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Laufberichte

Im Laufschritt über die Schären(hügel)

 

Die Sightseeing-Highlights von Helsinki befinden sich nun alle in Reichweite, obwohl der Marathonkurs nicht direkt dorthin führt. Ich bin als Tourist hier schon viel umhergelaufen und habe die Sehenswürdigkeiten besichtigt wie z.B. die alte Markthalle am Marktplatz, die 1889 eröffnet wurde und wo Obst und Beeren doppelt so viel wie bei uns in Wien kosten. Dann das Stadthaus, das Präsidentenpalais und den Dom in seinem glänzendem Weiß, der das gesamte Stadtbild überragt. Erst seit 2014 dreht sich am Südhafen das Reisenrad Finnair Skywheel. Auf 40 Meter Höhe wird ein fantastischer Rundblick angeboten. Die berühmte Uspenski-Kathedrale mit ihren rötlichen Bachsteinen und goldenen Zwiebeltürmen ist von der Marathonstrecke rund 1 km entfernt und nordöstlich im Stadtteil Katajanokka gelegen.

Es geht am Esplanade Park, einer weiteren Flaniermeile mit vielen Shops, leicht aufwärts. Anschließend wendet der Kurs und führt in einer Schleife zurück. Die am Anfang des Marathons beim Tiergraten schon einmal gesichtete Jazzband spielt an der Ecke wieder auf. Die reifen und gesetzten Herren ab 50 sind uns nachgefolgt.

Wir erreichen Kilometer 25, inzwischen bin ich nicht nur langsamer geworden, sondern habe einen Mordsdurst bekommen. Es geht die Laivasillankatu zurück, auf der uns nun jene Läufer entgegenkommen, die Rückstand haben. Auf einer Nebenstraße, der Merikatu, geht es wieder in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Bei Kilometer 27 folgt bereits die nächste Labe.

Jetzt kommen etliche Läufer von hinten nach, die ihre Kräfte gut eingeteilt haben und das Feld von hinten sozusagen aufrollen. Einer davon ist M4Y-Kollege Joe Kelbel, mit dem ich vielleicht einen Kilometerzusammen laufe. Man kann sich von ihm einiges abschauen: Er läuft mit eingeschalteter Pannasonic-Unterwasser-Kamera in seiner Rechten, sieht Motive, die andere gar nicht wahrnehmen, hat schon Selfies gemacht, als es den Begriff noch gar nicht gab und ist noch dazu nach seinem Achillessehnen-Riss wieder in bester körperlicher Verfassung. Ich muss ihn ziehen lassen.

Es geht nun abschnittsweise dieselbe Strecke zurück, auf der wir gekommen sind. Nach dem Hietalahdenranta-Tunnel kommt  der Besenwagen, vor ihm eine Läuferin, die noch einen langen Weg vor sich hat, genau genommen sind es 9 km, wofür sie noch eine gute Stunde brauchen wird. Bei 6 Stunden Öffnungszeit ist dies aber zu schaffen.

Nun kommt es wieder zu  den üblichen kleinen Duellen um die Positionierung zwischen einzelnen Läufern. Ich lasse mich manchmal auch darauf ein. Es scheint, dass Kollegen unbedingt vor einem anderen finishen wollen, manchmal geht es auf, oft auch nicht. Ich spüre nun doch schon nahe Kilometer 30 die Müdigkeit, 4:30 werden sich nicht realisieren lassen, zumal der Pacemaker schon vor einiger Zeit an mir vorbeigezogen ist. Doch 4:45 sollten sich ausgehen, übrigens in den Einführungsbüchern für den Marathonlaufsport eine empfohlene Einstiegszeit.

Die 30 km-Marke befindet sich am östlichen Beginn der Lauttasaari-Brücke, auf der wir jetzt zurücklaufen. Die zahlreichen „hyvä, hyvä“- Anfeuerungszurufe sind längst verstummt, denn Zuschauer sind schon abgezogen.

Nach Kilometer 33 überqueren wir wieder die Autobahn über die Brücke, nun aber ändert sich der Kurs des Hinweges. Es geht bei der 15km-Gabelung nach Norden auf einer kleinen Brücke hinüber zur Schäreninsel Kaskisaari und weiter nach Lehtisaari. Die Gegend wirkt auf mich recht einladend, viel Grün und Wasser um einen herum. Bei Kilometer 36 mündet der Kurs in die schon gelaufene Strecke. An der nun folgenden Labestelle werden Gelpäckchen verteilt, ich nehme mir gleich mehrere für die nächsten Läufe.

Auf die Schwämme verzichte ich hingegen wie schon während des gesamten Rennens, denn es ist inzwischen angenehm kühl geworden. Bei der Labe bei Kilometer 37 auf der Pikkuniementie bleibe ich stehen und spüle ein Gel hinunter. Es folgt erneut eine Weggabelung, der Marathonkurs nimmt nun ab Kilometer 38 einen anderen Verlauf als der Hinweg.

Noch sind es 4 km bis ins Ziel im Olympiastadion, eine weitere halbe Stunde muss ich einkalkulieren. Viele gehen inzwischen, ein gewohntes Bild bei jedem größeren Marathon. Ich bleibe stehen und ermuntere den am Straßenrand sitzenden Läufer, zumindest auch weiterzugehen. Er hat eine Fußverletzung, vielleicht kommt er noch ins Ziel.

Ich mache auf einen abfallenden Streckenabschnitt noch etwas Boden gut und überhole einige Dutzend Läufer. Knapp vor dem Olympiastadion müssen wir nochmals den Anstieg auf eine Brücke hinauf und anschließend einen Hügel im Laakso-Park bewältigen, bevor es leicht absteigend zum Stadion und dann die letzten 192 m ins Oval hinein geht. Die auf einem davor geparktem Auto angebrachte Digitaluhr zeigt bei Kilometer 42 4:45:47 Stunden an. Mit den 2 Minuten Guthaben werde ich also mit so einer Zeit finishen.

Der Einlauf ins Olympaistadion ist ein tolles Erlebnis. Der Sprecher ruft mich beim Namen auf und bezeichnet Wien als Stadt der Musik. Ich lege einen Sprint hin, meine Nettozeit beträgt 4:45:42 Stunden.

Ich bin zufrieden, besonders die schwere Medaille macht Freude. Leider vermisse ich am Wege zum Ausgang eine Labestelle. Man bekommt eine Banane, einen Joghurt, nur nichts zu trinken.

Vor dem Stadion treffe ich dann auch noch Börni Keiler, dem mit 4:19:16 ein guter Lauf gelungen ist. Ernst Fink finisht in 4:21:33. Die Vertreter des 100 Marathon Club Austria haben sich gut präsentiert.

Mein Fazit: Das große Spektakel ist der HCM nicht, es fehlen Stimmung und das Flair. Zuschauer sind außerhalb des Zentrums keine zu sehen. Der Kurs bietet abschnittsweise viel landschaftliches Panorama, viele Highlights der Stadt sind aber nicht direkt am Weg. An den Labestellen bekommt man nur Wasser und Gatorade. Einmal auch Salzgurken, die vielleicht Delikatesse für die Finnen sind, für einen Mitteleuropäer aber eher nicht. Insgesamt ist aber die Teilnahme am HCM für jeden Marathon- und Hauptstädtesammler ein Muss und durchaus ein Erlebnis.

Reihung der Herren:
1. Justus Kiprono (KEN): 2:20:41
2. John KipkorirMutai (KEN) 2:21:24
3. Elicky Kipchoge Mase (KEN):2:21:37


Reihung der Damen:
1. NataliaStarkova (RUS): 2:37:55
2. HellenMugo (KEN): 2:41:47
3. EmilyRotich (KEN): 2:43:28

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Informationen: Helsinki Marathon
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