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Laufberichte

Atem(be)raubend

02.08.09

Wirklich viel zu tun haben die Zielbetreuer nicht, vielmehr müssen sie viel Geduld aufbringen, denn der Einlauf der 135 Finisher des heutigen Tages verteilt sich auf über mehr als vier Stunden. In weiten Abständen tröpfeln sie herein. Wie erwartet, sind Martin Schmid (3:42 – neue Rekordzeit) und Lizzy Hawker (4:11) die schnellsten.

Hinter dem Ziel sind Bierbänke und -tische sowie eine Grillstation ausgebaut. Hier sammeln sich die Zieleinläufer bei einem frischen Bier zum After-Marathon-Plausch. Nach einer erfrischenden Dusche fühle ich mich gleich viel besser und geselle mich dazu. Ab 17.30 Uhr wird in der Sporthalle das Abendessen ausgegeben. Nudeln, Piccata, und verschiedene Saucen und Salate, alles sehr lecker und so viel man mag, werden angeboten. In langen Tischreihen sitzen die Läufer wie in einer (über)großen Familie zusammen.

In einem von der Abendsonne beschienenen lauschigen Restaurantgarten trinke ich mit Daniel, Jörg und Bernd als Schlaftrunk noch ein Bierchen. Wie fast alle anderen ziehe ich mich dann aber recht früh in unser heutiges Schlafgemach zurück: die Zivilschutzanlage unterhalb der Sporthalle. Schon die halbmeter dicken Eingangstüren aus Stahl und Beton sind beeindruckend. Dicht an dicht reihen sich doppelstöckig die Matratzen in den drei spartanischen, fensterlosen 32-Personen-Schlafräumen, Frischluft kommt durch ein schnaubendes Ungetüm von Gebläse. Ein wenig komme ich mir vor wie in einem U-Boot – aber eine interessante Erfahrung ist es auf alle Fälle.

Tag 2:    Ried-Brig – Gantertal – Simplon-Pass – Simplon-Dorf – Gondo

Ich schlafe schlecht. Das abendliche Bier hat anscheinend nicht recht gewirkt. Schon vor 5 Uhr huschen die ersten Gestalten durch die Dunkelheit und auch ich bin bei den ersten, die um 5:30 Uhr zum Frühstück in der Sporthalle auftauchen. Eingedenk älterer Berichte erwarte ich nicht viel. Umso größer ist das Erstaunen, was für ein opulentes Buffet von Sponsor Migros aufgebaut wird: Birchermüsli mit frischem Obstsalat, Käse- und Wurstplatten vom Feinsten, Brot und Marmeladen in allen Variationen. Das ist der ideale Einstieg in den Tag. Schnell füllen sich die langen Tischreihen, denn heute haben wir nicht so viel Zeit vor dem Start. Brigitte Wolf erhebt das Wort und warnt uns vor einem Wetterumschwung am Simplon. Kaum zu glauben ist das angesichts des Sonnenscheins in Brig und der Hitze vom Vortag, aber Vorsorge treffen dann doch die meisten.

Die zweite Etappe von Ried-Brig zurück nach Gondo hat ein paar Höhenmeter weniger, gilt aber als die schwierigere und zeitintensivere. Das wundert mich schon deshalb nicht, weil meine Beine mich schon am Morgen spüren lassen, dass sie den gestrigen Kraftakt noch längst nicht verwunden haben.

Ab 7 Uhr starten die Schnellsten des Vortages in der Reihenfolge und in den Zeitabständen, in denen sie die erste Etappe bewältigt haben. Um 7:30 Uhr treten dann alle diejenigen an, die gestern mindestens eine halbe Stunde langsamer waren – und das sind fast alle. Hintergrund für den zweistufigen Start ist, dass man sichergehen will, dass der- und diejenige, der bzw. die zuerst das Ziel in Gondo erreicht, auf alle Fälle der Gesamtsieger ist. Aber bereits vor 7 Uhr sind fast alle auf dem Startgelände, schon um den gemeinsamen Start der „Asse“ Martin Schmid und Lizzy Hawker zu beobachten.

Amüsiert stelle ich fest, dass selbst eine Minute vor dem Massenstart um 7:30 Uhr niemand Anstalten macht, sich an der Startlinie aufzustellen. Erst Sekunden vor dem Start formiert sich das Feld locker vor der Linie und trabt mit dem Startschuss genauso gemütlich los wie in Gondo.

Durch die morgendlich stillen Gassen von Ried-Brig laufen wir zunächst ein paar hundert Meter die gestrige Strecke zurück, biegen dann jedoch nach links auf einen Wirtschaftsweg ab, der zunächst noch recht moderat bergan aus dem Ort und über Weiden und Wiesen zu einem Wald führt.

Panoramaaufstieg zum Schallberg

Als durchaus anspruchsvolles „Entre“ des heutigen Tages stehen 350 Höhenmeter auf den ersten drei Kilometern bis zum Schallberg an. Dementsprechend steil ist der durch den dichten Wald führende holprige Pfad. Kollektives Walking ist angesagt.

Schweigsam und keuchend hastet das noch dichte Läuferband empor. Doch schon bald werden wir optisch dafür reich belohnt. Ein spektakulärer Ausblick eröffnet sich zu unserer Rechten auf die Saltinaschlucht tief unter uns und begleitet uns auf dem folgenden Wegstück. Geradezu beängstigend ist, wie steil die Wände der Schlucht hinunter stürzen. Silbrig glänzend windet sich in deren Talgrund das Band der Saltina. Unser Pfad wird immer ausgesetzter und felsiger. Links geht es senkrecht hinauf, rechts senkrecht hinunter. Geländer sichern vor dem Absturz. Eine nach einem Erdrutsch unbegehbare Passage wird von einem am Felsabhang entlang führenden, nur mäßig vertrauenserweckenden Holzsteg überbrückt. Aber spannend ist das allemal.

Auf dem in den Fels geschlagenen Panoramaweg geht es immer weiter hinauf, bis wir schließlich die erste Verpflegungsstelle am Schallberg erreichen. In leichtem Auf und Ab führt ein nun breiterer, bequemer Weg durch Wald- und Wiesengelände gemütlich weiter. Nach einer längeren Biegung eröffnen sich uns neue alpine Horizonte: Das Gantertal liegt vor uns.

 

Informationen: Gondo Marathon
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