadtcharakter. Vor der Labestelle befindet sich die 35 km-Anzeige -  eine Finisherzeit unter 5 Stunden – wie auch von Rita angestrebt, ist noch machbar. Ich erläutere ihr die Galloway-Notmethode: schnelles Gehen mit schnellen Laufeinheiten kombiniert, so können wir einen Kilometer in ca. 7:30 min hinter uns bringen.    

Voriges Jahr waren auf dem links von der Einfahrtsstraße vorbeiführendem Alpe-Adria-Radweg etliche Radler unterwegs, heute marschieren dort Wanderer. Von Villach kann man in mehreren Tagesetappen über Tarvisio, Udine, Palmanova, Aquileia bis nach Grado radeln. Wegen des Gefälles zum Meer ist die Passage von Kärnten aus mit ca. 500 Metern Höhendifferenz die beliebtere.

Bei der 39 km-Anzeige kommt uns eine Freundin von Rita, die schon gefinisht hat, entgegen. Sie will sie abholen und als Tempomacherin ins Ziel bringen. Unterdessen haben wir nicht nur mehrere Walker, für die es einen eigenen Bewerb im Rahmen des Laufevents gibt, überholt, sondern endlich auch ein Laufpärchen. Auf die Frage woher ich komme, lobt der ca. 40 Jahre alte Einheimische die Stadt Wien und erwähnt, dass er vor Jahren dort als Arzt in einem Krankenhaus praktiziert habe.

Rita und ihre Freundin kommen nicht so richtig vom Fleck – bei Kilometer 40 habe ich sie wieder eingeholt. Wir laufen nun zu dritt: kurzes Gehen mit einigen Zwischensprints – was halt nach bald 41 Kilometern noch möglich ist. Hinter der Ortstafel von Aquileia befindet sich die vorletzte Kilometeranzeige: meine GPS Uhr zeigt 4:50 h an.  Eintausendundzweihundertneunzig Meter sollten in knapp 10 Minuten eigentlich zu schaffen sein. Inzwischen kommen uns Dutzende Läufer auf der heute bis 15 Uhr 30 gesperrten Durchzugsstraße.

Alles im Leben ist relativ. Rita läuft vor mir ins Ziel, mit 4:58 hat sie ihr ehrenvollen Gedenkmarathon tapfer zu Ende gebracht. Die Umarmung nachher im Ziel ist ehrlich gemeint – ich war fast bis zum Schluss ihr Schrittmacher. Wobei ich denke, dass sie alleine vielleicht schneller gewesen wäre. Daher ist meine  Hochachtung ihr gegenüber noch größer. Die nach dem Finish ausgehändigte Medaille ist heuer völlig anders gestaltet – emailliert und gelb bemalt. Jedenfalls nicht so hochwertig wie 2017.

Im Ziel treffe ich Börni – er hat knapp vor den 4:30ern seinen  Lauf beendet, wieder eine tolle Leistung, zu der ich nur gratulieren kann. So richtig laben kann man sich im Ziel nicht, denn es gibt neben Wasser und Iso nur mehr ein paar Orangenstücke und zerbrochene Kekse in einer Schachtel. Die Läuferinnen und Läufer sind angehalten, sich auf eigene Kosten an den Ständen mit Bier und Sandwiches einzudecken.

 

Mein Fazit

 

Für eine Teilnahme an diesem Marathon spricht die bis Cervignano konstant leicht abwärts führende Strecke, die für all jene bestens geeignet ist, die eine PB im neuen Laufjahr anstreben. Das gute  Preis-/Leistungsverhältnis ist hervorzuheben. Es ist die Symbolik, die Marathons in Italien auszeichnet – die Veranstalter sind mit Liebe und Hingebung bei der Sache und freuen sich über die Erfolge anderer. In Deutschland hat man offenbar diese Vorzüge noch nicht wahrgenommen – trotz mehrfacher Berichterstattung auf M4Y. Diesmal war nur ein einziger Deutscher dabei – im Vergleich zu Österreichern, Slowenen und Kroaten, die natürlich eine kürzere Anreise haben.

Es war mir eine Ehre, mit Rita rund 12 km im Andenken an das verstorbene Mädchen mitgelaufen zu sein.

 

Siegerliste bei den Männern:

1. Tarik Marhnaoui (MAR) – 2:32:06
2. Paolo Massarenti (IST) – 2:39:22
3. Andrea Mauri (ITA) – 2:34:36

 

Frauenwertung:

1. Simona Rizzato (ITA) – 3:09:14
2. Milena Grion (ITA) – 3:11:53
3. Federica Qualizza (ITA) – 3:13:56

 

372 Finisher (293 Männer, 78 Frauen)

 

 

Informationen: Unesco Cities Marathon
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