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Laufberichte

Kreislaufschwäche

25.03.12


Fünfte und sechste Runde:  Ich laufe so gut ich kann 


Obwohl ich keine Kopfschmerzen habe, ist mir jetzt doch seit einiger Zeit schwindelig. Kein Wunder, laufen wir doch bereits zum fünften Mal  die Runde. Bei 25 Kilometern wären wir nun im Ziel. Wie verlockend die Möglichkeit nach jeder Runde auszusteigen. 2004 entschieden wir uns noch für die „Schnupperrunde“. 25 Kilometer sollten reichen. Mein erster und letzter Marathon lag schon fast ein Jahr zurück und ich wollte mich auf den zweiten Marathon in Mainz vorbereiten. Kay, damals noch nicht von mir ausgebremst, rannte und rannte. 1:49:53 Min. 3. AK M35 und zur Belohnung gab es eine Gelbwurst. Meine Freundin Sonja gewann nach 25 Runden in 1:50:23 Min. die Frauenwertung.

Jeder, der sich auf die 50 Kilometerstrecke traute, war eine Heldin oder ein Held für mich und irgendwie sehen diese Ultraläufer auch anders aus. Härter, verwegener, vielleicht sogar verbissener? Acht Jahre und eine Menge Laufkilometer später fühle ich mich härter, verwegener aber vielleicht auch verbissener?

Verbissen nehme ich die nächste Runde in Angriff. Allein schon das Wort „Angriff“  sagt viel über meine momentane Verfassung aus: Was macht man gegen Kreislaufprobleme und was gegen orthopädische? Kay schmerzt schon seit einiger Zeit der Rücken und das Bein. Er muss langsamer laufen oder aufhören. Er entscheidet sich für langsamer. Fast haben wir den Ausgangspunkt wieder erreicht. Nicht jammern, handeln, also besser, laufen. Und so läuft ab jetzt jeder in seiner persönlichen Wohlfühlgeschwindigkeit. Doch das ist, unabhängig von der Streckenlänge, ohnehin jedem Läufer zu empfehlen.

Siebte und achte Runde - Geistige Arbeit lenkt von der körperlichen ab
Es ist eine Sinnesfreude, die Wärme und das Licht. Von Kilometer zu Kilometer verkürzen mir Gedanken die Zeit. Und die hat man ja leider nur selten. Wir laufen erneut auf den Damm, dereinst trainierten wir hier in der weiten Ebene des Rieds für den IRONMAN auf dem Rennrad. Wir fuhren vorbei an Spargelfeldern. Ich erinnere mich an schönes braun bis zu den Oberschenkeln, Muskeln, die sich unter den Radhosen abzeichneten.  Die ersten kamen aus den Trainingslagern von Mallorca oder Zypern zurück.  Alles drehte sich um die gefahrenen Jahreskilometer, wie schnell am Berg? Nicht nur das Rad ist aus Carbon: die Schuhe, der aerodynamische Helm, die Luftpumpe, die farbig verspiegelte Sonnenbrille. In den Speichen der Räder blitzte grell die Frühlingssonne.

Der Tacho der Carbonkampfbomber wurde genullt. Klickpedale klickten. Kay kurbelte vorne locker im 28er-Schnitt, Oberlenkergriff. Mein Windschattengeber. Uns überholte einer,  mit großen Kettenblatt gegen den Wind kämpfend. Kay kurbelte nun im 30er-Schnitt, mit dem Oberkörper auf dem Rad liegend. Ich blieb dran. Die anderen auch. Ich fasste meinen Lenker fester. Die anderen offenbar auch. Ein Fehler und man rast seinem Vordermann ins Hinterrad.

Dennoch, wir starteten den ersten Ausreisversuch. Das hier war kein Rennen, nur eine sogenannte RTF, eine Radtouristikfahrt. Es ging um nichts, nur ums Training. Von wegen. Die anderen blieben dran. Bloß nicht in konditionelle Schwierigkeiten geraten. Neben uns beschleunigte einer im Wiegetritt, dem Freilauf wurde kein freier Lauf gelassen. Die Radtouristikmine wurde aufgesetzt. Die Beine fingen an zu brennen und wurden heiß, der Beginn einer Übersäuerung setzte ein. Liegend kurbelte Kay im 31-er, 33er, 34er-Schnitt. Hinter mir schaltete jemand ein paar Gänge nach oben. Durchhalten, nur noch 30 Kilometer bis ins Zielgelände, keine Schwäche zeigen.

Für einen Moment war es tatsächlich möglich, mich vom Laufen abzulenken. Willkommen zurück in der Realität. Aktuelle Symptome: blümerant, schwankend, wankend, schummerig, schwindelerregend. Noch 10 Kilometer to go im Eschollbrücker Outback. Diese Gedankengänge haben mein Tempo angekurbelt. Ich muss langsamer werden, wenn ich nicht als Reanimierungsfall am Wegesrand enden will.

Viel gibt es nicht zu sehen, aber wenn an den ersten warmen Frühlingstagen die ersten Erntehelfer wieder in den weitläufigen Feldern stehen, dann beginnt auch schon bald die Spargelzeit. Erst vor hundert Jahren begann man weißen Spargel in Erdwällen zu ziehen. 1568 stachen Stuttgarter erstmals das Königsgemüse.


Neunte Rund und zehnte Runde - Warum tut man das?


Es ist kurz vor 14:00 Uhr als ich mich auf die letzte Runde begebe. Ich rede mir ein, die zehnte Runde wäre nur noch ein fünf Kilometer langer Zieleinlauf. Von jedem Helfer, Baum, Ast, Stein verabschiede ich mich persönlich. Schließlich sind wir in den letzten Stunden fast schon zu Freunden geworden. 

Kein Wölkchen befleckt den Himmel während der Zielsprecher meinen Namen durch das Mikrophon ruft: „Andrea Helmuth von Marathon für dich“ ist im Ziel. Gleichwohl wird auch Kay für seine Mühen belohnt,  als er das Ziel erreicht. Jeder Lauf hat seinen eigenen Charakter und seine eigenen Schwierigkeiten. Auch „flache“ Läufe können wehtun.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Ich höre jemand sagen: „Merr waas nett, wie lang merr noch lewe dud, drumm mache merr liewer widder hamm – dohie, wo merr herkumme und dess bis nächst Jahr“. Die Siegerehrung findet in der nur 500 m entfernten Sporthalle statt. Wir schauen auf keine Ergebnisliste, obwohl, vielleicht hätte es ja eine Gelbwurst gegeben? Um aber ganz sicher zu gehen, holen wir uns lieber gleich im Zielbereich eine Bockwurst auf die Hand.

Tipp für Herz und Kreislauf:

Mit einem regelmäßigen Training,  gesunder Kost und Bewegung bleiben Herz und Kreislauf länger leistungsfähig. Und so bringt ihr euren Kreislauf in Schwung: Stellt euch aufrecht hin, atmet tief ein, und hebt dabei die Arme über den Kopf, oder ihr macht einen Rundenlauf, am besten hier.

Denn die Gelassenheit der Läufer, die beruhigende Wirkung des Kreislaufs, die unaufgeregte Art der Organisatoren und deren sorgfältiger Umgang mit den Läufern. Das sind die Qualitäten, die diese Laufveranstaltung auszeichnen und die man nicht hinter vorgehaltener Hand bewerben sollte. 

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Informationen: Eschollbrücker Ultra-Marathon
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