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Laufberichte

Laufend Burgen schauen

28.05.11

Auf in die zweite Hälfte

In Boppard durchlaufen wir den Startkorridor nach gut 1.50 Stunden. Für die 3.45 Stunden haben wir jetzt knapp zwei Minuten im Plus. Die werden wir auch brauchen, so Stefans Feststellung. Denn es warten noch einige Wellen. Aber keine Angst, es sind keine Berge. Unser Pacer hat mittlerweile einen zweiten Job als Wasserträger. An den V-Stellen läuft er vorneweg, versorgt sich und kommt mit mehreren Bechern Getränken wieder heran. Meinen Wunsch nach etwas bayerischem Genussmittel kann er dagegen nicht erfüllen. „Im Ziel geb ich Dir ein Erdinger aus“, verspricht er mir. Ich glaube, so lange kann ich nicht warten.

Am Ortsausgang von Boppard mäandert Vater Rhein nun weit rechts herum, bis wir die Sonne wieder im Rücken haben. Bopparder Hamm heißt die Rheinschleife. Das trockene und warme Klima ist  hier bestens für den Weinanbau. Stefan lässt dann sein Markenzeichen, den orangenen Luftballon los. Der hat noch mehr Luft als wir und haut nach oben ab in den Himmel. Gerade kann ich den noch mit der Kamera einfangen.

Kilometer 28, Oberspay: Vor der Peterskapelle (gotischer Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert) am Ortseingang sitzen zwei Feuerwehrkameraden auf dem Dach ihres Einsatzfahrzeuges und haben so einen guten Ausblick. Am Ortsausgang stellen sich uns  eine Welle und eine Spitzkehre entgegen. Wie bisher läuft Stefan vorneweg und zeigt uns an der Kurve den direkten Weg. „Wir laufen keinen Meter mehr als wir müssen.“ Und zu mir: „Du darfst dir einen Ultra eintragen, weil du immer links und rechts unterwegs bist.“ „Mir is des wurscht“, meine Antwort.

Spay, der nächste Ort, wir werden weiterhin von den Zuschauern motiviert und angesprochen, durchzuhalten. Beim Zulaufen auf Spay sehen wir die Pfarrkirche und dahinter die Marksburg auf der anderen Rheinseite oberhalb der Stadt Braubach. Die Burg liegt auf einem Kegel deutlich überhöht. Im Mittelalter wurde diese Festung nicht zerstört und diente als Schutz der darunterliegenden Ansiedlung.

Schauen beim Endspurt

Jenseits des Kilometers 30 ein weiterer Höhepunkt: Wir durchlaufen in Rhens (Städtchen mit 3000 Einwohnern) das alte Stadttor. Durch den Torbogen hindurch ist das Rathaus von 1514 zu erkennen. Viele Fachwerkhäuser sind in der Innenstadt zu sehen. Klasse, dass uns die Leute als echte Marathonkämpfer feiern. Nach einem kurzen Wegstück, zum Teil auf Kopfsteinpflaster, verlassen wir die Altstadt.

„Schaut, da ist schon das Ortsschild von Koblenz“, versucht Stefan zu motivieren, obwohl es noch über fünf Kilometer sind. Und dann zeigt er uns mit einer Handbewegung nach links oben das Schloss Stolzenfels. Das in der Neugotik erbaute Werk liegt genau gegenüber der Lahnmündung. Zur Bundesgartenschau wurden 16 Millionen EUR für eine Restauration investiert.

Und dann kommt Klaus’ Geheimtipp: Die Brauerei Königsbacher, „die haben gutes Bier“, doch meine Kehle bleibt trocken. Stefan schlägt vor, ich solle nach oben zur Braugaststätte laufen und eins holen. Der Weg ist mir jedoch zu steil. Dafür verlange ich an der nächsten V-Stelle lautstark nach einem Bier. Ein bierseliger Anwohner hört dies, springt mir nach und hält mir eine Flasche hin. „Mach die Flasch leer“, höre ich, doch das warme Bier bringe ich nur zur Hälfte hinunter und dann geht der Alk nach oben. In die Birne.

Kilometer 40, auf Höhe der Sporthalle Oberwerth ist die letzte V-Stelle. Von den rund 15 Kämpfern sind nur mehr fünf, sechs übergeblieben. Die anderen haben abreißen lassen. Nur ganz vereinzelt werden wir überholt. „Ich möchte Euch alle unter 3.45 Stunden zusammen ins Ziel bringen“, so werden wir wieder von Stefan angesprochen. Ich glaube, der hat Luft für zwei oder eine Pferdelunge. „Jetzt kommen die Kampfbilder“, lasse ich los, als ich einen nach den anderen mit meinem Gerät ins Visier nehme. Schaut Euch das an, auch wenn jetzt die Lichtverhältnisse grenzwertig werden.

Dann kommt mir eine Idee: Wir sollten Hand in Hand ins Ziel einlaufen. Ich spreche das aus und kann so noch einige dazu motivieren. Was mich dann überrascht, dass Arthur Schmidt moderiert. Er hat uns längst gesehen, kündigt uns an und kommt dann auf Stefan als Zeitläufer und dann auch mich zu. Wie wir das Rennen gestaltet haben, wie ein Zeitläufer seine Schäfchen motiviert und, an mich, was ich als Ausbeute gesammelt habe. Und so soll ich noch kurz unser Marathonportal den Zuschauern vorstellen. Ach ja, Arno Schubach hat es nach seinem Zieleinlauf getan wie selig Johannes Paul II, er fiel auf die Knie.

Im Weindorf, wo wir dann verpflegen können, gibt es jetzt das verdiente bleifreie Weizen und andere leckere Sachen. Die Kleidung wird ausgegeben und die Duschen sind nur 100 Meter entfernt. Aber das ist noch ein Härtetest. Die sind nicht kalt, sondern so heiß zum Saubrühen.

Sieger Marathon Männer:
1. Abderazzak Charai (MAR) LG Laacher See 02:27:31 02:27:30
2. Diehl Marco (DEU) DVAG-Marathon-Team 02:38:45 02:38:44
3. Hohnsdorf Uwe (DEU) 02:42:36 02:42:35
4. Doll Frank (DEU) 02:43:50 02:43:49
5. Schmitz Ruben (DEU) Team ERDINGER Alkoholfrei 02:54:56 02:54:52
6. Moroni Lorenzo (ITA) 02:57:42 02:57:41

Sieger Marathon Frauen:
1. Vielmeier Regina (DEU) SV Oberkollbach 03:10:06 03:09:47
2. Lehmler Jennifer (DEU) TG Oberlahnstein 03:22:21 03:22:17
3. Sabine Schenkhofer (DEU) srl triathlon koblenz 03:38:25 03:38:12
4. Kruse Emily (DEU) Gevelsberger Ladys 03:45:18 03:45:01
5. Popp Anne Marie (DEU) 03:47:15 03:47:06
6. Hotzler Eva (DEU) 03:47:32 03:47:08
478 Finisher Marathon.

Fazit
Wer Landschaftsmarathon liebt, für den ist der Mittelrhein Marathon erste Sahne. Vergleichbar mit dem Oberelbe oder Obermain Marathon. Schade, dass die Marathonfinisherzahl klein bleibt. Gut, dass zusammen mit den anderen Bewerben 7000 Sportler unterwegs waren. Der Marathonsieger Charai Abderrazzak gewann in 2:27:30 Stunden, neuer Streckenrekord. Für die fünf Kühe wird’s wohl reichen. Die Rückwärtsgeschichte im Halbmarathon ging auch weltmeisterlich aus. Wer kann den Halben in 1:35:49 Stunden vorwärts laufen? Nur rund 150 waren vorwärts schneller als Achim Aretz im Rückwärtsgang. Am 02.06.2012 heißt es abermals, Laufschuhe und Skates geschnürt.

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Informationen: Mittelrhein-Marathon
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