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Laufberichte

Harz aber herzlich

 

Man sollte seine Grenzen kennen, um sicher und gesund einen Lauf beenden zu können. Meine derzeitige Grenze liegt deutlich unter 100 Kilometern, weshalb ich schweren Herzen meine geplante Teilnahme an der Tortour de Ruhr absage. Aber, ein Marathon geht immer, weshalb ich mir als Ersatz eine Veranstaltung an gleichen Wochenende suche.

Durch meine Teilnahmen am Ottonenlauf und der Harzquerung habe ich Geschmack am Laufen im nördlichsten Gebirge Deutschlands gefunden. Da fällt die Entscheidung leicht, beim Bad Harzburger Bergmarathon zu starten. Obwohl, ein Pappenstiel ist es auch nicht, denn es warten über 1.000 Höhenmeter auf mich. Abschrecken lasse ich mich davon nicht und nutze die Gelegenheit für einen Kurzurlaub mit Silke. Bewährt ist die Anreise am Freitagabend, auch wenn bei der geplanten Startzeit 10.00 Uhr eine morgendliche Anfahrt möglich gewesen wäre.

Dafür sind wir stressfrei um kurz vor 9.00 Uhr an der Startnummernausgabe. Nachmeldungen sind möglich und bei der bisherigen Teilnehmerzahl, beim Marathon etwas über 70, wünschenswert. Das sonnige Wetter kann leider nicht entscheidend dazu beitragen. Innerhalb kürzester Zeit halte ich meine Startnummer in den Händen und es bleibt Gelegenheit auf mir bekannte Gesichter zu warten, wie Gerd und Michaela. Im Schatten ist es noch frisch, die Sonne lässt allerdings erahnen, dass sich das bis zum Ende des Laufes noch drastisch ändern wird.

 

 

Begrüßt werden die Teilnehmer von Krodo, dem Maskottchen von Bad Harzburg. Laut Sassenchronik ist es eine Gottheit der germanischen Sachsen, die heute der Läuferschar Schutz bieten soll. Ob er Schutz vor der kommenden Hitze bieten kann, weiß ich nicht. Um dieser aber etwas ausweichen zu können, schließe ich mich dem kleinen Feld der Frühstarter an, die der Veranstalter dankenswerterweise bereits um 9.30 Uhr  auf die Strecke entlässt. Auch wenn ich nur leichte Zweifel an meiner Form habe möchte ich doch rechtzeitig auf die zweite und letzte Runde gelassen werden, denn dazu muss ich um 13.00 Uhr die entsprechende Verpflegungsstelle passiert haben, sonst werde ich direkt ins Ziel geschickt.

 

 

Viel wichtiger ist mir jedoch die Gelegenheit, nicht allein unterwegs zu sein. Mit Olaf, Ulrich und Michaela beginnen spannende Unterhaltungen, die bis ins Ziel anhalten werden. Wobei Michaela und  ich zeitweise die anderen aus den Augen verlieren. Doch der Reihe nach. Auf dem Weg vom Gelände der Pferderennbahn erblicke ich die Berge, die ich in den nächsten Stunden erklimmen werde. Die Strecke führt schon leicht aufwärts. Nach etwas mehr als einem Kilometer erreiche ich die erste Verpflegungsstation. Hier geht es nach rechts in die erste Runde. Vorher trinke ich schon etwas, denn das kühle Nass werde ich heute noch nötig haben.

Die nächsten Kilometer führt die Strecke am Fuße der Berge leicht bergan. Im dichten Wald gibt es nur vereinzelt Ausblicke in die norddeutsche Tiefebene. Mir soll es recht sein, denn ich genieße die noch kühle Luft. Nach etwas mehr als 5 KM ist es dann soweit. Die Strecke windet sich nach Südwesten um den Weinbergskopf herum. Die Steigung nimmt deutlich zu, es darf ruhig schon mal gegangen werden. Rechts zeugen die ersten dürren Nadelbäume vom Überlebenskampf des Waldes. Nach der nächsten Spitzkehre werden wir an der Verpflegungsstelle Adenberg erwartet. Damit es uns nicht wie dem Wald geht, tanken wir ordentlich auf, zudem gönne ich mir etwas von den angebotenen Äpfeln und Salzbrezeln.

 

 

Schatten ist auf dem Weg hinauf vorerst nicht mehr zu erwarten. Dafür wird die Aussicht Richtung Norden immer schöner. Olaf ist mittlerweile außer Sicht. Abwechslung bieten die frischen Blumenfelder im strahlenden Sonnenschein. Nach gut einer Stunde liegen 9 KM hinter uns, da werden wir zu ersten Mal überholt. Eine Stunde sind wir unterwegs, die Flitzer haben da schon 30 Minuten aufgeholt. Da stellt sich mir schon die Frage, ob wir vor Ende der Runde noch einmal überholt werden. So weit wollen wir es nämlich nicht kommen lassen und halten dagegen.

Die kahlen Stellen werden größer, geschälte Stämme säumen den Weg. Immer häufiger sind Mitstreiter auf der Überholspur. Die meisten werden beim Blick auf ihre Startnummer als Halbmarathonis entlarvt. Bei halber Strecke könnten wir auch aufs Tempo drücken. Da wir jedoch das ganze Vergnügen gewählt haben, können wir es gemütlicher angehen lassen.

Unbeeindruckt folgen wir weiter dem eigenen Tempo. Ein Viertel des Marathons ist bewältigt. Es wartet der nächste VP. Gleiche Ausstattung mit Wasser, Cola, isotonischen Getränken, Salzbretzel, Obst, Salz und vielem mehr. Die beiden Damen sind besonders eifrig und tragen uns die Getränke schon entgegen. Sehr vorbildlich.

 

 

Der Wald ist hier der Dürre bereits zum Opfer gefallen. Trotz fehlendem Schatten schreite ich locker aus. Eine frische Brise kühlt das Gemüt. Immer wieder wachsen Felsen aus dem Boden. Dieser Ausblick war vor Jahren noch nicht zu genießen. Es folgt bereits  der nächste VP, von dem war im Streckenplan nichts zu sehen. Sinnvoll ist er beim heutigen Wetter trotzdem. Die  folgende Steigung wird gehend bewältigt. Geradeaus kommt der Brocken in den Blick. Ulrich kann den Vergleich zu den Vorjahren ziehen. So frei wie heute war die Aussicht lange nicht. Früher konnte man den nördlichsten 1.000er Deutschlands nur auf dem Teil der Strecke sehen, der direkt auf  den Berg zuführte.

KM 15 ist passiert, ein Stein weist uns den Ahrendsberger Weg. Dieser führt aus dem Okertal zu den gleichnamigen Klippe. Erreichen werden wir diese heute nicht, dafür ist die höchste Erhebung nicht mehr weit. Leicht wellig ist das Streckenprofil auf den folgenden Kilometern auf einer Höhe von mehr als 600 Metern. Immer wieder wechseln sich Wald, dürre Recken und gerodete Flächen ab, rechts oder links ist dabei scheinbar egal.

Nach etwa 16,5 KM kommt die Verpflegungsstelle Abzweig. Frisch gestärkt folgen wir der Strecke nach rechts. Die meisten positiven Höhenmeter sind bewältigt. Die kommenden Kilometer zur Halbmarathonmarke geht es fasst kontinuierlich bergab. Je tiefer wir kommen, desto grüner und frischer wirkt der Wald. Die Forstwege weichen nach der Verpflegungsstation Grafenplatz einem schmalen Pfad durch dichten Wald. Rechts erkenne ich das Cafe Winuwuk mit seinem markanten Dach,  dann tauche ich wieder in den Wald ein.

Ich quere eine Straße und erlebe die letzte starke Steigung. Nur kurz ist sie, dann kann ich wieder locker laufen. Eifrige Helfer weisen den Weg, rechts geht es den Hang hinab. Über einen Steg quere ich einen kleinen Wasserlauf. Dann kann ich durch die Bäume schon den nächsten Verpflegungspunkt er- und wiedererkennen. Hier war ich auf dem 2. KM schon einmal. Ein Blick auf die Uhr zeigt 2:30 Stunden seit Start an. Es ist jetzt 12.00 Uhr und ich kann unbesorgt die 2. Runde beginnen, Cutoff geschafft.

 

 

Derzeit bin ich mit Michaela alleine unterwegs. Die Unterhaltung hält an. Trotzdem ist es auf der zweiten Runde ruhiger. Wieder fällt mir die einzige feuchte Stelle auf der Wegstrecke auf. Diesmal erkenne ich sogar den Ursprung. Nicht der Regen tränkt den Boden, sondern die Bossequelle.  Der untergestellte Topf kann das Wasser nicht halten, das sich unentwegt über und zeitweilig an der Strecke ergießt.

Da die Strecke hinlänglich bekannt ist, verzichte ich auf weitere Aufnahmen. Wie bekomme ich es mit dem Phänomen zu tun, dass auf der zweiten Runde die Steigungen zahlreicher und steler sind. Da bin ich froh, nicht alleine unterwegs zu sein. Die Unterhaltungen verkürzen die Zeit. Für Abwechslung ist gesorgt, als wir Olaf einholen und von Ulrich eingeholt werden. An Gesprächsstoff  fehlt es Läufern ja nie. So werde ich auch nach unserem  M4Y- Kollegen Joe gefragt, der sich trotz langer läuferischer Abstinenz großer Beliebtheit erfreut.

Die Strecke bleibt sehr abwechslungsreich. Auf den freien Flächen fehlt jetzt der Wind, die Luft ist teilweise drückend. Das Tempo leidet darunter ein wenig, trotz des Gefälles auf den letzten Kilometern. Die freundlichen Helfer sind immer noch guter Stimmung und wir verabschieden uns in freundlicher Atmosphäre.

Nur noch wenige Kilometer liegen vor mir. Michaela und ich sind auf Ulrich aufgelaufen. Bis zur letzten Verpflegungsstelle entwischen mir die beiden noch einmal, aber ich schaffe es wieder aufzuschließen. Gemeinsam nehmen wir die letzten Kilometer unter die Füße. Ein Baum scheint mich anzugrinsen und wird zum Dank noch abgelichtet. Ein freundlicher Helfer weist uns ein in das Halbrund zur Pferderennbahn.

Die Gespräche verstummen langsam, die Konzentration gilt dem Zieleinlauf. Weiße Zäune leiten uns auf den Rasen zum Ziel. Schulter an Schulter laufen wir gemeinsam nach 5:16 Stunden durchs Ziel. Silke hat mich freudig erwartet und bei den letzten Bechern Cola klingt der Lauf plauschend aus. Ich bin dankbar für  die Gemeinschaft, die ich in den letzten Stunden erfahren durfte.

Im Ziel kann ich mich noch einmal für den Frühstart und die gute Organisation bedanken. Der Blick geht noch einmal hinauf zu den  Bergen, die ich heute überlaufen durfte und hoffe für die Organisatoren, dass dieser Lauf in den kommenden Jahren einen noch größeren Zuspruch erhält.


Sieger:
Damen

1. Friederike Eberhagen, 3:43:19
2. Michaela Wolf, 4:07:01
3. Marie-Charlotte Wienstroer, 4:18:42

Herren
1. Thomas Kühlmann, 2:59:19
2. Jon-Paul Hendriksen, 3:14:16
3. Andreas Radecker, 3:15:29

 

Informationen: Bad Harzburger Bergmarathon
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

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