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Laufberichte

Guats Nächtle

02.07.11

Kilometer 25 bis 50

 

Auf der zweiten Hälfte der 50 Kilometer warten nicht mehr viele Höhenmeter. Eine Welle haben wir bis Unterweiler mit 30 Höhenmetern zu „erklimmen“. Eine weitere wartet dann noch vor und in Buch mit 40 Höhenmetern. Das Feld hat sich jetzt weit auseinandergezogen. Mitunter kommen von hinten Staffeln mit frischen Kräften heran gerauscht.

Unterweiler. Wie vor zwei Jahren steht eine einsame Bierflasche auf dem Tisch. Ist es Absicht oder will der Besitzer gefragt werden, ob man einen Schluck haben kann. Mir schenkt er bereitwillig ein und will mir gleich die ganze Flasche mitgeben. Aber mit nix (Leergut) wittert der Schwabe gleich ein Geschäft. „Gib mir 30 Cent für das Pfand, dann kannst Du das Bier mitnehmen.“

Kurz darauf sehe ich die Markierung des dreißigsten Kilometers. Drei vor zwei (Uhr). Wenn nichts passiert, dann kann ich die fünf (Stunden) unterbieten.

In Unterkirchberg biegt unser Kurs Richtung Süden auf die Allgäurunde ab. Bevor es wieder hinunter geht, kann ich bei klarem Himmel eine Dunsthaube über dem Tal erkennen. Es ist kalt, fast bräuchte man Handschuhe. Fingergefühlsmäßig sind wir von fünf Grad nicht weit weg. Nun geht es auf einem Radweg ein Stück entlang einer Kreisstraße. Am Ende laufen wir nach links. Die Hauptstraße ist wieder von Helfern mustergültig gesperrt.

Bei Buch und in Oberkirchberg wartet die letzte Steigung für mich. Etwa 40 Höhenmeter, bei denen ein Radbegleiter entweder einen kleinen Gang einlegen muss oder er steigt gleich ab, weil sein Läufer längst in den Gehschritt gewechselt hat. Für die Hunderter ist es hier wichtig, nicht unnütze Körner liegen zu lassen. Also lieber jetzt einmal öfter wandern als vielleicht bei Kilometer 80 gar nicht mehr laufen zu können.

An der folgenden V-Stelle liegt ein „gschmackiger Kaas“ aus der Eidgenossenschaft auf dem Tisch. Ein kleines Fähnchen weist auf die Herkunft hin. „Zur Not frisst der Bayer den Kaas auch ohne Brot!“ Das ist mein Motto, Beim Käse kommt der Geschmack gern vom überhöhten Fettgehalt. Aber jetzt braucht man sich ja nicht mehr zieren, denn die Fettverbrennung wird in Kürze einsetzen. Wenn nicht der eine oder andere schon an der Marathonmauer hängengeblieben ist. 35 Kilometer sind hinter mir, 15 flache warten noch.

Nach dem Ortsausgang haben wir nach Norden einen Blick auf das beleuchtete Ulm. Nur das Münster sehe ich nicht. Ich habe gehört, dass da die Beleuchtung in den Nächten abgeschaltet wird. Die 45 Höhenmeter, die wir uns vorher hart erarbeitet haben, verlieren wir auf kurzem Wege.

Wir tangieren kurz Unterkirchberg und laufen auf kurzem Wege an die Iller, die jetzt rechts von uns Richtung Norden fließt. Der Schotterweg lässt sich gut belaufen. Das Kilometerschild 40 taucht unvermutet früh auf. Es ist 2.52 Uhr, alles im Plan.

Kurz danach verlassen wir den Uferweg nach links. Eine schmale Brücke muss überquert werden. Da ist es schon gut, dass die Lampe dabei ist. Gerade nach ein paar Metern laufen wir dann an die Klostermauer heran. Im Innenhof des Klosters Wiblingen ist eine weitere V-Stelle eingerichtet. Ich bitte artig: „Wer teilt an diesem heiligen Ort sein Bier mit mir?“ Ein Helfer erbarmt sich und lässt mich an seinem Hopfengetränk laben.

Das Kloster ist das bekannte barocke Bauwerk der Benediktiner aus dem Jahr 1093. Die Klosterkirche wurde 1993 von Papst Johannes Paul II zur Basilika minor erhoben. Ein Teil des Klosters wird heute als Altersheim benutzt.

Ich verlasse die Klosteranlage und habe einen Läufer im Genick, der ebenfalls auf der Kurzstrecke unterwegs ist. Der darf nicht an mir vorbei, so mein Gedanke. Und dann versuche ich das Tempo hoch zu halten. Die Schleife wieder an die Iller heran habe ich in schlechter Erinnerung. Denn 2009 war es da äußerst dunkel und meine Lampe funzelte mehr schlecht als recht. Heute sind zusätzliche Markierungen angebracht.

Dann habe ich eine kurzzeitige Krise. Bier und Käse entwickeln sich in meinem Ranzen zu einer explosiven Mischung. Nach dem Boxenstopp ist mir bedeutend wohler. Nur, dass eine Handvoll Läufer jetzt an mir vorbei sind. Wie viele sind davon 50-Kilometer-Läufer, das will ich wissen.

Ich überquere später die Iller und laufe weiter Richtung Neu-Ulm. Jetzt sind wir kurzzeitig in Bayern, denn die Iller ist die Landesgrenze. Nach den Illerbogen finden wir die letzte V-Stelle. Die Helfer schauen verdutzt, weil ich ohne Verpflegungsaufnahme durchrausche. Wir überqueren auf der Adenauerbrücke wieder die Donau und sind wieder im Ländle angekommen.

Es geht nun an der Stadtmauerpromenade entlang. Den Kurs kenne ich noch vom Ulmer Marathon. Hier irgendwo war damals die Trennung der Halbmarathonis und der Marathonis. Wenn man hier links abbiegen würde, wäre man in Kürze in der Altstadt. Die Donau scheint jetzt viel Wasser zu haben, denn braun wälzt sich das Nass Richtung Osten. Ich glaube, da fehlt nicht mal ein Meter und wir würden uns auf dem Radweg nasse Füße holen. Linkerhand sehe ich die alte Stadtmauer, die früher inmitten des Stromes stand.

Auf den letzten zwei Kilometern kann ich dann noch auf zwei, drei Konkurrenten auflaufen. Und dann verlassen wir den asphaltierten Uferweg und laufen dann in das Donaustadion. 3.48 Uhr sehe ich auf der Anzeigetafel, als ich kurz danach die Zeitmessmatte überquere.

Jetzt bin ich noch deutlich unter fünf Stunden geblieben. Ich glaube, ich bin die zweite Hälfte wieder einmal schneller gerannt. Ich verpflege, mache nebenbei von den weiterlaufenden Hundertern einige Bilder und kann auch meinen zweiten Plan erfülle und den Start der zweiten Gruppe der 50-Kilometer-Läufer beobachten. Der Fahrdienst zurück nach Blaustein ist optimal. Keine Wartezeiten. Die Kleinbusse fahren, sobald diese besetzt sind. Bei der Rückfahrt sehe ich in der Innenstadt im Morgengrauen ein Thermometer: 8 Grad, brrr.

Zurück in Blaustein können die Sportler entweder noch ein Schläfchen in der Turnhalle, im Bad Blau, im Auto oder im Zelt halten. Oder man geht zum Weißwurstfrühstück, auch das wird angeboten. Wer dazu ein Weißbier trinkt, der schläft vielleicht in der Wirtschaft ein.

Ich halte mich in der Turnhalle auf und gehe dann später in das Stadion, um die Zieleinläufe zu beobachten. Es ist erstaunlich, wie die Finisher über die 100 Kilometer daherkommen. Im Durchschnitt schauen die besser aus als die Staffelläufer. Der Sieger Jürgen Kiebler nimmt Sekunden nach seinem Zieldurchlauf einen tiefen Zug aus der Bierpulle. Mein Freund Martin Wildmoser schwärmt von dem Nachtlauf: „Da kannst du laufen ohne Zeit und Raum, einfach nur für dich und die Zeit genießen.“ Dass er seine Premiere über diese Distanz erfolgreich abgeschlossen hat und das noch unter 9,5 Stunden, das will ich erwähnen und herausstellen.

Ähnlich schaut es bei Kilometer 99 aus. Die Hunderter freuen sich über jede Applaus und jede Ansprache. Ihnen ist ihr Glück des nahen Zieleinlaufes im Gesicht anzusehen. Die sind richtig happy. Wie heißt es in einem Popsong „Don’t worry, be happy!“

Ja, bei mir schaut es in der Liste so aus, dass ich mich bei dem 50-Kilometer-Lauf zufrieden auf Gesamtrang fünf in 4.47.03 Stunden finde. Na, habe ich jetzt für 2012 Interesse geweckt?

Fazit:
Ein schöner Lauf. Defensiv beginnen, gut verpflegen und gut vorbereiten, dann dürfte einem Finish nichts entgegenstehen. Die Helfer sind motiviert, die Streckenmarkierung in der Nacht mit Liebe und im Detail angebracht. Alle fünf Kilometer ausgeschildert, sowie die letzten zehn einzeln. Wer sich die ganze Strecke nicht zutraut, kann als Staffel am Event partizipieren. Oder man läuft die 50 Kilometer auf der ersten Hälfte in der Nacht oder die zweite in den beginnenden Tag hinein.

100 Kilometer:
Männer:
1. KIEBLER, Jürgen Team Dethleffs Isny 08:18:52
2. MUNTENASU, Petru 08:41:43
3. SEMM, Joachim 09:16:30
4. MÖDINGER, Walter ASC 011 09:20:33
5. WILDMOSER, Martin Ruths Runners 09:25:23
6. WIEDEMANN, Martin USG Allgäu 09:28:18

Frauen:
1. KONOLD, Silke LT Herbrechtingen 09:29:33
2. LECHNER, Edith LC Olympia Wiesbaden 10:23:42
3. SCHADWELL, Andrea Team Icehouse 10:32:52
4. HAMM, Carmen 11:22:05
5. HAMMER, Maria Team Uni-Ulm 12:15:10
6. EBERT, Silke k1-media 12:26:02


148 Finisher über 100 Kilometer, insgesamt waren über 1500 Läufer unterwegs.

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Informationen: Ulmer Laufnacht
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