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Laufberichte

Glänzende Zeiten

 

Rund um das Residenzschloss parken holländische Autos. Hier wurde 1858 Emma von Waldeck Pyrmont geboren. Warum hat die 21 jährige Emma den 62 jährigen holländischen König Wilhelm III geheiratet? Der hatte schon drei Kinder mit seiner Cousine Sophie von Württemberg aus Stuttgart, die samt der Kinder verstorben war. Dann hatte Wilhelm noch elf uneheliche Kinder, war verurteilter und immer noch praktizierender Exhibitionist, den man „König Gorilla“ nannte.

Normalerweise suchte König Gorilla eine Frau für eine Nacht, doch jetzt ging es darum, die niederländische Dynastie zu retten, denn kein legaler Nachkommen hat überlebt. Im mondänen Bad Pyrmont stand Emma auf dem Balkon des Schlosses, sah den Gorilla  und sagt folgende Worte: "Man kann den armen Mann doch nicht mit leeren Händen nach Hause schicken, wenn Wilhelm keine neue Frau findet, möglicherweise bald stirbt, ja was wird dann aus Holland?“ (Der Bad Pyrmont Marathon startet am 27. Juli 2019 um 13 Uhr.)

Aus der Ehe mit Wilhelm III entsprang die erste Königin der Niederlande: Wilhelmina,  die holländische Dynastie war gerettet. Im Namen des niederländischen Königshauses erscheinen seitdem diese drei Namen: Oranien, Nassau und Waldeck. Oranien ist das heutige Orange bei Avignon an der Rhone, es gehörte bis 1713 zu Nassau. Nassau ist zwar der Name der Hauptstadt der Bahamas, aber die erhielt den Namen nach einem anderen holländischen Wilhelm III, der auch König von England, Schottland und Irland war, wo er Wilhelm II genannt wurde. Dieser Wilhelm war aus Nassau, aus Nassau an der Lahn.  Ein Nassauer ist jemand, der sich kontinuierlich von anderen Leuten aushalten lässt. Diese Bezeichnung entstand 1817, als ein anderer Wilhelm von Nassau im Gegenzug zu seinem Staatsvertrag mit Hannover seine jungen Leute unentgeltlich in Göttingen studieren lassen durfte.

Emma bekam also Wilhelmina, danach kam Juliana, dann Beatrix, dann Willem Alexander, der „Alexander“ als Namenszusatz wählte, um nicht in einer Linie mit einem  Exhibitionisten genannt zu werden. Den Rest der Geschichte findet man bei Bild oder Gala.

 

 

Seine Startnummern findet man im Stadtteil Wetterburg, dort ist die Twisteseehalle. Es gibt Kaffee, Tee und den ersten Adventskalender. Heiko hat mit einem Kasten Bier den Karton für die Eigenverpflegung gefüllt. Glänzend weihnachtlich sind die acht Jungs aus Marsberg, die die Mannschaftswertung gewinnen werden. Eigentlich wird fast jeder in irgendeiner Wertung gewinnen. Mit dem ersten Advent beginnen die glänzenden Zeiten!
Nach seiner  Urkunde vom Vorjahr braucht man nicht mehr in den Stapeln zu suchen, man schreibt einfach den Veranstalter an. Aber ich habe keinen Platz für 426 Urkunden.

Vor neun Jahren hatte ich nur 92 Urkunden, da war noch Horst Preisler hier am Start. Siegrid auch. Réné Wallesch hatte damals von der „Pizza a la Bauer“ mit Bratkartoffeln und Speck geschwärmt. Die gibt es immer noch in der Pizzeria Salvatore, 50 Meter vom Start entfernt.

Karl Ernst hat dieses Jahr seinen Ruhestand verkündet. Von den Prior Brüdern, die niemand unterscheiden kann, erscheint der eine nach Jahren wieder aus seinem gesundheitlichen Grab, wenn auch als Walker und Frühstarter. Etwa 25 Läufer starten schon um 9:30 Uhr. Wer das Zeitlimit von sechs Stunden packt, der startet um 10:30 Uhr.

Unser Marathon beginnt wie immer mit dem Lauf um die halbe Twisteseetalsperre,  die mit  Deutschlands reinstem Quellwasser gefüllt ist, was nur wichtig wäre, käme der Spruch von einer Brauerei, die das Wasser auch nutzt.

 

 

Nach drei Kilometer kommen wir zur Vorsperre, die den Schlamm vom See fernhalten soll. Über eine Brücke überqueren wir den Sperrriegel.  Jedes Jahr stand hier Horst Risse und las uns die Laufzeit ab Start vor. Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert hatte, ich fand die Aktion super und zum Lauf passend. Jetzt geht es hinauf zum ersten VP bei Kilometer sieben. Der Anstieg ist nicht so schlimm, es sind etwa 200 Höhenmeter, insgesamt nur 684 Höhenmeter. Allerdings geht es dann nur 579 Höhenmeter hinab. Laufuhrbesitzer kennen das, andere fragen ihren Arzt oder Apotheker. Der zweite VP ist bei Kilometer 9,5. Hier merke ich, dass ich meine glänzende Zeit von 2009 mit 4:11 nicht erreichen kann.

Bis zum dritten VP bei Kilometer 13,5 läuft man ruhig und lustig dahin, es sei denn, man muss jetzt aussteigen.  Dann läuft man einfach geradeaus und kommt wieder zum Twistesee und ist einen  Halbmarathon ohne Wertung gelaufen. Ich überlege, aber als die vier Jungs der Firma Stevecom aussteigen, reiße ich mich zusammen.

Es kommt ein schöner Feldweg, früher ein frühfränkischer Handelsweg, mit herrlichem Blick auf Landau. Der Weg führt uns direkt in einen Hohlweg hinunter ins Tal. Knorrige Buchen haben, einem Gemälde von Caspar David Friedrich gleich, ihre verschlungenen Wurzeln um die Reste einer Burg gewunden. Wunderschön ist der Weg, der mit einem Schild gekennzeichnet ist: „ Naturdenkmal“. Auch schön ist der VP (km 16), an dem es traditionell das erste Weihnachtsgebäck gibt. Der Besenradler kommt an, verkündet, dass ich Vorletzter bin. Also nicht wirklich, denn es sind noch mindestens 25 Frühstarter zeitlich hinter mir.

Über uns die Bergstadt Landau, deren Stadtmauern einst bis hier hinab zum Bach Watter reichten. Nicht die Hanglage der Obstbäume sollten damit beschützt werden, sondern die Wasserkunst, eine ausgeklügelte Konstruktion, die mit der Kraft des Baches Watter betrieben wurde, um Quellwasser hinauf nach Landau zu transportieren. Das war 1535. Im Jahr des ersten Marathons in Arolsen, 1981, wurde die Höhenstadt ans städtische Wassernetz angeschlossen.

Die folgenden 500 Meter entlang der Landstraße sind noch leicht laufbar, aber dann geht es links den Wald hinauf, und ich bin letzter. Claudia sitzt mit einer Dose Eigenverpflegung auf einem Hochsitz, also ich auch. Der Besenradler, ich habe nicht nach seinem Namen gefragt, ist begeistert.  Er wird heute nicht nur von uns Pfandleergut zurück transportieren.

Bei Kilometer 21, nach einigen gut abgesicherten Metern entlang der  Landstraße, kommen wir zum nächsten VP. Der Kasten Bier von Heiko wurde kaum geplündert, die Truppe hat sich von Kümmerling ernährt. Eigenverpflegung braucht man eigentlich nicht, denn es wird reichlich aufgetischt.

Wir Deppen laufen jetzt zum Jeppenteich, der seinen Namen von der Burg Geppenhagen hat. Gepa von Itter war Besitzerin der Burg. Einige Laufjeppen kommen uns noch den Waldweg entgegen, „auf dem man schon morgens sehen kann, wer abends zu Besuch kommt“, so Joachim.

 

 

Der Deppenteich ist schön, das Jeppental auch. Dann wird die Startnummer aufgeschrieben, damit niemand unauffällig abkürzt. Denn es geht zurück zum VP Kilometer 21, der jetzt Kilometer 26 ist. Die Jungs vom Marsberg haben Bier übrig gelassen, denn bei „Last Christmas“ aus dem Autoradio kriegt man Schluckauf. Rüber über die Landstraße und schon folgt der obligatorische Spruch des Polizisten, der die Strecke noch nie gelaufen ist: „ Von nun an geht es nur bergab.“ Das mag eine kurze Zeit stimmen, doch glänzende Zeiten sind bei mir wahrlich nicht mehr drin.

Erst beim am  Kreuzungspunkt (km 34) zwischen den mittelalterlichen Dörfern geht es wirklich nur noch abwärts. Hier steht die Franzoseneiche. Es war im Siebenjährigen Krieg: Preußen, Großbritannien und Hannover, gegen Österreich, Frankreich und Russland kloppten sich um Schlesien. Aber die Franzosen machten lieber hier an der Waldschmiede zwei Jahre Picknick, als nach Schlesien zu laufen.

Wir laufen wirklich nur noch abwärts, das macht mir endlich Spaß. Bei Kilometer 38, direkt an die Twiste, in der Straße „Kniebrecher“, stehen wie jedes Jahr die holländischen Mädels, die gerne einen Schuss Geschmack in die Cola gießen. Aber auch den Glühwein verschmähe ich, obwohl ich wieder gut in der Zeit bin.  Ich möchte schnell in die Halle, dort gibt es ab diesem Jahr ein Bufett „all you can eat“.  

Frierend noch ein Zielfoto mit dem Besenradler, der von meinem Verpflegungskonzept begeistert ist, dann den Weg hinauf zur warmen Halle. Hier sind die meisten schon geduscht, einige unter der notorisch kalten Dusche der Twisteseehalle, andere im Freizeitbad Arobella. Die Suppe ist zu dünn, die Schmalzbrote dafür dicker, die Brezel und Würstchen auch. Das Kuchenbuffet ist der Hit. Die Siegerehrung ist in vollem Gange. Nächstes Jahr werde ich auch geehrt, dann laufe ich in der nächsten Altersklasse  und knüpfe wieder an glänzende Zeiten an.

 

Informationen: Twistesee-Adventsmarathon
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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