marathon4you.de

 

Laufberichte

Sonne, Meer und frohe Läufer

03.03.13
Autor: Joe Kelbel

Steil fällt der breite Wasserfall ins Meer. Ein Riesengebrüll der Trachtengruppe, als ich hinunter laufe, um Fotos zu schießen. Die wähnen mich auf dem falschen Weg. War es letzte Woche die Wasserleitung in Marokko, so ist es jetzt die Stromleitung für die Beleuchtung des Wasserfalles, die mich von den Socken haut und mir beinahe den Einmalchip aus dem Schnürsenkel reißt. Wie ein sterbender Käfer liege ich rudernd im Staub, bis mir Pumuckl auf die Beine hilft.

Bevor wir nach Larastrand (Lara= Sand) kommen, laufen wir durch einen wunderbaren Park. Der Strand ist überraschend natürlich, die Urlauber in den Straßen-Restaurants auch. Schwellen, die eigentlich die Autos bremsen sollen, bremsen mich, während dieser Barfußläufer drüberhüpft und all die “Bekannten meines Vertrauens” begrüßt, dann aber direkt auf den Strand zusteuert. Pumuckl verschwindet langsam in der Brandung.

Unterdessen schließe ich Freundschaft im Grillgebiet. Riesige Brote, gehackte Tomaten mit Kräutern und Knoblauch, dazu ein kühles Efes und gegrillte Lammkoteletts. Die Jungs arbeiten alle bei Hoechst und wir treffen uns in zwei Wochen auf der Konstabler Wache. “Facebook, Facebook!” Ich find das klasse hier!

Ultraschallmäßig und satt gefuttert nehme ich wieder meinen Lauf in Angriff. Sonne, Strand und Meer, dazu ein makelloser, narbenfreier Laufuntergrund bis zur Wendemarke in Larabeach. Beachbars und Restaurants, von einem 40 m hohen Turm kann man Bungee-Junping machen, im Sommer gibt es Live-Konzerte.

Seit ein paar Jahren schießen extravagante Themenhotels aus dem Boden und erinnern fast an Las Vegas. Da gibt es ein Klein Venedig, den Ultraschallflieger Concorde, den Kreml, den Topkapi Palast in Istanbul oder die Titanic.

Dann geht es zurück, vor mir das schneeweiß strahlende Taurusgebirge und rechts wieder die lachenden Hoechster Jungs. Jetzt gibt es Hackfleischbällchen mit gegrilltem Schafskäse. Yusuf ist Türsteher im livings, der Disco unter dem Eurotower in Frankfurt. Er erinnert sich genau, wie ich bei der Ü30 Party die Windmühle auf der Tanzfläche gemacht habe.

Ich laufe gut heute, sehr gut. Wäre praktisch auf 4 Std-Kurs, wenn da nicht… Pumuckl grinst mich vom Bordstein aus an, hinter ihm der Kiosk von Mehmet, dem  “Türken meines Vertrauens”. Der Sohn des Inhabers konnte letzte Nacht nicht schlafen, weil er wusste, dass Pumuckl heute hier vorbeiläuft. Das ist jetzt wirklich keine Übertreibung von mir! Das ist absolut wahr, der Kleine steht dort mit seinem Plüsch-Pumuckl in der Hand und heult Rotz und Wasser weil da so ein Barfußläufer vorbei kommt.

“ Dietmar, wir müssen weiter, hier im Schlussfeld gibt es keine Gutaussehenden mehr”, sage ich zum Rotschopf, da drückt mir der Wirt einen rakidurchseuchten Lappen aufs blutende Knie!  “AAAArkght ! Hürlikrützitürken!“ Das Bier geht aufs Haus.

Wir tanzen mit den Derwischen, es ist eine lustige Rundreise durch Antalya. Ich bin einer der wenigen Deutschen, die das erste Mal in der Türkei sind und sehr erstaunt, wie gastfreundlich und lustig die Jungs hier sind. Hier gibt es weniger Kopftücher als in Köln-Poll oder im Gallusviertel und wir Läufer kommen direkt vom Olymp.

Viel zu schnell geht der schöne Lauf zu Ende, der war aber auch nur Nebensache.
Jeweils die ersten drei aller drei Laufkategorien erhalten als Siegprämie einen einwöchigen Aufenthalt in diesem Traumland inkl. Flug. Ich nicht, ich komme mal wieder auf den letzten Drücker ins Ziel, weswegen ich nicht dem berühmten Sesamkringel in der Zielverpflegung begegne.

Fürs Duschen und “Freie Recherche” habe ich jetzt 3 Stunden Zeit. Da sich mein Zimmer immer noch dreht, begebe ich mich in die sanften Pranken von diesem Hamamtypen, der mich unter einem Schaumberg versteckt und mich wie einen unreifen Pizzateig knetet. Zum Abschluss drückt er mir eine Visitenkarte von seiner mutmaßlichen Mutter in die Hand, die ich ihm dankend wieder unters Handtuch drücke. 

Schwer geschädigt schleppe ich mich zum Shuttlebus. Die obligatorische After-Run-Party ist angesagt. Blitze und Donnerschläge bei Ankunft im Majesty Mirage Resort. Ich habe kaum meinen Vorspeisenteller verdrückt, da macht mich die dralle Bauchtänzerin an.

Nun bin ich zwar Ultra, aber irgendwo sind Grenzen. Süheyla übersetzt, als ich der Mondgesichtigen auf deutsch einen Heiratsantrag mache. Volltreffer. Unter wildem Geschrei und “hau ab, hau ab! “auf Türkisch zieht die dralle Traumfrau von dannen, während die beiden anderen Bauchdamen freundlich das entstandene Vakuum füllen und mir erklären, dass vor der Hochzeit die Kohle fließen muss. Also kein großer Unterschied zwischen Ori-ent und el-ent, was Klaus S. schnell kapiert und der Dame einen 10-Euroschein mit Spucke an die Stirn klebt.

Die Tage in Antalya  kommen mir vor wie Wochen, würde ich alles schreiben, was ich erlebt habe, dann …….

Längst hat sich eine feste Truppe gebildet, die am Montagmorgen bei der Titelmelodie von “Titanic” in See sticht. Vorne auf dem Bug versammeln sich die Kate Winslets und harren dem Klicken der Kameras. “Gib dem Läufer Bananen, dem Joe ein Bier und den Mädels einen Reporter” sage ich dem Käpt‘n, dann dreht er das Ruder in den Wind, sodass die nasse Gischt des Wasserfalls die Schönen an den bordeigenen Kühlschrank treibt.

Das Hotel dreht sich immer noch, als ein türkischer Sheldon um 6:30 meine Zimmertür behämmert: “Minibar! Minibar! Minibar! “ Naggisch laufe ich zur Tür:
“ My flight neinteen Uhr! Jetzt nix Minibar! unterstand!? ”  Die spinnen die Türken! Aber cool sind die schon!

Nach zwei Jahren Ruhe auf meiner Favoritenliste rückt der Runtalya glasklar mitsamt seinem perfekten Rahmenprogramm auf Platz eins vor, verdrängt Costa Brava, MVA und Thermen Marathon. 

123
 
 

Informationen: RUNATOLIA Antalya Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

Anzeige

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin