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Laufberichte

Atem(be)raubend

02.08.09

Anstieg nach Simplon-Dorf

Hinter Gabi führt ein schmaler, moorig-feuchter, aber mit vielen Steinen durchsetzter Pfad durch kühlen Laubwald bergauf. Kleine Bächlein kreuzen den Weg. Auch etliche Steinstufen sind zu überwinden. Rasch gewinnen wir an Höhe.

Aus dem Wald hinaus treten wir in sonnenbeschienene, saftig grüne Alpwiesen. Sanftweich ist hier der Untergrund des Pfades, sehr angenehm zu belaufen. Um uns herum: Alpenidylle pur. Wenn da nicht die auf zahllosen Pfeilern getragene Simplonpassstraße wäre, die optisch wie akustisch doch ein wenig die Idylle trübt.

So weich der Wiesenpfad ist, so hart ist der Asphalt der alten Simplonpassstraße, die wir schließlich erreichen. Anders als die hoch über uns thronende N9 fällt das schmale, dem Bodenrelief folgende Sträßlein kaum auf. Die alte Passstraße führt uns leicht ansteigend direkt nach Simplon-Dorf (1.472 m üNN).

Über langgezogene, flache Treppenstufen, vorbei an geraniengeschmückten Natursteinmauern, gelangen wir direkt hinein in den Ortskern des beschaulichen Dorfes. Mitten auf dem Hauptplatz erwartet uns hier nach km 9 die erste der fünf „großen“ Verpflegungsstationen unserer heutigen Etappe. Groß heißt: Es gibt neben Wasser auch isotonische Getränke und verdünnte, kohlensäurefreie Cola (welch ein Service!), zu essen Riegel, Kuchen, Orangen, Apfel, Bananen, später auch Gels, Magnesium und warme Bouillon. Das Läuferfeld hat sich schon hier deutlich auseinander gezogen, sodass die Betreuung durch die freundlichen Helfer höchst persönlich erfolgt.

Schon am Ortsausgang endet für uns wieder der Asphalt. Wir zweigen auf einen Pfad ab und es heißt: zurück in die Natur.

Hinauf zum Simplonpass .....

Über Almen führt uns der Naturweg in einen lauschigen, von großen Felsbrocken durchsetzten Lärchenwald. In stetigem Auf und Ab windet sich der wurzelige Pfad hindurch. Man muss sich konzentrieren, aber der weiche Waldboden und das abwechslungsreiche Profil machen den Trail zum Vergnügen.

Der stille Weiler Egga (1.588 m üNN) ist die nächste Ansiedlung an unserem Weg. Nur eine schmale Gasse führt zwischen den niedrigen, alten Häuschen hindurch und das Plätschern des Brunnens ist das einzige Geräusch, das ich vernehme.

Über blühende Wiesen und Weiden geht es auf schmalen, bisweilen fast zugewachsenen Naturwegen dahin. Nur einmal folgen wir nochmals kurz der alten Simplonpassstraße. Langsam, aber stetig gewinnen wir an Höhe. Es folgt ein kurzer, aber heftiger Anstieg über einen Serpentinenweg, der uns eine „Etage“ höher in ein kleines Hochtal bringt, wo wir durch den Lärchenwald dem rauschenden Chrummbach folgen. Inmitten der Idylle: der nächste Getränkeposten, so schön gelegen, dass es schwer fällt, sich zum Weiterlaufen aufzuraffen.

Kaum habe ich mich an den lauschigen Parcours entlang des Baches gewöhnt, heißt es schon wieder Abschied nehmen. Der nächste kräftige Anstieg wartet. Kurve um Kurve schraubt sich der buckelige, steinige Pfad empor und bringt uns hinauf in eine weite, offene Hochebene. Nur noch sporadisch gedeihen hier Bäume, Gebirgswiesen, teilweise farbenfroh blühend, bestimmen nah wie fern das Blickfeld. Weit reicht der Blick bis zu den die Ebene begrenzenden Bergen, deren Gipfel allerdings noch immer wolkenverhangen sind.

Von weitem schon sehe ich inmitten der Bergeinsamkeit das „kulturhistorische Highlight“ dieser Etappe: das trutzige Alte Hospiz, auch „Altes Spittel“ genannt (km 15). Kaspar Stockalper ließ den sechsstöckigen, schmucklosen Bau mit Glockenturm obendrauf Mitte des 17. Jahrhunderts auf den Resten eines Johanniterspitals errichten. Die oberen drei Stockwerke des festungsartig wirkenden Gebäudes dienten ihm als Sommerresidenz, in den unseren drei gewährte er mittellosen Reisenden unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung. Die exponierte Lage verstärkt noch die Eindrücklichkeit des Bauwerks.

Am Alten Spittel vorbei geht es weiter auf winkeligen, steinigen Pfaden durch die offene Berglandschaft, über kleine Bäche hinweg und an grasenden Kühen vorbei, unserem nächsten Zwischenziel entgegen: dem Simplonpass auf 2.006 m üNN. Langsam rückt das Passrestaurant am Horizont näher. Doch nicht hier liegt unser Ziel, sondern sehr viel schöner ein paar Meter tiefer an einem kleinen See. Hier, bei km 17, ist die nächste große Versorgungsstelle eingerichtet. Ich gönne mir eine kleine Auszeit. Der Aufstieg bis hierher hat schon einiges an Kraft und vor allem Schweiß gekostet und so lasse ich Becher für Becher Flüssiges die Kehle hinunter rinnen.

 

Informationen: Gondo Marathon
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