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Laufberichte

Sonne, Meer und frohe Läufer

03.03.13
Autor: Joe Kelbel

Der Hotelchef empfängt mich persönlich, der Rotwein ist aus dem hoteleigenen Weinberg. “Wir wollen gar nicht in die EU” sagt er zu mir, Touristen und Einheimische leben gut im liberalen Antalya, und nächste Woche beginnt er seinen Deutschlehrgang.

Ich soll unbedingt zu den Karain Höhlen (27 km von Antalya), das seien die spektakulärsten Höhlen Europas. Zurzeit gräbt man dort Spuren der Neandertaler aus. Man darf selbstständig durch das Höhlensystem wandern, das mit kyrillischem und römischen Graffiti, uralten Opfernischen und prähistorischen Knochen garniert ist.

Dann bringt der Kellner geschwungene silberne Löffel, auf denen die Köstlichkeiten des Mittelmeeres in leichter Knoblauchsoße schwimmen.

Das Zimmer dreht sich, das ganze Hotel dreht sich, das erklärt warum mein Bericht so spät bei m4y erscheint. Aber so wechselt der Blick stündlich vom Swimmingpool (22 Grad) über das Meer hin zum Taurusgebirge mit dem 3086 Meter hohen Kizlar Sivrisi Tepesi. Nächstes Jahr laufe ich dort oben vielleicht den Lykischen Weg über 509 Kilometer. Der mehr als 3000 Jahre alte Karavanenweg geht über Steige und Maultierpfade vorbei an den Felsengräbern von Myra, Geisterstädte, wie Kayaköy und schaurigen Ruinen .

Degerli Sorseverler! Das stand irgendwo auf dem Banner und heißt mutmaßlich “Willkommen Joe, Du kraftstrotzender Läufer!”

Der Transferbus lässt uns direkt an der Startlinie aussteigen. Wir müssen nur über die Rolltreppe auf die andere Straßenseite. Da werden selbst Marathonläufer zu faulen Socken und bleiben auf der Treppe stehen.

Überall deutsche Winterflüchtlinge. Der Lauftag bietet heute 24 Grad. Die Uferstraße, auf der unser Pumuckl barfuss läuft, wird am Montag witzigerweise neu asphaltiert werden. Thorsten läuft auch als Pumuckl, sonst als Robin Hood, aber sein Bogen wurde nicht in den Flieger gelassen. Martina hat beide Hände verbunden, sie ist gestern beim Training gestürzt. Uwe, der Ideengeber des Antalya Marathons wird ihr das Wasser reichen müssen.

Ein Hundefängerauto steht auf der Rennstrecke, die Tölen kläffen im Kofferraum und warten auf ihre Kastration. Tatsächlich treibt die Staatsmacht den Hundefänger im nahen Cafe auf und wir können ohne Drohkulisse unseren Lauf antreten.

Der Frauenanteil bei diesem Lauf ist ausgesprochen hoch, sodass ich erst in den Startblock komme, als die Nationalhymne gespielt wird. Die meisten laufen den
Yarimarathon, den Halben.

Kurz vor dem Stadtzentrum (Kaleici)  überhole ich Yavuz Sap, der wie jedes Jahr auf Krücken die 10 Kilometer zurücklegt. Unter uns nun die von alten Stadtmauern umgebene Altstadt. Die Gassen ziehen sich bis zum Hafen hin. Bars und Restaurants sind in belebten Innenhöfen gelegen, Orangenbäume bieten luftigen Schatten. Die Händler dort haben sich verpflichtet, die Touris nicht anzubabbeln. Wenn doch, dann ruft man das “Sorgentelefon” an, dessen Nummer an den Eingängen der kleinen Geschäfte aushängt. Es ist Geburtstag von Atatürk (Papa der Türken), dem liberalen Staatsgründer.

Kurz vor dem Hadrianstor kommen wir am Kebabcenter vorbei, wie eine riesige Bahnhofshalle sieht der überdachte Platz aus. Den Kebab bestellt man in der Türkei grammweise. Geboten wird Huhn- oder Lammfleisch, der Duft strömt die Laufstrecke erfüllt.

Die Wagenspuren durch das Hadrianstor aus römischer Zeit sind mit einer Glasplatte geschützt. Etwa zwei Meter höher liegt das heutige Niveau der Stadt. Antalya strebt nach oben und wir nach vorne zum silbrigblauen Meer (km 6), über dem das schneebedeckte Taurusgebirge leuchtet.

Wir laufen an der Steilküste entlang. Von den Hotels leiten Aufzüge durch den Karstfelsen hinab zu Schwimmplattformen. Getürkte Segelschiffe schippern Touris in die Höhlen unter uns. Die Decks sind mit Piratenfiguren dekoriert, aus dem Bauch des Schoners führen Rutschen in das kristallklare, silbrig glänzende, blau-grüne Wasser (22 Grad). Unter Wasser locken Steilwände und Höhlen, für den Taucher Kriegsschiffe aus den Weltkriegen.

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Informationen: RUNATOLIA Antalya Marathon
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