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Laufberichte

Sun – Fun – Run

 

Riesentamtam auf dem Rückweg, als ein Teil der großen spanischen Militärmannschaft vorbeizieht. Sie sind als Halbmarathoner zwanzig Minuten nach uns gestartet, zehn Minuten vor ihnen die 10 km-Läufer. Wiederum darf ich nicht – die sind aber auch zum Anbeißen! – und schon ist das erste Viertel geschafft. Das zweite ist fast identisch mit der 10 km-Strecke und auf die freue ich mich besonders: Nämlich auf den Kurs durch die Altstadt. Was hat man mir davon schon vorgeschwärmt! Umso enttäuschter bin ich nach ein paar zunächst schönen Abschnitten u. a. über die Prachtstraße Rambla, als ein Teil über breite, teilweise autobefahrene Straßen führt, von denen für uns nur eine Spur abgeteilt ist. Als sich meine Kragenweite schon bedeutend erhöht hat, kommt die Beruhigung, nämlich genau das, was ich erwartet bzw. erhofft hatte: Schöne Altstadtgassen, der traumhafte Plaza Mayor, die Kathedrale La Seu, an deren Haupteingang wir unmittelbar entlang dürfen, ein herrlicher Blick auf das Veranstaltungsgelände, ein ebensolcher auf den Herrn Duwe – na ja, der stand halt da und wurde auch geknipst…

Nach dieser freudigen Überraschung folgen weitere tolle Momente, z.B. über den malerischen Plaza San Francesc, wo ich mich vom ordnungsgemäßen Zustand meines dort im Morgengrauen abgestellten Autos überzeugen kann, durch verwinkelte Gassen, über wunderschöne Höfe und vorbei an nicht minder hübschen Flamenco-Tänzerinnen. So kommen wir schließlich, auf das Meer zulaufend, zu dem Punkt, der die 10 km- bzw. Halbmarathonstrecke vom Marathon trennt. Hier könnte man… Nein, kein Thema, links herum und, die Kathedrale im Rücken lassend, geht es in Richtung Platja de Palma und s’Arenal.

Vor den km zwischen 20 und 30 hatte man mich gewarnt: öde, weitestgehend an Industriegebieten vorbei, zum Vergessen seien sie. Nun, zunächst sieht es doch gar nicht so schlecht aus: Wir bleiben vorerst an der Küstenstraße und biegen in den Szene-Stadtteil Portixol ab, der uns mit Hafen und netter Uferstraße begrüßt. Zum bereits wiederholten Male erhalten wir musikalische Unterstützung, ob sich unter den Schottenröcken allerdings echte Schotten verbergen, wage ich zu bezweifeln. Wer mental hart im Nehmen ist, hat hier klare Vorteile, denn den späteren Rückweg können wir bereits wenige Meter rechts von uns ausgiebig betrachten, noch aber ist er verwaist.

Die optische Attraktivität läßt dann in der Tat etwas nach, aber nicht einmal halb so dramatisch wie beschrieben. Ob links der Autobahnzubringer zum Flughafen, ob rechts das Elektrizitätswerk oder einfach der Himmel, in den im Minutentakt die Flieger aufsteigen, es gibt eigentlich immer etwas zu schauen um sich abzulenken. Nach wie vor ist der Himmel weitgehend wolkenverhangen, aber die Sonne lugt bereits durch die ersten Lücken und das läßt erschwerte Verhältnisse vorausahnen. Die vermeintlich öden Abschnitte haben schon bald ein Ende und mit Erreichen einer Durchgangsstraße von s’Arenal belebt sich die Szenerie beträchtlich. Hier sitzen die Leute in den Cafés und Restaurants, spenden immer wieder Beifall und heben so die ohnehin gute Stimmung.

Exakt bei km 30 ist der ostwärtige Wendepunkt erreicht. In der 180°-Kurve stehen viele Zuschauer, zunächst eher verhalten, aber offensichtlich erwartungsfroh. Ich mache den Kasper und erzeuge ohrenbetäubenden Beifall. Na also, geht doch! Tja, jetzt liegt eine lange Schlussgerade von sage und schreibe zwölf km Länge vor uns. Die aber muß uns keine Angst machen, denn Ballermann und s’Arenal versprechen Kurzweil. Allerdings sind wir nicht bis zum berühmten Ballermann Nr. 6 gekommen, es geht erst beim achten vorbei, dann am neunten usw. Ob es daran liegt, wage ich nicht zu behaupten, auf jeden Fall geht es äußerst gesittet zu. Klar, um kurz nach Zwölf liegen die Letzten wohl noch im Delirium, der Rest flaniert auf der Straße, am Strand oder läßt es sich bereits wieder in den Gastronomiebetrieben gut gehen, die wie an der Perlenschnur aufgereiht rechts von uns liegen. Sicherlich ist es alles andere als ein Vergnügen, mit frisch operierter Achillessehne im Krankenhaus zu liegen, aber das kann einen auch vor sich selber schützen. Denn wenn ich mir IHN hier vorstelle bin ich sicher, an akuter Unterhopfung wäre ER bei dem Angebot nicht gescheitert.

Die Saison hat ihren Höhepunkt offensichtlich deutlich überschritten, die Strände sind fast leer, daher kann sich die Sonne auf uns Läufer konzentrieren und das tut sie jetzt mit Macht und zehrt die schwächer werdenden Körper weiter aus. Immer wieder aber kommen kleine Stimmungsnester, die uns aufmöbeln und zu einer etwas flotteren Gangart animieren. Das Trinkwasser kann ich bald nicht mehr sehen, es ist warm geworden und doch muß ich es, abwechselnd mit Iso, hineinzwingen.

Die Zahl der Wanderer, die schon vor der Hälfte begonnen hat, nimmt deutlich zu, und ohne mein ohnehin sehr verhaltenes Tempo zu erhöhen, überhole ich jetzt zahlreiche Mitstreiter. Gerade in der hinteren Ergebnisliste zeigt der Vergleich der Zeiten von erster und zweiter Hälfte, daß viele hinten heraus zum Teil sehr deutlich Federn lassen mußten. Auch die Zahl der Aussteiger scheint hoch gewesen zu sein, der letzte setzte sich doch tatsächlich exakt bei km 41 in den Krankenwagen.

Weit können wir die noch zurückzulegende Strecke einsehen, Palma bereits erahnen, und doch ist es noch so weit entfernt. Immer schwerer werden die Schritte, der eine oder andere gönnt sich zwangsweise eine kleine Auszeit, geht, steht, dehnt oder kotzt schlicht und ergreifend. Die letzten km sind die reine Folter, mir ist heiß ohne Ende und ich laufe über km ganz nahe am Wasser entlang, ohne mich hineinfallen lassen zu dürfen.

Der nette kleine, runde Hafen von Portixol verheißt dann aber das nahende Ende und das immer wieder sehr gerne gesehene 40 km-Schild unterstreicht die erfreulichen Aussichten. Zumindest einen 4 Stunden-Pacer hat’s auch zerrissen, mit ganz schweren Schritten schleppt er sich vorwärts. Sein aufgelaufener 4:15er-Kollege versucht ihn mit noch mit kernigen Sprüchen mitzureißen, aber der hat fertig und muß bald wieder abreißen lassen.

Aah, dann kommt die große, abgesperrte Uferstraße, die Zahl der Fans nimmt sprunghaft zu, der Laufkanal wird eng, so liebe ich das. Dann freue ich mich riesig über meine Fans, die mich erwarten. Elke hat ihre 10 km mit Bravour hinter sich gebracht und wird durch Hannelore und Hans-Hermann verstärkt, die sich nach ihrem Einsatz an der Verpflegungsstelle bei km 39,5 des Köln-Marathons noch ein paar Tage Sonne gegönnt haben.

Die letzten Meter beinhalten nochmals einen 180°-Richtungswechsel, dann ist der ersehnte Zielbogen da, und erhobenen Hauptes überschreite ich ganz gemessen den Zielstrich. Puh, das war mal wieder eine harte Nuss. Ich bin wirklich froh, diese Prüfung, wenn auch leicht angeschlagen gemeistert zu haben.

Wo gibt’s denn die Medaillen? Ich suche und suche und bekomme dann gesagt, daß diese erst sehr deutlich hinter dem Zielbogen ausgegeben werden. Erst später geht mir auf, daß dieser kleine Trick optimal geeignet ist, den Zielbereich schnell zu entvölkern. Denn was macht man üblicherweise mit frisch umgehängtem Metall? Man steht, palavert und sorgt so schnell für einen unerbetenen Stau, der hier nicht entsteht.

Welche Flüssigkeitsmengen, insbesondere des lebensrettenden Getränks aus dem Münchner Süden, ich mir dann reinziehe, bedecken wir besser mit dem Mantel der Liebe. Wiedergesehen habe ich davon an diesem Tag nichts mehr, so viel zum Thema Dehydrierung.

Das Konzept, mit einer dreitägigen Laufveranstaltung auch in der auslastungsschwächeren Zeit eine Menge Leute auf die noch wunderbar warme und höchst abwechslungsreiche Insel zu bringen, geht voll auf, fast elftausend Teilnehmer plus Begleitpersonen haben sich anlocken lassen. Ich bin gespannt, wie sich diese schöne Veranstaltung nach dem angekündigten vollständigen Rückzug der TUI als Hauptsponsor und Veranstalter entwickeln wird. Ich hoffe sehr, nicht zu ihrem Nachteil, es wäre schade darum.

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Capo Soler, Miquel (ESP) 02:35:15
2 Suchenia, Piotr (POL) 02:36:21
3 Peralta Aguilar, Jesus (ESP) 02:36:26

Frauen

1 Oberem, Sonja (GER) 03:03:46
2 Vanlommel, Linda (BEL) 03:10:41
3 Pasamar Marquez, Lucia (ESP)  03:13:41


1487 Finisher

 

Startgeld:
Je nach Anmeldezeitpunkt 50 bis 65 € plus 3 € Nachmeldegebühr.

Rahmenprogramm:
Kleine Sportartikelmesse vor traumhafter Kulisse.

Streckenbeschreibung:
Weitestgehend flach, das erste Viertel als Pendelstrecke am Hafen, das zweite wellig durch die Altstadt, die letzten beiden Viertel nach s’Arenal und zurück. Knapp hundert Höhenmeter. Zielschluß ist nach 6:00 Std.

Auszeichnung:
Medaille, T-Shirt gegen Bezahlung, Urkunde aus dem Netz, Massagemöglichkeit.

Verpflegung:
12 Verpflegungsstellen mit Wasser, Iso, Äpfeln und Bananen (meist grün), im Zielbereich zusätzlich Kekse, Cola und der Lebensretter aus Erding.

12
 
 

Informationen: Palma de Mallorca Marathon
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