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Laufberichte

Die Laufwelt trifft sich auf der Seiser Alm

17.07.09
Autor: Klaus Duwe

Claudio Prandelli: „Die Bedingungen sind einfach ideal. Entscheiden tun aber auch immer die Athleten. Und denen hat es hier immer sehr gut gefallen. Die Hotels, das Essen, die Atmosphäre, alles bestens. Und sie wissen, dass sie nach den bisherigen Aufenthalten hier immer sehr gute Resultate erzielt haben. Wichtig ist auch, dass man das Training hier sehr vielseitig gestalten kann. Es gibt anspruchsvolle Routen, flachere Strecken und für die ganz schnellen Einheiten fahren wir ins Tal und laufen auf einem der Radwege.

Wir betreuen ja auch immer einige Amateure hier. Auch für sie ist das Training auf der Seiser Alm als Vorbereitung auf einen Marathon sehr interessant. Es kommt allerdings auf die richtige Dosierung an. Auf den anspruchsvollen Strecken kann man sich auch leicht übernehmen“.

Was ist das Ziel der Vorbereitung? Die WM, ein neuer Weltrekord?

Claudio Prandelli: „Das Hauptziel ist zunächst die WM in Berlin. Für den Marathon sind aus unserem Team Benjamin Kiptoo und Robert Cheriuyot nominiert. Aber auch die anderen großen Marathons sind wichtig: Chicago, New York, Amsterdam. Ja, auch ein neuer Weltrekord ist in diesem Jahr möglich. Wer ihn laufen wird? Ich kann da nur für unser Team sprechen. Da ist zum Beispiel Duncan Kibet, er ist dieses Jahr in Rotterdam 2:04:27 gelaufen. Von ihm kann man schon noch einiges erwarten.“

Die WM ist im August, gestartet wird um 11.00 Uhr. Da können während des Rennens die Temperaturen  schon extrem sein. Wie bereiten sich die Profis darauf vor?

Claudio Prandelli: „Die eine oder andere Einheit absolvieren wir schon jetzt unten in Bozen bei teilweise um die 30 Grad. Wir laufen auch zu der Tageszeit, zu der das Rennen ist. Wir werden auch noch in Kenia in der Wärme trainieren. Je näher der Wettkampf kommt, desto mehr werden wir versuchen, unter den zu erwartenden Bedingungen zu trainieren.

Hermann Achmüller, der ja mit den Kenianern hier lebt und trainiert, erzählt mir, was die Läufer über ihren jungen Trainer sagen: „Er ist unser Bruder“.

So, jetzt ist Schluss. Morgen bin ich mit einem weiteren bekannten Südtiroler Marathonläufer zu einer Bergtour verabredet. Ja, es stimmt, Hartmann Stampfer hat es in seiner Heimat mit seinen jetzt 129 Marathonläufen in der halben Welt zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Trotz seiner vielen Starts erreicht er durchweg Zeiten um die 3 ½ Stunden (PB3:15), was ihm auch die Anerkennung der Kollegen aus dem Leistungsport einbringt. 2002 feierte er, damals noch in Bozen, beim Südtirolmarathon sein Debüt. Sein letzter Lauf war in Zermatt. Der war nicht so ideal für ihn. „Zu wenig zu laufen, da mach ich lieber gleich eine Bergtour“, sagt er dazu. Dann also bis Morgen.

Dem Schlern auf’s Dach gestiegen

Pünktlich um 8.00 Uhr kommt Hartmann mit seinem Roller angeknattert. Das Wetter ist phantastisch. Ein paar Nebelreste steigen vom Tal herauf und schmücken die dem Schlern vorgelagerten Santner- und Euringerspitze. Über frisch gemähte Almwiesen gehen wir querfeldein, bis wir den offiziellen Wanderweg zur Saltnerhütte erreichen, von wo aus der Touristensteig auf den Schlern führt.

Viele Wege mit unterschiedlichen Schwierigkeiten führen auf den 2563 m hohen Berg, der wegen seiner markanten Form als das Wahrzeichen Südtirols gilt. Wir haben uns den einfachsten davon ausgesucht. Ausgangspunkt ist normalerweise die Hotelsiedlung Compatsch (1870 m)

Von kaum einem anderen Berg sind so viele Sagen und Geschichten bekannt, wie vom Schlern. Der lange Schlernrücken mit seiner höchsten Erhebung (Petz) ist seit jeher ein beliebter Treffpunkt der Besen reitenden Schlernhexen, die immer wieder für schlimme Unwetter sorgen. Gerne erzählt man sich die Geschichte vom Hansel, der mit einer in Weihwasser getränkten Kugel eine solche Hexe niederschoss. Der grauenvolle Anblick der Hexe hat den Armen so erschrocken, dass er sich erst Jahre später davon erholte. Vergessen konnte er das Erlebnis aber zeitlebens nicht.

Der Wanderweg ist sehr gut ausgebaut und wird mit viel Aufwand in tadellosem Zustand gehalten. Man kann hier wunderbar Trailrunning und Berglauf üben. Wir behalten aber unser Marschtempo bei, genießen den Blick auf den herrlichen Berg, die bunt blühenden Wiesen, erfrischen uns an einem laut plätschernden Gebirgsbach und freuen uns darüber, dass die lange versprochene Tour nun endlich stattfindet. Und das bei einem so einmalig schönen Wetter. Als Läufer würde man allerdings schon wieder meinen, es sei zu warm.

Eine ganzes Stück steigt der Weg nur mäßig an, dann wird es steiler und schließlich geht es in weitläufigen Serpentinen aufwärts. Schatten spenden die niedrigen Bergkiefern keinen. Nach zwei Stunden Marsch kommt das Schlernhaus (2457 m) in Sichtweite.

Das 1895 erbaute Schutzhaus hat mehrere Gasträume und auch 120 Betten. Von hier kann man in 20 Minuten bequem auf den Gipfel steigen. Die Aussicht ist einmalig. Die 57 qkm große Seiser Alm liegt uns zu Füßen, eingerahmt von Langkofel, Sella und unzähligen weiteren Dolomitenbergen, die zu den schönsten im ganzen Alpenraum gehören.

 
 

 

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