NO8DO - diese rätselhafte Buchstaben-Zahlen-Kombination wird uns bei unserer Reise zum Marathon von Sevilla auf Schritt und Tritt begleiten. Wobei die 8 ein Wollknäuel (spanisch: madeja) darstellen soll. Das Ganze wird also "NO-MADEJA-DO" ausgesprochen. Leute mit Spanischkenntnissen werden das für eine Abkürzung des Satzes “No me ha dejado” erkennen, zu Deutsch: “Sie hat mich nicht verlassen”. Das nämlich soll Alfons X (1221-1284) über die Stadt gesagt haben, die ihm Exil gewährte. Und weil diese Geschichte so schön klingt, hat die Stadt Sevilla NO8DO zur ihrem offiziellen Logo oder Motto gemacht, quasi anstelle eines Wappens.
Sevilla ist mit fast 690.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Spaniens, nach Madrid, Barcelona und Valencia. Es liegt nicht am Meer, kann aber von Seeschiffen nach einer 80 km langen Fahrt auf dem Fluss Guadalquivir erreicht werden. Letztendlich beruht auf dieser Tatsache der Wohlstand der Stadt, die auch als eine Hochburg des Flamenco gilt und als Schauplatz der Opern “Carmen”, “Figaros Hochzeit” und natürlich “Der Barbier von Sevilla” bekannt ist. Columbus startete hier seine Reise auf der Suche nach dem Seeweg in Richtung Indien und liegt auch hier begraben.
Nach der Entdeckung der neuen Welt sank die Bedeutung Venedigs, während Sevilla zum Hauptumschlagplatz für den Handel mit Amerika aufstieg. Im 16. und 17. Jahrhundert konnte die Stadt ihren Wohlstand vergrößern, bis die Verlandung des Hafens dazu führte, dass die Schiffe bevorzugt Cádiz anliefen. Trotzdem lebt Sevilla noch heute vom Ruhm dieser Blütezeit.
Für Judith und mich ist die größte Stadt Andalusiens zum zweiten Mal nach 2017 Ziel eines Frühjahrsmarathons. Und was für einer: Bei der zum 41. Mal stattfindenden Veranstaltung handelt es sich um einen der teilnehmerstärksten Marathons in Spanien, bei dem auch sehr gute Zeiten gelaufen werden.
Vom Flughafen Sevilla, der von vielen Billigfluglinien angeflogen wird, geht es mit dem Bus ins Zentrum. Aufgepasst: Die Rückfahrkarte gilt nur zwei Tage! Im Hotel angekommen, stellen wir fest, dass wir quasi wieder zurück müssen: Die Marathonmesse findet im Kongress- und Messezentrum Fibes statt, fünf Kilometer vom Flughafen entfernt.
Also erst einmal einen der wenigen Verkaufsstände finden, an denen man eine Dreitageskarte für Bus und Tram kaufen kann und weiter im proppenvollen Bus zum Messegelände. Samt Stau in der Rushhour am Freitagnachmittag. Dafür sind wir dann auf der Marathonmesse nahezu alleine. Sie ist recht groß und die Musikbeschallung sehr laut. Die Startnummer gibt es gegen Vorlage des Ausweises.
Der große, wiederverwendbare Starterbeutel enthält ein Laufhemd des Sponsors Asics, Laufstrümpfe, eine warme Laufmütze, natürlich alles mit schickem Sevilla-Aufdruck, dazu einige nützliche Utensilien. Das nette Infoheft ist nur online herunterladbar und auf Spanisch. Die Informationen für die Läufer sind mehrsprachig. Die Internetseite stellt alle Infos auch auf Englisch zur Verfügung, die Info-Mails sind auch sehr gut und hilfreich.
Zurück im Zentrum, machen wir noch etwas Sightseeing und suchen dann ein Lokal. Es ist nicht so leicht, das Richtige zu finden. Es gibt viele Bars/Cafés, in denen auch kleine Gerichte angeboten werden, und natürlich die bekannten spanischen Tapas. Da es oft keine englische Karte gibt, tut man sich etwas schwer mit der Bestellung. Restaurants gibt es auch, plus die üblichen Schnellimbissketten.
Den Samstag nutzen wir für einen Ausflug nach Cádiz. Die Hafenstadt ist mit der Bahn in zwei Stunden zu erreichen, und wie uns ein deutsches Läuferpaar beim Frühstück prophezeit hat, geraten wir dort mitten in den traditionellen Straßenkarneval, der an diesem Samstag seinen Höhepunkt erreicht hat. Je näher wir der Stadt Cádiz kommen, umso mehr Kostümierte steigen in den Zug. Cádiz ist ein Erlebnis, einerseits die schöne Altstadt und andererseits die Karnevalsparty, obwohl wir nicht mal Pappnasen dabeihaben. Überall fließt das Bier in Strömen und zu essen gibt es meist gegrillten Fisch. Natürlich verzichten wir vor einem Marathon auf beides.
Der Start des Laufs ist auf 8:30 Uhr festgelegt. Unser letzter Block - für die LäuferInnen, die über vier Stunden benötigen - startet fast eine halbe Stunde später. Also keine Hektik. Wir sind ja viel unterwegs, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Hotel am Marathontag nicht nur ein frühes Frühstück anbietet, sondern in der Lobby auch Bananen, Riegel und Wasserflaschen zur Verfügung stellt. Daher eine unbezahlte Werbung: Es handelt sich um das Hotel Monte Carmelo, wenige 100 Meter vom Start- und Zielbereich entfernt.
Gut, dass wir uns vorher die Startpläne genau angesehen haben. Der Zugang zur Taschenabgabe ist nur vom hinteren Ende des Starterfelds zugänglich. Mitunter muss man recht lange Wege zurücklegen, um dort hinzukommen. So gibt es dann nur eine Richtung für die 18.000 Teilnehmenden. Also kein Gedränge. Toilettenhäuschen gibt es an der Taschenabgabe und an den Startblöcken in großer Zahl. Der Zugang zu den Startblöcken wird kontrolliert. Die Startaufstellung liegt an einem Straßenknick, sodass man hinten nicht viel von den vorderen Blöcken wahrnimmt. Langsam kommt man voran und an zwei eher unscheinbaren Startsäulen geht es dann los.
Die Streckenführung erinnert auch an eine Madeja, also ein Knäuel. Im Prinzip geht es einmal um die sehr große Altstadt, dann folgen zwei Ausflüge in die Vorstädte, am Ziel vorbei nochmals um die Altstadt und dann durch diese hindurch direkt zum Ziel. Inklusive einiger Begegnungsstellen. Da bin ich mal gespannt. Diesmal wurde die Strecke anders „gewebt“ als letztes Jahr.
Für uns bleibt sehr viel Platz, uns einzuordnen. Die Straße ist vier bis sechs Spuren breit. Also keine Drängelei und die Möglichkeit, sofort Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Spannend, wie unterschiedlich spanische Städte und Häuser aussehen. Viele Zuschauer stehen am Streckenrand und feuern uns an. Vor dem Konvent der Salesianer gibt es den ersten von sehr vielen DJ-Punkten. Und die Sonne kommt raus. Von sechs Grad am Start wird die Temperatur auf fast 20 Grad am Zielschluss steigen. Das kann man schön an den Reklametafeln mit Temperaturanzeige sehen.
Im Norden der Altstadt treffen wir auf eine gut erhaltene Stadtmauer, die islamischen Macarena-Mauer, die zwischen dem Cordoba-Tor und dem folgenden Macarena-Bogen vom zweiten almoravidischen Sultan Yusuf ibn Tasufin (1107-1143) in Auftrag gegeben wurde.
Rechts das Parlament von Andalusien im ehemaligen, 1972 aufgegebenen „Hospital der fünf Wunden“ (Cinco Llagas). Der folgende hohe Schrotturm war Teil einer Munitionsfabrik. Dann drehen wir nach links an den Fluss Gualdaquivir. An der Kreuzung kommen uns Laufende entgegen. Die sind fast zehn Kilometer vor uns.
Es folgt die Stierkampfarena. Daher heißt das nette Viertel dahinter El Arenal. Der Stierkampf kommt aus Andalusien und wird hier in der 18.000 Zuschauende fassenden Arena noch praktiziert. Auf der anderen Seite des Flusses sieht man eine nette Häuserkette.
An ihren dunkelblauen Hemden leicht zu erkennen sind die Mitglieder des 100 Marathon Clubs UK. Und so wie Judith und ich viel unterwegs sind, gibt es auch dort viele Marathonreisende, von denen wir inzwischen einige kennen. Heute überhole ich hier Donna, die auch auf Madeira dabei war.
Der achteckige Torre del Oro war früher ein Teil der maurischen Stadtmauer und diente der Kontrolle der Schifffahrt auf dem Guadalquivir. Er wurde ab 1220 errichtet und heißt wahrscheinlich Goldener Turm, weil er gerade so schön in der Sonne strahlt. Dann auf die Brücke Ponte de San Telmo hinüber zur Plaza de Cuba. Der Gualdaquivir ist der einzige schiffbare Fluss Spaniens und von Hochseeschiffen bis Sevilla befahrbar. In römischer Zeit fuhren Schiffe bis Córdoba. Das Wasser unter uns ist eher ein See, da der Fluss weiter westlich um das Zentrum herum geleitet wird. Daher sieht man hier auch immer sehr viele Ruderer beim Training auf dem glatten Wasser.
Wir erreichen die Avenida de la República Argentina, eine schnurgerade Allee mit zehnstöckigen Bauwerken aus den 1950-1970er Jahren. Eine junge Läuferin spricht mich an. Michela kommt aus dem italienischen Bologna und bestreitet heute ihren ersten Marathon. Ich erzähle ihr natürlich, dass ich vor ein paar Jahren beim ersten Bologna-Marathon dabei war. Auch ein netter Lauf, der aber leider aufgrund massiver Bürgerproteste nun etwas ländlicher geführt wird.
Und schon ist sie auf und davon. Zeit sich Iain vorzuknöpfen, der auf dem Hinterteil des Laufhemds verkündet, dass er heute seinen 40. Geburtstag feiert. Gratulation. So jung wäre ich gern noch mal. Und als ich einen Fan mit Everton-Flagge sehe, der ihn anfeuert, weiß ich auch, dass er aus Liverpool kommt. Da gibt es auch einiges zu erzählen, da Judith und ich 2019 beim letzten Liverpool Marathon dabei sein konnten. Ein unvergessliches Erlebnis.
Aber zurück zu Sevilla. Wir sind im Stadtteil Triana, dem im kölschen Verständnis auf der „schäl Sick“ gelegenen traditionsreichen Viertel, bekannt als Wiege des Flamenco, Zentrum der Keramikherstellung und Heimat stolzer „Trianeros“. In den letzten Jahren hat es sich zu einem beliebten Ausgehviertel entwickelt. Am Rand steht eine alte Straßenbahn und in einem kurzen Stück Kopfsteinpflaster liegen noch die Gleise der in den 1960er Jahren eingestellten Bahn. Eine kurze neue Trambahn gibt es im Zentrum. Der Metro-Bau wurde dort zwar begonnen, aus Angst vor Schäden an der historischen Bausubstanz aber wieder eingestellt. Nun gibt es eine U-Bahn-Linie, die das Zentrum nur streift. Recht wenig für eine Stadt mit 690.000 Einwohnern.
Bei Kilometer zehn sind wir dann kurz vor dem Sevilla Tower. Die Szenerie ändert sich. Wir kommen ins Gelände der Expo von 1992. Rechts ein Doppelturm, erbaut von der Firma Schindler, um darin neue Aufzüge vorzustellen. Und dann steht auf einmal eine „Ariane 4“ vor uns. Toll, so was mal live zu sehen, da kann man sich die Größenverhältnisse gut vorstellen. Von 1988 bis 2003 startete die Rakete 113 Mal erfolgreich mit Satelliten in den Orbit.
Links von uns das sogenannte Olympiastadion. Es wurde für die Olympiabewerbung Sevillas 2004 gebaut. Dort befanden sich früher Start und Ziel des Marathons. 2024 wurde es in ein reines Fußballstadion umgebaut, wird jedoch nur selten dafür genutzt. Kurz vor einem Straßenkreisel verlassen wir das Stadtgebiet, um gleich wieder hineinzulaufen. Die Zeitnahmen erfolgen alle fünf Kilometer - aktuell sind wir bei km 15 - und am Vepflegungspunkt befinden sich zwei Toilettenhäuschen. Beide frei, da eigentlich unbenutzbar. Aber es muss sein. Ich berichte Judith kurz, dass mein Knie ziemliche Schmerzen bereitet und ich langsamer machen muss. Und tschüss.
Wieder über den Fluss und noch mal eine Begegnungsstrecke. Am Ende ein Kreisverkehr, auf dem ein entwurzelter Baum liegt. Zeichen des Sturms vor einer Woche. Auch viele Felder sind noch überflutet, da der Boden keinen Regen mehr aufnehmen konnte. Für uns wird es immer schöner und sonniger. Im Sommer ist Sevilla eine der heißesten Großstädte Europas.
Es wird spannend, auf den Macarenabogen zu, dann links auf den bekannten Altstadtring. Ich sehe noch die entgegenkommenden 2:45-Läufer an der Stadtmauer. So schnell müsste man sein. Stimmung ohne Ende, auch wenn ich aktuell 17 Kilometer hinter ihnen bin. Kurz danach auf eine längere Vorstadtrunde. Richtig langweilige Abschnitte gibt es kaum. Und auch hier immer Anfeuerung und die bekannten DJ-Punkte. Eine supercoole Band am großen Hauptbahnhof. Der Läufer mit dem Hund gibt hier seinen vierbeinigen Begleiter ab, da diesem die Kondition ausgegangen ist. Nun das zweite Fußballstadion: Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, Heimat des FC Sevilla. Bayern-Fans aufgepasst: Es kann, wie die Allianz-Arena, nachts rot leuchten.
Die VPs sind immer sehr lang, erst links, danach rechts. Es gibt Wasser und Iso-Getränke in Pappbechern, später Bananenstücke und dreimal auch Gel. Alles von ganz vielen Voluntarios angereicht. Dazwischen oft auch reine Wasserstellen. In der Bar Mi Gitana hängen wie so oft in Spanien „Jamón Ibérico“- Schinkenkeulen über der Bar.
Wir halten uns Richtung Süden. Natürlich fehlt noch ein weiteres Fußballstadion. Und so drehen wir am Estadio Benito Villamarín Richtung Ziel. Real Betis Balompié spielt hier in diesem Stadion aus den 1920er Jahren. Während des Umbaus wird man ins Olympiastadion umziehen.
Mich ärgert, dass ich meine Sonnenbrille nicht dabeihabe. Hier auf der breiten Avenida de la Palmera flirrt die Sonne auf dem Asphalt. In der Ferne sieht man die Bogen des Zielbereichs. Oft werden wir von Medaillenträgerinnen und -trägern angefeuert. Am großen Parque Maria Luisa tummeln sich neben den Touristen schon etliche Finisher. Durch ein Tor geht es in den Park hinein.
Auf dem Areal, das die Herzogin von Montpensier, Schwester der Königin Isabella II, 1893 der Stadt schenkte, entstand ab 1911 eine gern genutzte Parkanlage. In ihr wurde 1929 die Ibero-Amerikanische Ausstellung abgehalten, mit der die Wirtschaft der Stadt wieder angekurbelt werden sollte. Viele schöne Pavillons liegen hier, wo am Samstag außer Judith und mir auch viele Einheimische flanierten. Durch die Lage Sevillas am Guadalquivir gibt es ausreichend Wasser für subtropische und tropische Bäume und Pflanzen. Die bilden hier einen besonders beeindruckenden Kontrast zu den Straßenbäumen, die im Winter noch blattlos sind.
Die Plaza de España wird von einer halbkreisförmigen Gebäudeanlage umschlossen, die eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien symbolisieren soll. Davor liegt ein Kanal, auf dem man mit Booten herumschippern kann. Viele Gebäudeteile sind mit Azulejos (Kacheln) verkleidet. Am Fuß der Gebäude gibt es Sitznischen, gestaltet von den 50 Provinzen Spaniens. Die spanischen Touristen wollen natürlich vor der Nische ihrer jeweiligen Heimatprovinz fotografiert werden. Heute drehen wir eine Schleife auf diesem Platz und können etwas von der Weltausstellungsstimmung aufsaugen, bevor wir den Park wieder verlassen.
Am Parkausgang fehlen noch acht Kilometer. Noch einmal um die Altstadt herum. An den Begegnungsstellen ist natürlich nichts mehr los. Ich denke mir, wie man wohl den Marathon wahrnimmt, wenn man ihn in 3 Stunden zurücklegt? Viele Zuschauende haben ausgeharrt. Auch aus den vielen Freischankflächen vor den Bars gibt es immer Zuspruch und dazwischen die vielen DJ-Punkte. Es gab auch einige Trommelgruppen, die schon erschöpft dabei sind einzupacken. Aktuell quäle ich mich mit einem Schnitt von 8:45 min/km voran. Aufgeben ist jetzt keine Alternative.
Wir drehen in die Innenstadt hinein. An der Alameda de Hércules, einem zentralen Feierplatz der jungen Bevölkerung, ist die Hölle los. Zum Genießen. Wobei die defekten Stellen im Bodenpflaster schon auch viel Aufmerksamkeit brauchen. Ein paar schmale Sträßchen, dann der Rathausplatz. Ein älterer Herr mit gepflegtem Aussehen und Hut nickt mir freundlich zu. Die Straßenbahntrasse beginnt. Die Bodenplatten sind auch nicht ungefährlich. Wir kommen in die zona monumental.
Ich werde unentwegt persönlich angefeuert. Die weiße Beschriftung auf dem dunkelblauen Hintergrund der Startnummer sorgt für eine gute Lesbarkeit des Namens. Ein kleines Nationalitätenfähnchen ist auch dabei.
Am eindrucksvollen Rathaus vorbei. Die Rückseite ist viel schöner. Dort beginnt auch die Calle Sierpes, die Haupteinkaufsmeile, welche auch gern zum Flanieren und “Gesehenwerden” genutzt wird. Die Kathedrale Santa Maria de la Sede (erbaut 1401-1590) liegt links. Bei der Bischofskirche des Erzbistums Sevilla handelt es sich um die größte gotische Kirche Spaniens und eines der größten Gotteshäuser der Welt. Seit 1987 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Turm der Kathedrale, genannt Giralda (Wetterfahne), gilt als Wahrzeichen der Stadt und war ursprünglich das Minarett der Moschee aus dem Jahr 1184. Bis auf eine Höhe von 70 Metern wurden Rampen angelegt, sodass man das Bauwerk auch per Pferd besteigen konnte. Mitsamt dem Aufbau aus christlicher Zeit ist der Turm 104 Meter hoch. Obendrauf befindet sich eine weibliche Wetterfahnenfigur.
Rechts das altehrwürdige, prachtvolle Hotel Alfonso XIII, davor der letzte Verpflegungspunkt. Vor uns eine Trommelgruppe, die noch vollen Einsatz zeigt. Ich finde den Weg zwischen den Sonntagsspaziergängern fast nicht. Dann die Startmarkierung am Boden. Noch 700 Meter und dann endlich die Zielbögen. Auch hier wartet man noch auf Finisher und feuert uns an. Der blaue Teppich. Ich sehe links jemanden herankommen und versuche Gas zu geben. Er ist einige Schritte vor mir im Ziel mit gleicher Bruttozeit. Netto ist er fast eine Minute schneller.
Judith hält mein Finish im Bild fest. Die offiziellen Fotografen haben wohl schon eingepackt. Dafür gibt es nun zwei Verpflegungstaschen pro Person. Und am Stand von Cruzcampo noch zwei Bier, prost!
Einen packenden Endspurt mit Fotofinish lieferten sich auch die beiden Spitzenläufer. Es gewann der Äthiopier Tola Kitata in 2:03:59 vor seinem zeitgleichen Landsmann Abderehman Asrar Hiyrden. Schnellste Frau war die Finnin Alisa Vainio in neuem Landesrekord von 2:20:39.
Und ich fülle diesmal mit 5:26 h das hintere Feld auf. Aber ich freue mich, dass ich den ganzen Marathon mitmachen und genießen konnte. Auch wenn jetzt wohl doch eine längere Laufpause ansteht.
Ein Erlebnis sind die nächsten zwei Tage: Überall in der Stadt sieht man die Medaillen oder das hellblaue Laufhemd. Und auch am Flughafen sind Medaillen präsent. Vor mir in der Schlange am Gate steht ein Herr mit einem „World Elite“ -Anhänger. Es ist der neuntplatzierte Malede Bukayawe, der 2:07:28 gelaufen ist. (Bukayawe Malede, 2:07:38 habe ich gefunden)
Fazit:
Ein internationaler Marathon in einer schönen Stadt, schneller, flacher Kurs auf Meereshöhe, viele Zuschauer, Musik und Stimmung. Der perfekte Einstieg in die Frühjahrsmarathonsaison. Schade, dass nur so wenig deutschsprachige Läuferinnen und Läufer daran teilnehmen.
Siegerinnen Marathon
1 ALISA VAINIO Finlandia 02:20:39
2 BEATRICE JEPCHICHIR CHESEREK Kenia 02:21:56
3 MULAT TEKLE GODU Etiopía 02:22:03
Sieger Marathon
1 SHURA KITATA TOLA Etiopía 02:03:59
2 ASRAR HIYRDEN ABDEREHMAN Etiopía 02:03:59
3 DEJENE HAILU BIKILA Etiopía 02:04:15
Finisher 12.434
davon
Frankreich: > 3.000
Deutschland: 128
Schweiz: 63
Österreich: 19
Frauenanteil über 21%
5K-Frühstückslauf mit Zeitnahme und Altersklassenprämierung am Samstag