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Laufberichte

Paris Source d'Énergie

 

Ein Hippodrom gibt es hier und einige grün gekleidete Herren, die auf Hörnern zur Jagd blasen.  Links öffnet sich ein schöner Blick über die Stadt. Unten fließt die Marne in die Seine. Unmerklich haben wir vierzig Höhenmeter gewonnen. An der Avenue de Gravelle treffen wir nach fast einer Stunde Park wieder auf hübsche Einfamilienhäuser mit blühenden Kirschbäumen davor. Die Schnellstraße verläuft natürlich in einem Tunnel, unter der Idylle hindurch. Interessant, dass hier viele Wahlplakate hängen, die für den Austritt aus EU, Euro und Nato werben.

Kurz danach geht es wieder in die Stadt. Einige leichte Höhenunterschiede geben den Blick frei auf die endlose Läuferschar. In der Avenue Daumesnil sehe ich einen schön renovierten Bahndamm, in dessen Backsteinbögen sich nette Cafés und Geschäfte befinden. Auf der ehemaligen Bahntrasse ist ein grüner Wanderweg angelegt, über den man vom Parc de Vincennes bis zur Bastille gelangen kann. Wunderbar für unseren  Abendspaziergang am Montag.

Dann noch einmal über die Bastille und an einem Kanal entlang in Richtung Seine. Spätestens ab hier gibt es eine ununterbrochene Reihe von Fans am Streckenrand. Wahnsinn. Links von uns die Seine-Inseln. Schilder  weisen auf Sehenswürdigkeiten am Streckenrand hin. Das empfehle ich allen Stadtmarathons zur Nachahmung! Hier also Notre-Dame. Die Kathedrale liegt auf der großen Seine-Insel, die schon viele hundert Jahre vor Christus bewohnt war. Den Turm kann man besteigen. Vielleicht sieht man auch noch einen Glöckner? Hübsche Französinnen gibt es auf und neben der Laufstrecke zuhauf.

Die Straße verläuft unterhalb der Uferbefestigung, sodass man von den Häusern auf unserer Flussseite nichts sieht. Dafür ragt in der Ferne schon der Eiffelturm aus dem Häusermeer hervor. Zuvor geht es aber noch durch einige längere Straßentunnel. Da ist zwar einiges an Lightshow und Musik geboten. Aber man sieht halt nichts von der Innenstadt. Zwischendurch kurzes Auftauchen am Louvre (am Geländer vom Pont des arts hängen unzählige Schlösser, wie es sich für die Stadt der Liebe gehört), Abklatschen und wieder in den Hades. Ein Krankenwagen schaltet im Tunnel ohrenschonend nur kurz sein Horn ein.

Zurück im gleißenden Sonnenlicht am Musée d'Art Moderne. Wunderschöne Blicke auf den Eiffelturm und das Palais de Chaillot auf unserer Flussseite. Danach kurz vor km 31 linker Hand einige riesige Wohnhochhäuser. Wer genau hinsieht, kann davor an der Seine-Brücke die Kopie oder Vorlage der New Yorker Freiheitsstatue entdecken.

Noch mal kurz Stadtleben, bevor es nach km 32 über die Périférique in das linke “Mausohr”, den Bois de Boulogne, geht. An dessen Rand kommen wir noch an einigen Sportanlagen und dem Stade Roland-Garros vorbei, wo alljährlich das Tennisturnier “French Open” ausgetragen wird. An der Verpflegungsstelle km 35 an der Porte d'Auteuil lasse ich es mir gut gehen. Inmitten von Bananen (leider ungeschält), Orangenstücken, Rosinen, Trockenobst und Zuckerwürfeln habe ich auch Gel gefunden. Das wird mir neuen Schwung verschaffen. Judith scheint das nicht nötig zu haben und ist auf und davon.

Es geht an einem weiteren Hippodrom vorbei, dann werden wir vollständig vom Park verschluckt. Um uns das Durchhalten zu erleichtern, sind die Bands noch häufiger anzutreffen. Das wollte ich mir für dieses Finale aufheben: Über 100 Musikgruppen sind an der Strecke. Unglaublich, was uns und den Zuschauern geboten wird. Da gibt es Bläsergruppen, Trommler, Marching Bands, Pop, Rock, Samba, Brass und auch einige Orchester. Fantastisch.

Und auf den letzten sechs Parkkilometern ist akustische Unterstützung wirklich notwendig. Auch ein Glas Wein vom Elsässer Weinmarathon in Molsheim (Termin: 21.06.15)wäre hier zu bekommen. Die Paris Front Runners machen Stimmung in ihren Regenbogenfarben. Ein winziger Anstieg fordert das Letzte von uns. Dreihundert Meter vor dem Ziel verlassen wir endlich den Park. Wer noch kann, sieht in der Ferne den Arc de Triomphe (!). Dann ist es endlich geschafft.

Im Ziel ist alles perfekt organisiert und großzügig angelegt. Man könnte sogar kurz innehalten und wird nicht sofort weitergeschickt. Aber die Medaille wartet. Zuvor noch ein schickes Finisher-T-Shirt inklusive Regenumhang, den wir heute wirklich nicht brauchen. Dann eine große goldene Medaille, die mit ihren vielen unterschiedlichen Feldern die unzähligen Teilnehmer symbolisiert, welche zusammen an ihrem großen Ziel arbeiten. Warum aber die 12 für das Datum 12. April so groß und der Name „Paris“ so klein drauf steht, erschließt sich mir nicht so ganz. Judith war mit 4:08 Stunden zwei Minuten und 1000 Läufer vor mir im Ziel. Ich bin als 20.793. von 40.172 Finishern leider nur in der zweiten Hälfte, was mich unheimlich wurmt. Wo sonst wäre man so leicht unter die ersten 50% gekommen? Die letzten Teilnehmer werden nach über 7 Stunden das Ziel erreichen.

Es ist für reichlich Verpflegung gesorgt, die in erster Linie aus Obst besteht. Wir ziehen uns bei der Taschenabgabe um. Dort befindet sich auch ein Massagebereich, vor dem sich trotz seiner Größe schon eine lange Schlange gebildet hat. Dass keine Duschgelegenheit besteht, können wir verschmerzen, da wir noch zwei weitere Hotelübernachtungen gebucht haben. Vor den sieben Ausgängen aus dem Zielbereich warten schon mobile Garküchen mit Würstchen und Kebab auf Kundschaft.

Die Stimmung in der Stadt nach dem Marathon ist fantastisch: Überall sind Läufer in ihren pinkfarbenen Finisher-Shirts zu sehen. Auch zwei Tage nach dem Lauf wird man als Träger eines solchen Hemds noch von Fremden angesprochen und beglückwünscht, von einem schwer bewaffneten Soldaten am Metro-Eingang ebenso wie von der Air France-Stewardess beim Rückflug. Das ist mir definitiv noch bei keinem Marathon passiert.

 

Fazit:

 

Der Paris-Marathon bietet als größter europäischer Marathon unglaubliche Stimmung und nahezu perfekte Organisation. 16.000 Läufer aus dem Ausland und 10.000 Läufer aus französischen Regionen treffen auf 15.000 Pariser Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Samt Begleitung verwandeln sie die Stadt in ein Marathon-Happening. Sogar die Mona Lisa schaute angesichts der vielen Finisher-Hemden im Louvre leicht verwundert drein.

 

Marathon-Tipps

 

• Eine Anmeldung ist ohne großes Bitten und Betteln (Losverfahren) und zu reellen Preisen noch vier Monate vor dem Lauf möglich.

• Der Frauenanteil liegt bei 25%. Der Anteil von Läufern aus dem Ausland liegt bei über 40%, darunter 4.600 Läufer aus Großbritannien (fragt mal nach dem Kontingent für Ausländer beim London-Marathon). Deutschland liegt mit 930 Läufern unter den ausländischen Nationen an fünfter Stelle.

• Für die Anreise zum Start empfehle ich die Metro-Stationen Argentine, Kleber oder Victor Hugo. Vom Place Charles de Gaulle muss man erst außen am Kleiderbereich vorbei. Außerdem ist man in dem  Tunnel recht lang unterwegs. Bei der Rückfahrt von dort gab es Blockabfertigung mit sehr kurzer Wartezeit und kostenlosem Zutritt.

• Toilettenhäuschen gibt es viele an der Kleiderabgabe, am Arc de Triomphe und zwei pro Startblock. Bei den Verpflegungsstellen gibt es jeweils mehr als 10 Häuschen.

• Am Samstag findet ein 5 km-Frühstückslauf statt.  Er kostet ca. 10 € inklusive Laufhemd und petit déjeuner im Ziel. Anmeldung nur über das Internet, auch für Begleiter.

• Für Begleiter enthält der Starterbeutel spezielle Infopläne der Verkehrsbetriebe.

• Alle Infos auf Französisch und Englisch. Informative Läuferbroschüre.

• Meiner Meinung nach ist der Parkanteil mit 35%-50% (darunter auch die letzten sechs Kilometer) für einen Stadt-Marathon zu hoch. Auch in den Tunneln im Zentrum fühlt man sich eher „weggepackt“. Ich hätte mir da viel mehr Stadterlebnis gewünscht und Paris hätte noch so viele interessante Ecken zu bieten.

 

Paris-Tipps

 

• Insidertipp aus dem Reiseführer: Am Louvre-Eingang Porte des Lions auf der Seine-Seite gab es um 10:00 Uhr Null Wartezeit. Die Pyramide am Haupteingang kann man dann beim Verlassen des Museums immer noch begutachten.

• Montmartre mit der bekannten Kirche Sacre-Coeur ist seit Langem touristisches Pflichtprogramm. Ein aufstrebendes Szene-Viertel ist hingegen der einstige Arbeiterbezirk Belleville: Metro Couronnes und dann im Park auf den Hügel. Dort sitzen viele hippe Pariser und genießen fast ohne Touristen und ohne Nippes-Verkäufer den Sonnenuntergang hinter dem Eiffelturm. Bei der Station Belleville gibt es viele chinesische Lokale mit annehmbaren Preisen.

• Die Pariser Metro muss man gesehen haben: Fast alle Linien wurden in einem Rutsch am Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Spannend die vielen Verbindungstreppen. Da wird einem klar, warum die Pariser so fit sind: Rolltreppen oder Aufzüge sind Mangelware.

• Mehr sehen kann man bei einer Busfahrt. Viele Linien folgen dem Verlauf der Metro. Oder man nimmt die Tram. Schön ist die Fahrt an der Seine entlang mit der T2 von Porte de Versailles nach La Défense (Tarifzone 3) oder im Westen halb um die Stadt mitden Linien 3a und 3b. So wohnen die „normalen“ Pariser. Auch an der Uni (der Campus Cité Universitaire vermittelt Oxford-Feeling) kommt man vorbei. Busfahrpläne gibt es kostenlos an allen Metro-Stationen.

• Und so viel mehr...

Männer
1 KORIR MARK KEN 02:05:49
2 KANDA LUKA KEN 02:07:20
3 TOLA SEBOKA ETH 02:07:33
Frauen
1 MENGISTU MESERET ETH 02:23:26
2 GOBENA AMANE ETH 02:23:30
3 JEPKESHO VISILINE KEN 02:24:44

 

 

 

 

 

 








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