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Laufberichte

Der Twistesee-Adventsmarathon lebt

26.11.11
Autor: Joe Kelbel

Die Wasserkunst von Landau beförderte von 1535 bis 1981 mit Hilfe des Baches Watter gutes Quellwasser 65 Meter hoch in die Stadt. Das Prinzip habe ich verstanden. Aber ich frage mich, wie die Leute die Leitung, die aus Baumstämmen bestand, dicht bekommen haben. Und so läuft auf den nächten Kilometern  in meinem Kopfkino „Lost“ und ich versuche aus dem Flugzeugwrack eine 65 Meter lange Wasserleitung herzustellen, um meinen Aussichtspunkt dort oben mit klarem Quellwasser zu versorgen.

Kurz auf die Strasse Richtung Volkhardingshausen dann steil den Berg nach links hoch. Ewig lange diese Geraden durch den Wald. Ein vergilbtes Schild, dort war im 13.Jahrhunderrt ein Hofgut, man hatte es ausgegraben. Ein wenig geht es aufwärts und ewig weit, unterbrochen von Verpflegungsstationen, es sind genügend. Meistens Kinder die aushelfen, bißchen unmotiviert, aber die stehen auch schon sehr lange. Die, die um 10 Uhr gestartet sind, wurden ja auch schon versorgt.

Es beginnt ein wunderschönes Stück Laufstrecke dieses Tal hinauf. Harald Heyde, die Ultraläuferlegende schliesst auf. Eines seiner neuen Projekte ist der Rhön-Weser Challenge über 190 km. Er wird im Zweiterteam gelaufen. Selbstversorgung, einer mit dem Rad, der andere läuft, abwechselnd. Harald träumt von einem Dreamteam Duwe/Kelbel.

Begegnungstück, Entgegenkomende haben km 25 hinter sich, endlich mal Gelegenheit ein paar Fotos zu schiessen. Waldschmiede bei Volkhardinghausen, von nun an geht es abwärts. An der Franzoseneiche wieder eine Verpflegungsstation. Hier haben unsere westlichen Nachbarn vor hunderten von Jahren jahrelang so ne Art von Picknick abgehalten um die Leute in Landau zu bespassen, also bleibe ich auch ein bißchen an dieser Verpflegungsstation. Ich habe Zeit, genieße den ersten Advent mit kalter Cola, warmen Tee und Keksen.

Wie sagte Heinrich immer: „ Dieser Marathon ist für Anfänger geeignet, denn ab km 26 geht es nur abwärts!“ Im Prinzip ja, aber.... und ewig lang ist diese sanfte Steigung zwischendurch, aber eigentlich hat er Recht. Und wunderschön ist diese Gegend auch noch.

Und dann bei km 35 ist dieser eigenartige Felsen. Ich möchte nicht, dass ihr am 26.05 oder beim nächsten Adventsmarathon achtlos dran vorbei lauft! Die Stelle ist dort, wo es flach wird, links, 2 Meter weiter. Ich habe die Stelle in einem Geocacheforum gefunden. Dort lebte mal ein Einsiedlermönch namens Volkhard. Es ist derjenige, der das Kloster Volkhardingshausen (1171) gegründet hatte. Die Nischen für die Heiligenfiguren sind noch sichtbar. Später stand hier eine Kapelle, wie die Inschrift jüngeren Datums im Felsen aussagt. Es soll von hier aus noch einen unterirdischen Gang zum Kloster geben.

Ulla zieht jetzt vorbei, genießt diesen grandiosen Weg durch das goldbraune Buchenlaub. Das hat wirklich was! Die Füsse schleifen durch zentimetertiefes Laub. Wir sind wieder Kinder. Der Lohn für all die Kilometer!

Dann überholt mich die hübsche Besenfahrradfahrerin: „Hallo Nikolausi!“, sie will unbedingt nächstes Jahr den Marathon mitlaufen. Sie hat jetzt begriffen, wie schön die Strecke ist. Sie überholt mich aber nur, weil jetzt „hinten“ alles geklärt ist und alle durchkommen. „Da ist eine, die ist schon 239 Marathons gelaufen!“ „Ja, das ist Christine, die läuft ja erst seit etwa 4 Jahren, und vorne ist Sigrid, die hat mehr als 1600 Marathons!“

Bei km 37 muss die Hübsche ein Foto von mir machen, denn das ist meine Lieblingstelle, an der man  das ganze Twistetal überblicken kann. Jetzt hier runter ins Ziel zu laufen ist die helle Freude!

Wir duchlaufen das 800 Jahre alte Braunsen (Backhaus, Kirche). Kniebrecherweg“ steht auf dem Strassenschild. Na prima. Aber dann biegen wir in den Lefringshäuser Weg zum Twistesee ein.

Klar, der Weg ist noch lang bis zum Ziel. Christoph läuft mir entgegen, er ist schon lange im Ziel gewesen, ihm war kalt und er läuft nun Ulla entgegen.

Die Seilzug-Wasserskianlage, hier fährt der Vize-Weltmeister und Europameister Andreas Pape aus Brausen seine Wasserski-Trainingsrunden. Vor mir das leuchtende Trikot unseren Rekordläuferin „Sturmvogel“.

Blitzschneller Zieleinlauf. Jochen und seine Frau haben alles im Griff, Lisa macht die Zeitnahme. Glühwein! Wie Glühwein? Und so kommt es, dass ich mit Sigrid die Glühweinwertung gewinne. Dazu „Schaumküsse“. Mir egal, wie die Dinger nun genannt werden, Sigrid hat nach dem 10ten Negerkuss dieses weisse Zeug noch auf der Oberlippe und niemand sagt was. Es ist wie bei Loriot, nur ohne Nudel.

Zwar sind wir dieses Jahr recht wenige in der Twiseseehalle, dennoch bleiben wir recht lange. Das Hotel bietet  gute Erbsensuppe, Bier und sonstige Sachen. Sigrid Eichner wird am 11.12 im ZDF zu sehen sein, Kerkeling moderiert „Menschen 2011“. Sie erzählt, wie zwei Tage vorher in München geprobt wird und wie sie auf das Laufband muss. Wenn sie hinbrezelt, wird das halt wiederholt. Und dann erzählt sie von ihrer Marathonlaufserie, die sie zwischen den Jahren in Berlin veranstaltet, jeder ist willkommen.

Das ist das schöne an diesem Adventsmarathon, wir kennen uns alle, sitzen zusammen und haben mehr Zeit und Muße als sonst bei den Läufen. Und das Wichtigste: Der Twistesee-Adventsmarathon lebt weiter! Ich bin verdammt glücklich, dass es weitergeht. Es war schön wie immer! Nur der Heinrich fehlt halt.

Sonntag 11 Uhr, Führung im Schloss. Ich will den Türkenplunder sehen. Geil! Leider Fotoverbot. Auch ohne ebay ist das Zeug wertvoll geworden. Sehr empfehlenswert!

Dann die Wetterburg. Das ist der Ortsteil, wo die Twisteseehalle ist. Sehr schönes Haus, jetzt Restaurant, sehr einladend.

Landau. Ich wollte diese Bergstadt unbedingt besichtigen, nachdem ich nun jahrelang dran vorbeigelaufen bin. Empfehlenswert! Viele Stadttore, schiefe Fachwerkhäuser, ein uralter Friedhof, der Kump ( Brunnen), der immer noch (im Sommer) von der Wasserkunst gespeist wird. Blick über unsere gestrige Laufstrecke. Häuser, die direkt über den Sandsteinfelsen schweben. Unten das Freibad und die Wasserkunst. Hat mir sehr gefallen, obwohl der Ratskeller nicht geöffnet war. Dafür ein Skelett im Fenster. Mein wildes Gesicht spiegelt sich passenderweise.

Geiles Wochenende, langsam, sehr langsam soll Weihnachten  kommen. Hier hat es begonnen.

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Informationen: Twistesee-Adventsmarathon
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