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Laufberichte

9. Sentiero delle Grigne – Trofeo Scaccabarozzi

20.09.09

Eigentlich hatte ich einen Startplatz beim Baden-Marathon. Aber manchmal kommt es anders als man denkt. Melanie hatte kurzfristig keine Zeit für das Läufer-Bodypainting, welches seit 7 Jahren ein fester Bestandteil beim Marathon ist. Die letzten Jahre war ich in Karlsruhe als laufendes Kunstwert bemalt gestartet. Hier ein Bild aus 2008

Aber einen Stadtmarathon in Laufkleidung absolvieren, das kommt für mich einfach nicht in Frage. Also entschied ich mich kurzfristig um. Packe Freitag die Trailrunners ein und rolle meiner geliebten Kontinentalplatten-Knautschzone entgegen. Alpen nennen manche diesen Teil der Erde. Mein Ziel liegt diesmal in der Lombardei. Es ist das Grigne-Massiv. Dort knautschen sich die Kontinentalplatten zu kalkigen Türmen und Gipfeln. Dazwischen liegen steile Wiesen und Hänge, die grandiose Blicke auf die Seen um Como und Lecco frei geben.

Das Gebiet ist ein Eldorado für Kletterer, Wanderer, Gleitschirmflieger und einmal im Jahr ein Treffpunkt für ca. 440 Läufer, die dort auf einer Halbmarathon- und Marathondistanz die Berge umrunden. Dieses Jahr ist es der letzte Lauf der „ITALIAN SKYRUNNER CHAMPIONSHIP“. 2008 trafen sich hier die Besten der Welt um die World Skyrunner Championship auszutragen. Bei meiner Ankunft am Samstagmorgen knautschen sich allerdings dicke Regenwolken zwischen den Gipfeln. Bei einem Spaziergang am Nachmittag stelle ich mehrfach fest, wie rutschig Kalksteine werden, wenn sie nass sind. „Das kann ja morgen heiter werden“ denke ich.

Die Startnummernausgabe ist ab 14:30, um 18:30 findet die Läuferbesprechung statt. Wer italienisch kann, bekommt hier die wichtigsten Tipps bezüglich Stecke, Wetterverhältnisse, Wegbeschaffenheit, Pflichtausrüstung, Versorgungspunkte und Verhaltensregeln. Der Sentiero delle Grigne ist ein sehr technischer Skymarathon mit vielen seilversicherten Passagen. Er hat 3.200 Höhenmeter und genauso viele in die Tiefe. Start und Ziel ist in Pasturo auf ca. 650 hm. Der höchste Punkt der Strecke ist der Gipfel Grignone mit 2.410 hm. Die Strecke ist 43 km lang. Sollten sich die Wetterverhältnisse über Nacht nicht bessern wird die Strecke am Sonntagmorgen verlegt, denn bei Regen oder gar Gewitter wäre es unverantwortlich den Marathon auf der Originalstrecke abzuhalten.

Nach der Besprechung werde ich von Luigi Brambilla, dem Race Director eingeladen, am Abendessen im neu renovierten Kindergarten teil zu nehmen. Durch die Gespräche erfahre ich viel über die aufwändige Organisation eines solchen Marathons. Außer den Gebirgsjägern und der Bergwacht sind viele Vereine der gesamten Umgebung ehrenamtlich tätig und sorgen für Wohl und Sicherheit der Läufer. Allein über 300 Personen werden am Sonntag auf der gesamten Strecke verteilt stehen, an den schwierigen Passagen in sehr kurzen Abständen. Sie sollen bei Unfällen erste Hilfe leisten und bei Bedarf den Rettungshubschrauber alarmieren. Für die Verständigung untereinander sind 9 Funkstationen eingerichtet. Andere Helfer übernachten bereits am Samstag auf den Hütten an der Strecke, um dann am Sonntag mit Getränken und Riegeln die Läufer zu verwöhnen. Ohne all diese freiwillig helfenden Hände wäre eine solche Veranstaltung unbezahlbar. Und ich finde, ihre Arbeit verdient einen sehr großen Respekt. Federführend bei der Organisation ist die „Gruppo Sportivo Alpini“ aus Missaglia. Sie rief vor 9 Jahren diesen Lauf ins Leben als Erinnerung an ihren damaligen Vorstand, Giacomo Scaccabarozzi, der bei einem tragischen Gleitschirmflug im Grigne-Massiv ums Leben kam.

Auf dem Weg zum Wohnmobil schaue ich prüfend in den Himmel. Vielversprechend sind ein paar einzelne Sterne zu sehen. 7 Stunden später, der Wecker klingelt, die Ohren hören keine Regentropfen auf dem Dach, schnell die Jalousie herunter, noch ist alles dunkel, aber es funkeln Sterne. Beim Frühstück beginnt die Dämmerung und zaubert einen fast wolkenlosen Himmel über die Berge. Juhu, das sieht phantastisch aus!! Der Start für den Marathon ist um 7:30. Die Halbmarathonis starten um 9:00 Uhr. Der Wetterbericht für heute bleibt gut. Die Strecke muss nicht verlegt werden.

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