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Laufberichte

Oide Marathonsau

 

Innenstadt

 

Die Ferihumerstraße bringt uns zur linken Rampe der Nibelungenbrücke. Noch am diesseitigen Ufer sehen wir das Ars Electronica Center. In der Nacht leuchtet das Gebäude in vielen wechselnden Farben auf. Das Museum für Elekronische Kunst ist hier untergebracht. Gegenüber regiert die Stadtspitze im neuen Rathaus. Viele Flaggen und Werbebanner sind an der im Jahr 1940 erbauten Brücke angebracht. Man sieht’s sie Veranstalter sind eben auch PR-Profis.  Die Berichterstattung in den Medien sorgt auch dafür.

Selbst die Temperatur passt zum heutigen Event. Der Wetterfrosch sagt erst am Nachmittag  leichte Niederschläge voraus. Die Temperatur dürfte jetzt gerade zweistellig geworden sein, die Sonne ist hinter der leichten Bewölkung zu erahnen. Selbst auf der Brücke ist der Wind kaum zu spüren.

Rechtskurve, wir laufen in die Untere Donaulände. An einer Mauer hocken die Zuschauer wie die Hühner am Stangerl. Auch an der Fußgängerbrücke sind freie Plätze zum Marathon schau‘n  kaum noch vorhanden. Kurz danach rennen wir am Bruckner-Haus und am Parkbad vorbei.

Beim zehnten Kilometer wechseln die Staffeln zum ersten Mal und bringen frische Kräfte ins Rennen. An der Ecke ist die ehemalige Tabakfabrik zu sehen. Auf der Medaillenrückseite findet man ein Bild des Gebäudes.

Im Wechselbereich geht es eng zu, zum Stillstand kommt man allerdings nicht. Die Staffeln haben ihre Mühe, ihre Ablösung zu finden. Rufe, Fahnen und Schilder sollen helfen, zueinander zu kommen. Einen Vorschlag habe ich da. Wenn man die Staffelläufer vom Kurs ausleitet, parallel zu unserem Kurs den Wechsel vollzieht und dann wieder den Kurs zusammenlegt, wäre der eine oder andere Gefahrenmoment beseitigt. Denn ich beobachte einige hektische Streckenquerungen. Und auch einen Tipp für die Staffeln habe ich. Befestigt den Chip nicht in der Schuhschnürung, sondern nehmt ein Gummiband. Das lässt sich in Sekunden lösen und übergeben.

Kilometer 12, das Design Center Linz: 1994 eröffnet, dient das Gebäude heute für Messen, Kongresse und Ausstellungen. Die Obstbäume stehen davor in voller Blüte. Nachdem der Winter heuer fast ausgefallen ist, ist die Frühlingsblüte schon weiter als üblich. Am Volkshaus Franckviertel biegen wir rechts ab und wir laufen unter der Eisenbahn hindurch.

 

Kilometer 15 bis 21

 

Die Wiener Straße, eine der Ausfallstraßen, bringt uns wieder näher zur Innenstadt. Ein wenig öde ist der Kurs hier, denn wir laufen am Güterbahnhof vorbei. Wer weiß, ob es nicht auf dem Gelände früher oder später Wohnbebauung gibt, denn die Zeiten, wo die Bahn mit Gütertransport noch fettes Geld verdient hat, sind längst vorbei.

Was mir hier auch auffällt: Viele Firmen und Organisationen haben ihre Teams zum Laufen geschickt. Der gemeinsame Sport hat positive Wirkung auf das Arbeitsleben und Sozialverhalten. Samariterbund Racingteam, Wiener Fiaker, Hotel Guglwald lese ich. Die letzteren haben über 800 Läufer zusammenbekommen, Respekt.

Dinghoferstraße, Elisabethstraße, der Zuschauerzuspruch nimmt zu, wir sind wieder in der City. Die Leadsängerin drückt sich an meine Backe, als ich stehenbleibe und meine Kamera in Position bringe. Den Leuten gefällt das, sie klatschen und johlen.

Fast im Zickzack laufen wir in der Altstadt: Fabrikstraße, Dametzstraße, Goethestraße und Landstraße. Letztere ist das Herz von Linz. Geschäfte links und rechts. Heute erfreuen uns einige Cheerleader-Girls, eine Augenweide. Ein wenig Aufmerksamkeit braucht man als Läufer, denn der Untergrund ist gepflastert und die Schienen der Trambahn sorgen für einen rustikalen Untergrund. Dö-Cravallos bearbeiten ihre Trommeln ohne Unterlass.

Die Halbmarathonis haben das Tempo nun gehörig angezogen, denn auf der Landstraße kann man den Zielsprint anziehen. Nur noch geradeaus, dann sind die Halben im Ziel. Die halten sich rechts und sind gleich „dahoam“, wir biegen ab.

 

Der Marathon beginnt (Kilometer 21 bis 30)

 

Der Helfer an der Weiche schaut irritiert auf den Läufer (mich), wie er hinter ihm seelenruhig durch das Objektiv lugt. Dann macht sich der Reporter wieder auf die Socken. Kurz nach der Promenade wechseln die Staffetten (so unser Daniel) erneut. Die Läufer mit dem C hinter der Nummer „san dro“.

Zu Beginn der Herrenstraße erfolgt die Zeitnahme: Halbzeit, überschlägig bin ich fast zwei Stunden unterwegs. Kann ich noch auf den 3.45 Läufer auflaufen? Ich bin skeptisch, fühle mich aber gut. Das Feld ist nun ausgedünnt, viele Stopps werde ich nicht mehr brauchen. Schau‘n mer mal.

Der Neue Dom, auch Mariä-Empfängnis-Dom genannt, wurde 1862 bis 1924 errichtet. Das Gotteshaus ist die größte Kirche in Österreich, 20000 Personen haben da Platz. Auch der Stefansdom in Wien ist nicht größer, nur ein wenig höher.

Wir tangieren kurz den Volksgarten und dann biegen wir in die Unionstraße ab. Hier können wir vorauslaufende und verfolgende Sportler beobachten, denn auf Höhe der Stadtautobahn (A7) befindet sich der Wendepunkt. Manche Läufer mögen ja keine Pendelstrecken, ich finde sie gut.

Meine Stimmung steigt, als das entgegenkommende Laufvolk der 3.30er-Fraktion angehört. Ha, soweit bin ich ja nicht vom 3.45er Pacer weg, nur sehe ich seine Fahne (noch) nicht. Dann kurz nach Kilometer 24 sehe ich die Läufer, die diese Marke unterbieten wollen. Ich rieche Lunte und rechne an der Wende einen Vorsprung von zwei bis drei Minuten aus. Das müsste ich doch packen können. Also weniger fotografieren. Am Ende der Begegnungsstrecke biegt gerade der Kare (Karl) ein, der sub vier mit seinen Verfolgern laufen will.

Und dann sehe ich noch einen Reporterkollegen auf der anderen Seite. Er hat es nicht lassen können, nur zuzusehen. Er hat seine Schuhe geschnürt, und läuft, wie wir ihn kennen. In der einen Hand eine Flasche, in der anderen ein Gel. Die Kamera ist zuhause. Doch die wird von Herbert nächste Woche geschunden. Wo? Ihr könnt gespannt sein und euch trotz der Unkenntnis auf viele Bilder von ihm freuen.

Kurz nach dem Bulgariplatz laufen wir unter der Autobahn hindurch, ein Wegweiser zeigt in die Neue Welt. Auf der Bundesstraße 1 nach Salzburg laufe ich auf einen neuen Freund auf. Der Petr aus Tschechien läuft seinen 201. Marathon und kann sich noch an mich  erinnern, denn in Bad Füssing und im Bienwald war er auch.

An der Kleingartenanlage im Wasserwald lassen es sich die wenigen Leute gut ergehen. Zweites Frühstück mit Bier, Wein und leckeren Sachen. Und mit Applaus geizen sie nicht.

 

Endspurt

 

Bei Kilometer 30 wird von Pentek-timing zum wiederholten Mal eine Zwischenzeitnahme genommen. 2.40 Stunden bin ich nun unterwegs. Am Ende des Waldes gibt es eine musikalische Powerzone. Rhythmische Takte treiben uns aus dem Wald hinaus.

S'gmiatliche Eck, eine Wirtschaft mit Biergarten, da könnten wir jetzt auf eine frische Maß einkehren. In Sichtweite hole ich mir eine kühle, schwarze Brause als Erfrischung an der folgenden Tanke. Mittlerweile bis ich laufend am Überholen. Nur hie und da kommen Staffeln mit frischen Kräften von hinten.

Eine Helferin vom Roten Kreuz kriegt den Auftrag, keinen von der Strecke abbiegen zu lassen. Denn rechts liegt ein Etablissement des horizontalen Gewerbes, das Moulin Rouge. Von den Damen lässt sich auch keine blicken, denn potentielle Kundschaft sind wir derzeit nicht.

Bei Kilometer 35, bei meinem Linzer Feuerwehrkollegen, wechseln die Staffeln zum letzten Mal und bringen ihre sprintstärksten Kräfte in Rennen. Abermals wird es hier eng, aber es ist nicht mehr hektisch, denn auch die Staffeln haben nun einen großen Abstand zueinander. Eine tolle Idee, dieser Bewerb, denn auch viele Frauen und Jungendliche teilen sich die 42,195 Kilometer auf.

Wir sind wieder auf der Wiener Straße angelangt, rund zwei Stunden später und 20 Kilometer weiter. Viele Marathontore der Sponsoren haben wir mittlerweile durchlaufen, sei es vom Titelsponsor BOREALIS oder von der LINZ AG, die alles betreibt, was die Stadt outgesourct hat.

Bei Kilometer 37 kann ich auf die 3.45er-Gruppe auflaufen, die nun schon übersichtlicher geworden ist. Fünf, sechs Marathonis hängen noch dran. Zwei Bilder aus vollem Lauf, und weiter.

Die letzte Labe bei Kilometer 39,5 lasse ich links liegen. Kilometer 40, wir sind in der Dametzstraße, von zwei Querstraßen weiter hören wir den Lärm aus dem Zielbereich. Vollgas, nochmals zwei Rechtskurven und dann geht es auf die lange Zielgerade mit guter Stimmung, Musik und Cheerleader-Girls.

Kilometer 41, der letzten Richtungswechsel liegt bereits ad acta. Es geht Richtung Ziel auf der Landstraße. Kurz nach Kilometer 41 sehen wir linkerhand das Casino. Es folgt die Karmelitenkirche, deren Bau 1710 vollendet wurde und die dem heiligen Joseph geweiht ist. Auf der gleichen Straßenseite sehen wir die Ursulinenkirche. 1757 wurde dieses Gotteshaus dem heiligen Michael geweiht. Daneben befindet sich der Ursulinenhof. Bis 1968 wurde dieses Gebäude als Kloster von den Ursulinen genutzt. Am Taubenmarkt haben wir bereits unser Ziel in Sichtweite. Es geht leicht bergab, aber Augen auf wegen der mittlerweile vorhandenen Straßenbahnschienen, denn ein Fuß ist gleich umgeknickt.

Und dann geht es mit Schwung auf den Hauptplatz. Einen schöneren Zielempfang kann man sich fast nicht vorstellen. Volle Tribünen, die Leute jubeln, unter den Zielläufern viele feuchte Augen und Tränen des Glücks. Selbst mich als alten Hasen berührt das, ich kriege eine Ganserlhaut.

 

Im Ziel

 

Nach kurzen Momenten des Genießens packt mich jedoch wieder die Arbeitswut und ich fotografiere, was mir vor die Linse kommt. Fast alle Staffeln laufen gemeinsam ins Ziel. Die einen lachen, andere haben ein breites Grinsen auf Lager, manche sind total fertig und wollen nur noch einen Schluck Wasser. Toll, was der Ewald mit seinen Helfern lanciert hat. Die Erfolgsstory wird sich 2015 fortsetzen.

Und bei mir? Netto 3.40 Stunden, und die zweite Hälfte bin ich zehn Minuten schneller gerannt, oide Marathonsau. Und nach langer Genesungszeit sehe ich Gerhard Wally wieder im Zielbereich. Herzlich Willkommen!

 

 

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Informationen: Oberbank Linz Donau Marathon
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